Elektrizität

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Elektrizität (von griech. ήλεκτρον elektron „hellgold, nach der Farbe des Bernsteins“) ist aus physikalischer Sicht eine zusammenfassende Bezeichnung für alle Phänomene, die durch ruhende oder bewegte elektrischen Ladungen und die damit verbundenen elektrischen und magnetischen Felder hervorgerufen werden. Nach dem Prinzip der Ladungserhaltung ist die Summe der in einem abgeschlossenen System enthaltenen Ladung konstant.

Elektrizität und Magnetismus

Elektrizität und Magnetismus sind eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam als Elektromagnetismus eine der vier heute bekannten Grundkräfte der Physik. Von 1861 bis 1864 entwickelte James Clerk Maxwell mit den nach ihm benannten Maxwellschen Gleichungen eine mathematisch exakte Beschreibung aller Phänomene des klassischen Elektromagnetismus. Die quantenfeldtheoretische Beschreibung des Elektromagnetismus erfolgt gegenwärtig im Rahmen der Quantenelektrodynamik (QED). Diese wird heute zusammen mit der schwachen Wechselwirkung in der vereinheitlichten Theorie der elektroschwachen Wechselwirkung dargestellt.

Physikalische Grundlagen der Elektrizität

Das Coulombsche Gesetz: Die Kraft zwischen zwei punktförmigen Ladungen nimmt mit dem Quadrat ihres Abstands ab; Ladungen mit gleichem Vorzeichen stoßen einander ab, solche mit unterschiedlichen Vorzeichen ziehen einander an.

Als Ladungsträger, d.h. als materielle Träger der elektrischen Ladung, gelten heute vor allem negativ geladene Elektronen und positiv geladene Protonen bzw. Ionen. Gleichnamige Ladungen stoßen einander ab, ungleichnamige Ladungen ziehen sich an. Ruhende oder bewegte elektrische Ladungen sind die Quellen des elektrischen Feldes, bewegte Ladungen darüber hinaus die Ursache magnetischer Felder. Durch periodisch schwingende elektrische Ladung werden Elektromagnetische Wellen erregt, die sich nach ihrer Entstehung unabhängig von den Ladungsträgern im Raum (als sog. Photonen) ausbreiten und gegebenenfalls mit der Materie in Wechselwirkung treten. Die Ausbreitung von Licht im Raum ist mit solchen elektromagnetischen Erscheinungen verbunden.

Die elektrische Ladungsdichte kann pro Volumen (Raumladungsdichte LaTeX: \rho in A·s·m−3), pro Fläche (Oberflächenladungsdichte LaTeX: \sigma) oder pro Länge (Linienladungsdichte LaTeX: \lambda) angegeben werden.

Die Kraft, die auf eine elektrische Ladung durch ein elektrisches oder magnetisches Feld ausgeübt wird, bezeichnet man als Lorentzkraft, benannt nach dem niederländischen Mathematiker und Physiker Hendrik Antoon Lorentz. Nach dem um 1785 von dem französischen Physiker Charles Augustin de Coulomb (1736-1806) entdeckten und später nach ihm benannten Coulombschen Gesetz nimmt die Coulombkraft LaTeX: F zwischen zwei punktförmigen Ladungen LaTeX: q_1, LaTeX: q_2 mit dem Quadrat des Abstandes LaTeX: r zwischen ihnen ab. LaTeX: \varepsilon_0 = 8{,}854\,187\ldots \cdot 10^{-12} \,\textstyle \mathrm{\frac{A\,s}{V\,m}} ist die elektrische Feldkonstante (auch: Dielektrizitätskonstante des Vakuums, Influenzkonstante):

LaTeX:  F = \frac{1}{4\pi\varepsilon_0} \frac{q_1 \, q_2}{r^2}

Der elektrische Strom beruht auf der Bewegung elektrischer Ladungen. Er wird in Festkörpern durch die Bewegung freier Elektronen, in Flüssigkeiten und Gasen durch Ionenbewegung erklärt. Bei den Festkörpern unterscheidet man zwischen elektrischen Leitern, Nichtleitern und Halbleitern. Ein System von elektrischen Leitern, in dem sich die Ladungsträger (z.B. Elektronen, Ionen) auf einem geschlossenen Weg bewegen können, bilden einen Stromkreis. Wechselt die Stromrichtung periodisch, spricht man von Wechselstrom, andernfalls von Gleichstrom. Ist der Stromkreis an einer oder mehreren Stellen unterbrochen (z.B. durch einen mechanischen oder elektronischen Schalter), spricht man von einem offenen Stromkreis.

Die Triebkraft des elektrischen Stromes ist die in Volt gemessene elektrische Spannung LaTeX: U, die der Potentialdifferenz zwischen zwei Punkten des elektrischen Feldes entspricht. Dabei wird unterschieden zwischen einer zeitlich mehr oder weniger konstanten Gleichspannung, bei der sich die Polarität nicht ändert, und einer Wechselspannung, bei der die Polarität periodisch wechselt.

Die Stärke elektrischer Ladungen wird in der SI-Einheit Coulomb (C) angegeben. 1 Coulomb wird dabei durch jene Ladungsmenge definiert, die innerhalb einer Sekunde bei einer Stromstärke LaTeX: I von 1 Ampere durch den Querschnitt eines elektrischen Leiters fließt. Ein Coulomb entspricht daher einer Amperesekunde (As):

LaTeX: \mathrm{1 \, C = 1 \; A s}

Die kleinste frei existierende positive oder negative elektrische Ladungsmenge wird als Elementarladung bezeichnet und ist eine universelle Naturkonstante. Ihr Wert wurde erstmals 1910 von dem US-amerikanischen Physiker Robert Andrews Millikan (1868-1953) mit dem nach ihm benannten Millikanschen Öltröpfchenversuch bestimmt:

LaTeX: e = 1{,}602\,176\,6208(98) \cdot 10^{-19} \, \mathrm{C}
Veranschaulichung der Ampere-Definition. Die blau eingezeichneten Kräfte haben jeweils den Betrag 2·10−7 N.

