Irminsul

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Nachbildung einer Irminsul in der Kirche St. Petrus und Paulus Obermarsberg
Die Irminsul als Weltenbaum mit neun Ästen. Zeichnung: Marianne Klement

Die Irminsul oder Erminsul war ein frühmittelalterliches Kultheiligtum der Sachsen, dessen Name etymologisch auf irmin- = „groß“ und sul = „Säule“ zurückgeführt werden kann und derart ein „Große Säule“ bezeichnet.

Geschichte, Standort und Funktion

Die Irminsul wurde nach den Einträgen fränkischer Reichsannalen zum Jahr 772 auf Veranlassung Karls des Großen von den Franken zerstört[1][2]. Demnach stand die dort als Ermensul bezeichnete Säule bei oder in einiger Entfernung von der Eresburg, dem heutigen Obermarsberg. Der Standort ist aber auch an anderen Stellen vermutet worden, namentlich bei den Externsteinen.

Den Handschriften der Annales Petaviani und des Chronicon Anianense lassen sich keine Hinweise zu Aussehen und Funktion der Irminsul entnehmen. Einige Forscher vermuten, dass die Irminsul ein hoher Baum oder Holzstamm war, der als Sinnbild für die das Himmelsgewölbe tragende Weltsäule angesehen wurde. Der Mönch Rudolf von Fulda schrieb dazu 863 in De miraculis sancti Alexandri (Kap. 3):[3]:

„Truncum quoque ligni non parvae magnitudinis in altum erectum sub divo colebant, patria eum lingua Irminsul appellantes, quod Latine dicitur universalis columna, quasi sustinens omnia.“

„Sie verehrten auch unter freiem Himmel einen senkrecht aufgerichteten Baumstamm von nicht geringer Größe, den sie in ihrer Muttersprache ,Irminsul‘ nannten, was auf Lateinisch ,columna universalis‘ (dtsch. All-Säule) bedeutet, welche gewissermaßen das All trägt.“[4]

Die Existenz weiterer „Irminsäulen“ wird zwar mitunter vermutet,[5] ist aber wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Siehe auch

Literatur

  • Richard Karutz: Aber von dem Baum der Erkenntnis… Sinn und Bild der Paradiesesbäume. Orient-Occident-Verlag. Stuttgart u. a. 1930
  • Rolf Speckner und Christian Stamm: Das Geheimnis der Externsteine. Bilder einer Mysterienstätte. Urachhaus, Stuttgart 2002, ISBN 3-8251-7402-6.
  • Manfred Millhoff: Varusschlacht und Irminsul. Verlag Videel, Niebüll 2002, ISBN 978-3-89906-214-4.

Einzelnachweise

  1. Johannes Fried: Karl der Große. Gewalt und Glaube. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65289-9, S. 131, Anm. 25.
  2. Annales regni Francorum 772: Et inde perrexit partibus Saxoniae prima vice, Eresburgum castrum coepit, ad Ermensul usque pervenit et ipsum fanum destruxit et aurum vel argentum, quod ibi repperit, abstulit. Et fuit siccitas magna, ita ut aqua deficeret in supradicto loco, ubi Ermensul stabat. Quelle: Regesta Imperii, Karl der Große - RI I n. 149d.
  3. MGH SS 2, S. 676. weblink
  4. F. R. Schröder: Quellenbuch zur germanischen Religionsgeschichte. Berlin u. Leipzig 1933, § 63, S. 103.
  5. Matthias Springer: Irminsul (Artikel). In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Band 15. Walter de Gruyter, Berlin u. New York 2000 (2. Aufl.), S. 505.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Irminsul - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema