Gerda Walther

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Gerda Walther (* 18. März 1897 in Nordrach; † 6. Januar 1977 in Dießen am Ammersee) war eine deutsche Phänomenologin und Parapsychologin. Sie war Schülerin Husserls und schrieb das sozialphänomenologische Werk "Zur Ontologie der sozialen Gemeinschaften" (1923)[1].

Walther berichtet davon, die Aura anderer Menschen wahrgenommen zu haben, sie war also hellsehend. Sie kam mit der Christengemeinschaft in Beziehung, wendete sich aber schließlich der katholischen Kirche zu. (Lit.: "Zum anderen Ufer").

„Das also war es gewesen: die Aura! Ich hatte daraufhin immer wieder Gelegenheit, meine eigenen Erfahrungen mit der farbigen Ausstrahlung von Menschen mit Dr. Steiners Ausführungen zu vergleichen und fand sie bestätigt. Das gab mir ein gewisses Zutrauen zu der Richtigkeit von Steiners Darstellungen hierüber. Ich fragte auch Pfänder, was er von Steiner halte. Er erwiderte, ursprünglich sei er sicherlich ein ernst zu nehmender Forscher gewesen. Aber seine Anhänger ließen ihm keine Ruhe, sie wollten immer mehr und mehr wissen, auch über Dinge, die Steiner noch nicht gründlich durcharbeiten konnte. So habe er sich leider angewöhnt, drauflos zu reden, ohne das, was er sagte, immer streng geprüft und überdacht zu haben, und das sei schade. Als typisch schilderte mir Pfänder einen Vortrag Steiners, ich glaube in einem Nebenraum des bekannten Münchener Café Litpold (oder war es der "Steinicke Saal"?) bei dem Pfänder zugegen gewesen war. Steiner hatte schon geendet und war sichtlich müde. Doch seine Anhänger umlagerten ihn, sie dachten garnicht daran, zu gehen. Er mußte immer wieder weiter sprechen, obwohl es stets unklarer und zusammenhangloser wurde. Erst weit nach Mitternacht gaben sie ihn endlich frei.“ (Lit.: Zum anderen Ufer, S. 255)

Werke

  • Zur Ontologie der sozialen Gemeinschaften In: Jahrbuch für Philosophie und Phänomenologische Forschung VI, 1923. Volltext
  • Phänomenologie der Mystik. Olten und Freiburg im Breisgau: Walter Verlag 1923.
  • Parapsychologie und Mystik. In: Zeitschrift für Parapsychologie, 1928.
  • Ahnen und Schauen unserer germanischen Vorfahren im Lichte der Parapsychologie. Leipzig: Hummel 1938.
  • Zum Problem der Reinkarnation. In: Neue Wissenschaft, Jg. 5, 1955, S. 97-104 (PDF download: http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/neue_wissenschaft_ga)
  • Die Bedeutung der phänomenologischen Methode Edmund Husserls für die Parapsychologie. In: Psychophysikalische Zeitschrift 1/2 & 3, 1955.
  • Zum anderen Ufer: Vom Marxismus und Atheismus zum Christentum. Remagen: Otto Reichl 1960.

