Josef von Nazaret

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Guido Reni: Der heilige Josef, 1640–1642

Josef von Nazaret (hebr. יוֹסֵף „er [Gott] fügt hinzu“; griech. Ἰωσήφ) war nach der Überlieferung des Neuen Testaments der Ehemann von Maria, der Mutter des nathanischen Jesus, der zur Zeitenwende in Bethlehem geboren wurde. Die Geburtsgeschichte wird ausführlich im Lukas-Evangelium geschildert.

Rudolf Steiner hat darauf hingewiesen, dass zur Zeitenwende noch ein zweiter Jesusknabe, der salomonische Jesus, geboren wurde, dessen Geschichte im Matthäus-Evangelium geschildert wird. Auch die Eltern dieses Jesusknaben hießen Josef und Maria, was nicht ungewöhnlich ist, da diese Namen damals in Palästina weit verbreitet waren.

„Nehmen wir einmal die Tatsachen. Der Schreiber des Matthäus- Evangeliums schildert, daß vorherverkündet wird die Geburt des Schöpfers des Christentums, daß diese Geburt erfolgt, daß Magier kommen aus dem Morgenlande, die den Stern wahrgenommen haben, daß der Stern sie geführt hat an die Stätte, wo der Erlöser geboren wird. Er schildert ferner, daß Herodes dadurch aufmerksam gemacht wird und daß, um zu entgehen der Maßnahme des Herodes, die in dem bethlehemitischen Kindermord besteht, das Elternpaar des Erlösers mit dem Kinde nach Ägypten flieht. Als Herodes tot ist, wird Joseph, dem Vater des Jesus, angezeigt, daß er wieder zurückkehren kann, und er kehrt nun aus Furcht vor dem Nachfolger des Herodes nicht zurück nach Bethlehem, sondern er geht nach Nazareth. - Ich will heute noch absehen von der Ankündigung des Täufers. Ich will aber schon darauf aufmerksam machen, daß, wenn wir das Lukas-Evangelium und das Matthäus-Evangelium miteinander vergleichen, in den beiden Evangelien die Vorverkündigung des Jesus von Nazareth ganz verschieden erfolgt: das eine Mal erfolgt sie dem Joseph, das andere Mal der Maria. Wir sehen dann aus dem Lukas-Evangelium, wie die Eltern des Jesus von Nazareth ursprünglich in Nazareth wohnen und dann bei einer Gelegenheit nach Bethlehem gehen, nämlich zur Zählung. Während sie dort sind, wird der Jesus geboren. Dann erfolgt nach acht Tagen die Beschneidung - nichts von einer Flucht nach Ägypten - ; und nach einiger Zeit, die nicht weit danach liegt, wird das Kind dargestellt im Tempel. Wir sehen, daß das Opfer dargebracht wird, das üblich ist, und daß danach die Eltern mit dem Kinde nach Nazareth zurückziehen und dort leben. Und dann wird uns ein merkwürdiger Zug erzählt, der Zug, wie der zwölfjährige Jesus bei einem Besuch, den seine Eltern in Jerusalem gemacht haben, im Tempel zurückbleibt, wie sie ihn suchen, wie sie ihn dann wiederfinden im Tempel zwischen denen, welche die Schrift auslegen, wie er ihnen da entgegentritt als ein Kundiger in der Schriftauslegung, wie er sich verständig und weise im Kreise der Schriftgelehrten ausnimmt. Dann wird erzählt, wie sie das Kind wiederum mit nach Hause nehmen, wie es heranwächst; und wir hören nichts Besonderes mehr von ihm bis zur Johannes-Taufe.

