Alberich (Mythologie)

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Darstellung des Alberich von Arthur Rackham (1910)
Oberon und die Meerjungfrau, Joseph Noel Paton, 1888
Ortnit kämpft mit dem Drachen. Ausschnitt einer Federzeichnung aus der Heidelberger Handschrift, 1418.

Alberich ist in der germanischen Mythologie der König des gleichnamigen Elfen- bzw. Zwergengeschlechts. Im Nibelungenlied hütet Alberich, der sich durch seine Tarnkappe, die eigentlich ein Mantel (von lat. cappa „Cape, Kapuzenmantel“) ist, unsichtbar machen kann, den Nibelungenhort. Siegfried entwendet ihm die Tarnkappe und gelangt so an den Schatz der Nibelungen.

In der Sage von Ortnit, die um das 13. Jahrhundert in das Wolfdietrich-Epos eingegliedert wurde, offenbart sich Alberich als eigentlicher Vater von König Ortnit, des Herrschers über das Lampartenland, der heutigen Lombardei. Von Alberich erhält Ortnit eine goldene Rüstung und das Schwert Rose, das nicht nur Steine, sondern sogar Drachenhaut durchbohren kann.

Richard Wagner bearbeitete den Nibelungen-Stoff eigenständig in seiner Nibelungen-Tetralogie Der Ring des Nibelungen und zeichnet darin Alberich als tyrannischen egoistischen Zwergenkönig aus dem Geschlecht der Schwarzalben.

Andwari

In der nordischen Mythologie findet Alberich seine Entsprechung in Andwari.

Der Elfenkönig Oberon

In die französischen Sage Les Prouesses et faitz du noble Huon de Bordeaux aus dem frühen 13. Jahrhundert, die dem Sagenkreis um Karl den Großen angehört, wird Alberich als Auberon aufgenommen und schließlich als Elfenkönig Oberon in den Sagenkreis um König Artus integriert. William Shakespeare schildert ihn zusammen mit seiner Gattin Titania in seinem «Sommernachtstraum» und Goethe übernahm ihn in Faust I in die Szene des Walpurgisnachtstraums.

Zwerge und Ich-Bewusstsein

Die Zwerge in der Nibelungen-Sage sind nach Rudolf Steiner die Träger des am Ende der atlantischen Zeit erwachenden Ich-Bewusstseins - aber auch des Egoismus.

„Wagner stellte die Geburt des Ich und des Egoismus in der Gestalt des Alberich dar. Er benützte dazu den Es-Dur-Orgelpunkt.“ (Lit.:GA 97, S. 272)

„Die Zwerge des Nifelheim sind die Träger des Ich-Bewußtseins. Als Gegner stellt Richard Wagner einander gegenüber Wotan, den alten atlantischen Eingeweihten, und Alberich, den Träger des Egoismus aus dem Zwergengeschlechte der Nibelungen, den Initiierten des nachatlantischen Zeitalters. Das Gold ist tief bedeutsam, bedeutungsvoll in der Mystik. Das Gold ist das Licht; das Licht, das ausströmt, wird zur Weisheit. Das Gold, die verhärtete Weisheit, holt Alberich aus dem Rheinstrom. Die Wasser sind immer das Seelische, das Astrale. Aus dem Seelischen wird das Ego, das Gold, die Weisheit des Ich geboren. Der Rheinstrom ist die Seele des neuen Zeitalters, in dem der Verstand, das Ich-Bewußtsein aufgeht. Alberich bemächtigt sich des Goldes, er entreißt es den Rheintöchtern, dem weiblichen Element, die den ursprünglichen Bewußtseinszustand charakterisieren.

