Alexandria

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Stadtplan, etwa 30 v. Chr.
O. von Corven: Die große Bibliothek von Alexandia, künstlerische Darstellung aus dem 19. Jahrhundert

Alexandria oder Alexandrien (altgriech. Ἀλεξάνδρεια Alexándreia; arab. الإسكندرية‎ al-Iskandariyya) wurde 331 v. Chr. von Alexander dem Großen im Nildelta an der Stelle der altägyptischen Siedlung Rhakotis begründet und entwickelte sich rasch zu einem der bedeutensten Zentren der hellenistischen Welt. Berühmt war es für den Leuchtturm von Pharos, einem der sieben Weltwunder der Antike und die legendäre Bibliothek von Alexandria, die später einem Brand zum Opfer fiel. 30 v. Chr. wurde die Stadt von Octavian eingenommen, dem 27 v. Chr. der Ehrenname Augustus („der Erhabene“) verliehen wurde, und wie ganz Ägypten dem Römischen Reich eingegliedert.

Der Evangelist Markus soll laut späteren Quellen eine christliche Gemeinde in Alexandria begründet haben. Ab 175 n.Chr. ist die nach dem Vorbild heidnischer Philosophenschulen organisierte christliche Katechetenschule von Alexandria unter der Leitung von Clemens von Alexandria (* um 150; † um 215) bezeugt, der einer der bedeutendsten Kirchenlehrer der Antike war und ebenso wie sein Schüler und Nachfolger Origenes (185–254) das Christentum als Fortsetzung und Erfüllung der heidnischen Mysterien ansah. Im 3. Jahrhundert kam es auch in Alexandria vermehrt zu Christenverfolgungen. Mit der Anerkennung des Christentums als römische Staatsreligion begann der immer fanatisch werdende Kampf gegen die heidnische Philosophie und die heidnischen Mysterien. Namentlich die Patriarchen Theophilos von Alexandria ( † 412) und Kyrill von Alexandria (* um 375/80; † 27. Juni 444) waren von einem tiefen Hass gegen alle nicht-kirchlichen Geistesströmungen erfüllt. 415 wurde die bedeutende heidnische Gelehrte und Mathematikerin Hypatia (* um 355) von der vermutlich von Kyrill aufgehetzten Menge auf bestialische Weise ermordet.

Mit der Islamischen Eroberung Ägyptens 641 n. Chr. und mit der Gründung Kairos verlor Alexandria seine Bedeutung. Heute ist Alexandria mit mehr als 4,3 Millionen Einwohnern nach Kairo die zweitgrößte Stadt Ägyptens.

In seinen Vorträgen über «Okkulte Geschichte» in denen er u.a. den Spuren von Gilgamesch und Eabani folgt, charakterisiert Rudolf Steiner Alexandria so:

Herostrat wirft die Fackel an dem Tage, da Alexander der Große geboren wird, der Mensch, der ganz Persönlichkeit ist. So steht Alexander der Große da als das Schattenbild des Gilgamesch.

