Drudenfuß

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Der Drudenfuß ist ein umgekehrtes Pentagramm und galt im Mittelalter bis zum beginnenden Bewusstseinsseelenzeitalter als Bannzeichen gegen das Böse und insbesonders als Abwehrzeichen gegen die nächtlichen Dämonen, die Druden, von denen man annahm, dass sie einen vogelartigen Fußabdruck in Gestalt eines umgedrehten Pentagramms hinterlassen.

Der Drudenfuß gilt zugleich als Symbol des Teufels selbst, wobei die beiden nach oben gekehrten Spitzen des Fünfecks die Hörner des Teufels andeuten. Der französische Okkultist Éliphas Lévi deutet das Zeichen in seiner Schrift Dogme et rituel de la haute magie als „Zeichen der Ziege des Sabbaths“, wobei die fünf Zacken für die Hörner, die Ohren und den Bart der Ziege stehen sollen. Das regulär auf zwei Spitzen stehende Pentagramm, das Pentagrammaton, wurde hingegen auf Jesus Christus bezogen, indem der hebräische Name יהושוע‎ (Jehoschua) vom Tetragrammaton יהוה‎ (JHWH) abgeleitet und als יהשוה‎ (Jeschua) geschrieben wurde.[1][2]

"Kehren wir nun das Pentagramm um, so daß seine Spitze nach unten gerichtet ist, so nennen wir dies «das Zeichen der schwarzen Magie».

Zeichnung aus GA 266a, S 184

Die schwarze Magie zieht mittelst der Spitze die niederen schlechten Kräfte der Erde an sich heran und durch die beiden oberen Hörner sendet der schwarze Magier mittelst seines bösen Willens diese schlechten Einflüsse in die Umwelt aus, um die Kräfte der Natur und der Seele seinen schlechten Zwecken in egoistischer Weise dienstbar zu machen.[3]

Im ersten Teil von Goethes Faust-Tragödie (Vers 1395 f.) wird Mephistopheles durch ein auf der Spitze stehendes Pentagramm bzw. einen Drudenfuß mit einem offenen Winkel nach außen zu daran gehindert, Fausts Studierzimmer wieder zu verlassen:

MEPHISTOPHELES. Gesteh ichs nur! Daß ich hinausspaziere,
Verbietet mir ein kleines Hindernis:
Der Drudenfuß auf Eurer Schwelle -
FAUST. Das Pentagramma macht dir Pein?
Ei, sage mir, du Sohn der Hölle:
Wenn das dich bannt, wie kamst du denn herein?
Wie ward ein solcher Geist betrogen?
MEPHISTOPHELES. Beschaut es recht! es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach außenzu,
Ist, wie du siehst, ein wenig offen.

Einen Hinweis für das tiefere Verständnis dieser Szene findet sich in einer Teilnehmernachschrift zu einer Instruktionsstunde für den 2.° der Erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule in Berlin im Dezember 1911:

Zeichnung aus GA 265, S. 349
„So erschien der Engel dem Adam im Paradiese unter dem Feigenbaum. Wie sein - des Engels Bild - schaute Adam dieses Zeichen, und Adam gelobte sich, daß er nie abirren will von der Macht, die in J.B. dokumentiert ist. Und immer fand Adam Kraft und Beseligung, wenn er die Stelle aufsuchte, wo die Erscheinung möglich war.
Zeichnung aus GA 265, S. 349
In der lemurischen Zeit hatte er es aber nun doch getan und war abgeirrt von der Macht J. B. durch Luzifer, der die Versuchung gebracht. Und als Adam darnach die Stätte der Erscheinung des Engels wieder aufsuchte, da empfand er dort nun Schrecken über seine eigene Wesenheit. Das gestürzte Pentagramm, offen an einer Seite (also) umgekehrt, in diesem Zeichen erschien dem Adam jetzt der Engel, drohend mit dem feurigen Schwert, und Adam floh.“ (Lit.:GA 265, S. 349)

Anmerkungen

  1. The Pentagram as Pentagrammaton. Byzant Mystical. Abgerufen am 2012-07-25. (englisch)
  2.  Paula Findlen: Athanasius Kircher: The Last Man Who Knew Everything. Routledge, New York City/London 2004, ISBN 0-415-94015-X, S. 154 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche, abgerufen am 25. Juli 2012).
  3. Persönliche Anmerkung des Aufzeichners, nicht in der esoterischen Stunde mitgeteilt: «Im Mittelalter wurde es treffend <das Zeichen des Teufels> genannt, wie auch das umgekehrte göttliche Pentagramm in Form des Kreuzeszeichens als die wirksamste Waffe gegen die teuflischen Einflüsse angewandt wurde.»

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266/1 (1995), ISBN 3-7274-2661-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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