Heilsegoismus

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Heilsegoismus ist eine eine Art oder Komponente von Religiösität, die von dem Verlangen nach dem eigenen Seelenheil nach dem Tod belebt ist. Dem Heilsegoismus geht es um die Errettung der eigenen Seele, und praktizierte Nächstenliebe dient solchem Zweck. In der Bibel wird häufig an den Heilsegoismus der Menschen appelliert, was aber eher pädagogisch gemeint zu sein scheint.

Von Rudolf Steiner gibt es die Aussage, daß auf dem geistigen Gebiet, für das geistige Streben eine gewisse egoistische Liebe seine Berechtigung, sogar Notwendigkeit habe. Man kann dies vielleicht sinngemäß auf den Heilseogismus übertragen:

„Wie Luzifer da an den Menschen herankommen kann, davon kann man sich insbesondere eine Vorstellung machen, wenn man eine Erscheinung des Menschenlebens, über die wir auch noch genauer sprechen werden, ins Seelenauge faßt, diejenige Erscheinung, die man als die Liebe im weitesten Sinne bezeichnet und die doch im Grunde genommen die Grundlage des eigentlich sittlich-moralischen Lebens in der menschlichen Weltenordnung ist. Über diese Liebe im weitesten Sinne muß man das Folgende sagen: Wenn diese Liebe in der physisch-sinnlichen Welt auftritt und wirkt innerhalb des menschlichen Lebens, dann ist sie absolut geschützt vor jedem unberechtigten luziferischen Eingriff, wenn sie so auftritt, daß der Mensch das Wesen, das er liebt, um dieses Wesens willen liebt. - Nicht wahr, wenn uns irgendein Wesen, ein anderer Mensch oder ein Wesen anderer Naturreiche in der physisch-sinnlichen Welt entgegentritt, so tritt es uns mit bestimmten Eigenschaften entgegen. Wenn wir eine freie Empfänglichkeit, eine Eindrucksfähigkeit für diese Eigenschaften haben, dann nötigen uns diese die Liebe ab, dann können wir nicht anders, als dieses Wesen lieben. Wir werden durch das Wesen veranlaßt, es zu Lieben. Diese Liebe, wo die Ursache der Liebe nicht in dem Liebenden liegt, sondern im geliebten Wesen, das ist diejenige Art, diejenige Form von Liebe in der Sinneswelt, die absolut gefeit ist vor jedem luziferischen Einfluß. Aber nun können Sie, wenn Sie das menschliche Leben betrachten, bald ersehen, daß auch eine andere Art von Liebe hereinspielt in das menschliche Leben, diejenige Liebe, wo man liebt, weil man selber gewisse Eigenschaften hat, die sich befriedigt, entzückt, erfreut fühlen, wenn man dieses oder jenes Wesen lieben kann. Man liebt dann um seinetwillen; man liebt, weil man so oder so geartet ist, und diese besondere Artung ihre Befriedigung fühlt dadurch, daß man das andere Wesen liebt. Sehen Sie, diese Liebe, die man eine egoistische Liebe nennen könnte, muß auch da sein. Sie darf nicht etwa fehlen in der Menschheit. Denn alles, was wir in der geistigen Welt lieben können, die geistigen Tatsachen, alles das, was in uns durch Liebe als Sehnsucht, als Drang hinauf in die geistige Welt leben kann, zu umfassen die Wesenheiten der geistigen Welt, die geistige Welt zu erkennen: es entspringt natürlich auch der sinnlichen Liebe zur geistigen Welt. Aber diese Liebe zum Geistigen, die muß, nicht etwa darf, sondern muß notwendigerweise um unseretwillen geschehen. Wir sind Wesen, die ihre Wurzeln in der geistigen Welt haben. Es ist unsere Pflicht, uns so vollkommen als möglich zu gestalten. Um unseretwillen müssen wir die geistige Welt lieben, daß wir so viel Kräfte als möglich in unsere eigene Wesenheit aus der geistigen Welt hereinbringen. In der geistigen Liebe ist dieses persönliche, individuelle Element, man möchte sagen dieses egoistische Liebeselement, voll berechtigt, denn es entreißt den Menschen der Sinneswelt, es führt ihn hinauf in die geistige Welt, es leitet ihn an, die notwendige Pflicht zu erfüllen, sich immer vollkommener und vollkommener zu machen. Nun hat Luzifer die Tendenz, diese beiden Welten miteinander zu vermischen. Überall in der Menschenliebe, wo der Mensch in der physisch-sinnlichen Welt liebt mit einem egoistischen Anflug, um seinetwillen, da geschieht es deshalb, weil Luzifer die sinnliche Liebe der geistigen ähnlich machen will. Dann kann er sie herausreißen aus der Sinneswelt und kann sie in sein besonderes Reich führen. So daß alle Liebe, die eine egoistische Liebe genannt werden kann, die nicht da ist um des Geliebten, sondern um des Liebenden willen, den luziferischen Impulsen ausgesetzt ist.“ (Lit.:GA 147, S. 39f)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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