Atma

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Atma (skrt., n., आत्मन्, ātman, Pali atta, „Göttliches Selbst“, urspr.: „Lebenshauch“, „Atem“) ist im indischen Sanskrit die Bezeichnung für den Geistesmenschen, sprachlich und dem Sinn nach verwandt mit dem deutschen Wort «Atem», da die Vergeistigung des physischen Leibes zu Atma wesentlich mit der Regulierung des Atemprozesses zusammenhängt, wovon man in der indischen Yoga-Schulung ein deutliches Bewusstsein hatte. In der christlichen Terminologie wird Atma manchmal auch als «Vater» bezeichnet. Der Begriff wird erstmals im Katha-Upanishad erwähnt:

Ein Wagenfahrer ist, wisse,
Der Atman, Wagen ist der Leib,
Den Wagen lenkend ist Buddhi
Manas, wisse, der Zügel ist.

Katha-Upanishad: 3,3[1]

Atma und Wille

„Dasjenige, was zur Kraft des Atma wird, das ist nämlich, insofern es eine Kraft ist, die aus der Gottheit fließt, willensartiger Natur. Wenn Sie sich auf Ihre eigene Willenskraft besinnen, auf das, was in Ihnen wollen kann, dann haben Sie eine schattenhafte Nachbildung, einen schattenhaften Abglanz dessen, was aus der Kraft des Atma, aus der Gottheit ausfließt. Der Wille des Menschen ist heute die Kraft, die noch am wenigsten ausgebildet ist. Der Wille kann sich aber immer weiter und weiter ausbilden, bis eine Zeit kommen wird, da er einmal auf seinem Höhepunkt angelangt ist, dann, wenn dieser Wille fähig sein wird, das zu vollbringen, was man in den Religionen «das große Opfer» nennt.

Stellen Sie sich vor, Sie stünden vor einem Spiegel und schauten hinein. Ihr Bild gleicht Ihnen vollständig in jedem Teile Ihrer Physiognomie, Ihrer Gesten, in allem ist es Ihnen gleich, es ist aber Ihr totes Bild. Sie stehen davor als eine lebendige Wesenheit und haben es mit Ihrem toten Bilde zu tun, das Ihnen in allem gleich ist bis auf die lebendige Wesenheit, bis auf den substantiellen Inhalt. Denken Sie sich einmal, Ihr Wille wäre bis zu dem Punkte gewachsen, daß er imstande wäre, den Entschluß zu fassen, Ihr eigenes Dasein, Ihre eigene Wesenheit aufzugeben und diese abzugeben an Ihr Spiegelbild; Sie wären imstande, sich ganz hinzuopfern, um Ihr Spiegelbild mit Ihrem Leben zu versehen. Von einem solchen Willen sagt man: er emaniert, er strömt sein eigenes Wesen aus. Es ist das die höchste Entfaltung des Willens, das, was das Christentum den «göttlichen Vaterwillen» nennt.

Der menschliche Wille ist also heute unter allen Seelenkräften das am wenigsten ausgebildete Glied. Er ist aber auf dem Wege, sich zu solcher Macht hin zu entfalten, daß er «das große Opfer» zu vollbringen imstande ist. Das ist die wirkliche Natur dessen, was sich als die Kraft des Atma entwickeln kann: willensartige Natur, insofern es ein Ausfluß göttlicher Wesenheit ist.“ (Lit.:GA 97, S. 109)

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Paul Deussen, Upanishaden, S. 353