Das Ampere wird seit 1948 durch die Lorentzkraft definiert, die zwei stromdurchflossene Leiter aufeinander ausüben:

1 A ist die Stärke des zeitlich konstanten elektrischen Stromes, der im Vakuum zwischen zwei parallelen, unendlich langen, geraden Leitern mit vernachlässigbar kleinem, kreisförmigem Querschnitt und dem Abstand von 1 m zwischen diesen Leitern eine Kraft von 2·10−7 Newton pro Meter Leiterlänge hervorrufen würde.[1]

Die elektrische Energie bzw. die durch den elektrischen Strom verrichtete elektrische Arbeit errechnet sich aus dem Produkt der Potentialdifferenz, d.h. der elektrischen Spannung LaTeX: U und der Ladungsmenge LaTeX: Q. Sie wird im SI-System in Joule (J) oder Wattsekunden (Ws) angegeben; als größere Einheit ist die Kilowattstunde (kWh) gebräuchlich:

LaTeX: E = U \cdot Q = U \cdot I \cdot t

Die elektrische Leistung LaTeX: P, also die pro Zeiteinheit umgesetzte elektrische Energie, wird in Watt (W) angegeben und errechnet sich entsprechend aus dem Produkt von Spannung LaTeX: U und Stromstärke LaTeX: I:

LaTeX: P = U \cdot I

Elektrisches Feld

Jede elektrische Ladung erzeugt in ihrem Umkreis ein elektrisches Feld, dessen Stärke und Richtung durch die elektrische Feldstärke LaTeX: \vec E angegeben wird. Sie wird als vektorielle Größe definiert, die angibt, mit welcher Kraft LaTeX: \vec F das elektrische Feld auf eine kleine Probeladung LaTeX: q an einem gegebenen Ort einwirkt:

LaTeX: \vec{E} = \frac{{\vec{F}}}{q}\

Reibungselektrizität

Die Reibungselektrizität wurde erstmals um 550 v. Chr. von Thales von Milet anhand des Bernsteins beschrieben. Sie tritt bereits bei der Berührung unterschiedlicher, elektrisch nichtleitender Stoffe auf, kann aber durch Reibung aufgrund der größeren einander berührenden Oberflächen wesentlich verstärkt werden. Die aufgewendete Reibungskraft als solche hat dabei keinen Einfluss. Dabei kommt es zu einer Trennung der elektrischen Ladungen, die sich unterschiedlich auf die verwendeten Materialien verteilen. 1733 bezeichnet Charles du Fay die beiden Ladungsarten als Glaselektrizität (franz. électricité vitreuse), die der positiven Ladung entspricht, und als Harzelektrizität (franz. électricité résineuse), die der negativen Ladung entspricht. Er erkannte auch, dass die beiden Ladungsarten einander neutralisieren können.

„Nicht wahr, die elementaren Dinge der Elektrizitätslehre kennen Sie. Sie wissen, daß es das gibt, was man die Reibungselektrizität nennt, daß man eine Glasstange zum Entfalten einer Kraft bringt, indem man sie mit irgendeinem Reibzeug, wie man es nennt, reibt, oder auch eine Harzstange, daß dadurch die Glasstange oder Harzstange, wie man sagt, elektrisch wird, das heißt kleine Körper, Papierschnitzelchen, anzieht. Sie wissen auch, daß die Beobachtung der Erscheinungen allmählich ergeben hat, daß in ihrer Entfaltung verschieden sind die beiden Kräfte, die ausgehen im einen Fall von der geriebenen Glasstange, im anderen Fall von der geriebenen Harzstange oder der Siegellackstange: Wenn die Stange veranlaßt worden ist, Papierschnitzelchen anzuziehen, so wird dasjenige, was von der Glasstange in einer bestimmten Weise, wie man sagt, elektrisch durchtränkt wird, in der entgegengesetzten Weise von der Harzstangen-Elektrizität elektrisch durchtränkt, und man unterscheidet daher, indem man sich mehr an das Qualitative anschließt, Glaselektrizität und Harzelektrizität, oder, indem man das bloß mehr allgemein ausdrückt, positive Elektrizität und negative Elektrizität. Die Glaselektrizität würde die positive, die Harzelektrizität die negative sein.

Nun ist das Eigentümliche, daß positive Elektrizität negative Elektrizität immer in gewisser Weise herbeizieht. Sie können diese Erscheinung an der sogenannten Leidener Flasche ersehen, also jenem Gefäß, das außen mit einem elektrisierbaren Belag versehen ist, das hier dann isoliert ist, das dann im Innern mit einem anderen Belag versehen ist, der sich fortsetzt in eine Metallstange mit einem Metallknopf. Wenn man nun eine Metallstange elektrisch gemacht hat

Leidener Flasche, Zeichnung aus GA 320, S. 147

und diese Elektrizität mitteilt - was man kann - dem äußeren Belag, so wird der äußere Belag zum Beispiel positiv elektrisch, erzeugt die Erscheinungen der positiven Elektrizität. Dadurch aber wird der innere Belag negativ elektrisch. Und wir können, wie Sie wissen, dann, indem wir verbinden den Belag, der mit positiver Elektrizität angefüllt ist, und den Belag, der mit negativer Elektrizität angefüllt ist, es zu einer Verbindung der positiv elektrischen und negativ elektrischen Kraft bringen, wenn wir sie in eine solche Lage versetzen, daß die eine Elektrizität sich bis hierher fortsetzen kann und gegenübersteht der anderen. Sie stehen sich mit einer gewissen Spannung gegenüber und fordern ihren Ausgleich. Es springt der Funke von dem einen Belag auf den andern über. Wir sehen also, daß Elektrizitätskräfte, die sich so gegenüberstehen, eine gewisse Spannung haben und zum Ausgleich streben. Der Versuch wird vor Ihnen oftmals gemacht worden sein. Sie sehen hier die Leidener Flasche. Aber wir brauchen noch eine Gabel. Ich will einmal hier laden. Es ist noch zu schwach. Ein bißchen stoßen sich die Plättchen ab. Es würde also, wenn wir hier genügend laden würden, die positive Elektrizität die negative hervorrufen, und wir würden, wenn wir beide einander gegenüberstehend hätten, durch eine Entladungsgabel den Funken zum Überspringen bringen. Sie wissen aber auch, daß diese Art, elektrisch zu werden, mit dem Ausdruck Reibungselektrizität bezeichnet wird, weil man es zu tun hat eben mit der durch Reibung hervorgegangenen, irgendwie gearteten Kraft - so möchte ich vorläufig sagen.“ (Lit.:GA 320, S. 146ff)

Berührungselektrizität

Hauptartikel: Kontaktelektrizität

Der Begriff Kontaktelektrizität bzw. Berührungselektrizität wurde von Alessandro Volta geprägt und stand im Gegensatz zu der von Luigi Galvani vertretenen These der animalischen Elektrizität. Tatsächlich umfasst die Berührungselektrizität einen sehr weiten Bereich unterschiedlicher elektrischer Phänomene, die an der Grenzfläche einander berührender Substanzen bzw. an der Grenzfläche zur Umgebung, z. B. auch zum Vakuum, auftreten. Die Reibungselektrizität ist in diesem Sinn ein Spezialfall der Kontaktelektrizität. Aufgrund der Heterogenität der Phänomene ist der Begriff „Kontaktelektrizität“ in der Physik heute nicht mehr gebräuchlich.

