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Alkoholkrankheit
Klassifikation nach ICD-10 | ||
---|---|---|
F10 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol | |
F10.0 | akute Alkoholintoxikation (akuter Alkoholrausch) | |
F10.1 | schädlicher Gebrauch von Alkohol | |
F10.2 | Abhängigkeitssyndrom | |
F10.3 | Alkoholentzugssyndrom | |
F10.4 | Alkoholentzugssyndrom mit Delir | |
F10.5 | psychotische Störung | |
F10.6 | amnestisches Syndrom | |
F10.7 | Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung | |
F10.8 | sonstige psychische und Verhaltensstörungen | |
ICD-10 online (WHO-Version 2016) |
Die Alkoholkrankheit (auch Alkoholabhängigkeit, Äthylismus, Dipsomanie, Potomanie, Trunksucht, Alkoholsucht, Alkoholismus oder Alkoholkonsumstörung genannt) ist die Abhängigkeit von der psychotropen Substanz Ethanol (Äthylalkohol).
Symptome
Die Beschaffung und der Konsum von Alkohol bestimmen das Leben zunehmend. Typisch sind fortschreitender Verlust der Kontrolle über das Trinkverhalten bis zum zwanghaften Konsum, Vernachlässigung früherer Interessen zugunsten des Trinkens, Leugnen des Suchtverhaltens, Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum, Toleranz gegenüber Alkohol („Trinkfestigkeit“)[1] sowie Veränderungen der Persönlichkeit.[2]
Im Diagnosesystem ICD-10 wird unterschieden zwischen Abhängigkeitssyndrom (F10.2) und schädlichem Gebrauch von Alkohol/Alkoholmissbrauch (F10.1). Letzteres bezeichnet – als schwächere Variante des Missbrauchsverhaltens – einen Alkoholkonsum mit nachweislich schädlicher Wirkung (körperlich oder psychisch), ohne dass eine Abhängigkeit vorliegt. Im DSM-5 wird dementsprechend bei der Alkoholkonsumstörung eine Einteilung in verschiedene Schweregrade vorgenommen, wobei eine Alkoholkonsumstörung mit leichtem Schweregrad der ICD-10 Diagnose F10.1 entspricht.
Die Zahl an Menschen, die an Alkoholkrankheit leiden, und die dadurch bedingten sozialen und wirtschaftlichen Folgeschäden sind in absoluten Zahlen in Europa und den USA – neben den Gesundheitsschäden durch Tabakkonsum – um ein Vielfaches höher als bei illegalen Drogen. 7,4 % der gesundheitlichen Störungen und vorzeitigen Todesfälle in Europa werden auf Alkohol zurückgeführt. Damit steht die Krankheit an dritter Stelle als Ursache für vorzeitiges Sterben nach Tabakkonsum und Bluthochdruck. Sie ist zudem die häufigste Todesursache bei jungen Männern in der EU.
Alkoholabhängigkeit als Krankheit
Der schwedische Arzt Magnus Huss definierte im Jahr 1849 als erster den von ihm geprägten Begriff Alkoholismus als Krankheit. Er unterschied dabei zwischen der „acuten Alkoholskrankheit oder Vergiftung“ und dem „Alcoholismus chronicus“.[3] Allerdings setzte sich diese Erkenntnis lange nicht durch. Abraham Baer, Gefängnisarzt in Berlin bezeichnete 1878 als Alkoholismus die Summe der Folgeschäden.[4] Elvin Morton Jellinek, der zeitweise für die WHO arbeitete, setzte sich 1951 mit seiner, durch die Arbeit mit den Anonymen Alkoholikern inspirierten Ansicht weltweit durch, dass Alkoholismus eine Krankheit sei.
Siehe auch
- Alkoholkrankheit - Artikel in der deutschen Wikipedia
Literatur
- Corinna Abrolat: Schweregradbestimmung bei chronischer Alkoholabhängigkeit: Die Evaluation des EuropASI-Interviews im Hinblick auf Reliabilität und Validität an einer Stichprobe von 65 Tübinger Alkoholkranken (PDF; 1,1 MB). Diss. Universität Tübingen, 2002.
- Walter Altmannsberger: Kognitiv-verhaltenstherapeutische Rückfallprävention bei Alkoholabhängigkeit. Ein Trainingsmanual. Hogrefe Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-8017-1678-3, S. 17–19.
- Ingrid Arenz-Greiving: Die vergessenen Kinder. Kinder von Suchtkranken. Blaukreuz, Wuppertal 1998, ISBN 3-89175-053-6.
- Wolfgang Beiglböck, Senta Feselmayer: F10 – Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen – Störungen durch Alkohol. In: W. Beiglböck, S. Feselmayer, E. Hohemann (Hrsg.): Handbuch der klinisch-psychologischen Behandlung. 2. Aufl., Springer-Verlag, Wien 2006, ISBN 3-211-23602-3.
- Detlef Buch: Innovative ambulante Alkoholismustherapie. Das Modell einer qualifizierten ambulanten Entgiftung (= Schriftenreihe Socialia, Band 24). Kovač, Hamburg 1998, ISBN 3-86064-678-8.
- Detlef Buch: Alkoholikerhilfe in der DDR. Eine sozialpädagogische Betrachtung (= Schriftenreihe Sozialpädagogik in Forschung und Praxis, Band 5). Kovač, Hamburg 2002, ISBN 3-8300-0707-8.
- B. Croissant, K. Mann: Qualifizierter Entzug – Die stationäre Entzugsbehandlung von Alkoholabhängigen und ihre ambulante Fortführung. In: Klinikarzt. 2003; 32, S. 306–312
- Griffith Edwards (Hrsg.): Alkoholkonsum und Gemeinwohl – Strategien zur Reduzierung des schädlichen Gebrauchs in der Bevölkerung. F. Enke Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-432-26651-0.