Da haben wir zwei Geschichten des Jesus von Nazareth vor der Aufnahme des Christus.“ (Lit.:GA 114, S. 27f)

Josef von Bethlehem

Anton Raphael Mengs: Der Traum des Hl. Josef (ca. 1773/1774, Kunsthistorisches Museum, Wien)
Giotto di Bondone: Die Flucht nach Ägypten (Cappella Scrovegni a Padova)

„Nur Lukas erzählt, daß die Eltern seines Jesus in Nazareth ansässig waren, daß sie zur Schätzung nach Bethlehem gingen und daß in dieser kurzen Zeit der Jesus des Lukas dort geboren wurde, worauf dann die Eltern wieder nach Nazareth zurückgingen. Im Matthäus- Evangelium wird nur darauf hingewiesen, daß der Jesus in Bethlehem geboren wird und daß er nach Ägypten geführt werden muß. Erst nach der Rückkehr aus Ägypten siedeln sich seine Eltern in Nazareth an, um den Jesus, der der wiederverkörperte Zarathustra ist, in der Nähe dessen zu haben, der die andere Strömung, den Buddhismus darstellt. So werden im Konkreten die beiden Weltanschauungen zusammengeführt. Wo die Evangelien ganz tief werden, da zeigen sie uns auch in aller Tiefe das, worum es sich handelt. Was bei den Menschen mehr zusammenhängt mit dem Wollen und der Kraft, mit dem königlichen Element - wenn wir den Ausdruck technisch gebrauchen -, von dem wußten die Menschen, welche die Geheimnisse des Daseins kannten, daß es in der äußeren Vererbung übertragen wird von dem väterlichen Element. Was aber zusammenhängt mit dem innerlichen Element, mit Weisheit und innerer Beweglichkeit des Geistes, das wird übertragen durch das mütterliche Element. Goethe, der so tief in die Geheimnisse des Daseins hineingeschaut hat, deutet uns diesen Zusammenhang in den Worten an:

Vom Vater hab ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren

- eine Wahrheit, die Sie so oft in der Welt bestätigt finden können. Die Statur, die äußere Gestalt, was sich in der äußeren Gestalt unmittelbar ausdrückt, und «des Lebens ernstes Führen», was mit dem Charakter des Ich zusammenhängt, das ererbt der Mensch von dem väterlichen Element. Deshalb mußte der salomonische Jesus vor allem von dem väterlichen Element die Kraft erben, weil es immer seine Mission war: die Überführung dessen in die Welt, was die Welt im Räume an göttlichen Kräften umstrahlt. Das drückt der Schreiber des Matthäus-Evangeliums so großartig aus, wie man es nur ausdrücken kann. Daß sich eine besondere Individualität verkörpern wird, das wird aus der geistigen Welt heraus als ein bedeutsames Ereignis verkündet, und es wird nicht der Maria, sondern dem Vater, dem Joseph, verkündet (Mt 1,20-21 LUT). Hinter alledem verbergen sich die tiefsten Wahrheiten; nicht als Zufälliges darf man so etwas nehmen. - Auf den Jesus aus der nathanischen Linie gingen über die innerlichen Eigenschaften, die sich von der Mutter vererben. Daher mußte der Jesus des Lukas-Evangeliums der Mutter verkündet werden, und wir sehen auch im Lukas-Evangelium die Verkündigung an die Mutter geschehen (Lk 1,26-38 EU). So tief drücken sich die Tatsachen in den religiösen Schriften aus.“ (Lit.:GA 114, S. 105f)

„In unmittelbarer Nachbarschaft und unter den freundschaftlichen Beziehungen der Eltern wuchsen die beiden Kinder heran und entwickelten sich beide ungefähr bis zu ihrem zwölften Jahre. Als das zwölfte Jahr des nathanischen Jesus herankam, begaben sich dessen Eltern nach Jerusalem, wie gesagt wird, der Sitte gemäß, um an dem Osterfeste teilzunehmen, und sie nahmen das Kind mit, wie es gebräuchlich war, wenn die Kinder reif wurden. Nun findet sich im Lukas-Evangelium in außerordentlich geheimnisvoller Weise eine Erzählung von dem zwölfjährigen Jesus im Tempel. Es heißt da: Als sich die Eltern wieder zurückbegaben von dem Fest, vermißten sie plötzlich den Knaben, und als sie ihn nirgends unter der Reisegesellschaft fanden, da begaben sie sich wieder zurück und fanden ihn im Tempel mitten unter den großen Lehrern, alle erstaunend durch seine Weisheit (Lk 2,41-50 LUT).