Tief in Wagners Seele hat dieser Zusammenhang gelebt. Das Heraufholen des Ich-Bewußtseins in diesem neuen Zeitalter ist gewaltig gefühlt, gewaltig dargestellt im Beginn des «Rheingold» in den Akkorden in Es-Dur. Das lebt und webt auch musikalisch durch Wagners Rheingold. Wagner hatte Dichtungen vor sich, die aus den Urmythen stammten.“ (Lit.:GA 92, S. 114f)

„Das alte dumpfe Bewußtsein hatte eine gewisse Selbstlosigkeit zur Folge. Mit dem Reinigen der Luft zog der Egoismus herauf. Der Nebeldunst der alten Atlantis bildete rings um den Menschen eine Atmosphäre von Weisheit, die erfüllt war von Selbstlosigkeit, von Liebe. Das strömte in die Wasser des Rheins und ruhte da unten als Weisheit, als Gold. Wenn das aber vom Egoismus erfaßt wird, dann gibt es zu gleicher Zeit die egoistische Macht. So sahen die Repräsentanten der alten Bewohner von Nibelungenheim, als sie ostwärts zogen, den Rhein den Hort in sich schließen, der aus dem Gold der Weisheit bestand, die einstmals in selbstloser Art gewirkt hat. Das alles ruhte - nicht so ausgesprochen - in der Sagenwelt, deren sich Richard Wagners Seele bemächtigte. Und diese Seele war dem großen geistigen Wesen, das darinnen wirkte und das Gedächtnis der alten Tatsachen bewahrte, so kongenial, daß sie aus dieser Sagenwelt dasjenige herausholte, was der Extrakt seiner ganzen Weltanschauung war. So hören wir nachklingen in der Musik Richard Wagners und sehen im Drama über die Bühne schreiten das Werden und Weben des menschlichen Egoismus. Das Zusammenschließen des Rings, wir sehen es in dem, daß Alberich dem Rhein, den Wellenmädchen das Gold abnimmt. In Alberich sehen wir den egoistisch gewordenen Repräsentanten der Nibelungen. Wir sehen den Menschen, welcher der Liebe, die den Menschen in ein Ganzes hineingestellt hat, abschwört. Die Macht des Besitzes verknüpft Richard Wagner mit der Idee, die in jener Sagenwelt webt. So sieht er jene alte Welt. Es tritt ihr entgegen diejenige Welt, die Walhalla begründet hat, es tritt entgegen die Welt des Wotan der Welt der alten Götter. Sie haben dasjenige, was alle Menschen gemeinsam hatten. Sie stellen eine Art von Gruppenseele dar, so auch Wotan. Aber da, wo die Einzelpersönlichkeit ergriffen wird von dem Ring, der sich um das Ich des Menschen spannt, wird auch er erfaßt von der Gier nach Gold.“ (Lit.:GA 55, S. 227f)

„Betrachten wir die Szene im «Rheingold»: Die Rheintöchter hüten den Goldschatz. Der Zwerg Alberich entbrennt zunächst in sinnlicher Begierde für sie. Dann erwacht bei ihm die Lust an dem Gold, und er entsagt der Liebe, weil, wer das Gold und die Macht besitzen will, der Liebe entsagen muß. So schmiedet er den Ring. Was knüpft sich an diesen Ring an? Der Besitz, der Egoismus; solange der Mensch nicht abgeschlossen ist, verlangt er nichts für sich. Der Egoismus beginnt erst da, wo der Mensch vom Ring der Sinnlichkeit umfangen ist. Alberich muß auf die Liebe verzichten; er, der Repräsentant des Selbstbewußtseins, umgibt sich mit dem Physischen. Der physische Körper baut sich auf nach denselben Gesetzen, wie sie die Natur regieren, aus der das Gold der Rheintöchter gewonnen wird. An das Gold knüpft sich der Egoismus, die Sonderexistenz. Das Gold ist hier die Weisheit, die durch Anschauung gewonnen wird, nicht die schaffende Weisheit. Um sie zu erlangen, muß der Mensch sich für diese schaffende Weisheit erst empfänglich machen. Gehen wir zurück in die Zeit, wo der Mensch noch nicht in zwei Geschlechter geteilt war; da hatte er noch nicht die Fähigkeit zu denken, sich durch sein Denken Selbstbewußtsein zu erschaffen. Alles, was er schuf, wurde durch die Liebe geschaffen. Die höhere Geistigkeit mußte sich der Mensch dadurch erkaufen, daß er auf die Hälfte der produktiven Kraft verzichtete, daß er eingeschlechtlich wurde.“ (Lit.:GA 92, S. 119f)

Literatur

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