Hochmut

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Jakob Matham, Kupferstich einer der sieben Todsünden: Superbia (um 1600)

Der Hochmut (griech. ὕβρις Hybris; lat. arrogantia, superbia), auch die Anmaßung, Arroganz oder Überheblichkeit, veraltet auch Hoffart oder Dünkel genannt, wird in der christlich-abendländischen Tradition zu den sieben Hauptlastern gezählt. Für den Geistesschüler wird der Hochmut zu einer besonderen Gefahr, insbesondere dann, wenn er nach einem nicht genügend von Gedanken durchdrungenen Hellsehen strebt.

"Es gibt in der Gegenwart scharfe Denker, die können vernünftigerweise die geisteswissenschaftliche Weltanschauung einsehen. Warum kommen manchmal gerade diese so schwer zum Hellsehen? - Verhältnismäßig leicht wird es gerade denen, die nicht scharfe Denker sind, zum visionären Hellsehen zu kommen, und sie werden dann leicht hochmütig gegenüber dem Denken, während es schwierig ist für die scharfen Denker, zur Hellsichtigkeit zu kommen. Da ist haarscharf die Klippe vorhanden, wo ein gewisser maskierter Hochmut sich geltend macht. Es gibt ja kaum etwas, was den Hochmut so sehr züchtet, wie ein nicht von Gedanken erhelltes Hellsehen, und es ist deshalb so besonders gefährlich, weil der Betreffende in der Regel gar nicht weiß, daß er hochmütig ist, sondern sich sogar für demütig hält. Er weiß gar nicht zu beurteilen, was für ein ungeheurer Hochmut dazugehört, die denkerische Arbeit der Menschen gering zu achten und auf gewisse Eingebungen den Hauptwert zu legen. Es steckt darin ein maskierter Hochmut, der ungeheuerlich ist." (Lit.: GA 117, S. 86f)

In den alten vorchristlichen Mysterien, als das Ego noch viel weniger entwickelt war, konnte der Geistesschüler nicht so leicht hochmütig werden.

"Noch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha und Jahrhunderte später nannte man daher den Menschen, wie er auf Erden lebt, im Sinne der alten Mysterienweisheit: den natürlichen Menschen. Aber man war zu gleicher Zeit der Ansicht, dieser natürliche Mensch ist nicht der wahre Mensch, ist nicht der volle Mensch, trägt das volle Menschenwesen gar nicht in sich. Und man unterschied von diesem natürlichen Menschen den pneumatischen Menschen, den geistigen Menschen. Und man war der Ansicht, daß der Mensch erst, wenn er nach Ablegung des physischen Leibes mit Durchschreiten der Todespforte pneumatischer Mensch geworden ist, er erst als ein solcher pneumatischer Mensch voller Mensch sein kann. Daher war mit der Mysterieneinweihung der alten Zeiten die Entwickelung höchster Bescheidenheit für das Erdenbewußtsein des Menschen verbunden. Hochmütig konnte der Erdenmensch durch die Mysterieneinweihung nicht gemacht werden, denn er bekam nicht etwa das Gefühl: du bist auf dieser Erde schon im vollen Sinne des Wortes Mensch, sondern er bekam das Bewußtsein: du bist gewissermaßen ein Kandidat des Menschlichen hier auf Erden, und du mußt dein Erdenleben so anwenden, daß du nach deinem Tode voll Mensch werden könntest." (Lit.: GA 221, S. 18)

Literatur

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