Goldgrund

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Byzantinisches Mosaik in der Kuppel der Zenokapelle in Santa Prassede in Rom
Cimabue: Madonna di Castelfiorentino (1283-1284)
Raffael: Disputa del Sacramento (Auseinandersetzung um die Eucharistie), 1508-1511

Als Goldgrund wird der aus Blattgold bestehende Malgrund bezeichnet, der seit dem 4. Jahrhundert n. Chr. in der abendländischen und byzantinischen Kunst in der Buch- und Tafelmalerei üblich war. Der Goldgrund geht auf die byzantinischen Mosaiken zurück und wurde im Laufe der Zeit für die Miniaturmalerei sowie die Malerei mit Leimfarben, Temperafarben und Ölfarben übernommen. In Italien war der Goldgrund für Heiligenbilder noch bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts fast ausschließlich üblich. Im 16. Jahrhundert musste er in der abendländischen Kunst wieder landschaftlichen Elementen weichen, während die byzantinisch-russische Ikonenmalerei den Goldgrund beibehielt. Auch in neuerer Zeit ist der Goldgrund in kirchlichen Wandmalereien wie in Tafelbildern religiösen Inhalts wieder verwendet worden, so im Dom zu Speyer und in der Altlerchenfelder Pfarrkirche zu Wien.

"Der Goldrahmen ist der letzte Rest von den Goldgründen der alten Meister." (Lit.: GA 217a, S. 227)

"Cimabue läßt Gestalten aus dem Goldgrund erwachsen; letzter Rest davon: der Goldrahmen." (Lit.: GA 291a, S. 361)

"Auf Gemälden der alten Meister erblicken wir goldige Hintergründe. Diese alten Meister malten noch nach einer Tradition, die einiges Wissen von den Erscheinungen und Wesenheiten höherer Welten besaß. Wenn wir mit geistigen Augen hinaussehen in den Himmelsraum, so erscheint er in goldgründigen Tiefen. Deshalb erblicken wir auf den alten Gemälden Engelsköpfe auf goldigem Hintergrund, weil, wenn Sie (geistig) hinausschauen in den Himmelsraum, Ihnen derselbe in goldigen Farben erscheint." (Lit.: GA 264, S. 195f)

"Wenn Sie zurückgehen und zu einer Zeit kommen, die am meisten bekannt ist durch den Maler Cimabue, so werden Sie sehen, wie auf den Bildern Ihnen die merkwürdige Erscheinung des Goldgrundes entgegentritt, und wie aus ihm herauswachsen Engel- oder Geniengestalten. Auch das entspricht in vollem Sinne der Wirklichkeit des astralischen Anschauens. Bis auf den Goldgrund hin entspricht das der Wirklichkeit. Denn tatsächlich, wenn wir in die höheren Partien des astralischen Planes kommen, verwandelt sich das flutende Lichtmeer, das in anderen Farbentönen erglänzt und durchhellt ist, in ein solches flutendes Lichtmeer, das wie von Gold durchglüht erscheint." (Lit.: GA 101, S. 31)

"Wenn man diese Bilder mit ihrem Goldgrunde auf sich wirken ließ in der damaligen Zeit, so hatte man vor allen Dingen das Gefühl, daß ein Mächtiges, ein die Menschen Überwältigendes aus einer fernen Welt hereinwirkt; daß, was sich da auf der Erde an Menschengewühl abspielt, eigentlich nur da ist, um beschienen zu werden von den Impulsen, die von außerirdischer Realität ausgingen, die man sich in dieser Weise verwirklichte." (Lit.: GA 292, S. 358)

"Bis zum 13., 14. Jahrhundert bewahrten sich die Menschen etwas ganz anderes an Empfindungen und Gefühlen. Der Umschwung tritt auf allen Gebieten, selbst den scheinbar entferntesten, auf. Zum Beispiel in der Malerei tritt uns die große Veränderung in den Empfindungen der Menschen entgegen. Heute erscheint es dem Materialisten wie eine Willkür, wenn zum Beispiel Cimabue auf seinen Bildern den Hintergrund in Gold malt. Dieser Maler hatte aber damals noch die Tradition von der Anschauung der höheren Welt. Wenn man hineinschaut in die höchsten Regionen der astralischen Welt, dann findet man, daß jener Goldgrund Wirklichkeit, Realität ist. Die, welche später Ähnliches malen wollten, als Nachahmer dieser älteren Maler, die noch durch Tradition Kenntnis von der Wirklichkeit der astralen Welt besaßen, die erscheinen uns wie Barbaren gegenüber denen, die wirklich noch ein Verhältnis zu den höheren Welten hatten. So ist zum Beispiel bei Giotto nicht mehr die Darstellung dessen, was er als Wahrheit empfand, sondern alles nur aus äußerer Tradition gemalt. Zu seiner Zeit war es natürlich, daß man überging zu dem, was nur auf dem physischen Plan gesehen werden kann, zu der materialistischen Kunst. Nur noch die größten Maler dieser Zeit hielten an der Tradition fest. Auf der «Disputa» des Raffael kann man sehen, wie in den Grundtönen von unten nach oben in der Tat mit gewisser Richtigkeit wiedergegeben ist jenes Erlebnis, das der Mensch hat, wenn er in die höheren Welten sich erhebt. Das ist eine Notwendigkeit, dieses stufenweise Erleben des Überganges von den niederen zu den höheren Welten bis zur Anschauung jener Genien, welche aus dem Goldgrund auftauchen." (Lit.: GA 098, S. 43f)

