Christian Kreiß

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Christian Kreiß, 2020

Christian Kreiß (* 1962 in München) ist ein deutscher Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Aalen. Seine Schwerpunkte sind Finanzierung und Wirtschaftspolitik. In seinen Sachbüchern kritisiert er die Prämissen der neoliberalen Wirtschaftstheorie und warnt vor ihren sozialpolitischen Folgen.

Leben

Christian Kreiß machte das Abitur am Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting und studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität München. Er wurde Assistent bei Knut Borchardt und 1992 zum Thema Kartellpreispolitik 1924-1932 in Wirtschaftsgeschichte promoviert.

Er arbeitete ab 1993 bei der Commerzbank als Bankangestellter, ab 1995 im Investmentbanking bei der Bayerischen Landesbank München, ab 1998 in der Dresdner Bank Gruppe.

Seit 2002 ist Kreiß Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft.

2013 legte er zusammen mit Stefan Schridde eine von der Bundestagsfraktion Die Grünen in Auftrag gegebene Studie zur geplanten Obsoleszenz vor.[1]

Publikationen

Das Mephisto-Prinzip, 2019

Angewendet auf das Wirtschaftsleben bedeutet das Mephisto-Prinzip, dass möglichst falsche und schädliche Grundannahmen oder Axiome eingeführt werden müssen, die aber auf den ersten Blick plausibel, gut und vernünftig erscheinen. Diese 7 Axiome sind: 1. Unersättlichkeit 2. Zinseszins ist gut, richtig und wichtig 3. Eigentum in beliebiger Höhe ist gut, richtig und wichtig 4. Unternehmen sollen ihre Gewinne maximieren 5. Konsumenten maximieren rational ihren Eigennutzen 6. Konkurrenz und Wettbewerb sind gut 7. Die unsichtbare Hand des Marktes überführt das eigennützige Verhalten der Marktteilnehmer in das Wohl der Allgemeinheit.

Nach ihrer Erläuterung folgen 7 Kapitel zu den schädlichen Wirkungen dieser Axiome. Im Anschluss entwirft der Autor ein Gegenmodell menschengerechter Wirtschaft und beschreibt Wege zu seiner Realisierung. Hinter der ökonomischen Fehlentwicklung sieht der Autor den "Kampf um die Ausschaltung des Christentums": Die heutigen Wirtschaftswissenschaften sind seiner Einschätzung nach auf vielen Gebieten ein Frontalangriff auf das Christentum. Der Schlüsselsatz aus dem Christoph Lütges „Wirtschaftsethik“ dient ihm als Nachweis des Ungeistes der Wirthschaftswissenschaft:
„Man kann das Eigeninteresse – innerhalb der geeigneten Rahmenordnung – gewissermaßen als eine „moderne Form der Nächstenliebe“ begreifen […]. Es gilt also nicht mehr der traditionelle Gegensatz zwischen gutem, altruistischen Verhalten und schlechtem Egoismus.“
Altruismus und Nächstenliebe, zwei zentrale Grundpfeiler des Christentums, so Kreiß, würden dadurch aufgehoben. (S. 197f)

Positionen

Geplante Obsoleszenz

Kreiß belegt seine These der systematischen geplanten Obsoleszenz an vielen Einzelbeispielen. Material des Buches ist teilweise das Gutachten, das er 2013 für die Bundestagsfraktion der Grünen zusammen mit dem Betriebswirt Stefan Schridde erstellte.

Kreiß untersucht Erscheinungsformen, Ausmaß, Auswirkungen und Ursachen und Auswirkungen. Gewollte Produktdefekte wie bei Glühbirnen bekannt, sind nur eine Maßnahme neben funktionellem und psychologischem Verschleiß, wenn Produkte als veraltet und unmodern empfunden werden. Den volkswirtschaftlichen Schaden beziffert der Autor auf 100 Milliarden Euro pro Jahr. Als Gegenmaßnahme schlägt Kreiß vor, Werbung einzuschränken, die Lebensdauer zu kennzeichnen besteht und Medien unabhängig von Werbeeinnahmen zu machen. "Der Autor zeichnet das Idealbild einer entschleunigten Welt, in der Produkte nicht weggeworfen, sondern repariert werden", so der Rezensent von spektrum.de. "Einer Gesellschaft, die – zu diesen pathetischen Abschlussworten versteigt er sich unnötigerweise – auf dem Weg zu mehr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sei."[2]