Was war da geschehen? Fragen wir darüber die unvergängliche Akasha-Chronik. Die Tatsachen der Welt sind nicht so ganz einfach. Was hier geschehen war, das geschieht in anderer Weise auch sonst in der Welt. Es kommt vor, daß eine Individualität auf einer gewissen Entwickelungsstufe andere Bedingungen braucht, als sie ihr von Anfang an gegeben wurden. Daher kommt es immer wieder vor, daß ein Mensch bis zu einem gewissen Lebensalter heranwächst - und dann auf einmal in Ohnmacht fällt und wie tot ist. Da geht dann eine Umwandlung vor sich: es verläßt ihn sein eigenes Ich, und ein anderes Ich nimmt in seiner Körperlichkeit Platz. Eine solche Umlagerung des Ich findet auch in anderen Fällen statt; das ist eine Erscheinung, die jeder Okkultist kennt. Hier, bei dem zwölfjährigen Jesus war folgendes geschehen: Jene Ichheit, die bis dahin als Zarathustra-Ichheit den Körper des Jesus aus der königlichen Linie des davidischen Geschlechtes gebrauchte, um auf die Höhe seiner Zeit zu kommen, drang aus dem Körper des salomonischen Jesusknaben heraus und übertrug sich auf den nathanischen Jesus, der daher wie ein Verwandelter erschien. Die Eltern erkannten ihn nicht wieder, sie verstanden seine Worte nicht. Denn jetzt sprach aus dem nathanischen Jesus das Zarathustra-Ich, das sich auf ihn übertragen hatte. Das war der Zeitpunkt, als der Nirmanakaya des Buddha sich mit dem ausgeschiedenen astralischen Mutterleibe vereinigte, und das war auch der Zeitpunkt, da sich das Zarathustra-Ich mit dem nathanischen Jesus vereinigte. Jetzt lebte das Zarathustra-Ich in dem nathanischen Jesus. Und dieses Kind, das so verwandelt war, daß es die Eltern nicht verstehen konnten, das nahmen sie jetzt mit nach Hause.

In nicht zu ferner Zeit starb dann die Mutter dieses Jesuskindes, so daß dieses Kind, in dem das Zarathustra-Ich jetzt wohnte, von mütterlicher Seite her verwaist war. Wir werden sehen, daß die Tatsache, daß diese Mutter starb und das Kind verwaist zurückließ, noch auf einen besonders tiefen Zusammenhang hinweist. - Auch das andere Kind konnte nicht unter gewöhnlichen Verhältnissen fortleben, als das Zarathustra-Ich es verlassen hatte. Der Joseph aus der salomonischen Linie war schon früher gestorben, und die Mutter des salomonischen Jesuskindes mit ihren Kindern, dem Jakobus, Joses, Judas, Simon und den beiden Töchtern, wurde in dem Hause des nathanischen Joseph aufgenommen, so daß also der Zarathustra jetzt wieder zusammenlebte mit derjenigen Familie, in die er sich hineininkarniert hatte, bis auf den Vater. Auf diese Weise haben sich die beiden Familien in eine zusammengesetzt, und so lebt denn die Mutter der Geschwister - wir können sie Geschwister nennen, denn nach dem Ich hin sind sie Geschwister - in dem Hause des nathanischen Joseph mit dem Jesus, der aber seiner Vaterstadt nach, leiblich, in Nazareth heimisch war. So lebte er mit ihnen zusammen.“ (S. 109ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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