Brockhaus Enzyklopädie

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Die Brockhaus Enzyklopädie

Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Bis Anfang 2009 wurde die Enzyklopädie von F. A. Brockhaus bzw. vom Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG herausgegeben. Seine ersten Vorläufer erschienen im 18. Jahrhundert bei Löbel und Franke als Conversations-Lexikon. Später wurde das Lexikon unter dem Namen Der Große Brockhaus bekannt (15., 16. und 18. Auflage). Der Name Brockhaus Enzyklopädie wurde ab der 17. Auflage verwendet.

Am 11. Juni 2013 wurde bekannt, Bertelsmann wolle den Verlag schließen und die Brockhaus Enzyklopädie solle zunächst nur noch als Onlinedienst erscheinen.[1][2] Der zuletzt als Herausgeber tätige Wissen Media Verlag stellte sein Buchgeschäft mit der Handelsmarke Brockhaus zum 1. Februar 2014 ein.[3] Am 30. Juni 2014 wurde der Vertrieb der gedruckten Enzyklopädie eingestellt.[4] Im Jahr 2015 übernahm der Verlag der Schwedischen Nationalenzyklopädie (NE Nationalencyklopedin AB) die Rechte an der Marke. Dessen deutsche Tochter NE GmbH entwickelt und vermarktet seitdem die Onlineausgabe der Brockhaus Enzyklopädie.[5][6]

Zielsetzung des Werkes

Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon, Titelblatt der 9. Auflage 1843

In der Vorrede der Redaktion und Verlagshandlung zum 15. Band der 11. Auflage des Brockhaus von 1868 wurde die Zielsetzung des Werkes beschrieben:

„Das Conversations-Lexikon [hat] die Flüssigmachung und Popularisierung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht für die geschäftliche Praxis, sondern für die Befriedigung und Förderung der allgemeinen Bildung zur Aufgabe. […] Denn jene allgemeine Bildung ist nichts Geringeres als die humane Bildung, welche das Individuum innerhalb des Culturlebens seiner Zeit erlangt, die für ihren Ausgangspunkt die Berufsbildung voraussetzt und, wie den intellectuellen so den moralischen Menschen umfassend, als der Quellpunkt socialer und nationaler Kraft und Entwicklung betrachtet werden muß.[…] Den Kreis der Ideen und Thatsachen, wie er sich für den einzelnen unabsehbar in Geist, Geschichte und Natur auseinanderlegt, in begrenztem Rahmen, gleichsam als Mikrokosmos, zur Anschauung zu bringen, nicht zur Lösung eines wissenschaftlichen Problems oder zur Uebung einer Kunstfertigkeit, sondern um den Menschen als solchen mit der Welt, die über seinen alltäglichen Horizont hinausliegt, bekannt zu machen, indem ihm die Einsicht in den Begriff und den organischen Zusammenhang der Dinge, sowie die Uebersicht über das Ganze, wenn nicht erschlossen, so doch erleichtert wird.“