"Wenn die Hostie, das Sanctissimum, konsekriert ist und man durch sie hindurchschaut, dann schaut man auf die Welt, die Raffael im oberen Teil der «Disputa» gemalt hat. - Es ist wirklich die konsekrierte Hostie das Mittel, um durchzuschauen und in die geistige Welt hineinzuschauen. Deshalb hat Raffael die Sache gemalt." (Lit.: GA 191, S. 65)

"... wenn Sie so die Wesenheit der Farbe ergreifen, daß Sie der Farbe es selber ankennen, möchte ich sagen, was sie will: wenn Sie erkennen, daß das Gelb eigentlich in der Mitte gesättigt sein will und verfließen will nach dem Rande, weil das die eigene Natur des Gelben ist - ja, dann muß man etwas machen, wenn man das Gelb fixieren will, wenn man irgendwo eine gleichmäßige gelbe Flache haben will. Was macht man da? Es muß in das Gelb etwas hineinspielen, es muß etwas hinein in das Gelb, was dem Gelb seinen ureigenen Charakter, seinen eigenen Willen wegnimmt. Es muß das Gelb schwer gemacht werden. Wie kann das Gelb schwer gemacht werden? Indem man etwas in das Gelb hineintut, was ihm die Schwere gibt. Es wird goldfarbig. Da haben Sie das Gelbe entgelbt, gewissermaßen gelb gelassen, aber ihm seine Wesenheit getilgt. Machen Sie in ein Bild einen Goldgrund, dann dürfen Sie es gleichmäßig über die Fläche hin machen, aber Sie haben dem Gelb Schwere gegeben, innerliche Schwere. Sie haben ihm seinen eigenen Willen genommen. Sie halten es in sich fest.

Daher empfanden alte Maler, die für solche Dinge eine Empfindung hatten, daß sie in dem Gelben den Glanz des Geistes haben. Also sie schauten hinauf zum Geistigen, dem Glanz des Geistes im Gelben. Aber sie wollten den Geist hier auf der Erde haben. Sie mußten ihm Schwere geben. Machten sie einen Goldgrund, wie Cimabue, dann gaben sie dem Geistigen Wohnung auf der Erde, dann hatten sie im Bilde gewissermaßen das Himmlische vergegenwärtigt. Und die Gestalten durften herauskommen aus dem Goldgrunde, durften sich entwickeln auf dem Goldgrunde als dasjenige, was Geschöpf ist des Geistigen. Diese Dinge haben eben durchaus eine innerliche Gesetzmäßigkeit. Sie sehen also, wenn wir das Gelbe als Farbe behandeln, so will es aus sich selber in der Mitte satt sein und zerfließen. Wollen wir es in gleichmäßiger Fläche festhalten, dann müssen wir es metallisieren. Und damit kommen wir zu dem Begriff der metallisierten Farbe und zu dem Begriff der stofflich festgehaltenen Farbe ..." (Lit.: GA 291, S. 52f)

Siehe auch

Literatur

  1. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1973, Band 10, S. 558.
  2. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996), ISBN 3-7274-0980-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992), ISBN 3-7274-1010-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, GA 191 (1989), ISBN 3-7274-1910-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Die Erkenntnis-Aufgabe der Jugend, GA 217a (1981), ISBN 3-7274-2175-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Das Wesen der Farben, GA 291 (1991), ISBN 3-7274-2910-0
  8. Rudolf Steiner: Farbenerkenntnis, GA 291a (1990), ISBN 3-7274-2915-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  9. Rudolf Steiner: Kunstgeschichte als Abbild innerer geistiger Impulse, GA 292 (2000), ISBN 3-7274-2920-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Siehe auch

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