Literatur

  • Andreas Resch, Eberhard Avé-Lallemant: Gerda Walther – Ihr Leben und Werk. Resch Verlag, Innsbruck, 1983; ISBN 3-85382-024-7. (mit umfassender Bibliographie)
  • Linda Lopez McAlister: Gerda Walther (1897–1977). In: Mary Ellen Waithe (Hrsg.): A History of Women Philosophers, Band 4_ Contemporary Women Philosophers 1900—today. Springer Netherlands, Dordrecht, 1994; ISBN 978-94-011-1114-0; S. 189–206
  • Hardorp, Benediktus: Elemente einer Neubestimmung des Geldes und ihre Bedeutung für die Finanzwirtschaft der Unternehmung, KIT Scientific Publishing, 2009, (Diss. 1958, erw. u. akt.), ISBN 3866442653, Volltext ;Ergänzung 2009: Geld, Wirtschaft, Assoziation, Kapital – und was darunter zu verstehen ist, S. 317 - 319, Inhaltsverzeichnis, Rezension (Rezension Kannenberg-Rentschler) ; (von der Phänomenologin Gerda Walther, auf deren Arbeiten sich Hardorp u.a. stützt, soll ein 2-seitiges unveröffentlichtes Manuskript mit dem Titel "Von Marx zurück zu Hegel und vorwärts zur sozialen Dreigliederung" existieren (Signature: A. III. 5 [1])
  • Eberle, Thomas S.: Sinnkonstitution in Alltag und Wissenschaft: der Beitrag der Phänomenologie an die Methodologie der Sozialwissenschaften, 1984 Volltext
  • Felipe León, Dan Zahavi: Phenomenology of Experiential Sharing: The Contribution of Schutz and Walther, in: Salice, Alessandro, Schmid, Hans Bernhard (Eds.): The Phenomenological Approach to Social Reality. History, Concepts, Problems, 2016, Springer, ISBN 978-3-319-27692-2, S. 219 - 234
  • Wagemann, Johannes: Shared Intentionality: Bewusstseinsphänomenologische Konzeption und waldorfpädagogische Implikationen, RoSE Volume 6 Number 1, pp. 29-43, August 2015, Volltext
  • Luft, Sebastian / Hagengruber, Ruth (eds.): Women Phenomenologists on Social Ontology. We-Experiences, Communal Life, and Joint Action, Springer 2018, ISBN 978-3-319-97860-4
  • Calcagno, Antonio (ed.): Gerda Walther’s Phenomenology of Sociality, Psychology, and Religion, Springer 2018, ISBN 978-3-319-97591-7

Einzelnachweise

  1. „Indem Schütz vom methodologischen Programm Max Webers ausging, war er von einem direkten eidetischen Zugriff auf die sozialen Phänomene gefeit und machte die Phänomenologie in einer ganz spezifischen Weise für die Sozialwissenschaften fruchtbar, nämlich als philosophische Klärung der sozialwissenschaftlichen Methodologie. Gleichzeitig kritisierte er vehement die Phänomenologen Edith Stein (...), Gerda Walther (...) und z.T. auch Max Scheler (...), welche die eidetische Methode "naiv anwandten" und sich zu angeblich apodiktischen und apriorischen Sätzen über Sozialbeziehungen, die Gemeinschaft und den Staat verleiten liessen; solche Untersuchungen haben nach Schütz wesentlich dazu beigetragen, die Phänomenologie zu diffamieren und ihre Leistungsfähigkeit verkennen zu lassen. ... Unwillkürlich muss man sich fragen, worin denn die Naivität liegt, wenn die Phänomene tatsächlich so etwas wie ein Eidos haben, das in der eidetischen Reduktion freigelegt werden kann.“ (Lit.: Thomas S. Eberle, S. 110)

    Die heutige phänomenologische Soziologie ist weiterhin stark von Alfred Schütz' Ansatz geprägt, der auf einer fragwürdigen Husserl-Interpretation beruht und, wie das vorstehende Zitat andeutet, auch die übrige frühe Sozialphänomenologie nicht würdigen kann. Andererseits glaubt Harmut Esser eine Nähe seines soziologischen Rational-Choice-Ansatzes zur Schütz'schen Phänomenologie zeigen zu können. Schütz' Analyse beschäftigt sich

    „mit der Konstitution subjektiver Sinnzusammenhänge im Bewußtsein handelnder Menschen. Der Sinn sozialer Phänomene muß daher aus den subjektiven Sinnzusammenhängen der sie konstituierenden Handelnden erklärt werden. Damit setzt er sich nicht nur von holistischen Sozialtheorien ab, sondern gleichzeitig auch von jenen Phänomenologen, welche komplexe soziale Phänomene als eidetische Einheiten beschreiben wollten (STEIN 1925; WALTHER 1923) mit dem Gütesiegel "apodiktischer Gewißheit" notabene, statt sie auf die konstitutiven Handlungen der beteiligten Individuen zurückzuführen.“ (Lit.: aus: Thomas Samuel Eberle (2000). Lebensweltanalyse und Handlungstheorie. Beiträge zur Verstehenden Soziologie, 3. Kap.)

Weblinks


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