Zum Thema "Chronik der Ausgaben" siehe auch

Gesamtübersicht 1. bis 21. Auflage

  • 1. Auflage 1796–1808 „Conversationslexicon mit vorzüglicher…“ 6 Bände
  • 1. Auflage 1810–1811 2 Supplementbände
  • 2. Auflage 1809–1811 „Conversations-Lexikon…“, 6 Bände + 2 Supplementbände (1809 und 1811)
  • 2. Auflage 1812–1819 „Conversations-Lexikon…“, umgearbeitete Auflage, 10 Bände
  • 3. Auflage 1814–1819 „Conversations-Lexicon“, 10 Bände
    • zur 1.–3. Auflage 1818: Supplementband (von A–O, für die Bände 1–7)
  • 4. Auflage 1817–1819 „Hand-Enzyclopädie“, 10 Bände
    • zur 1.–4. Auflage 1819–1820: 2 Supplementbände mit 4 Abtheilungen (von A–Z, mit den wichtigsten neuen Artikeln und Verbesserungen der 5. Auflage)
  • 5. Auflage 1819–1820 „Real-Encyclopädie“, 10 Bände
  • 6. Auflage 1824 „Real-Encyclopädie“, 10 Bände
  • 7. Auflage 1827 „Real-Encyklopädie“, 12 Bände
  • 8. Auflage 1833–1837 „Real-Encyklopädie“, 12 Bände
  • 9. Auflage 1843–1848 „Real-Encyklopädie“, 15 Bände
  • 10. Auflage 1851–1855 „Real-Encyklopädie“, 15 Bände
  • 11. Auflage 1864–1868 „Real-Encyklopädie“, 15 Bände, Supplement 1 (Aachen–Honved 1872), Supplement 2 (Horst–Zündnadelgewehr 1873)
  • 12. Auflage 1875–1879 „Conversations-Lexikon“, 15 Bände
  • 13. Auflage 1882–1887 „Conversations-Lexikon“, 16 Bände
  • 14. Auflage 1893–1897 „Konversations-Lexikon“, 16 Bände, 1 Ergänzungsband A–Z
  • 15. Auflage 1928–1935 „Der Große Brockhaus“, 20 Bände + 1 Ergänzungsband A–Z 1935 + 1 Atlasband 1937
+ 1 Band in der 2. Ausgabe der 15. Auflage (1939) [von 20 geplanten + mit 1 Atlasband]
  • 16. Auflage 1952–1957 „Der Große Brockhaus“, 12 Bände + 2 Ergänzungsbände A–Z + Atlasband
  • 17. Auflage 1966–1974 „Brockhaus Enzyklopädie“, 20 Bände + 5 Ergänzungsbände.[7]
  • 18. Auflage 1977–1981 „Der Große Brockhaus“, 12 Bände + 9 Ergänzungsbände
  • 19. Auflage 1986–1994 „Brockhaus Enzyklopädie“, 24 Bände + Personenregister (Band 25, 1994)
+ Deutsches Wörterbuch (Band 26 bis 28)
+ Wörterbuch Deutsch-Englisch/Englisch-Deutsch (Band 29, 1995)
+ 1 Ergänzungsband (Band 30, 1996) + 31. Band + 32. Band + Atlasband
  • 20. Auflage 1996–1999 „Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden“, 24 Bände
  • 21. Auflage 2005–2006 „Brockhaus. Enzyklopädie in 30 Bänden“ und DVD,
auch in eigenständiger digitaler Form (auf USB-Stick).

Liste der Ausgaben des Brockhaus-Konversationslexikons - Artikel in der deutschen Wikipedia

Kleinere Lexikaausgaben von Brockhaus

Der Neue Brockhaus

Der Neue Brockhaus, Allbuch in vier Bänden, 1936–1938
Der Neue Brockhaus, 1958
Der Neue Brockhaus, 1973, mit Atlas

Zwischen Oktober 1936 und März 1938 veröffentlichte die inzwischen „arisierte“ Brockhaus-Redaktion eine im Geiste des Nationalsozialismus geprägte Neuausgabe. Dem neuen Zeitgeist entsprechend wurde diese vierbändige Ausgabe, die durch einen Atlasband (Juli 1937) ergänzt wurde, „Der Neue Brockhaus“ genannt und nicht mehr als Enzyklopädie oder Konversationslexikon, sondern als Allbuch bezeichnet, um die fremden Lehnwörter durch eine deutschsprachige Wort(neu)schöpfung zu ersetzen. Eine „zweite, verbesserte Auflage“ löste in den Jahren 1941/1942 die erste Auflage ab. In dieser wurden dann u. a. die weltpolitischen sowie wissenschaftlich-technischen Entwicklungen seit der ersten Auflage berücksichtigt. Die erste Auflage erschien inhaltsgleich in einer hellbraunen Ganzleinenausgabe (11,50 RM/Band, Atlas 20 RM) sowie einer Ausgabe in schwarzem Halbleder mit grünem Leineneinband und Lederecken (15 RM/Band, Atlas 24 RM). Die zweite Auflage wurde ausschließlich als Ganzleinenausgabe aufgelegt. Der Titel „Der Neue Brockhaus“ wurde auch bei späteren Ausgaben nach 1945 verwendet, um eine Unterscheidung zur großen Gesamtausgabe zu ermöglichen. 1958–1960 erschien die dritte „völlig neubearbeitete Auflage“ in 5 Bänden und einem Atlas, 1968–1971 die vierte Auflage in 5 Bänden, jetzt als „Lexikon und Wörterbuch“ bezeichnet.

