Psychotrope Substanz

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Eine psychotrope (von griech. ψυχή psychḗ „Seele“ und τροπή tropḗ „Wendung, Kehre, Umwandlung“) oder psychoaktive Substanz ist ein Wirkstoff, der das Bewusstsein des Menschen und auch der (höheren) Tiere beeinflusst. Als Psychopharmaka werden sie zu medizinischen Zwecken benutzt, aber auch immer häufiger als Rauschmittel, Rauschgift bzw. Rauschdroge, kurz gesagt als Droge missbraucht. Im juristischen Sinn werden Rauschdrogen in der Regel als Betäubungsmittel gewertet, auch wenn sie eine stimulierende Wirkung haben, und fallen unter das Betäubungsmittelgesetz bzw. Suchtmittelgesetz. Der Mensch wird durch den von derartigen psychoaktiven Drogen ausgelösten Rausch in frühere Bewusstseinszustände zurück versetzt, die seinem heutigen geistigen Entwicklungsgrad nicht mehr angemessen sind, da die Kontrolle durch das wache Ich zurückgedrängt wird. Das Gefüge der Wesensglieder (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich-Träger) wird dabei in einer für die jeweilige psychotrope Substanz typischen Weise verändert und in der Folge auch das Zusammenspiel von Denken, Fühlen und Wollen. Durch die Lockerung des Ätherleibs treten häufig auch Visionen und Halluzinationen auf.

„Was liegt im besonderen dem halluzinierenden, dem visionären Leben zugrunde? Nun, das gewöhnliche Vorstellen, wie es im Sinnesleben normalerweise stattfindet, bringt es dazu, unabhängig zu sein von denjenigen Kräften in der menschlichen Organisation, die das gewöhnliche Wachstum im Kindesalter hervorbringen, die die inneren Funktionen des Leibes bewirken, den Stoffwechsel, die Verdauung und so weiter. Ich kann darauf heute nicht näher eingehen, wie dasjenige, was als Leibesorganisation dem normalen Vorstellungsleben zugrunde liegt, dadurch entsteht, daß ein Teil der Leibesorganisation herausgehoben wird aus dem Kreise des bloß animalischen Lebens, des bloßen Wachstums, der Verdauung, des Stoffwechsels und so weiter. Darauf beruht das normale Nervenleben, daß gewissermaßen ein Seelenorganismus wie ein Parasit sich herausgestaltet aus demjenigen, was Verdauung, Stoffwechsel und dergleichen ist. Wenn nun durch besondere abnorme Zustände irgendein Erkenntnisorgan des Menschen so ergriffen wird, daß nicht der Seelenorganismus allein durch dasselbe wirkt, sondern auch der übrige Organismus mit seiner animalischen Organisation, eben durch die Krankhaftigkeit oder die Schwäche eines Organs, so ist die Wirkung, daß der Mensch sich nicht unabhängig von Wachstums-, Verdauungs- und Stoffwechselkräften dem vorstellenden Leben der Außenwelt widmet, sondern daß dann Halluzinationen und Visionen eintreten. Dasjenige, was in der Vision organisch im Menschen tätig ist, sollte entweder in den Wachstumskräften sein, sollte in ihm — verzeihen Sie den harten Ausdruck, aber so ist es - Verdauung bewirken, sollte den Stoffwechsel in seiner feineren Gliederung bewirken. Was in diesem Zustande zutage tritt, ist ein Heraufschlagen des animalischen Lebens in den Seelenorganismus.