Drittmittel

In „Gekaufte Wissenschaft“ stellt Christian Kreiß dar, dass Hochschulen bei der immer größeren Anteil gewinnenden Drittmittelforschung in Abhängigkeit von Wirtschaftsakteuren geraten seien. Diese steuerten die Wissenschaft zu ihren Zwecken: "Gutachten, die Gesundheitsrisiken verschweigen, Professoren, die bei kritischen Veröffentlichungen um ihre Stelle bangen, Hochschulen, die den Geldgebern vertraglich Einflussnahme zusichern." Die Einflussnahmen, die er mit vielen Beispielen belegt, sieht er als systemimmanentes Problem, nicht als zufällige Einzelerscheinungen. Hinter ihnen sieht er falsche Annahmen, einmal über die angeblich nachweisbar segensreiche Wirkung des Sponsorings, außerdem den Glauben, man könne die "Schere im Kopf", also die Selbstzensur, vertraglich ausschließen. Diese Auffassung von Kreiß wird als "Generalverdacht" kritisiert, außerdem wurde auch sein eigenes Buch von der Stiftung Hübner und Kennedy gGmbH gesponsert.

Auch über die Vergabe von Regierungsgeldern, so Kreiß, entscheiden letztlich Wirtschaftsvertreter, etwa über die Gremien "Innovationsdialog" oder "Forschungsunion".[3]

Kritik äußerte Kreiß insbesondere auch an Facebook und der Ernennung Christoph Lütges an der TU München zum Leiter des neu gegründeten Ethik-Instituts.[4]
"Der ganze Bewerbungsprozess ist an der TU weggefallen, die 6,5 Millionen Euro sind direkt einer bereits existierenden Person zugesprochen worden. (...) So eine Auswahl per Handschlag widerspricht dem Gesetz.[5]

Corona-Krise

Datei:Querdenken 731 (Ulm) 13. Juni 2020 (22).JPG
Christian Kreiß bei Querdenken 731 in Ulm am 13. Juni 2020

Nach Kreiß trifft "eine Schuldenblase, zu schwache Massennachfrage und eine Überkapazität von etwa einem Drittel auf eine medial erzeugte Corona-Massenhysterie und willige Politiker, die das öffentliche Leben und damit die Massennachfrage fast zum Stillstand bringen. Das ist eine extrem brisante Situation, börsentechnisch gesprochen: der perfekte Sturm."

Den schlimmen Zuständen werde durch die zunehmende Ausschaltung von Bürgerrechten und Ermächtigungsgesetze vorgebeugt. Er rechne mit starken nationalen Konflikten innerhalb Europas und einem Zerbrechen des Euro. Das dürfte Europa in Chaos und Streit führen. Profitieren würde davon die Macht- und Finanzelite, "maskiert wird das alles durch teilweise hysterieartige Angst vor Krankheit, Infektion und Tod durch das Corona-Virus." Die "Bereinigungskrise" würde unsere Menschenrechte einschränken und die Demokratie aushöhlen.[6]

Schriften (Auswahl)

  • Preispolitik deutscher Kartelle an der Nahtstelle zwischen eisenschaffender und eisenverarbeitender Industrie 1924 bis 1932. Diss. oec. publ. Univ. München, 1992.
  • Profitwahn: Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt. Tectum Verlag, Marburg 2013
  • Geplanter Verschleiß: Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt - und wie wir uns dagegen wehren können. Europa-Verlag, Berlin 2014
  • Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne. Europa-Verlag, Berlin, 2015
  • Sozialer Krebs und 70-jährige Krisenzyklen. In: Ein Nachrichtenblatt. Für Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, 5. April 2015, 5. Jahrgang, Nr. 7, S. 1 - 2
  • Werbung - nein danke. Warum wir ohne Werbung viel besser leben könnten. Europa Verlag, München, 2016
  • Blenden Wuchern Lamentieren - Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt, zusammen mit Heinz Siebenbrock. München : Europa Verlag, 2019
  • Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft. Hamburg : tredition Verlag, 2019
  • Gekaufte Wissenschaft - Wie uns manipulierte Hochschulforschung schadet und was wir dagegen tun können: Hamburg, tredition Verlag, 2020

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Produktverschleiß. Gekauft, gebraucht, kaputt, bei: Die Grünen. Bundestagsfraktion, 21. März 2013
  2. Gewollter Murks. Abgerufen am 1. Juni 2020.
  3. Jens Wernicke: Missbrauchte Wissenschaft. Abgerufen am 2. März 2020.
  4. Valentin Dornis: Künstliche Intelligenz: Facebook finanziert Forschung. Abgerufen am 1. Juni 2020.
  5. Sabine Buchwald: TU München: Wenn Facebook in die Uni investiert. Abgerufen am 1. Juni 2020.
  6. Christian Kreiß: Die Corona-Angst und die kommende Wirtschaftsdepression. Abgerufen am 1. Juni 2020.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Christian Kreiß aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.