„Die kleinen Schwestern“

dtv-Brockhaus im Taschenbuchformat 1982

In der Folgezeit wurden im Festeinband oder als broschiertes Taschenbuch mehrere „kleinere“ Ausgaben verschiedenen Umfangs verlegt, die meistens auf dem Daten- und Wissensbestand der Hauptausgabe basieren:

  • 15 – Der Brockhaus in fünfzehn Bänden. Mit rund 140.000 Stichwörtern. Brockhaus, Mannheim. 2002 – 2. Auflage. 7200 Seiten. ISBN 3-7653-2801-4 (auch mit buntem, von James Rizzi gestaltetem Einband ISBN 3-7653-2350-0 sowie in einer Version mit Einbandsgestaltung von Andy Warhol ISBN 3-7653-1380-7)
  • 10 – Brockhaus in zehn Bänden. Rund 150.000 Stichwörter. Brockhaus, Mannheim. 1. Auflage 2004. 7360 Seiten. ISBN 3-7653-2450-7.
  •  6 – Der Brockhaus in sechs Bänden. Rund 130.000 Stichwörter. Brockhaus, Leipzig – Mannheim. 1. Auflage 2008. 5952 Seiten. ISBN 978-3-7653-3230-2.
  •  5 – Der Brockhaus in fünf Bänden. Rund 125.000 Stichwörter. Brockhaus, Mannheim. 5. Auflage 1973–1975, 10. Auflage 2003, zuletzt 5472 Seiten.
  •  3 – Der Brockhaus in drei Bänden. Mit 80.000 Stichwörtern. Bibliographisches Institut, Mannheim. 4. Auflage 2006. 2592 Seiten. ISBN 3-7653-1504-4.
  •  2 – Der kleine Brockhaus in zwei Bänden. Bibliographisches Institut, Mannheim. 1. Auflage 1949–1950. 1400 Seiten.
  •  1 – Der Volks-Brockhaus. F.A. Brockhaus, Leipzig. 1. Auflage 1931. Die zweite Auflage 1934 wurde von der Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des nationalsozialistischen Schrifttums verboten. Der Brockhaus Verlag musste mit dieser Kommission zusammen eine weitere, die dritte Auflage erstellen. Der Volks-Brockhaus erschien nach dem Krieg weiter bis zur 16. Auflage 1980 mit 926 Seiten.[8] Die im September 1949 abgeschlossene 11. Auflage (1950) wurde nach Erscheinen des ersten Halbbandes (A–K) am 15. Mai 1950 als „reaktionär“ eingestuft und eingestellt.[9]
  •  1 – Der Brockhaus. In einem Band. F.A. Brockhaus, Mannheim/Leipzig. 4. Auflage 1992.

Auch die Digitale Enzyklopädie wurde durch kleinere Ausgaben auf DVD ergänzt:

  • „Brockhaus multimedial“ (die Ausgabe 2007 läuft unter Mac OS X 10.4, noch nicht unter 10.5; zahlreiche Artikel sind anderen Nachschlagewerken entlehnt; so entstammen beispielsweise Artikel aus dem Bereich der populären Musik dem „Handbuch der populärem Musik“, erschienen im Schott-Verlag 1997, ohne dass dies im Brockhaus ersichtlich ist)
  • Brockhaus multimedial (die Ausgabe 2008 vom 15. September 2007 umfasst 11 Millionen Wörter, ISBN 978-3-411-06618-6) und
  • Brockhaus multimedial premium (die Ausgabe 2009 umfasst ohne Online-Aktualisierungen 260.000 Artikel, 335.000 Stichwörter und 120.000 Wörterbucheinträge, mit exportierbarer Weltstatistik, ferner einen 3-D-Weltatlas, ein Planetarium sowie Anima, einen anatomischen Atlas und den Brockhaus von 1906, ISBN 978-3-411-06727-5). Alle Artikel mit ihren Stichwörtern sind als MP3-Audiodatei exportierbar, die Software wird für Windows, Mac OS X und Linux angeboten.
  • Brockhaus multimedial premium (die aktuelle Ausgabe 2010 umfasst ohne Online-Aktualisierungen 265.000 Artikel, 340.000 Stichwörter und 20 Millionen Wörter, ferner einen 3-D-Weltatlas mit 2 Millionen Einträgen und ein deutsch-englisches Wörterbuch sowie ein Planetarium, ISBN 978-3-577-07766-8). Alle Artikel lassen sich als Dateien im MP3-Format exportieren. Die Software wird ebenfalls für Windows, Mac OS X und Linux angeboten.

