Liturgie

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Altarraum der Johannes-Kirche der Christengemeinschaft in Dresden

Die Liturgie (von griech. λειτουργία leiturgía „öffentlicher Dienst“, aus λαός/λεώς/λειτός laós, leōs, leitós „Volk, Volksmenge“ und ἔργον érgon „Werk, Dienst“) umfasst sämtliche Vorschriften aller religiösen Riten und Zeremonien des jüdischen und christlichen Gottesdienstes und in sinngemäßer Erweiterung auch die entsprechenden Vorschriften anderer Glaubensgemeinschaften.

„Jedes Gebet hat im Grunde genommen diesen Sinn: Der Mensch bemüht sich, mit seinen Kräften hinaufzusteigen in die göttlich-geistige Region; er begegnet da den Göttern. Und indem er da das Wort intoniert, spricht nicht mehr er, sondern es spricht im Kultwort die sich offenbarende Gottheit; sie offenbart sich im Luftelement. Der Mensch fühlte sich von seinem eigenen Astralleib aus in demjenigen, was die Kräfte der Luft beherrscht.

Und nun müssen Sie sich einmal überlegen, wie groß, wie stark der Übergang war von den halbalten Mysterien zu den halbneuen Mysterien, von der zweiten in die dritte Epoche. Das, was die alten Väter erlebten, wurde ja im physischen Leib erlebt. Es war eine Steigerung der Tätigkeit des physischen Leibes. Das, was der Sonnenpriester der zweiten Epoche erlebte, war eine Steigerung des Ätherleibes, des Flüssigkeits-Menschenleibes. Das, was der Priester der dritten Epoche erlebte, indem er das Kultwort intonierte und da erlebte das Strömen der göttlich-geistigen Kräfte, das wurde im Astralleib erlebt. Der astralische Leib ist für das gewöhnliche Bewußtsein da schon nur mehr zum geringsten Teil ein Vermittler des Bewußtseins gewesen. Nur in den älteren Zeiten der dritten Epoche konnten die Priester noch im magisch gesprochenen Kultwort erfühlen: Indem ich spreche, spricht der Gott in mir. - Dann aber nahm das ab. Der astralische Leib blieb in seinen Wirkungen unbewußt dem Bewußtsein, das immer mehr heraufkam. Er ist ja völlig unbewußt dem heute vorhandenen Bewußtsein. Daher wurde nach und nach der verbale Inhalt des Kultus etwas, was bei denjenigen, die berufen waren, die göttliche Gegenwart bedeuten konnte, und bei denen, die unberufen waren, das Intonieren eines ihnen nicht zum Bewußtsein Kommenden war.

Das ist ja dann immer mehr so geworden bei einer großen Anzahl der Priester, die im Katholizismus dienten. Es kam daher so, daß die Menschenweihehandlung, die Messe, nach und nach das wurde, was allerdings der Priester zelebrierte, in dem er aber nicht mehr selbst anwesend war. Aber man kann nicht mit diesen intonierten Worten zelebrieren, ohne die Inkorporation von Luftwesenheiten, das heißt, ohne daß Geistigkeit anwesend ist. Es gibt nirgends ein gestaltetes Materielles, in dem nicht sofort Geistigkeit Platz greifen würde. Und so ist, wenn mit dem wirklichen Kultwort die Weihehandlung zelebriert wird - sei es auch durch den unwürdigsten Priester -, vielleicht nicht seine Seele, aber immer Geistiges vorhanden; so daß in der Tat der Gläubige unter allen Umständen, wenn die Liturgie eine richtige ist, einem geistigen Vorgang beiwohnt.“ (Lit.:GA 346, S. 36f)

„Nun, eine gewöhnliche stille Messe kann durchaus auch in der Weise vorgebracht werden, daß man es nur zu tun hat mit einer Art von Lesen, aber ursprünglich ist eine Messe eigentlich verbunden mit dem Rezitativ des Textes, so daß man also bei der wirklichen liturgischen Messe es zu tun hat mit einem Rezitieren der Messe nach Noten. Im Meßbuch werden Sie daher, wenn die Messe wirklich liturgisch gehalten werden soll, auch Noten finden. Also schon der Text ist gewissermaßen rezitativ zu lesen, aber außerdem ist die Messe ja durchaus als solche musikalisch zu denken, so daß bei einer wirklich feierlichen Messe die Motive durchaus auch in Musik gesetzt werden können und die Orgelmusik, aber auch andere Musik und Gesang eine Rolle spielen sollen.“ (Lit.:GA 343a, S. 531)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, II, GA 343a (1993), ISBN 3-7274-3430-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V, GA 346 (2001), ISBN 3-7274-3460-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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