Francesco Redi

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Francesco Redi
Francesco Redi: Esperienze intorno alla generazione degl'Insetti (1668), Frontispiz

Francesco Redi (* 18. Februar 1626 in Arezzo; † 1. März 1697 in Pisa) war ein italienischer Arzt und gilt als Vater der modernen experimentellen Biologie. Seine bedeutsamsten Forschungsarbeiten galten der Metamorphose der Insekten und der Natur der Schlangengifte.

Geboren am 18. Februar 1626 in Arezzo als Sohn von Gregorio Redi und Cecilia de Ghinci studierte Redi zuerst an der sehr fortschrittlichen Jesuitenschule in Florenz und machte 1647 seinen Abschluss in Medizin an der Universität Pisa. Seine Reisen führten ihn nach Rom, Neapel, Bologna, Padua und Venedig. Danach begann er als Arzt in Florenz zu praktizieren. Ab 1666 war er, wie schon zuvor sein Vater, Leibarzt des toskanischen Großherzogs Ferdinando II. de’ Medici und seines Nachfolgers Cosimo III. de’ Medici. Von 1657 bis 1667 war Redi Mitglied der von den Medici gegründeten und auch nur während dieser 10 Jahre bestehenden Accademia del Cimento ("Akademie des Experiments").

Angeregt durch Ideen, die er in einem Buch von William Harvey gefunden hatte, machte Redi 1668 sein weithin bekannt gewordenes Experiment, das einer der ersten Schritte zur Widerlegung der Abiogenese (Generatio spontanea, Urzeugung) und zugleich eines der ersten unter reproduzierbaren Bedingungen durchgeführte biologische Experiment war. Damals glaubte man noch, dass Maden von selbst in verwesendem Fleisch entstehen. Die Urzeugung verstand man als die sich mit jedem neuen Lebewesen wiederholende unmittelbare Schöpfungstat Gottes. In seinem Experiment nahm Redi drei Töpfe und füllte sie mit Fleisch. Einen Topf schloss er vollständig ab. Den zweiten Topf ließ er offen und den dritten Topf bedeckte er mit Gaze. Maden erschienen nur in dem offenen, aber nicht in dem verschlossenen Topf. Auf der Gaze des dritten Topfs fand er sich entwickelnde Maden. In Wahrheit zeigen Redis Experimente, dass die Fortpflanzung des Leben weder ein rein chemisch-physikalischer Prozess ist, noch eines unmittelbaren Eingreifens Gottes bedarf.

„... Francesco Redi, der vor wenigen Jahrhunderten zuerst gegen den Widerstand seiner Zeitgenossen den Gedanken vertrat, daß ein Lebenskeim nicht durch Kombination unlebendiger Stoffe, sondern nur als Nachkomme eines gleichgearteten Lebewesens entstehen kann.“ (Lit.:GA 35, S. 147)

Nach Rudolf Steiner beruht das Leben auf der Tätigkeit ätherischer Bildekräfte.

Redi fuhr mit seinen Experimenten fort, indem er Maden einfing und darauf wartete, bis sie sich weiterentwickelten. Das taten sie auch und wurden gewöhnliche Fliegen. Wenn man tote Fliegen oder Maden in verschlossene Fleischtöpfe gab, entstanden keine neue Maden. Wenn man das aber mit lebenden Fliegen tat, erschienen Maden im Fleisch.

Daraufhin formulierte Redi den berühmten Satz: "Omne vivum ex ovo" ("Alles Leben entsteht aus einem Ei"), den Louis Pasteur 1864 erweiterte zu "Omne vivum e vivo" ("Alles Lebende entsteht aus Lebendem").

Von der Allgemeingültigkeit seines Satzes war Redi allerdings nicht überzeugt, nachdem er in er in Pflanzengallen zwar Insektenlarven, aber keine Eier gefunden hatte; das gelang erst Antonio Vallisneri um 1700. Endgültig widerlegt wurde die Urzeugungstheorie erst 1861 durch Pasteur.