Zu den historischen Vorgängern der kleineren Ausgaben zählen:

  • Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk. 4 Bände, 1837–1841
  • Kleineres Brockhaus’sches Conversations-Lexikon für den Hausgebrauch. 4 Bände, 1854
  • Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 2 Bände, zahlreiche Auflagen

„Brockhaus – Stadtlexikon“ als Sonderausgaben

  • Brockhaus Mannheim. Im Oktober 2006 erschien der „Brockhaus Mannheim“, das erste Stadtlexikon des Verlags zum 400. Geburtstag der Stadt im Jahr 2007. Der Reinerlös ging an soziale Projekte vor Ort.

Digitale Ausgaben

Brockhaus-Enzyklopädie Digital

Am 4. November 2002 erschien die Enzyklopädie erstmals digital. Sie umfasste zwei CDs und eine DVD als Multimedia-Ergänzung. Sie enthielt 260.000 Artikel mit 330.000 Stichwörtern, etwa 26 Millionen Wörtern und 14.500 Abbildungen. Die Ausgabe kostete weit über 1.000 Euro.

Seit 2004 war der digitale Brockhaus für verschiedene mobile Plattformen lieferbar, Windows Mobile, Symbian, Palm OS und seit März 2010 auch als App für das iPhone. Teile der digitalen Enzyklopädie stehen im Brockhaus Lehrerportal online zur Verfügung.[10]

Die Brockhaus-Enzyklopädie Digital auf Basis der 21. Auflage mit 30 Bänden erschien am 15. November 2005 auf zwei DVD-ROMs und einem USB-Stick. Sie enthält den vollständigen Text, dazu umfangreiche Zusatz- und Quellentexte, außerdem 25.000 Bilder, 280 Videos, 140 Animationen und 3.000 Audiodateien. Sie wurde online aktualisiert.

Ergänzende digitale Brockhausausgaben

Zusätzliche digitale Angebote waren ein Atlas der 3-D-Anatomie, Schülerlexika und ein 3-D-Atlas. Viele Recherchemöglichkeiten einschließlich natürlichsprachlicher Suchhilfe und mehrerer Millionen Querverweise. Durch den USB-Stick ist das Lexikon standortunabhängig (portabel = tragbar) und kann auf mehreren Rechnern sofort eingesetzt werden. Gleichzeitig dient er als Kopierschutz. Der Preis im Buchhandel betrug etwa 1.500 Euro (ISBN 3-7653-4131-2).

Historische Auflagen des Brockhaus in digitaler Form

Mehrere historische Auflagen des Brockhaus liegen in digitaler Umsetzung vor. Die 1. Auflage in der Version von 1809–1811 des Verlages Directmedia ist im Handel erhältlich, aber auch in einer nichtkommerziellen Variante. Weiter sind digital erhältlich die vierbändige illustrierte Ausgabe von 1837–1843, der Brockhaus von 1906 und ein zweibändiger Brockhaus von 1911. Einige Ausgaben sind über das Internet zugänglich (siehe Weblinks). Für die Nutzung über das Internet wird seit 2007 auch die 14. Auflage des Brockhaus Konversations-Lexikons von 1892–1897 in einem freien Projekt digitalisiert und aufbereitet. Über 17.000 Seiten sind bereits als Bildscan einsehbar und stehen als digitaler Volltext zur Verfügung, allerdings sind die Texte bisher nur zu einem geringen Teil korrigiert.

