Ask und Embla

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Odin, Lodur, Hoenir erschaffen Ask und Embla. Illustration von Lorenz Frølich, 1895
Ask und Embla auf einer Briefmarke des Postverk Føroya von 2003. Im Hintergrund ist Odin zu sehen. Künstler: Anker Eli Petersen.

Ask und Embla, auch Askr und Embla (altnord. für, „Esche” und „Ulme”, bzw. Name für eine Schlingpflanze) waren nach der nordischen Mythologie das erste Menschenpaar und die Stammeltern des Menschengeschlechts in Midgard.

Nach der Völuspá fanden Odin, Hoenir und Lodur am Strand zwei Hölzer, Esche und Ulme, "ohne Schicksal und ledig der Kraft"[1]. Den Hölzern verliehen die Götter die menschlichen Eigenschaften. Odin gab ihnen Seele; Hönir gab ihnen Sinn (Verstand); Lodur "das warme Blut, das blühende Aussehen, die Sprache und das Gehör", also die Sinne. Nach der Prosa-Edda waren es allerdings Odin, Wili und We, die den Bäumen ihre menschlichen Eigenschaften gaben.

„Unz þrír qvómo ór því liði,
ǫflgir oc ástgir, æsir, at húsi;
fundo á landi, lítt megandi,
Asc oc Emblo, ørlǫglausa.

ǫnd þau né átto, óð þau né hǫfðo,
lá né læti né lito góða;
ǫnd gaf Óðinn, óð gaf Hœnir,
lá gaf Lóðurr oc lito góða.“[2]

„Schließlich kamen drei aus dieser Schar,
mächtige und wohlgesinnte Asen zum Haus,
sie fanden am Strand, kaum Kraft habend,
Ask und Embla, schicksalslos.

Seele besaßen sie nicht, Vernunft hatten sie nicht,
weder Blut noch Bewegung noch gute Farbe;
Seele gab Odin, Vernunft gab Hönir,
Blut gab Lodurr und gute Farbe.“[3]


Völuspá 17-18

Diese Schilderung steht in deutlichem Gegensatz zur Biblischen Schöpfungsgeschichte:

"In Europa gibt es ja eine ganz andere Sage, die allerdings später Umgestaltungen erfahren hat; aber trotzdem ist auch in den Umgestaltungen ihr Wesentliches noch zu erkennen. Es gibt eine andere Sage von der Entstehung des Menschen als die in der Bibel enthaltene. Nun ist nicht das das Charakteristische, daß es diese Sage gibt, sondern daß diese Sage sich in Europa länger erhalten hat als in anderen Gegenden der Erde. Aber das Bedeutsame ist, daß auch als im Orient drüben sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hatte, in den Gemütern der Europäer noch lebendig war diese andersartige Sage. Da werden wir auch an einen Baum geführt, oder wenigstens an Bäume geführt, die von den Göttern Wotan, Wili, We gefunden werden am Strande des Meeres. Und aus zwei Bäumen werden die Menschen geschaffen: aus der Esche und aus der Ulme. Es werden also von der Dreiheit der Götter - wenn das auch später verchristianisiert worden ist, so deutet es doch auf die europäische Uroffenbarung hin -, es werden von der Dreiheit der Götter die Menschen geschaffen, indem die beiden Bäume umgestaltet werden zu Menschen: Wotan gibt den Menschen Geist und Leben, Wili gibt den Menschen Bewegung und Verstand, und We gibt den Menschen die äußere Gestalt, die Sprache, die Kraft des Sehens, die Kraft des Hörens.

Man beachtet gewöhnlich nicht den ganz großen Unterschied, der zwischen dieser Schöpfungssage des Menschen vorhanden ist und der biblischen. Aber Sie brauchen ja nur die Bibel zu lesen - und das ist immer nützlich, die Bibel zu lesen -, schon wenn Sie die ersten Kapitel lesen, merken Sie den ganz grandiosen Unterschied, der zwischen der Schöpfungssage des Menschen hier und dort besteht. Ich möchte nur auf das eine hinweisen, und das ist: daß in die Menschen, nach der Sage, einfließt ein dreigliedriges Göttliches. Das muß ein Seelenhaftes sein, das sich in seiner äußeren Gestalt ausdrückt und das im Grunde genommen von den Göttern herrührt, das die Götter in ihn gelegt haben. Man ist sich also in Europa dessen bewußt, daß indem man auf der Erde herumgeht, man ein Göttliches in sich trägt. Man ist sich dagegen im Orient bewußt, daß man ein Luziferisches in sich trägt. Mit dem Essen vom Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen ist etwas verbunden, das den Menschen sogar den Tod gebracht hat, etwas, das alle von den Göttern abgebracht hat, und wofür man eine göttliche Strafe verdient hat. In Europa ist man sich bewußt, daß in der Menschenseele ein Dreifaches lebt, daß die Götter eine Kraft hineingesenkt haben in die Menschenseele. Das ist sehr bedeutsam.

Wie gesagt, man berührt damit den Rand eines großen Geheimnisses, eines tiefen Mysteriums. Aber es wird wohl verstanden werden: Es sieht ja so aus, als ob in diesem alten Europa eine Anzahl von Menschen aufbewahrt worden wären, die nicht so abgebracht worden sind von der Teilnahme am Baume des Lebens, in denen fortlebte sozusagen der Baum oder die Bäume des Lebens: Esche und Ulme. Und damit steht in innigem Einklang: daß diese europäische Menschheit - und würde man zurückgehen zur europäischen Urbevölkerung, so würde sich das mit einer großen Klarheit in allen Einzelheiten zeigen - eigentlich nichts gehabt hat von der höheren, weitgehenderen Erkenntnis, die man im Oriente und in der griechisch- lateinischen Welt hatte.

Man sollte sich nur einmal den ungeheuer einschneidenden Gegensatz vorstellen zwischen den naiven Vorstellungen der europäischen Menschheit, die noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha alles in Bildern hatte, und den hochentwickelten, feinen philosophischen Begriffen der griechisch-lateinischen Welt. In Europa war alles «Leben», dort war alles «Erkenntnis des Guten und Bösen». In Europa war gleichsam etwas übrig geblieben, wie ein aufbewahrter Rest von den ursprünglichen Kräften des Lebens; aber es konnte nur übrig bleiben dadurch, daß diese Menschheit gewissermaßen bewahrt war, irgend etwas zu verstehen von dem, was in so wunderbar fein geschürzten Begriffen im Lateinertum enthalten war." (Lit.: GA 162, S. 161f)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Übersetzung nach Genzmer
  2. Lieder-Edda: Völuspá, 17–18. Textausgabe nach Titus Projekt, URL: http://titus.uni-frankfurt.de/texte/etcs/germ/anord/edda/edda.htm, aufgerufen am 4. Dezember 2009.
  3. Übersetzung nach Arnulf Krause: Die Götter- und Heldenlieder der Älteren Edda. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-15050-047-7.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kunst- und Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft, GA 162 (2000), ISBN 3-7274-1620-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks


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