„Nun wurde, wie ich Ihnen auch nur zu wiederholen brauche, eigentlich erst um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu dieser Reibungselektrizität hinzugefunden, entdeckt dasjenige, was man Berührungselektrizität nennt. Und damit wurde für die moderne Physik ein Gebiet eröffnet, das sich gerade außerordentlich fruchtbar erwiesen hat für die materialistische Ausgestaltung der Physik. Ich brauche Sie auch da nur an das Prinzip zu erinnern. Galvani beobachtete einen Froschschenkel, der in Verbindung war mit Metallplatten und der in Zuckungen geriet, und hatte damit eigentlich, man möchte sagen, etwas außerordentlich Bedeutsames gefunden, hatte zwei Dinge zugleich gefunden, die nur voneinander abgetrennt werden mußten und die heute noch nicht ganz sachgemäß voneinander abgetrennt sind zum Unheil der naturwissenschaftlichen Betrachtungen. Galvani hatte dasjenige gefunden, was wenig später Volta eben als die eigentliche Berührungselektrizität bezeichnen konnte. Er hatte die Tatsache gefunden, daß, wenn zwei verschiedene Metalle sich so berühren, daß ihre Berührung vermittelt wird durch entsprechende Flüssigkeiten, so entsteht eine Wechselwirkung, die in Form einer elektrischen Strömung von dem einen Metall zu dem andern sich äußern kann. Damit haben wir die elektrische Strömung, die verläuft rein auf dem Gebiete des unorganischen Lebens scheinbar, wir haben aber, indem wir hinblicken auf dasjenige, was Galvani eigentlich bloßlegte, auch noch das, was man gewissermaßen als physiologische Elektrizität bezeichnen kann, einen Kraftspannungszustand, der eigentlich immer besteht zwischen Muskel und Nerv und der geweckt werden kann, wenn elektrische Ströme durch Muskel und Nerv hindurchgeführt werden. So daß in der Tat dasjenige, was Galvani damals gesehen hat, zweierlei enthielt: Dasjenige, das man einfach auf unorganischem Gebiet nachbilden kann, indem man Metalle durch Vermittlung von Flüssigkeiten zur Ausbildung der elektrischen Ströme bringt, und dasjenige, was in jedem Organismus ist, bei gewissen elektrischen Fischen und anderen Tieren besonders hervortritt als Spannungszustand zwischen Muskel und Nerv, der sich für den äußeren Anblick ähnlich ausnimmt in seinem Ausgleich wie strömende Elektrizität und ihre Wirkungen. Damit war aber alles dasjenige gefunden, was dann zu gewaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritten auf materialistischem Gebiete einerseits geführt hat, was auf der anderen Seite so gewaltige, epochemachende Grundlagen für die Technik ergeben hat.“ (Lit.:GA 320, S. 148f)

Elektrizität in der Natur

In der Natur offenbart sich die Elektrizität am unmittelbarsten und spektakulärsten in der Erscheinung des Blitzes. In beseelten Lebewesen sind elektrische Erscheinungen mit der Nerven- und Muskeltätigkeit verbunden. Manche Fische, wie beispielsweise der Zitterrochen und der Zitteraal, können hohe elektrische Spannungen bis zu einigen 100 Volt aufbauen und Stromstöße mit bis zu ettlichen Ampere Stärke austeilen.

Einverleibung der elektrischen und magnetischen Kräften in der lemurischen Zeit

Die elektrischen und magnetischen Kräfte nahm der Mensch erst in der lemurischen Zeit in sein Wesen auf.

„Es gab einen Punkt in der Entwickelung, wo sich festsetzte im Innern des Menschen aus dem Kosmos heraus das, was wir heute kennen als magnetische und namentlich als elektrische Kräfte. Denn in uns leben auf geheimnisvolle Art auch die magnetischen und elektrischen Kräfte. Vor diesem Zeitalter, in der lemurischen Zeit, lebte der Mensch auf der Erde noch ohne die magnetischen und elektrischen Kräfte, die sich in seinem Nervensystem, zwischen den Nervenwirkungen und den Blutwirkungen geistig entwickeln. Da wurden ihm diese Kräfte einverleibt. Von den magnetischen Kräften wollen wir absehen, auch von einem gewissen Teile der elektrischen Kräfte wollen wir absehen. Dadurch nun, daß sich diese Kräfte, die ich als elektrische Kräfte im Galvanismus, im Voltaismus und so weiter bezeichnen will, also jene Kräfte, die heute in die Kultur so tief eingreifen, in der Urzeit in den menschlichen Organismus hineingelebt haben, mit dem menschlichen Leben verbanden, dadurch konnten diese Kräfte eine Zeitlang für das menschliche Bewußtsein unbekannt bleiben. Der Mensch trug sie im Innern, aber äußerlich blieben sie ihm unbekannt. Nun, die magnetischen, die anderen elektrischen Kräfte außer dem Galvanismus und Voltaismus lernten wir schon früher kennen. Denn Galvanismus, die Berührungselektrizität, die mehr, als man heute sich überlegt, unserem Zeitalter sein Karma aufdrückt von außen, sie wurde, wie Sie wissen, erst um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert durch Galvani und Volta gefunden. Über solche Dinge denkt man gewöhnlich viel zu wenig nach. Denken Sie einmal, dieser Galvani, einen Froschschenkel präpariert er. Dadurch, daß er ihn, wie man sagt, zufällig am Fenster befestigt und der Froschschenkel mit Eisen in Berührung kommt, zuckt er. Das ist der Anfang all der Entdeckungen, all der Erfindungen, die heute durch den elektrischen Strom unsere Erde beherrschen! Seit so kurzer Zeit ist das erst. Man denkt gewöhnlich nicht nach: Wie kommt es denn, daß die Menschheit so etwas früher nicht gewußt hat? Plötzlich taucht auf eine ganz wunderbare Art in einem Menschen dieser Gedanke auf; er wird darauf gestoßen, dieser Mensch, auf diesen Gedanken. Unser materialistisches Zeitalter denkt natürlich über solche Dinge nicht nach. Aber deshalb versteht unser materialistisches Zeitalter rein gar nichts wissenschaftlich von dem wirklichen Werdegang der Welt. Die Wahrheit ist diese:

Nachdem die Menschheit den Zeitpunkt in der lemurischen Zeit durchgemacht hatte, wo sie sich selbst jene Kräfte in ihr Inneres ein-

Zeichnung aus GA 171, S. 218

gepflanzt hat, oder wo sie eingepflanzt erhalten hat die Kräfte, die heute in der Elektrizität durch den Draht gehen, und die auf unsichtbare Weise im Menschen wirken, nachdem dieses Zeitalter vorübergegangen war, lebte gewissermaßen die Elektrizität im Innern des Menschen. Nun geht die Entwickelung nicht so vorwärts, wie man es leichthin zeichnet, so mit einem einfachen Strich. Man glaubt nur, die Zeit geht so vorwärts, daß sie ins Unendliche verfließt. Das ist aber eine ganz abstrakte Vorstellung. In Wahrheit geht die Zeit so, daß sie sich weiterbewegt, daß die Entwickelung wieder umgekehrt wird und zurückläuft. Nicht nur im Räume gehen diese Bewegungen in der Lemniskate vor sich, sondern auch in der Zeit.

Zeichnung aus GA 171, S. 218

Da war die Menschheit während der lemurischen Zeit (Kreuzungspunkt der Lemniskatenbewegung, siehe Zeichnung), als sie sich eingepflanzt hat in sich selber das elektrische Kraftprinzip. Diesen Weg (blau) ist sie gegangen in der atlantischen Zeit, und kam mit Bezug auf gewisse Kräfte in der nachatlantischen Zeit an um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert an den Punkt, genau an den Punkt in der Weltentwickelung, wo sie war in der alten lemurischen Zeit, als sie sich selber vom Kosmos herein das Elektrizitätsprinzip eingepflanzt hatte. Und das ist der Grund, daß Galvani dazumal die Elektrizität fand!“ (Lit.:GA 171, S. 216ff)

Das Wesen der Elektrizität aus anthroposophischer Sicht

Aus geisteswissenschaftlicher Sicht ist nach Rudolf Steiner Elektrizität als Licht im untermateriellen Zustand zu begreifen:

"Elektrizität ist Licht in untermateriellem Zustand. Da ist das Licht in der schwersten Weise zusammengepreßt. Dem Licht muß man auch Innerlichkeit zusprechen, es ist in jedem Punkte es selbst. Wärme kann sich in drei Richtungen des Raumes ausdehnen, beim Licht müssen wir von einer vierten sprechen: Es ist vierfach ausgedehnt; es hat Innerlichkeit als viertes." (Lit.: GA 130, S. 103)

Elektrizität entsteht, wenn die Kräfte des Lichtäthers in die untersinnliche Spiegelung der Astralwelt gestoßen werden, die das Reich Luzifers ist (Lit.: GA 130, S. 102f).

Elektrizität ist anderseits ahrimanisch gewordenes Licht, das aus uralten Zeiten stammt (Lit.: GA 224, S. 169).

Elektrizität als ahrimanisierte Sonnenkraft früherer Weltentwicklungsstufen

„Wir wissen, daß einstmals die Erde und die Sonne ein Körper waren. Das ist allerdings lange, sehr lange her: in der Saturnzeit, Sonnenzeit war es. Dann war eine kurze Wiederholung dieses Zustandes während der Erdenzeit. Aber dennoch ist etwas in der Erde zurückgeblieben, das dahin gehört. Das holen wir heute wieder heraus. Und wir holen es nicht nur aus dem Wiederholungszustande heraus, der sich während unserer Erdenzeit zugetragen hat, indem wir mit Steinkohle unsere Räume heizen, sondern wir holen es heraus, indem wir die Elektrizität benützen. Denn aus jenen Zeiten, in denen nach der alten Saturnzeit, zur Sonnenzeit, Sonne und Erde eines waren, da ist der Grund zu dem gelegt worden, daß wir auf der Erde Elektrizität haben. Wir haben mit der Elektrizität eine mit der Erde altverbundene Kraft, die Sonnenkraft ist, in der Erde verborgene Sonnenkraft.“ (Lit.:GA 224, S. 166f)

„Ach was - sagen die Menschen leicht, die nichts mehr von dem seelischen Verlauf des Jahres wissen wollen -, ein Tag ist wie der andere: Frühstück, Mittagsmahl, Teezeit, Souperzeit; es ist ja gut, wenn es zu Weihnachten etwas Besseres gibt, aber im Grunde genommen geht es so Tag für Tag das ganze Jahr hindurch. - Man sieht nur noch auf den Tag, das heißt auf das äußerlich Materielle des Menschen: Ach was, kosmische Zusammenhänge! Emanzipieren wir uns von einer solchen Weltanschauung! Machen wir uns doch klar, daß selbst die eigensinnige Buche den Kosmos nicht mehr braucht, daß wir ihr, wenn wir sie in ein geschlossenes Gefängnis sperren, doch nur in genügender Stärke elektrisches Licht beizubringen brauchen, dann wächst sie ohne die Sonne! - Nein, sie wächst eben nicht ohne die Sonne. Wir müssen nur in der richtigen Weise die Sonne aufzusuchen wissen, wenn wir so etwas tun. Wir müssen uns aber dann auch klar sein darüber, daß es nun doch etwas anderes ist, eine andere Beziehung. Mit weitem Blicke geschaut, stellt es sich schon heraus, daß es doch etwas anderes ist, ob wir die Buche im kosmischen Sonnenlichte gedeihen lassen, oder ob wir ihr das ahrimanisch gewordene, aus uralten Zeiten stammende Licht geben.“ (S. 168f)

Licht, Elektrizität, Atome und Moral

"Sehen Sie, als Leute meines Alters noch junge Dachse waren, da ist es keinem Menschen eingefallen, auf dem Gebiete der Physik etwa von Atomen anders zu reden, als daß kleine, unelastische oder auch meinetwillen elastische Kügelchen seien, die sich gegenseitig stoßen und dergleichen, und man hat dann die Ergebnisse dieser Stöße ausgerechnet. Es wäre dazumal noch niemandem eingefallen, das Atom so ohne weiteres vorzustellen, wie man es heute vorstellt: als ein Elektron, als eine Wesenheit, die eigentlich ganz und gar aus Elektrizität besteht.