Brockhaus Wissensservice und Brockhaus Lehrwerke

Im Jahr 2015 lizenzierte Bertelsmann die Inhalte des Brockhaus an den Verlag der Schwedischen Nationalenzyklopädie SE, die seitdem die Vermarktung des Brockhaus Wissensservice mit einer eigenen GmbH mit Sitz in München übernommen hat.[11] Die Zusammenarbeit mit dem Munzinger-Archiv, das nur den Text der Enzyklopädie, aber keine multimedialen Inhalte angeboten hatte, wurde Ende 2015 beendet. Der Inhalt wurde durch eine eigene Redaktion, die weiterhin bei Bertelsmann angesiedelt ist, sowie durch freie Mitarbeiter weiter entwickelt. Das Angebot wird durch den Harenberg Kulturführer und ein Wörterbuch ergänzt. Es richtete sich zunächst ausschließlich an den B2B-Bereich, also vornehmlich an Bibliotheken, an Schulen und an Firmenkunden. Der Zugriff ist für die bei den entsprechenden Bibliotheken und Schulen registrierten und angemeldeten Benutzern auch außerhalb dieser Einrichtungen möglich.

Bei der Frankfurter Buchmesse 2016 stellte Brockhaus Erweiterungen für dieses Angebot in Form der Module Grundwissen, Kinder- und Jugendlexikon vor. Neben dem Portal der Brockhaus Enzyklopädie tritt seitdem auch ein Angebot für Schulen mit Lehrmaterial für Grundschulen und Gymnasien in der Sekundarstufe I hinzu, das sich an den Lehrplänen ausrichtet und schrittweise als Unterrichtsmaterial an staatlichen Schulen zugelassen werden soll.[12] Seit April 2017 ist die Brockhaus Enzyklopädie auch über den EBSCO Discovery Service recherchierbar.[13]

Seit Juni 2018 können Einzelpersonen für 6 Euro pro Monat bzw. für 60 Euro pro Jahr unabhängig von einer Bibliothek oder sonstigen Bildungseinrichtung einen eigenen privaten Zugang zum Brockhaus Wissensservice erhalten.[14] Seit 2019 ist die Brockhaus Enzyklopädie – ebenso wie die Encyclopaedia Britannica[15] – für Bürger mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz mittels Nationallizenz zu nutzen.[16]

Entwicklung seit 2008

Laut einer Ankündigung des Unternehmens vom 11. Februar 2008 sollte die 21. Auflage der Brockhaus Enzyklopädie von 2006 die letzte gedruckte Ausgabe sein. „Die Zeit, in der man sich eine hervorragende Enzyklopädie von anderthalb Meter Umfang ins Regal stellt, um sich dort herauszusuchen, was man wissen will, scheint vorbei zu sein“, sagte hierzu der Verlagssprecher Klaus Holoch.[17] Der Verkauf dieser Auflage sei so schlecht verlaufen, dass Brockhaus mit einem Verlust „in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro“ habe abschließen müssen.[18] Marktanalysen hätten gezeigt, dass die Kunden künftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen würden. Der Brockhaus-Inhalt sollte deshalb im Internet in einem werbefinanzierten Onlineportal kostenlos angeboten werden; die klassischen Buchkunden wollte der Verlag außerdem mit Lexika und der Enzyklopädie bedienen.[19][20] Die für den 15. April 2008 angekündigte Lancierung des kostenlosen Onlineportals wurde dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben und später ganz abgesagt.

Die Brockhaus-Enzyklopädie wurde in der Folge rückwirkend zum 1. Februar 2009 durch die Bertelsmann-Tochter Arvato/wissenmedia GmbH übernommen. Nach Aussagen des Verlages sollte es eine neue Auflage in Buchform geben. Allerdings hieß es schon damals, der wachsende Erfolg von Wikipedia stelle eine ernstzunehmende Konkurrenz dar.[21][22]

Brockhaus-Logo seit 2016

Diese Pläne wurden 2013 wegen der Marktdominanz der Online-Enzyklopädie Wikipedia aufgegeben.[1] Der Direktvertrieb aller Verlagsprodukte – vor allem der 21. Auflage der „Brockhaus Enzyklopädie“ – wurde, genau wie der Vertrieb der Lexika, Mitte 2014 eingestellt.[23][24][25]