Dahinter steckt eine tiefe Wahrheit. Wie das Schattenbild des Gilgamesch steht Alexander der Große im vierten, im griechisch-lateinischen Zeitraum, wie die Projektion eines Geistigen auf den physischen Plan. Und der Eabani, der ist, projiziert auf den physischen Plan, Aristoteles, der Lehrer Alexanders des Großen. So sonderbar das ist: Alexander und Aristoteles stehen nebeneinander wie Gilgamesch und Eabani. Und wir sehen sozusagen, wie im ersten Drittel des vierten nachatlantischen Zeitraumes von Alexander dem Großen herübergetragen wird - nur in die Gesetze des physischen Planes übersetzt - das, was von Gilgamesch der chaldäisch-babylonischen Kultur gegeben worden war. Das drückt sich wunderbar aus, indem als eine Nachwirkung der Taten Alexanders des Großen an der Stätte des ägyptisch-chaldäischen Kulturschauplatzes Alexandria gegründet wird, um es, wie in ein Zentrum, gerade dort hinzusetzen, wohin der dritte Zeitraum, der ägyptisch-babylonischchaldäische, so mächtig gereicht hatte. Und alles sollte sich zusammenfinden in diesem alexandrinischen Kulturzentrum. Da sind nach und nach wirklich zusammengekommen all die Kulturströmungen, die sich begegnen sollten aus der nachatlantischen Zeit. Wie in einem Zentrum trafen sie sich gerade in Alexandrien, an der Stätte, die hingestellt war auf den Schauplatz des dritten Kulturzeitraums, mit dem Charakter des vierten Zeitraums. Und Alexandria überdauerte die Entstehung des Christentums. Ja, in Alexandrien entwickelten sich erst die wichtigsten Dinge des vierten Kulturzeitraumes, als das Christentum schon da war. Da waren die großen Gelehrten tätig, da waren insbesondere die drei allerwesentlichsten Kulturströmungen zusammengeflossen: die alte heidnisch-griechische, die christliche und die mosaisch-hebräische. Die waren zusammen in Alexandria, die wirkten da durcheinander. Und es ist undenkbar, daß die Kultur Alexandriens, die ganz auf Persönlichkeit gebaut war, durch irgend etwas anderes hätte inauguriert werden können als durch das mit Persönlichkeit inspirierte Wesen, wie es Alexander der Große war. Denn jetzt nahm gerade durch Alexandrien, durch diesen Kulturmittelpunkt, alles das, was früher überpersönlich war, was früher überall hinaufgeragt hat von der menschlichen Persönlichkeit in die höheren geistigen Welten, einen persönlichen Charakter an. Die Persönlichkeiten, die da vor uns stehen, haben sozusagen alles in sich; wir sehen nurmehr ganz wenig die Machte, die von höheren Hierarchien aus sie lenken und sie an ihren Platz stellen. All die verschiedenen Weisen und Philosophen, die in Alexandria gewirkt haben, sind ganz ins Menschlich-Persönliche umgesetzte alte Weisheit; überall spricht das Persönliche aus ihnen. Das ist das Eigenartige: Alles, was im alten Heidentum nur dadurch erklärlich war, daß immer darauf hingewiesen wurde, wie Götter heruntergestiegen sind und sich mit MenschentÖchtern verbunden haben, um Helden zu erzeugen, all das wird umgesetzt in die persönliche Tatkraft der Menschen in Alexandria. Und was das Judentum, die mosaische Kultur in Alexandria für Formen angenommen hat, das können wir aus dem ersehen, was uns gerade die Zeiten, in denen das Christentum schon da war, zeigen. Da ist nichts mehr vorhanden von jenen tiefen Auffassungen eines Zusammenhanges der Menschenwelt mit der geistigen Welt, wie sie in der Prophetenzeit immerhin vorhanden war, wie sie selbst in den letzten zwei Jahrhunderten vor dem Beginne unserer Zeitrechnung noch zu finden ist: da ist auch im Judentum alles Persönlichkeit geworden. Tüchtige Menschen sind da, mit außerordentlicher Vertiefung in die Geheimnisse der alten Geheimlehren, aber persönlich ist alles geworden, Persönlichkeiten wirken in Alexandria. Und das Christentum tritt zuerst in Alexandria auf, man mochte sagen, wie in seiner entarteten Kindheitsstufe.

Das Christentum, das berufen ist, das Persönliche im Menschen immer weiter hinaufzuführen in das Unpersönliche, es trat gerade in Alexandria besonders stark auf. Namentlich wirkten die christlichen Persönlichkeiten so, daß wir oftmals den Eindruck haben: es sind in ihren Taten schon Vorwegnahmen späterer Handlungen rein persönlich wirkender Bischöfe und Erzbischöfe. So wirkte der Erzbischof Theophilos im 4. Jahrhundert, so wirkte sein Nachfolger und Verwandter, der heilige Kyrillos. Wir können sie sozusagen nur beurteilen von ihren menschlichen Schwächen aus. Das Christentum, das das Größte der Menschheit geben soll, zeigt sich zuerst in seinen allergrößten Schwächen und von seiner persönlichen Seite. Aber es sollte in Alexandria ein Wahrzeichen vor die ganze Entwickelung der Menschheit hingestellt werden.“ (Lit.:GA 126, S. 18ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Okkulte Geschichte, GA 126 (1992), ISBN 3-7274-1261-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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