Amor und Psyche

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L'enlèvement de Psyché, Gemälde von William Adolphe Bouguereau

Die Geschichte von Amor und Psyche ist ein antikes Märchen, das uns in dem Roman Der goldene Esel des Apuleius aus dem Jahre 170 n. Chr. überliefert ist.

Zusammenfassung

Psyche ist die Tochter eines unbekannten Königs. Sie ist so schön, dass alle aufhören Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe zu verehren. Verärgert ruft Venus ihren Sohn Amor und befiehlt ihm, Psyche dazu zu bringen, sich in einen schlechten Mann zu verlieben. Der Vater schickt seine Tochter – wie das Orakel der Göttin ihm befohlen hat – ein Brautkleid tragend, an eine einsame Bergspitze, auf welcher sie einen furchtbaren Dämon heiraten muss. Doch anstatt des Dämons wird sie von Zephyr, dem Herrn der Winde, auf Anweisung Amors, der selbst der überirdischen Schönheit Psyches erliegt, in ein märchenhaftes Schloss gebracht. In diesem Schloss sucht ihr Gatte sie Nacht für Nacht auf, doch tagsüber verschwindet er, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekommt. Da sich Psyche so einsam fühlt, gewährt er ihr einen Besuch von ihren Schwestern. Amor warnt sie aber, sie dürfe sich nicht von ihnen verleiten lassen herauszufinden, wer er sei. Die Schwestern, zuerst froh, Psyche wohlbehalten vorzufinden, sind schnell vom Neid verzehrt. Bei einem weiteren Besuch gelingt es ihnen, das naive Mädchen davon zu überzeugen, dass sie eine Schlange geheiratet habe, die ihr wegen ihrer furchtbaren Gestalt nie bei Tageslicht gegenübertrete und die die nun Schwangere verschlingen werde. Aus Angst um ihr ungeborenes Kind und um sich selber befolgt sie den Rat ihrer Schwestern und wartet in dieser Nacht mit einer Öllampe und einem Messer auf ihren Mann.

Als sie ihren Geliebten beleuchtet, erblickt sie kein Ungeheuer, sondern den schönen Körper des geflügelten Amor. Psyche – von Liebe zu ihrem göttlichen Gatten überwältigt – merkt nicht, wie ein Tropfen des heißen Öls auf Amors Schultern fällt. Der Gott, der seiner Mutter ungehorsam gewesen ist, fühlt sich betrogen, fliegt davon und lässt Psyche untröstlich zurück.

Venus, voller Wut darüber, dass ihr Sohn ihre Befehle missachtet hat und stattdessen mit Psyche ein Kind gezeugt hat, macht sich auf die Suche nach dem Mädchen. Psyche muss verschiedene lebensgefährliche Aufgaben für die Göttin erledigen. Dank der Hilfe von Ameisen, sprechenden Schilfrohren oder Türmen gelingt es ihr, sie zu lösen. Bei der letzten Aufgabe lässt sie sich aber von dem Wunsch, ihren Geliebten zurückzuerobern, überwältigen. So öffnet sie das Kästchen, das eine Schönheitssalbe der Proserpina, der Gemahlin des Pluto, enthielt. Sie trägt die Salbe auf, welche eigentlich für Venus bestimmt war, und fällt in einen todesähnlichen Schlaf.

Amor, der sich inzwischen von seiner Verbrennung erholt hat, eilt ihr zur Rettung. Da er Psyche immer noch liebt, scheucht er mit seinen Flügeln ihren Schlaf wieder in das Kästchen zurück. Während Psyche das Kästchen abliefert, fliegt Amor zu Jupiter und erlangt die Erlaubnis, Psyche zu heiraten. Der oberste Gott hat Nachsicht und macht Psyche unsterblich.

Psyche gebiert Amor eine wunderschöne Tochter, welche den Namen Voluptas (Vergnügen) erhält.

Rezeption

Amor und Psyche, Antonio Canova, Paris

Die Geschichte von Amor und Psyche hat vielfältig in Literatur und Musik, vor allem aber in der bildenden Kunst weitergewirkt. Viele Gemälde und Skulpturen befassen sich mit dem Romeo und der Julia der Antike. Zu den bekanntesten gehören die Skulpturen von Antonio Canova und Auguste Rodin im Louvre und in der Eremitage|, sowie die Radierungen von Max Klinger. In der Musik hat u.a. César Franck eine dreiteilige sinfonische Dichtung Psyché für Chor und Orchester geschrieben, desgleichen Richard Franck eine Tondichtung für großes Orchester Liebesidyll "Amor und Psyche" (op. 40). C. S. Lewis hat mit Till we have Faces (Du selbst bist die Antwort) eine moderne Interpretation dieser Geschichte gegeben.

Dem Gott Amor (Römische Mythologie) entspricht in der griechischen Mythologie Eros.

Für die Erzählforschung ist Amor und Psyche die älteste schriftlich fixierte Fassung des Märchentyps Tierbräutigam (Typ 425 nach Aarne und Thompson), vgl. Das singende springende Löweneckerchen (Grimms Märchen Nr. 88).


In dem Film Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders spielt ein Parfum mit dem Namen Amor und Psyche eine wichtige Rolle.

Literatur

  • Apuleius: Amor und Psyche. Aus dem Lat. von August Rode. Manesse, Zürich ISBN 9783717582472
  • Christiane Holm: Amor und Psyche: die Erfindung eines Mythos in Kunst, Wissenschaft und Alltagskultur (1765–1840). Deutscher Kunstverlag, München 2006 (Kunstwissenschaftliche Studien Bd. 130) ISBN 9783422065543
  • Christel Steinmetz: Amor und Psyche. Studien zur Auffassung des Mythos in der bildenden Kunst um 1800. Diss. Köln 1989. Köln 1989
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