Am Rande der Frankfurter Buchmesse wurde im Oktober 2015 bekanntgegeben, dass der Verlag der Schwedischen Nationalenzyklopädie (NE Nationalencyklopedin AB) die Vermarktung der Marke Brockhaus übernommen hat. Das deutsche Tochterunternehmen NE GmbH in München entwickelt und vertreibt seitdem die Onlineausgabe der Brockhaus Enzyklopädie. Brockhaus hat sich seitdem vom Wissens- zum Bildungsanbieter gewandelt und bietet neben den Online-Nachschlagewerken[26] bestehend aus Enzyklopädie, Jugendlexikon und Kinderlexikon noch digitale Lehrwerke,[27] E-Learning-Material[28] sowie englischsprachige Lehrvideos inklusive Unterrichtsmaterial für den bilingualen Sachfachunterricht (CLIL)[29] an. Diese Online-Angebote richten sich vor allem an Bibliotheken, Schulen, Medienhäuser und Institutionen.[30] Seit Juni 2018 sind die Online-Nachschlagewerke von Brockhaus auch für Privatpersonen als Abo erhältlich.[31][32]

Gestaltung

Für ein auf häufige Nutzung über lange Zeit angelegtes Druckerzeugnis spielt die innere und äußere Gestaltung (Layout, Einband) als Qualitätsmerkmal eine wesentliche Rolle. Benutzerfreundlichkeit oder übersichtliche Gestaltung sind wichtige Verkaufsargumente. Bereits 1824 wurde der noch heute genutzte Zweispaltensatz eingeführt, der die Zeilen leichter überblickbar macht. Neu ist die Nutzung des Randes für Grafiken und Abbildungen. Da das Hauptwerk oft über mehr als 10 Jahre unverändert blieb, führte der Verlag ab 1824 jeweils aktualisierende Supplementbände ein. Separate Atlanten und Wörterbücher ergänzen diese einfach zu aktualisierenden Lexikonteile inzwischen.

Die Buchbindung ist überwiegend in der strapazierfähigen Fadenheftung ausgeführt, jedoch gibt es auch Ausgaben mit Drahtheftung. Die Gestaltung der Buchrücken hat zwei Funktionen: Als Logo oder Design-Objekt soll sie die Wiedererkennung des Produkts und als Kurzindex die Benutzung erleichtern. Bei der Vorzugsausgabe der 20. Auflage (auch „Millenniumsausgabe“ genannt) wurde deshalb mit André Hellers Gestaltung ein Experiment gewagt: in die Buchdeckel wurden kleine Acrylschaukästen mit von außen sichtbaren Objekten eingelassen, die jeweils ein Stichwort des Bandes verkörpern. Die Objekte wechseln, andere sind in ihrer Anzahl begrenzt, so dass auf diese Weise jedes Buch gestalterisch ein Unikat darstellt.[33]

Vertrieb

Die Enzyklopädien von Brockhaus wurden sowohl vom Sortimentsbuchhandel als auch vom Reisebuchhandel per Haustürgeschäft vertrieben.[34] Der direkte Kontakt zum Endabnehmer lag von 2002 bis 2014 bei der inmediaONE GmbH, einer Tochtergesellschaft der Bertelsmann SE & Co. KGaA[35].[36] Mit der Alldirekt Telemarketing GmbH, im Jahr 2002 von inmediaONE gekauft, werden die Enzyklopädien von Brockhaus zusätzlich per Telefonverkauf von Salzburg aus vertrieben. Am 17. Dezember 2008 wurde die Brockhaus Enzyklopädie an die Bertelsmann Dienstleistungstochter Arvato AG verkauft.[37] Der Vertrieb des digitalen Portals des Brockhaus Wissensservice liegt seit 2015 bei der Brockhaus NE GmbH in München, einem Unternehmen der NE Nationalencyklopedin AB in Malmö, Schweden.[38] Der kostenpflichtige Zugang zur Brockhaus Enzyklopädie und zu diversen weiteren Angeboten, wie Jugendlexikon, Kinderlexikon, Wörterbücher, Meisterwerke der Kunst, Klima der Welt, und zu Kursen wie Fit im Internet für Erwachsene, Richtig recherchieren und ein Schülertraining in unterschiedlichen Paketen kombiniert, wird getrennt für Schulen, Bibliotheken, Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen zu unterschiedlichen Konditionen angeboten.