Der Gedanke der Menschen ist ganz eingesponnen worden von der Elektrizität, und das seit noch gar nicht langer Zeit. Heute reden wir von den Atomen als von etwas, wo sich um eine Art kleiner Sonne, um einen Mittelpunkt herum, die Elektrizität lagert; von Elektronen reden wir. Wenn wir also hineinschauen in das Weltengetriebe, so vermuten wir überall Elektrizität. Da hängt schon die äußere Kultur mit dem Denken zusammen. Menschen, die nicht auf den elektrischen Bahnen fahren würden, würden sich auch die Atome nicht so elektrisch vorstellen.

Und wenn man nun hinschaut auf die Vorstellungen, die man vor dem Zeitalter der Elektrizität gehabt hat, so kann man von ihnen sagen: Sie haben dem Naturdenker noch die Freiheit gegeben, das Geistige in die Natur wenigstens abstrakt hineinzudenken. - Ein kleiner winziger Rest des scholastischen Realismus war noch vorhanden. Aber die Elektrizität ist dem modernen Menschen auf die Nerven gegangen und hat aus den Nerven alles, was Hinlenkung zum Geistigen ist, herausgeschlagen.

Es ist ja noch weiter gekommen. Das ganze ehrliche Licht, das durch den Weltenraum flutet, ist ja nach und nach verleumdet worden, auch so etwas Ähnliches zu sein wie die Elektrizität. Wenn man heute so über diese Dinge redet, dann kommt es natürlich jemandem, der mit seinem Kopf ganz untergetaucht ist in die elektrische Kulturwelle, so vor, als ob man lauter Unsinn redete. Aber das ist deshalb, weil dieser Mensch eben mit dem Kopf, der das als Unsinn anschaut, eben mit herausgehaltener Zunge wie der Hund, dem es ganz warm geworden ist, und mit der Geschichtslast auf dem Buckel, sich hinschleppt und mit historischen Begriffen belastet ist und nicht aus der unmittelbaren Gegenwart heraus reden kann.

Denn sehen Sie, mit der Elektrizität betritt man ein Gebiet, das sich dem imaginativen Anschauen anders darstellt als andere Naturgebiete. Solange man im Licht, in der Welt der Töne, also in Optik und Akustik geblieben war, so lange brauchte man nicht dasjenige moralisch zu beurteilen, was einem Stein, Pflanze, Tier, im Lichte als Farben, in der Gehörwelt als Töne kundgaben, weil man einen wenn auch schwachen Nachklang von der Realität der Begriffe und Ideen hatte. Aber die Elektrizität trieb einem diesen Nachklang aus. Und wenn man auf der einen Seite heute für die Welt der moralischen Impulse nicht imstande ist, die Realität zu finden, so ist man andererseits auf dem Felde dessen, was man heute als das wichtigste Ingrediens der Natur ansieht, erst recht nicht imstande, das Moralische zu finden.

Wenn heute einer den moralischen Impulsen reale Wirksamkeit zuschreibt, so daß sie die Kraft in sich haben, wie ein Pflanzenkeim später sinnliche Realität zu werden, dann gilt er als ein halber Narr. Wenn aber etwa heute jemand kommen würde und Naturwirkungen moralische Impulse zuschreiben würde, dann gälte er als ein ganzer Narr. Und dennoch, wer jemals mit wirklicher geistiger Anschauung den elektrischen Strom bewußt durch sein Nervensystem gehen gefühlt hat, der weiß, daß Elektrizität nicht bloß eine Naturströmung ist, sondern daß Elektrizität in der Natur zu gleicher Zeit ein Moralisches ist, und daß in dem Augenblicke, wo wir das Gebiet des Elektrischen betreten, wir uns zugleich in das Moralische hineinbegeben. Denn wenn Sie Ihren Fingerknöchel irgendwo in einen geschlossenen Strom einschalten, so fühlen Sie sogleich, daß sie Ihr Innenleben in ein Gebiet des Innenmenschen hineinerweitern, wo zugleich das Moralische herauskommt Sie können die Eigenelektrizität, die im Menschen liegt, in keinem andern Gebiete suchen, als wo zugleich die moralischen Impulse herauskommen. Wer die Totalität des Elektrischen erlebt, der erlebt eben zugleich das Naturmoralische. Und ahnungslos haben eigentlich die modernen Physiker einen sonderbaren Hokuspokus gemacht. Sie haben das Atom elektrisch vorgestellt und haben aus dem allgemeinen Zeitbewußtsein heraus vergessen, daß sie dann, wenn sie das Atom elektrisch vorstellen, diesem Atom, jedem Atom einen moralischen Impuls beilegen, es zugleich zu einem moralischen Wesen machen. Aber ich spreche jetzt unrichtig. Man macht nämlich das Atom, indem man es zum Elektron macht, nicht zu einem moralischen Wesen, sondern man macht es zu einem unmoralischen Wesen. In der Elektrizität sind allerdings schwimmend die moralischen Impulse, die Naturimpulse - aber das sind die unmoralischen, das sind die Instinkte des Bösen, die durch die obere Welt überwunden werden müssen.

