Mäßigung

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Die Mäßigung oder Besonnenheit (griech. σωφροσύνη, sophrosýne; lat. temperantia) ist eine der vier platonischen Kardinaltugenden und zielt auf die Beherrschung der Leidenschaften, die ihren organischen Ursprung im Stoffwechsel-Gliedmaßen-System haben.

"Die dritte Tugend, die mit den unvollkommensten Organen rechnet,, denjenigen, die erst in der Zukunft eine Gestalt bekommen werden, zu der sie jetzt nur den Keim enthalten, ist diejenige, die man nennen kann: die Besonnenheit. Man kann sie auch, in einer gewissen Schattierung, das maßvolle Leben nennen. Dann haben wir also drei Tugenden: Weisheit, Tapferkeit oder Wackerheit, Besonnenheit. Auch die Mäßigkeit könnte man Besonnenheit nennen.

Unbesonnen kann man nun in der verschiedensten Weise sein. Unbesonnen kann man dadurch sein, daß man sich überißt und übertrinkt. Das ist die niedrigste Art der Unbesonnenheit. Da geht das Seelische ganz unter in der leiblichen Begierde, und wir leben uns ganz in unserem Leibe aus. Wenn wir aber unsere Begierde in die Hand nehmen, wenn wir geradezu befehlen dem Leibe, was er tun darf und nicht tun darf, dann sind wir besonnen, man kann auch sagen: mäßig. Und dann behalten wir durch solche Mäßigkeit auch diejenigen Kräfte in der richtigen Ordnung, die mitwirken sollen, daß wir in der nächsten Inkarnation die betreffenden Organe nicht dem Luzifer ausliefern. Denn wir liefern die Kräfte dem Luzifer aus, die wir ausgeben durch Hingabe an ein leidenschaftliches Leben. Am schlimmsten dann, wenn uns die Leidenschaften in einen Rauschzustand versetzen, wenn wir uns wohl fühlen bei dem Dahinträumen und dem Dahinduseln.

Da, wo wir unsere Besonnenheit verlieren, geben wir immer Kräfte dem Luzifer hin. Diese Kräfte nimmt er, aber damit nimmt er uns auch die Kräfte, welche wir für die Atmungs- und Verdauungsorgane brauchen, und wir kommen dann mit schlechten Atmungs- und schlechten Verdauungsorganen wieder, wenn wir nicht die Tugend der Mäßigkeit üben. Diejenigen, welche es lieben, sich hinreißen zu lassen von ihrem Begierdeleben, die sich ihrem Leidenschaftsleben hingeben, sind die Kandidaten für die dekadenten Menschen der Zukunft, für diejenigen Menschen der Zukunft, die unter allen möglichen Fehlern ihres physischen Leibes leiden werden." (Lit.: GA 159, S. 20f)

Literatur

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Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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