Christiane Nüsslein-Volhard

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christiane Nüsslein-Volhard (2007)

Christiane Nüsslein-Volhard (* 20. Oktober 1942 in Heyrothsberge bei Magdeburg) ist eine deutsche Biologin und Biochemikerin. In Fachveröffentlichungen wird ihr Name teilweise mit CNV abgekürzt.

Forschung

Christiane Nüsslein-Volhard beschäftigt sich mit Genforschung und Entwicklungsbiologie und war von 1985 bis 2014 Direktorin der Abteilung Genetik des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Sie leitet seither am selben MPI weiterhin eine große Emeritus-Forschungsgruppe mit dem Titel Color pattern formation. Sie erhielt 1995 zusammen mit Eric F. Wieschaus und Edward B. Lewis den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Forschungen über die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung.[1]

Kutikulapräparation eines etwa 22h alten Embryos von Drosophila melanogaster. Ventrale Ansicht mit Dentikeln. Anterior (der Kopf) ist links. 200-fache Vergrößerung.
Drosophila melanogaster (Männchen)

An der Taufliege Drosophila melanogaster hat Christiane Nüsslein-Volhard zahlreiche Gene entdeckt und beschrieben, die die Entwicklung steuern und entscheidende Funktionen bei der Gestaltbildung im Embryo haben. In molekularen Studien wurden die Funktionen einiger dieser Gene im Organismus aufgeklärt. Dabei wurden neue gestaltbildende Mechanismen nachgewiesen, wie Gradienten, bei denen bestimmte Faktoren, Morphogene, die Position im Ei bestimmen. Vergleiche zwischen verschiedenen Organismen einschließlich des Menschen haben einen hohen Grad der Verwandtschaft ihrer Gene ergeben.

Zebrabärbling (Danio rerio)

Seit etwa 15 Jahren arbeitet die Gruppe von Christiane Nüsslein-Volhard auch am Zebrabärbling (Danio rerio), der ein hervorragendes neues Modellsystem für die Untersuchung der Gestaltbildung bei Wirbeltieren darstellt. Die Entwicklung lässt sich im durchsichtigen Embryo, der sich außerhalb des mütterlichen Organismus entwickelt, besonders gut beobachten. Neue Forschungen befassen sich mit Prozessen der Zellwanderung bei der Organentwicklung und mit der Entwicklung der Haut und ihrer Spezialisierungen. Weitere Projekte betreffen die genetische Kontrolle der Entwicklung der Strukturen der ausgewachsenen Fische wie Farbmuster, Schuppen und Flossen. Ein Ziel dieser Forschung ist es, Gene zu finden, die bei der Variation der Formen während der Evolution eine Rolle spielen.

Siehe auch

Veröffentlichungen

  • Von Genen und Embryonen. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-018262-X.
  • Das Werden des Lebens – Wie Gene die Entwicklung steuern. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51818-4.
  • Wann ist ein Mensch ein Mensch? C. F. Müller, 2003.
  • Gradienten als Organisatoren der Embryonalentwicklung. In: Spektrum der Wissenschaft.
  • Mein Kochbuch. Insel, ISBN 978-3-458-06880-8.
  • Coming to life: how genes drive development. Kales Press, USA 2006, ISBN 978-0-9670076-7-0.

Veröffentlichungen in Fachzeitschriften (Auswahl)

  • C. Nüsslein-Volhard, E. Wieschaus: Mutations affecting segment number and polarity. Nature 287 (1980), S. 795–801.
  • W. Driever, C. Nüsslein-Volhard: A gradient of bicoid protein in the Drosophila embryo. Cell 54 (1988), S. 83–94.
  • D. St.Johnston, C. Nüsslein-Volhard: The Origin of Pattern and Polarity in the Drosophila Embryo. Cell 68 (1992), S. 201–219.
  • C. Nüsslein-Volhard: The identification of Genes controlling Development in Flies and Fishes. Les Prix Nobel, Stockholm 1996.
  • H. Knaut, C. Werz, R. Geisler, C. Nüsslein-Volhard (The Tübingen 2000 screen Consortium): A zebrafish homologue of the chemokine receptor Cxcr4 is a germ-cell guidance receptor. Nature 421(6920) (2003), S. 279–282.
  • D. Gilmour, H. Knaut, H.-M. Maischein, C. Nüsslein-Volhard: Towing of sensory axons by their migrating target cells in vivo. Nature Neurosci. 7(5) (2004), S. 491–492.

Populärwissenschaftliche Veröffentlichungen

  • Vom Ei zum Organismus. Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1991, S. 37–52.
  • Die Neubildung von Gestalten bei der Entwicklung der Tiere. Verhandlungsband der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte, 1993.
  • Gradienten als Organisatoren der Embryonalentwicklung. Spektrum der Wissenschaft, Oktober 1996.
  • Genetik für Gourmets. Offener Brief an Wolfram Siebeck. Die Zeit, November 1998.
  • Den Göttern gleich ich nicht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Februar 2001.
  • Wann ist ein Tier ein Tier, ein Mensch kein Mensch? Frankfurter Allgemeine Zeitung, Oktober 2001.
  • Von Genen und Embryonen. Berliner Lektion, 2001.
  • Der Mensch nach Maß – unmöglich. Süddeutsche Zeitung am Wochenende, Dezember 2001.
  • Frauen an die Forschungsfront. Die Zeit, Mai 2002.
  • Kinderwunsch – Wunschkinder. Ein Pro zur Präimplantationsdiagnostik. In: Emma, 2002.
  • Forschung an menschlichen Embryonen? In: Knoepffler, Schipanski (Hrsg.): Humanbiotechnologie als gesellschaftliche Herausforderung. Verlag Karl Alber, 2005, S. 25–44.
  • Warum Tiere so verschieden aussehen: Von Fliegen, Fischen und der Entstehung der Wirbeltiere. In: Vom Urknall zum Bewusstsein. Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Georg Thieme Verlag, 2007, S. 207–224.

Einzelnachweise

  1. Informationen der Nobelstiftung zur Preisverleihung 1995 an Christiane Nüsslein-Volhard (englisch)


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Christiane Nüsslein-Volhard aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.