Und der größte Gegensatz zur Elektrizität ist das Licht. Und es ist ein Vermischen des Guten und des Bösen, wenn man das Licht als Elektrizität ansieht. Man hat eben die wirkliche Anschauung des Bösen in der Naturordnung verloren, wenn man sich nicht bewußt ist, daß man eigentlich die Atome, indem man sie elektrifiziert, zu den Trägern des Bösen macht, nicht nur, wie ich im letzten Kursus ausgeführt habe, zu den Trägern des Toten, sondern zu den Trägern des Bösen. Zu den Trägem des Toten macht man sie, indem man sie überhaupt Atome sein läßt, indem man die Materie atomistisch vorstellt. In dem Augenblicke, wo man diesen Teil der Materie elektrifiziert, in demselben Augenblicke stellt man sich die Natur als das Böse vor. Denn elektrische Atome sind böse, kleine Dämonen." (Lit.: GA 220, S. 189ff)

Elektrizität, Materie und menschliche Gedanken

"Letztes Mal habe ich Ihnen aus einer Rede des englischen Premierministers Balfour[2] vorgelesen. Es ist da bereits aufmerksam darauf gemacht, daß gewisse Dinge heute physikalische Wahrheiten sind, die uralte okkulte Erkenntnisse sind. Wenn Sie in Blavatskys «Geheimlehre» nachlesen, werden Sie dort eine Stelle finden über die Elektrizität, welche buchstäblich dasselbe besagt wie das, worauf die Physiker jetzt nach und nach kommen. Was Sie aber finden, ist eine bloße Ahnung von dem, um was es sich handelt. Es handelt sich um das physikalische Atom. Bis vor vier, fünf Jahren ist von aller äußeren - nicht der okkultistischen - Wissenschaft dieses verkannt worden. Man hat es für eine raumerfüllende Masse gehalten. Heute fängt man an, dieses physikalische Atom als dasjenige zu erkennen, was es wirklich ist. Man kommt darauf, daß dieses physikalische Atom sich so verhält zur Kraft der Elektrizität, wie sich ein Klumpen Eis verhält zum Wasser, aus dem es gefroren ist. Wenn Sie sich Wasser vorstellen, das zu Eis gefriert, so ist das Eis auch Wasser. Und so ist das physikalische Atom nichts anderes als gefrorene Elektrizität. Wenn Sie dies ganz begreifen und die Mitteilungen, die bis vor wenigen Jahren in sämtlichen wissenschaftlichen Schriften über die Atome enthalten waren, durchgehen und sie für Blech ansehen, dann werden Sie ungefähr die richtige Vorstellung gewinnen. Erst seit dieser kurzen Zeit kann sich die Physik eine Vorstellung bilden von dem, was das physikalische Atom ist. Es verhält sich nämlich wie ein Eisklumpen zu der Wassermenge, aus der er gefroren ist. Das physikalische Atom ist kondensierte Elektrizität. Die Rede von Balfour betrachte ich als etwas außerordentlich Wichtiges...

Die Tatsache ist bei den Okkultisten schon seit Jahrtausenden bekannt. Nun fängt man an zu wissen, daß das physikalische Atom kondensierte Elektrizität ist. Aber es handelt sich noch um ein zweites: zu wissen, was Elektrizität selber ist. Das ist noch unbekannt. Sie wissen nämlich eines nicht: wo das Wesen der Elektrizität gesucht werden muß. Dieses Wesen der Elektrizität kann nicht gefunden werden durch irgendwelche äußere Experimente oder durch äußere Anschauung. Das Geheimnis, welches gefunden werden wird, ist, daß Elektrizität genau dasselbe ist - wenn man auf einem gewissen Plan zu beobachten versteht -, was der menschliche Gedanke ist. Der menschliche Gedanke ist dasselbe Wesen wie die Elektrizität: das eine Mal von innen, das andere Mal von außen betrachtet.

Wer nun weiß, was Elektrizität ist, der weiß, daß etwas in ihm lebt, das in gefrorenem Zustande das Atom bildet. Hier haben Sie die Brücke vom menschlichen Gedanken zum Atom. Man wird die Bausteine der physischen Welt kennenlernen, es sind kleine kondensierte Monaden, kondensierte Elektrizität. In dem Augenblicke, wo die Menschen diese elementarste okkulte Wahrheit von Gedanke, Elektrizität und Atom erkannt haben werden, in dem Augenblicke werden sie etwas erkennen, was das Wichtigste sein wird für die Zukunft und für die ganze sechste Unterrasse. Sie werden mit den Atomen bauen können durch die Kraft des Gedankens. " (Lit.: GA 93, S. 112f)

Wirkung auf den Menschen - Elektrosmog

„Die elektrischen Leitungen induzieren fortwährend Strömungen in uns. Das alles nimmt der Menschheit den physischen Leib weg, macht den physischen Leib so, daß die Seele gar nicht hineinkommt. In der Zeit als es keine elektrischen Ströme gab, nicht die Luft durchschwirrt war von elektrischen Leitungen (und Felder), da war es leichter Mensch zu sein. Denn da waren nicht fortwährend diese ahrimanischen Kräfte da, die einem den Leib wegnehmen, wenn man auch wacht. Da war es auch nicht nötig, daß sich die Leute so anstrengen, um zum Geist zu kommen. Denn wenn wir hineinkommen in uns, kommen wir eigentlich erst zum Geist. Daher ist es nötig, heute viel stärkere geistige Kapazität aufzuwenden, um überhaupt Mensch zu sein, als es noch vor hundert Jahren war.“ (Lit.:GA 224, S. 109)

„Vergleichen Sie die Welt von heute mit der von vor hundert Jahren. Sie werden sagen, wenn man die Welt von heute mit der von vor hundert Jahren vergleicht, so ist im Ganzen ein Unterschied zwischen heute und der Zeit vor hundert Jahren da; aber einer der gewaltigsten Unterschiede, der nicht aufgezählt wird, das ist der, daß wir heute unsere Atmosphäre durchzogen haben von lauter Telegraphendrähten, Telephondrähten und so weiter. Nun, in Europa scheint das Durchwachsensein mit Drähten noch ein Kinderspiel zu sein gegenüber Amerika. Deshalb ist dort eine Spur von Einsicht vorhanden, was das für den Menschen bedeutet. Man ahnt dort endlich, daß der Mensch nicht unbeeinflußt bleibt von dem, was in den Telegraphendrähten lebendig durch die Luft schwirrt, daß der Mensch ein richtiger Induktionsapparat wird. Bedenken Sie, daß ein entgegengesetzter Strom in Ihren Nerven und wiederum ein gleichgerichteter Strom in Ihrem Blutsystem wirkt. Das alles trägt die Menschheit heute in sich, aber davon spricht man kaum. Das sind im eminentesten Sinne ahrimanische Kräfte, die der Mensch heute durch die äußere Kultur aufnimmt, die er auch gar nicht ablehnen kann. Man macht sich ja Gedanken über das Mögliche und Unmöglichste, aber gerade über die stärksten Realitäten macht sich die heutige Menschheit am wenigsten Gedanken. Man sollte zum Beispiel auch einmal darüber sprechen, inwiefern der Unterschied zwischen Goethe und den heutigen Menschen darin besteht, daß Goethe noch nicht von Telegraphendrähten umwickelt war. Sehen Sie, was heute die Verödung der Menschenseele ist, das ist wesentlich mit alldem zusammenhängend.“ (Lit.:GA 345, S. 14)

