Deutscher Idealismus

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Philosophen des deutschen Idealismus. Kant (oben links), Fichte (oben rechts), Schelling (unten links), Hegel (unten rechts)

Der deutsche Idealismus war eine Epoche der neuzeitlichen Philosophie, die etwa vom letzten Drittel des 18. bis zum Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts reichte und vor allem von Kant und dem Dreigestirn Fichte, Schelling und Hegel und deren metaphysischen Positionen geprägt wurde. Als Eckdaten werden meist das Erscheinen von Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) und der Tod Hegels (1831) genommen. Diese Epoche wurde vielfach als Blütezeit der deutschen Philosophie angesehen und bildete den wesentlichen geistigen Hintergrund der Goethezeit.

„Nur eine philosophische Richtung hat den Beinamen «deutsch» erhalten – der deutsche Idealismus. Warum? Einerseits ist er die intellektuell anspruchsvollste Philosophie gewesen, die Deutschland hervorgebracht hat; andererseits gelang es ihm, nahezu alle innovativen Leistungen der früheren deutschen Philosophie in Form eines Systems, der komplexesten Gestalt des philosophischen Denkens, zu integrieren. Die religiöse Motivation der drei Hauptfiguren, die alle Theologie studiert hatten, trug dazu bei, daß eine weltgeschichtlich neue Form philosophischer Religiosität entstand, die das deutsche, zumal protestantische, aber in Ansätzen auch katholische Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägte, ja, in Ausläufern noch bei Thomas Mann zu spüren ist und zu der es in anderen europäischen Ländern kaum ein Äquivalent gab.“ (Lit.: Hösle, S. 106)

„Mit Kant und dem deutschen Idealismus beginnt eine Erneuerung der Philosophie. Sie steigt wieder in die Tiefe, wird wieder Grundlagenforschung und versucht von einem letzten, einheitlichen Grund aus das Gesamt des Seins in einer geschlossenen philosophischen Systematik zu verstehen. Bei Kant treffen wir auf ein nach allen. Seiten hin vollständig durchkonstruiertes philosophisches Bauwerk. Es überwiegt bei ihm aber noch die Kritik. Bei den deutschen Idealisten jedoch, bei Fichte, Schelling und Hegel, entste- hen gewaltige, ganz positiv gehaltene philosophische Systeme, die an spekulativer Kraft die großen Systeme des 17. und 18. Jahrhunderts noch übertreffen. Sie begründen, was man mit dem Begriff »deutsche Philosophie« zu bezeichnen pflegt: typische Geistphilosophie, abstrakte Spekulation, kühne Konstruktion bis zur Begriffsdichtung, schwierige Gedankengänge und oft unverständliche Sprache, aber ein Philosophieren, das immer getragen ist von einem hohen ethischen und metaphysischen Idealismus.“ (Lit.: Hirschberger, S. 267)

Diese Entwicklung wurde laut Rudolf Steiner möglich durch das stärkere Eingreifen des deutschen Volksgeistes. Der deutsche Volksgeist hat eine bestimmte Eigentümlichkeit, durch die er sich von anderen Volksgeistern unterscheidet. Wenn der Volksgeist allmählich heruntersteigt, ergreift er zunächst das Seelische des Menschen und wirkt dann, indem er noch weiter heruntersteigt, bis ins Leibliche hinein und prägt diesem den Volkscharakter ein. Das ist auch beim deutschen Volksgeist der Fall, aber während sonst der Volksgeist dann für lange Zeit weiter im Leiblichen wirkt, löst er sich vom deutschen Volk nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder los und steigt wieder auf. Dieses Hin- und wieder Zurückschwingen macht die Eigenart des deutschen Volksgeistes aus.

