Chasaren

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reich der Chasaren

Die Chasaren (auch Khasaren, heb. Kuzarim כוזרים; türk. Hazarlar; griech. Χάζαροι; russ. Хазары; tatar. Xäzärlär; persisch خزر; lat. Gazari oder Cosri) waren ein ursprünglich nomadisches und später halbnomadisches Turkvolk[1] in Zentralasien, dessen Ursprung aber ungeklärt ist. Im legendenhaften „Chasarischen Königsbrief“ führt König Joseph einen Sohn Togarmas namens „Kosar“ als Stammvater seines Volkes an. Togarma wird in der Tora als Enkel Jafets genannt (1 Mos 10,3 EU), der Name „Kosar“ scheint hier allerdings nicht auf. Von einigen Historikern wurde auch eine Beziehung zwischen den Chasaren und den zehn verlorenen Stämmen Israels vermutet.

Im 7. Jahrhundert nach Chr. gründeten die Chasaren ein unabhängiges Khaganat im nördlichen Kaukasus an der Küste des Kaspischen Meeres, das sich über die gesamte südrussische Steppe zwischen Wolga und Dnepr erstreckte. Ursprünglich praktizierten die Chasaren einen traditionellen Schamanismus, in dessen Mittelpunkt der Himmelgott Tengri und die Erdenmutter Yer stand, der aber auch von konfuzianischen Ideen aus China beeinflusst war. Ab dem 8. bis frühen 9. Jahrhundert wurde die jüdische Religion zur wichtigsten Religion im Reich. Ob nur eine dünne Oberschicht oder auch die übrige Bevölkerung die neue Religion annahm und praktizierte, ist umstritten. Überliefert ist, dass es auch Christen und Muslime unter den Chasaren gab. Die Chasaren waren wichtige Bundesgenossen des Byzantinischen Reichs gegen das Sassanidenreich und die arabischen Kalifate. Vor allem durch Fernhandel wurden sie eine bedeutende Regionalmacht und kontrollierten in der Blüte ihrer Machtentfaltung weite Teile des heutigen Südrusslands, den Westen des späteren Kasachstans, die Ostukraine, Teile des Kaukasus sowie die Halbinsel Krim. Ihre Macht wurde Ende des 10. Jahrhunderts von den Kiewer Rus gebrochen, und die Chasaren verschwanden weitgehend aus der Geschichte. Auffassungen, wonach ein großer Teil der Chasaren im osteuropäischen Judentum, den Aschkenasim (hebr. אַשְׁכֲּנָזִים), aufgegangen sei, wie es etwa der österreichisch-ungarische Orientalist Hugo von Kutschera und die israelischen Historiker Abraham N. Poliak und Shlomo Sand[2] vertraten und auch Arthur Koestler in «Der dreizehnte Stamm»[3] beschreibt, sind umstritten[4].

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. René Grousset: Die Chazaren, in: Die Steppenvölker, München 1970, S. 255; Harald Haarmann: Chasaren, Artikel in: Lexikon der untergegangenen Völker, München 2005, S.79; Chasaren: Artikel in: Bertelsmann Lexikon, Band 2, hg. von Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh 1984, S. 208
  2. Shlomo Sand: Die Erfindung des jüdischen Volkes. Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand. Propyläen, Berlin 2010, ISBN 3-549-07376-3; List, Berlin 2011, ISBN 978-3-548-61033-7
  3. The Thirteenth Tribe (englisch). Abgerufen am 7. Mai 2015.
  4. Eran Elhaik: The Missing Link of Jewish European Ancestry: Contrasting the Rhineland and the Khazarian Hypotheses. In: Genome Biol. Evol. 5, 2013, S. 75–76 doi:10.1093/gbe/evs129 (englisch)


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Chasaren aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.