„Es ist doch, ich möchte sagen, trostvoll, daß jet2t schon von Amerika herüber, wo überhaupt eine bessere Beobachtungsgabe auftritt wie in Europa, daß von Amerika herüber Stimmen kommen, welche dahin gehen, daß gesagt wird, die Menschen können nicht in derselben Weise sich weiterentwickeln, in einer Atmosphäre, die nach allen Seiten von elektrischen Strömen und Strahlungen durchzogen ist, sondern das hat einen Einfluß auf die ganze Entwickelung des Menschen. Das Seelenleben wird ein anderes werden, wenn diese Dinge so weit getrieben werden, wie man es eigentlich vor hat. Es ist schon ein Unterschied, ob Sie irgendein Gebiet mit Dampfmaschinen, Dampflokomotiven für die Eisenbahn versehen, oder ob Sie es elektrifizieren. Der Dampf wirkt hier mehr bewußt, die Elektrizität wirkt furchtbar unbewußt ein, und die Menschen wissen gar nicht, woher gewisse Dinge kommen. Ganz zweifellos geht da eine Entwickelung in der folgenden Richtung, wenn ich jetzt berücksichtige, daß die Elektrizität ja oberirdisch verwendet wird als strahlende Elektrizität, aber auch als leitende Elektrizität, um möglichst rasch Nachrichten zu bringen von einem Ort zum anderen; dieses Leben des Menschen, namentlich in der strahlenden Elektrizität, wird bewirken, daß die Menschen nicht mehr kapieren können diese Nachrichten, die sie so schnell kriegen. Es wirkt auslöschend auf das Kapieren. Es sind heute schon Wirkungen bemerkbar. Sie können heute schon die Bemerkung machen, daß die Menschen Sachen viel schwerer kapieren, die ihnen zukommen, als das noch vor Jahrzehnten der Fall war. Es ist trostvoll, daß man schon immerhin von Amerika her Einsichten verbreitet findet über diese Sachen.“ (Lit.:GA 327, S. 221)

Elektrizität und ahrimanischer Doppelgänger

Die Elektrizität, die das Nervensystem durchströmt, hängt nicht mit unserem Vorstellungsleben zusammen, wie fälschlich in den Neurowissenschaften angenommen wird, sondern mit dem ahrimanischen Doppelgänger, der kurz vor der Geburt unseren Leib ergreift, diesen aber auch kurz vor dem Tod wieder verlassen muss.

„der Mensch kommt recht sehr mit seinem Organismus, mit dem er sich bekleidet, in diese Welt herein, ohne daß er mit seiner Seele hinunterlangt in diesen Organismus. Dafür ist aber auch Gelegenheit vorhanden, daß kurze Zeit bevor wir geboren werden - nicht sehr lange bevor wir geboren werden -, außer unserer Seele noch ein anderes geistiges Wesen Besitz ergreift von unserem Leib, von dem unterbewußten Teil unseres Leibes. Das ist schon mal so: kurze Zeit bevor wir geboren werden, durchsetzt uns ein anderes, wir würden nach unserer Terminologie heute sagen, ein ahrimanisches Geisteswesen. Das ist ebenso in uns wie unsere eigene Seele. Diese Wesenheiten, welche ihr Leben gerade dadurch zubringen, daß sie die Menschen selber dazu benützen, um da sein zu können in der Sphäre, in der sie da sein wollen, diese Wesenheiten haben eine außerordentlich hohe Intelligenz und einen ganz bedeutsam entwickelten Willen, aber gar kein Gemüt, nicht das, was man menschliches Gemüt nennt. - Und wir schreiten schon so durch unser Leben, daß wir unsere Seele haben und einen solchen Doppelgänger, der viel gescheiter ist, sehr viel gescheiter ist als wir, sehr intelligent ist, aber eine mephistophelische Intelligenz hat, eine ahrimanische Intelligenz hat, und dazu einen ahrimanischen Willen, einen sehr starken Willen, einen Willen, der den Naturkräften viel näher steht als unser menschlicher Wille, der durch das Gemüt reguliert wird.

Im 19. Jahrhundert hat die Naturwissenschaft entdeckt, daß das Nervensystem von elektrischen Kräften durchsetzt ist. Sie hatte recht, diese Naturwissenschaft. Aber wenn sie glaubte, wenn die Naturforscher glauben, daß die Nervenkraft, die zu uns gehört, die für unser Vorstellungsleben die Grundlage ist, irgendwie mit elektrischen Strömen zu tun hat, welche durch unsere Nerven gehen, so haben sie eben unrecht. Denn die elektrischen Ströme, das sind diejenigen Kräfte, die von dem Wesen, das ich eben jetzt geschildert habe, in unser Wesen hineingelegt werden, die gehören unserem Wesen gar nicht an: wir tragen schon auch elektrische Ströme in uns, aber sie sind rein ahrimanischer Natur.

Diese Wesenheiten von hoher Intelligenz, aber rein mephistophelischer Intelligenz, und von einem der Natur mehr verwandten Willen, als es für den menschlichen Willen gesagt werden kann, die haben einmal aus ihrem eigenen Willen heraus beschlossen, nicht in jener Welt leben zu wollen, in der sie durch die weisheitsvollen Götter der oberen Hierarchie zu leben bestimmt waren. Sie wollten die Erde erobern, sie brauchen Leiber; eigene Leiber haben sie nicht: sie benützen so viel von den menschlichen Leibern, als sie benützen können, weil die menschliche Seele eben nicht ganz den menschlichen Leib ausfüllen kann.