„Wir können nun die Frage aufwerfen: Wie ist das nun mit dem deutschen Volke? Trat da auch einmal ein Zeitpunkt ein, in dem der Erzengel eine bestimmte Stufe erlangt hat? - Ein solcher Zeitpunkt trat schon ein. Aber nun besteht ein gewisser Unterschied gerade des deutschen Volkes von den andern Völkern. Wir wissen, daß des Menschen Seele aus Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele besteht. Das können Sie auch schon aus den Vorträgen über die Volksseelen entnehmen, daß der Erzengel beim italienischen Volk vorzugsweise nach seiner Macht strebt, in die Empfindungsseele zu wirken, bei dem französischen Volk in die Verstandes- oder Gemütsseele und beim britischen Volk in die Bewußtseinsseele, beim deutschen Volke in das Ich, das über die drei Seelenglieder seine Macht erstreckt. Daher ist auch das Verhältnis des Erzengels zu den einzelnen Ichen des deutschen Volkes ein anderes als bei den westlichen Völkern. Es kam schon ein Zeitpunkt, wo der Erzengel des deutschen Volkes auch in das physische Leben oder das niedere Seelenleben, insofern es das Physische ergreift, hineingegriffen hat. Das ist ungefähr die Zeit zwischen 1750 und, man kann sagen, 1830. Wenn man einmal die Dinge ganz vernünftig studieren wird, dann wird man ganz wunderbare Aufschlüsse über den Gang der Völkerentwickelung bekommen. Und wenn jemand sich nur darauf einlassen würde, den wirklich großartigen, grandiosen Unterschied zu betrachten, der im deutschen Leben herrscht in den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts und den Menschen, die zweihundert Jahre vorher gelebt haben, dann würde er sehen, wie gewaltig dieser Unterschied ist. Dazumal griff der Erzengel in den Nationalcharakter des deutschen Volkes ein, so wie die Erzengel bei den andern Völkern in den Zeitpunkten, die ich bezeichnete, eingegriffen haben. Aber, man möchte sagen, er ließ wieder ab, er prägte nicht so energisch, so gründlich die Physis um, wie es bei den andern Völkern geschah.“ (Lit.:GA 159, S. 140f)

„Wenn wir nun auf die Entwickelung des deutschen Volksgeistes sehen, so nehmen wir etwas Ähnliches wahr in der Zeit ungefähr zwischen den Jahren 1750 bis 1850. Aber wir müssen hier kurioserweise sagen: dieser Volksgeist steigt da herunter, aber er steigt wieder hinauf. Und das ist das Bedeutsame. Einen Prozeß, der sich abgespielt hat bei den westlichen Völkern, können wir nur so verfolgen, daß wir die Volksgeister sich senken und die Völker ergreifen sehen. Beim deutschen Volke sehen wir, wie der Volksgeist sich auch senkt um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, wie aber dieser Volksgeist in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wieder hinaufsteigt, so daß hier ein ganz anderes Verhältnis da ist. Es wird nur ein Anlauf genommen, den deutschen Charakter zu einem eminenten Volkscharakter auszubilden, aber das wird nur eine Weile gemacht. Nachdem einiges hierin getan ist, steigt der Volksgeist wiederum zurück, hinauf, um wiederum bloß auf das Seelische zu wirken.

Die Blütezeit des deutschen Geisteslebens fällt in die Zeit, wo der Volksgeist am tiefsten heruntergestiegen war. Selbstverständlich bleibt der Volksgeist seinem Volke. Aber er hält sich jetzt wieder in geistigen Höhen auf. Das ist das Eigentümliche des deutschen Volksgeistes. Auch früher ist er schon heruntergestiegen, hat aber dann wieder abgelassen von einem zu starken Nationalisieren. Ein solches Kristallisieren in der Nationalität, wie bei den westlichen Völkern, kann beim deutschen Volke durch die Eigentümlichkeit des deutschen Volksgeistes gar nicht eintreten. Daher muß das deutsche Wesen immer universeller bleiben als andere Volkswesen. Es hängen diese Dinge in der Tat mit tiefen Wahrheiten der geistigen Welten zusammen. Würde man in der Zeit Goethes den deutschen Volksgeist gesucht haben, würde man ihn etwa auf demselben Niveau gefunden haben, wo man den englischen oder französischen oder italienischen Volksgeist gefunden hätte. Sucht man ihn heute, dann muß man höher hinaufsteigen. Es werden wieder Zeiten kommen, wo er heruntersteigt, es werden wieder Zeiten kommen, wo er hinaufsteigt. Das Hin- und Herschwingen ist das Eigentümliche des deutschen Volksgeistes.“ (Lit.:GA 157, S. 224f)

Siehe auch

Literatur

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