Der Brockhaus als Vorbild ausländischer Lexikaprojekte

Der Brockhaus war als Universalenzyklopädie Vorbild für viele ausländische Lexikonprojekte, wie z. B.

Die bereits ab 1768 von Adam und Charles Black im schottischen Edinburgh verlegte „Encyclopædia Britannica“ war dagegen ein Produkt der schottischen Aufklärung.

Siehe auch

Literatur

(chronologisch geordnet)

  • Alfred Wilhelm Dove: Brockhaus und Meyer. In: Alfred Wilhelm Dove: Ausgewählte Schriftchen vornehmlich historischen Inhalts. Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 548–554 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Heinrich Eduard Brockhaus: Die Firma F. A. Brockhaus von der Begründung bis zum hundertjährigen Jubiläum 1805–1905. Brockhaus, Leipzig 1905. (Faksimile-Ausgabe, Brockhaus, Mannheim 2005, ISBN 978-3-7653-0184-1).
  • Ernst Herbert Lehmann: Geschichte des Konversationslexikons. Brockhaus, Leipzig 1934, S. 37 ff.
  • Arthur Hübscher (Hrsg.): Hundertfünfzig Jahre F. A. Brockhaus. Brockhaus, Wiesbaden 1955.
  • Karl Pfannkuch: Das Conversations-Lexikon im Spiegel des 19. Jahrhunderts. In: Den Freunden des Verlages F. A. Brockhaus. Band 4. Brockhaus, Wiesbaden 1956, S. 23–35.
  • Gert A. Zischka: Index lexicorum. Bibliographie der lexikalischen Nachschlagewerke. Verlag Brüder Hollinek, Wien 1959. (Neudruck, Hollinek, Wien 1980, ISBN 3-85119-165-X).
  • Friedrich Schultheiss: Bibliographische Anmerkungen zu einer Enzyklopädie und vier Lexika des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Die wissenschaftliche Redaktion. Beiträge, Aufsätze, Vorträge aus dem Bibliographischen Institut. Heft 6. Bibliographisches Institut, Mannheim 1971, S. 33–48.
  • Günter Gurst: Zur Geschichte des Konversationslexikons in Deutschland. In: Hans-Joachim Diesner, Günter Gurst (Hrsg.): Lexika gestern und heute. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1976, S. 137–188.
  • Walther Killy: Ein Jubiläum des Wissens. 175 Jahre F. A. Brockhaus. Brockhaus, Wiesbaden 1980, ISBN 3-7653-0321-6.
  • Roland Schäfer: Die Frühgeschichte des Großen Brockhaus. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte. Band 3. Harrassowitz, Wiesbaden 1993, ISSN 0940-1954, S. 69–84.
  • Anja zum Hingst: Die Geschichte des Großen Brockhaus. Vom Conversationslexikon zur Enzyklopädie. (= Magisterarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1991 / Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München. Band 53). Harrassowitz, Wiesbaden 1995, ISBN 3-447-03740-7.
  • Ulrike Spree: Das Streben nach Wissen – Eine vergleichende Gattungsgeschichte der populären Enzyklopädie in Deutschland und Großbritannien im 19. Jahrhundert. (Communicatio, Band 24). Niemeyer, Tübingen 2000, ISBN 3-484-63024-8, S. 155–179.
  • Hugo Wetscherek (Hrsg.): Bibliotheca Lexicorum. Kommentiertes Verzeichnis der Sammlung Otmar Seemann. Antiquariat Inlibris, Wien 2001, ISBN 978-3-9500813-5-0.
  • Thomas Keiderling (Hrsg.): F. A. Brockhaus 1905–2005. Brockhaus, Leipzig/Mannheim 2005, ISBN 978-3-7653-0284-8.
  • Thomas Keiderling: Von der Querstraße zum Johannisfriedhof. Bibliographisches Institut und F. A. Brockhaus in Leipzig werden zu Grabe getragen. In: Leipziger Blätter 54/2009, Leipzig 2009, S. 76–77.
