Neid

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Jakob Matham, Kupferstich einer der sieben Todsünden: Invidia (um 1600)

Neid (lat. invidia) oder Missgunst, als das gefühlsmäßige Verübeln des Glücks und der Besserstellung Anderer, ist auf den luziferischen Einfluss im Astralleib zurückzuführen und zählt in der christlich-abendländischen Tradition zu den sieben Hauptlastern.

"Wenn wir irgend jemanden beneiden, so sind wir nicht geneigt, uns jener Tugend hinzugeben, die auf den tiefsten, innersten Wesenskern, auf das Göttliche des anderen Menschen eingeht. Denn Mitfühlen hat erst dann Wert, wenn wir nicht nur Mitgefühl haben, sondern wenn wir den Kern, die geistige Wesenheit des anderen Menschen schätzen können. Menschenschätzung aber, als Grundlage des Mitgefühls, schließt in sich, daß wir die Vorzüge des anderen Menschen gelten lassen und uns über die Erfolge, die Entwickelungsstufen anderer Menschen freuen können. Und das alles schließt den Neid aus. Neid zeigt sich als Eigenschaft, die mit dem allerstärksten Egoismus des Menschen nahe zusammenhängt. Neid ist einer der schlimmsten Einflüsse Luzifers. Alles was in unserer Seele leben kann und unter Neid zu registrieren ist, gehört in sein Gebiet, und jedesmal, wenn wir eine Anwandlung von Neid haben, packt uns Luzifer an unseren Trieben in unserem Astralleib." (Lit.: GA 125, S. 192ff)

Durch den Neid wird der Ätherleib angegriffen:

"Beim Neid wird der Ätherkörper angegriffen, bis zur Hemmung der Blutzirkulation kann das gehen. Es entsteht etwas im Astralleib wie ein Nebel, der einen die Menschen, Dinge und Verhältnisse nicht klar sehen läßt. Der Esoteriker soll im Augenblick, wo ein Neidgefühl sich meldet, an verehrungswürdige Wesen denken, an erhabene Kunstwerke, alle Offenbarungen der Schönheit." (Lit.: GA 266a, S. 432)

Wird der Neid bekämpft, kann er sich als karmische Wirkung in die ahrimanische Tadelsucht verwandeln, die ihren Sitz im Ätherleib hat:

"Und der Neid, den wir bekämpfen, tritt dann häufig im Leben so auf, daß wir die Begierde bekommen, die Fehler anderer Menschen aufzusuchen und recht viel zu tadeln. Wir begegnen im Leben manchem Menschen, der wie mit einer gewissen hellsichtigen Kraft immer die Fehler und Schattenseiten anderer Menschen herausfindet, und wenn wir dieser Erscheinung auf den Grund gehen, so liegt er darin, daß der Neid sich in Tadelsucht umgewandelt hat, und diese scheint dem betreffenden Menschen eine recht gute Eigenschaft zu sein. Es ist gut, so sagen sie, daß man auf das Vorhandensein dieser schlechten Eigenschaften aufmerksam macht. Hinter solcher Tadelsucht steckt aber nichts anderes als umgewandelter, maskierter Neid.

Ein Mensch ist zum Beispiel in seiner Jugend neidisch. Der Neid tritt nachher nicht mehr hervor, und es zeigt sich die Umwandlung desselben im Alter wieder dadurch, daß der Betreffende sich mit der Eigenschaft der Unselbständigkeit zeigt, des Abhängig-sein-Wollens von anderen Menschen, immer andere Menschen haben zu müssen, die raten und helfen. Eine gewisse moralische Schwäche tritt als die Folge des umgewandelten Neides auf, und wir werden immer sehen, wenn jemand diese moralische Schwäche hat, daß da die karmische Folge des umgewandelten Neides vorliegt." (Lit.: GA 125, S. 194ff)

"Im Grunde wirkt Karma so, daß es wie eine leise Erfüllung in derselben Inkarnation noch zum Ausdruck kommt, maßgebend aber für den Charakter wird es in der nächsten Inkarnation. So tritt, wo Neid in der Jugend sich gezeigt hat, Hilflosigkeit im Alter auf, Das ist eine leise karmische Nuance. Die bleibt dann bestehen auch nach dem Tode und wirkt weiter durch Kamaloka* hindurch, und das was sich dann als aufbauende Kräfte für das nächste Leben zeigt, das enthält diese karmische Nuance und verwebt sie in das, was als Grundcharakter der drei Leiber, des physischen, des Ätherleibes, des Astralleibes, im nächsten Leben sich ausdrückt. Ist nun Neid eine Grundeigenschaft des Charakters in der einen Inkarnation, so wirkt diese in der nächsten Inkarnation in alle drei Leiber hinein und wird dann eine schwache Gesundheit zur Folge haben." (Lit.: Beiträge 045, S. 5)

"So werden wir unter diejenigen Menschen hineingeboren, die wir beneidet haben, oder die wir getadelt haben. Wenn ein Kind mit einem schwachen Leib in eine Umgebung hineingeboren wird, sollten wir uns fragen: Wie haben wir uns da zu verhalten? Das richtigste Verhalten muß dasjenige sein, was moralisch das hochsinnigste ist: zu verzeihen. Es wirkt ungeheuer erzieherisch, wenn wir einem schwachen Kinde, das in unsere Umgebung hineingeboren ist, liebend verzeihen können. Derjenige, durch den das wirklich kraftvoll geschieht, wird schon sehen, daß das Kind dadurch stärker und stärker wird. Bis auf das Denken hinein muß verzeihende Liebe wirken, denn dadurch kann das Kind Kräfte sammeln, um sein früheres Karma umzubiegen und in die richtige Richtung zu bringen. Das Kind wird auch leiblich stark werden. Ein solches Kind zeigt oftmals Eigenschaften, die unangenehm sind. Wenn wir es lieben – bis ins allertiefste Herz, so wirkt das als das intensivste Heilmittel, und wir werden bald finden, wie wirksam dieses Heilmittel ist." (Lit.: GA 125, S. 197)

Ernährungsratschläge

Die Ernährung beeinflusst auch das Seelenleben. Wer zu Neid, Missgunst und Hinterlist neigt, sollte alle Rankengewächse wie Gurken und Kürbisse meiden; auch bei Früchten sollte man vorsichtig sein. (Lit.: GA 266a, S. 558)

Literatur

  • Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Heft 45 (Ostern 1974)
  • Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 125 (1992)
  • Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266/1 (1995)
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