Diese Wesenheiten also können, so wie sich der menschliche Leib entwickelt, zu einer bestimmten Zeit bevor der Mensch geboren wird, gewissermaßen in diesen menschlichen Leib hinein, und unter der Schwelle unseres Bewußtseins begleiten sie uns. Sie können nur eines im menschlichen Leben absolut nicht vertragen: sie können nämlich den Tod nicht vertragen. Daher müssen sie diesen menschlichen Leib, in dem sie sich festsetzen, immer auch, bevor er vom Tode befallen wird, verlassen. Das ist eine sehr herbe Enttäuschung immer wiederum, denn sie wollen gerade das sich erobern: in den menschlichen Leibern zu bleiben über den Tod hinaus. Das wäre eine hohe Errungenschaft im Reiche dieser Wesenheiten; das haben sie zunächst nicht erreicht.“ (Lit.:GA 178, S. 58f)

Die Elektrizität im Gefüge der anderen Grundkräfte der Physik

Schritte zur Weltformel (Theory of everything)
Starke
Wechselwirkung
Elektrostatik Magnetostatik Schwache
Wechselwirkung
Gravitation
Elektromagnetische
Wechselwirkung
Quantenchromodynamik Quantenelektrodynamik Allgemeine
Relativitätstheorie
Elektroschwache Wechselwirkung Quantengravitation
Standardmodell
Große vereinheitlichte Theorie
Weltformel: Stringtheorie, M-Theorie, Schleifenquantengravitation
Anmerkung: Theorien in frühem Stadium der Entwicklung sind blau hinterlegt.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1.  Das Internationale Einheitensystem (SI). Deutsche Übersetzung der BIPM-Broschüre „Le Système international d‘unités/The International System of Units (8e edition, 2006)“. In: PTB-Mitteilungen. 117, Nr. 2, 2007 (übersetzt von Cecile Charvieux), S. 156 (PDF, 1,4 MB).
  2. In der von Steiner erwähnten Rede Balfours heißt es:

    „Wir stehen vor einer ganz außerordentlichen Umwälzung. Vor zweihundert Jahren schien Elektrizität nichts weiter als ein Gelehrtenspielzeug. Und heute wird sie schon von vielen für das Wesen der Dinge angesehen, deren sinnlich wahrnehmbarer Ausdruck die Materie ist. Kaum ein Jahrhundert ist vergangen, seit auch der Äther von ernster Seite einen Platz im Weltall zugewiesen erhielt. Und gegenwärtig wird schon die Möglichkeit diskutiert, daß er geradezu der Urstoff ist, aus welchem sich die ganze Welt zusammensetzt. Auch die weiteren, aus dieser Auffassung des Weltalis sich ergebenden Schlüsse lauten nicht minder frappierend. Man hielt beispielsweise Masse bis her für eine Grundeigenschaft der Materie, die sich weder erklären ließ, noch der Erklärung bedurfte; die ihrem Wesen nach unveränderlich war, weder Zuwachs noch Einbuße erfuhr, mochte welche Kraft immer auf sie einwirken; und die untrennbar jedem, auch dem kleinsten Teil der Materie, anhaftete, ohne Rücksicht auf dessen Gestalt, Volumen, chemische oder physische Beschaffenheit.

    Akzeptiert man aber die neue Theorie, dann müssen auch diese Doktrinen berichtigt werden. Masse wird dann nicht nur einer Erklärung fähig, sondern diese findet sich vielmehr ohne Verzug. Masse ist keine der Materie anhaftende Ureigenschaft. Sie entspringt vielmehr, wie bereits gesagt, den Wechselbeziehungen, die zwischen den elektrischen Monaden, aus denen sich die Materie zusammensetzt, und dem Ather bestehen, in den erstere wie in ein Bad getaucht sind. Sie ist keineswegs unveränderlich. Im Gegenteil ist sie, wenn sie überaus rasch fortbewegt wird, bei jedem Wechsel in ihrer Geschwindigkeit Veränderungen unterworfen. - Die elektrische Theorie, die wir besprochen haben, führt uns . . . auf ein völlig neues Gebiet . . . . Sie löst . . . die Materie, mag sie nun molare oder molekulare Gestalt besitzen, in etwas auf, was gar nicht mehr Materie ist. Das Atom ist jetzt nichts weiter als der relativ weite Raum, in dem winzige Monaden ihren geordneten Kreislauf vollziehen; die Monaden selbst gelten nicht mehr als Substanzeinheiten, sondern als elektrische Einheiten, so daß diese Theorie die Materie nicht nur erklärt, sondern sie sofort hinwegexpliziert.“ (Lit.: Balfour 1905, S 15f und 27)

    Im englischen Original:

    „Surely we have here a very extraordinary revolution. Two centuries ago electricity seemed but a scientific toy. It is now thought by many to constitute the reality of which matter is but the sensible expression. It is but a century ago that the title of an ether to a place among the constituents of the universe was authentically established. It seems possible now that it may be the stuff out of which that universe is wholly built. Nor are the collateral inferences associated with this view of the physical world less surprising. It used, for example, to be thought that mass was an original property of matter: neither capable of explanation nor requiring it; in its nature essentially unchangeable, suffering neither augmentation nor diminution under the stress of any forces to which it could be subjected; unalterably attached to each material fragment, howsoever. much that fragment might vary in its appearance, its bulk, its chemical or its physical condition.

    But if the new theories be accepted, these views must be revised. Mass is not only explicable, it is actually explained. So far from being an attribute of matter considered in itself, it is due, as I have said, to the relation between the electrical monads of which matter is composed and the ether in which they are bathed. So far from being unchangeable, it changes, when moving at very high speeds, with every change in its velocity. (p. 10) […]

    But the electric theory which we have been considering carries us into a new region altogether. It does not confine itself to accounting for the secondary qualities by the primary, or the behaviour of matter in bulk by the behaviour of matter in atoms; it analyses matter, whether molar or molecular, into something which is not matter at all. The atom is now no more than the relatively vast theatre of operations in which minute monads perform their orderly evolutions; while the monads themselves are not regarded as units of matter, but as units of electricity; so that matter is not merely explained, but is explained away. (p. 18)“ (Lit.: Balfour 1904, S. 10 und 18)