  • Thomas Keiderling: Der Brockhaus. In: Ulrike Haß (Hrsg.): Große Lexika und Wörterbücher Europas. Europäische Enzyklopädien und Wörterbücher in historischen Porträts. de Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-019363-3, S. 193–210.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Brockhaus - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Ende einer Ära: Brockhaus-Lexika droht das Aus. Spiegel Online, 11. Juni 2013.
  2. Einstellung der gedruckten Auflage. Brockhaus. In: FAZ, 12. Juni 2013 (Feuilleton) Brockhaus
  3. Auf Wiedersehen. wissenmedia, abgerufen am 5. Februar 2014 (Mitteilung des Verlags „wissenmedia“ zur Einstellung): „wir müssen uns an dieser Stelle leider von Ihnen verabschieden. Der Verlag »wissenmedia« mit den Handelsmarken Brockhaus, Bertelsmann Lexikon und Chronik stellt sein Buchhandelsgeschäft zum 01.02.2014 ein.“
  4. André Kramer: Endgültiges Aus für gedruckten Brockhaus. In: Heise.de. 17. August 2014, abgerufen am 29. Dezember 2017.
  5. Die Brockhaus Redaktion. In: Brockhaus.de. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
  6. Über Brockhaus. In: Brockhaus.de. Abgerufen am 29. Dezember 2017.
  7. Rezension von Otto Köhler in Die Zeit am 8. September 1978 : Krieg der Wörter
  8. Quelle KVK und Heinz Sarkowski: Das Bibliographische Institut. Mannheim/ u. a. 1976
  9. Otmar Seemann: Inkomplett erschienene Lexika und Enzyklopädien. Ein Nachtrag zu Krieg: MNE. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 329 – A 334, hier: S. A 333.
  10. Brockhaus-Lehrerportal (Memento vom 2. Mai 2012 im Internet Archive) (Web-Archiv).
  11. Der Brockhaus kehrt zurück. In: www.boersenblatt.net. 15. Oktober 2015, abgerufen am 28. Oktober 2015.
  12. Manuel Bonik: Brockhaus stellt digitale Lehrwerke vor. In: buchreport. 19. Oktober 2016, abgerufen am 27. Oktober 2016.
  13.  Brockhaus Enzyklopädie ab sofort über EBSCO Discovery Service auffindbar. In: buchreport. 7. April 2017 (https://www.buchreport.de/2017/04/07/brockhaus-enzyklopaedie-ab-sofort-ueber-ebsco-discovery-service-integriert-und-auffindbar/).
  14. dpa: Online-Lexikon: Brockhaus bietet Abo auch für Privatpersonen. In: heise online. 11. September 2018, abgerufen am 12. September 2018.
  15. Encyclopædia Britannica Online. In: consortium.ch. Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken, abgerufen am 5. Juni 2019 (deutsch).
  16. Brockhaus Enzyklopädie –. Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken, abgerufen am 5. Juni 2019.
  17. „Brockhaus: ‚Wir werden der Wissensnavigator im Netz sein‘“ (Welt online, 12. Februar 2008)
  18. „Brockhaus kapituliert vor dem Internet“ (Memento vom 14. Februar 2008 im Internet Archive) (FTD, 12. Februar 2008)
  19. Strategische Neuausrichtung bei Brockhaus (Memento vom 15. Februar 2008 im Internet Archive)
  20. Interview mit Klaus Holoch (Deutschlandfunk, 12. Februar 2008)
  21. Brockhaus sattelt um. boersenblatt.net, 25. September 2008, abgerufen am 25. September 2008.
  22. Kampf um Informationen. In: Welt Online. 17. Dezember 2008, abgerufen am 17. Dezember 2008.
  23. Der gedruckte Brockhaus ist Geschichte auf focus.de, abgerufen am 18. August 2014
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