Neben seiner Tätigkeit als Arzt und Forscher war Redi auch Dichter. Sein bekanntestes literarisches Werk ist der Dithyrambus Bacco in Toscana (Bacchus in der Toskana), ein Loblied auf den toskanischen Wein. Als aktives Mitglied der elitären "Accademia della Crusca" half er bei der Vorbereitung eines Toskanischen Wörterbuchs. 1666 lehrte er im Studio in Florenz als "lettore publio di lingua toscana" die Toskanische Sprache.

In seinen letzten Lebensjahren wurde Redi von Krampfleiden geplagt. Er starb am 1. März 1697 in Pisa. Ihm zu Ehren ist ein Krater auf dem Mars benannt und in Florenz und Arezzo jeweils eine Straße.

Rudolf Steiner hat den Satz Redis öfters aufgegriffen, um in der analogen Form: "Geistig-Seelisches kann nur aus Geistig-Seelischem entstehen!" für die Reinkarnationslehre zu argumentieren:

"Die Menschen denken nur gewöhnlich nicht daran, daß noch im Beginne des 17. Jahrhunderts nicht nur Laien, sondern auch die Gelehrsamkeit geglaubt hat, daß sich niedere Tiere einfach aus Flußschlamm entwickeln. Das beruht auf ungenauer Beobachtung; und es war der große Naturforscher Francesco Redi, welcher im 17. Jahrhundert zuerst den Satz vertreten hat: Lebendiges kann nur aus Lebendigem kommen. - Wohlgemerkt, mit all den Einschränkungen, wie es heute gemeint ist, sei dieser Satz hier angeführt. Selbstverständlich ist es so, daß heute niemand glauben wird, irgendein niederes Tier, ein Regenwurm, könne aus Flußschlamm wachsen, sondern das ist ungenau beobachtet. Wenn ein Regenwurm entstehen soll, so muß ein Regenwurm-Keim da sein. Dennoch konnte im 17. Jahrhundert Francesco Redi nur mit genauer Not dem Schicksal des Giordano Bruno entgehen. Denn er war durch diesen Satz ein gewaltiger Ketzer geworden. Nun, heute ist es nicht üblich, daß man Ketzer so behandelt wie dazumal, wenigstens nicht in allen Gegenden der Erde; aber etwas anderes ist modern geworden dafür. Man betrachtet diejenigen, die heute etwas, was augenblicklich widerspricht dem Glauben jener, die in ihrem Hochmut den Gipfel aller Weltanschauung errungen zu haben vermeinen, als Phantasten, als Träumer, wenn nicht als noch Schlimmeres. Das ist die heutige Art von Inquisition in unseren Gegenden. Mag es sein. Es wird doch demjenigen, was Geisteswissenschaft in bezug auf Erscheinungen auf höheren Gebieten ganz ähnlich wie Francesco Redi auf niederem Gebiet behauptet, ebenso ergehen wie jener Behauptung Redis. So wie er den Satz vertreten hat: Lebendiges kann nur aus Lebendigem kommen! - so hat Geisteswissenschaft den Satz vertreten: Geistig-Seelisches kann nur aus Geistig-Seelischem entstehen! Und nichts anderes als eine Folge dieses Satzes ist dasjenige, was man öfters heute belächelt als den Ausfluß einer tollen Phantasie: Das Gesetz von der Wiederverkörperung." (Lit.: GA 058, S. 51f; vgl. auch GA 061, S. 261, GA 062, S. 155)

Werke (Auswahl)

  • Osservationes intorno al vipere (Beobachtungen an Vipern)
  • Esperienze intorno alla generazione degl’insetti (Experimente über den Ursprung von Insekten) 1668 [1]
  • Osservazioni intorno agli animali viventi che si trovano negli animali viventi (Beobachtungen über lebende Tiere, die in lebenden Tieren gefunden werden) 1684
  • Bacco in Toscana (Bacchus in der Toskana) 1685

Literatur

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Weblinks


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