- Carola Flurschütz: Prognosefaktoren, Langzeitverlauf und Komorbidität alkoholabhängiger Frauen und Männer, Zehn-Jahres-Katamnesen. Diss. Universität Tübingen, 2007 (PDF) (Memento vom 30. September 2007 im Internet Archive)
- Ursula Havemann-Reinecke, Siegfried Weyerer, Heribert Fleischmann (Hrsg.): Alkohol und Medikamente, Missbrauch und Abhängigkeit im Alter. Lambertus, Freiburg i. Br. 1998.
- Isabelle Katrin Hartmann: Der Langzeitverlauf nach einer kombiniert stationär-ambulanten Psychotherapie alkoholabhängiger Patienten. Eine 25-Jahreskatamnese. (PDF; 912 kB) Diss. Universität Tübingen 2005 (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive)
- Joachim Körkel, Gunter Kruse: Rückfall bei Alkoholabhängigkeit. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2005, ISBN 3-88414-362-X.
- Thomas Köhler: Psychotrope Substanzen (2. Teil: Alkohol). In: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin. 2008, 29 (2): S. 144–165.
- S. Loeber, K. Mann: Entwicklung einer evidenzbasierten Psychotherapie bei Alkoholismus. In: Der Nervenarzt. Bd. 77/2006, S. 558–566
- Hans Praschniker: Soziodemographischer Hintergrund, Alkoholismuskarriere, Abstinenzdauer, Selbstbild und Persönlichkeit von Genesenden Alkoholikern – eine Erkundungsstudie an Anonymen Alkoholikern in Österreich; Dissertation Universität Graz, 1984
- Kerstin Robert: Evidenzbasierte Literaturrecherche für eine Leitlinie zur Früherkennung und Frühbehandlung von riskantem Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit in der hausärztlichen Praxis. (PDF; 512 kB) Diss. Universität Tübingen, 2005 (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive)
- Dirk R. Schwoon: Umgang mit alkoholabhängigen Patienten. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2004, ISBN 3-88414-367-0.
- E. M. Jellinek: The Disease Concept of Alcoholism. Hillhouse, New Haven 1960.
- Simon Borowiak: ALK – Fast ein medizinisches Sachbuch. Eichborn-Verlag, Frankfurt 2006, ISBN 3-8218-5644-0.
- Ralf Schneider: Die Suchtfibel. 16. Auflage. Schneider Verlag, Baltmannsweiler 2011, ISBN 978-3-8340-1000-1.
- Wilhelm Feuerlein: Alkoholismus: Warnsignale, Vorbeugung, Therapie. 5. Auflage. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-45533-6.
- Gunter Kruse, Joachim Körkel, Ulla Schmalz: Alkoholabhängigkeit erkennen und behandeln. Mit literarischen Beispielen (Lehrbuch). 2. Auflage. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2001, ISBN 3-88414-244-5.
- J. Lindenmeyer: Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit. In: H. Wittchen, J. Hoyer: Klinische Psychologie & Psychotherapie. Springer Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-28468-0.
- Dawson u. a.: Recovery from DSM-IV Alcohol Dependence: United States, 2001–2002. (PDF; 2,5 MB) In: Alcohol Research & Health. 29 (2) (2006), S. 131–142.
- G. C. Davison, J. M. Neale, M. Hautzinger: Klinische Psychologie. 7. Auflage. Beltz Psychologie Verlags Union, 2005, ISBN 3-621-27614-9.
- Hasso Spode: Alkoholismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 28/2008, Bundeszentrale für politische Bildung.
- Hasso Spode: Die Macht der Trunkenheit. Kultur- und Sozialgeschichte des Alkohols in Deutschland. Opladen 1993.
- Peter Sadowski: Der mündige Trinker. Selbstmanagement-Therapie für Alkoholkranke. dgvt-Verlag 2007, ISBN 978-3-87159-066-5, Inhaltsverzeichnis (PDF)
- Gundula Barsch: Lehrbuch Suchtprävention: Von der Drogennaivität zur Drogenmündigkeit. Verlag Neuland, Geesthacht 2008, ISBN 978-3-87581-267-1.
- Deutscher Städte- und Gemeindebund: Alkoholprävention in den Städten und Gemeinden, 2009
- Martin Zobel: Kinder aus alkoholbelasteten Familien. Hogrefe, Göttingen 2006, ISBN 3-8017-1924-3.
Weblinks





- Robert Koch Institut (2003) Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes Bundes-Gesundheitssurvey: Alkohol (PDF)
- kenn-dein-limit.de Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Suchtprävention: unbedenklicher und schädlicher Alkoholkonsum, Alkoholabhängigkeit, Alkohol-Selbsttest
- Thomas F. Babor, John C. Higgins-Biddle, John B. Saunders, Maristela G. Monteiro: The Alcohol Use Disorders Identification Test Guidelines for Use in Primary Care. (PDF; 176 kB), WHO 2001
Einzelnachweise
- ↑ Alkoholabusus: Das sollten Mediziner wissen (Infografik zur medizinischen Diagnostik nach ICD-10)
- ↑ Charité: Psychische Störungen durch psychotrope Substanzen (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) (PDF; 651 kB)
- ↑ M. Huss: Chronische alkoholskrankheit oder Alcoholismus chronicus. C. E. Fritze, Stockholm und Leipzig 1852
- ↑ Abraham Adolf Baer: Der Alcoholismus, seine Verbreitung: und seine Wirkung auf den individuellen und socialen Organismus sowie die Mittel, ihn zu bekämpfen. A. Hirschwald, 1878
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