Das Halluzinieren, Visionieren ist daher nicht eine Erhöhung des Lebens, ist vielmehr eine Durchsetzung des Lebens mit dem Animalischen, das sich sonst nicht in den Seelenorganismus hineinerstreckt. Es wird das, was ganz anderen Vorgängen dienen sollte, hinaufgetragen in die Erkenntnis, in die Anschauungsvorgänge. Daher ist die Halluzination und Vision immer ein Ausdruck davon, daß etwas nicht in Ordnung ist im Menschen. Zwar ist dasjenige, was da zutage tritt, ein Geistiges, aber ein Geistiges, das die Geisteswissenschaft nicht brauchen kann; denn Geisteswissenschaft kann nur das brauchen, was unabhängig vom Leibe erfahren wird. Sie sehen, wie unbegründet es ist, wenn immer wiederum das Mißverständnis auftaucht, als wenn Geisteswissenschaft irgendwie ihre Erkenntnis gewänne durch Visionen, Halluzinationen und dergleichen. Sie zeigt im Gegenteil, daß diese Zustände irgendwie zusammenhängen mit Abnormitäten in der Leibesorganisation, und daß sie niemals hineingetragen werden dürfen in die Ergebnisse der Geisteswissenschaft. Niemals sind Halluzinationen und Visionen gleich dem, was als Traumbild auftritt. Was als Traumbild auftritt, entsteht außerhalb des Leibes und spiegelt sich nur im Leib; was als Halluzination und Vision auftritt, entsteht dadurch, daß irgend etwas im Leib gewissermaßen ausgespart ist. Würde es normal funktionieren, dann würde der Mensch mit gesunden Sinnen in der Sinnen weit dr innenstehen. Dadurch, daß es sich ausspart, kommt das Geistig-Ewige, das unsichtbar bleiben sollte in der Leibesorganisation, gerade durch die Leibesorganisation zum Vorschein. Das ist nicht nur eine physische Erkrankung, das ist eine seelische Abnormität, etwas, was die Bilder aus der geistigen Welt nur trüben, nur verfälschen könnte. Man braucht sich nicht zu wundern, daß, wenn irgend etwas herabgestimmt ist im Leib, dann Bilder auftreten. Denn wodurch treten die Sinnbilder auf? Dadurch, daß eben dasjenige, was in normaler Weise dem Stoffwechsel, der Verdauung dient, herabgestimmt wird, und daß sich das im Seelenorganismus als etwas anderes geltend macht. Wenn es nun mehr, als eigentlich sein sollte, herabgestimmt ist im Menschen, dann tritt eben abnormes Bewußtsein zutage. Dasjenige, was wir als Sinnbilder im normalen Bewußtsein haben, ist bedingt durch herabgestimmtes Leibesleben, aber normal herabgestimmtes Leibesleben. Ist es mehr herabgestimmt, so erscheint irgend etwas, was nur von dieser Herabstimmung, die eigentlich nicht da sein sollte, herrührt. So kann man sagen, daß das halluzinierende und visionäre Leben ein gehemmtes Streben im Menschen darstellt. Wenn der Mensch sich von der Kindheit bis ins reife Alter entwickelt, so strebt er eigentlich in seine Leibesorganisation hinein. Er strebt, sein Geistig-Seelisches immer mehr und mehr so zu entwickeln, daß der Leib als völliges Werkzeug der seelischen Betätigung gebraucht werden kann. Das wird gehemmt dadurch, daß irgend etwas im Leib nicht gesund ist. Wenn der Mensch so heranwächst, daß er sich seines Leibes bedienen kann, wächst er hinein in das, was seine physische Selbständigkeit, seine physische Egoität hier in der Sinnenwelt ist, er wächst in dasjenige Quantum von Egoismus hinein, das notwendig ist, damit der Mensch wirklich ein auf sich gestelltes Wesen ist, damit er seine menschliche Bestimmung erfüllen kann. Dieses Quantum von Egoismus muß selbstverständlich mit der gehörigen Selbstlosigkeit verknüpft sein. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß der Mensch sein Leben mit den Kräften seines Ichs durchdringt. Kann er das durch irgendwelche Hemmungen nicht, so ist er auf der Suche nach dem Quantum Egoismus, das ihm notwendig ist, auf eine krankhafte Weise. Das drückt sich dann im halluzinierenden und visionären Leben aus, das immer darauf beruht, daß der Mensch den für das Leben notwendigen Egoismus durch seine Leibesbeschaffenheit nicht erlangen kann.“ (Lit.:GA 67, S. 240ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Richard E. Schultes, Albert Hofmann: Pflanzen der Götter - Die magischen Kräfte der bewusstseinserweiternden Gewächse, AT- Verlag 1998, ISBN 978-3855026456
  2. Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen: Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen, 12. Auflage, AT Verlag 2007, ISBN 978-3038003526
  3. Christian Rätsch: Die Hellsehen hervorrufenden Pflanzen (Ethnomedizin und Bewusstseinsforschung. Historische Materialien), 2. Auflage, VWB-Verlag 1996, ISBN 978-3861354215
  4. Christian Rätsch: Hexenmedizin: Die Wiederentdeckung einer verbotenen Heilkunst - schamanische Tradition in Europa, 8. Auflage, AT Verlag 2012, ISBN 978-3038006947
  5. Leendert F. C. Mees: Rauschmittel – warum?, J. Ch. Mellinger Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 978-3880691063
  6. Ron Dunselmann, Frank Berger (Übers.): An Stelle des Ich: Rauschdrogen und ihre Wirkung (Praxis Anthroposophie), Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004, ISBN 978-3772512742
  7. Walter Bühler, L. F. C. Mees, Wolfgang Schimpeler: Rauschgift. Krieg gegen das Ich. Verlag Freies Geistesleben, 1983, ISBN 3-87838-290-1
  8. Walter Bühler: Meditation als Erkenntnisweg, Bewußtseinserweiterung mit der Droge, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1980, ISBN 978-3772500329
  9. Rudolf Steiner: Das Ewige in der Menschenseele. Unsterblichkeit und Freiheit, GA 67 (1992), ISBN 3-7274-0670-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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