Markt

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Der Markt (von lat.: mercatus, Handel; von merx, Ware), ursprünglich ein zentraler Marktplatz, auf dem Waren aller Art gehandelt werden, steht heute als volkswirtschaftlicher Begriff für ein innerhalb des von der Politik gesetzten rechtlichen Rahmens sich ohne zentrale Lenkung durch Angebot und Nachfrage selbst regulierendes Wirtschafts-System, das daher auch als freie Marktwirtschaft bezeichnet wird.

In der vorherrschenden Wirtschaftstheorie, die zudem die Existenz von Monopolen und Oligopolen vielfach ausblendet, wird die "reine" Marktwirtschaft als ideales System verstanden, welches aber in der zu beobachtenden Realität vielfache externe Effekte (Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Überproduktion, Wettbewerbsverzerrung usw.) nach sich zieht, die in Gestalt von Sozialkosten die Allgemeinheit belasten.

Rudolf Steiner hat demgegenüber im Rahmen seiner Ideen zur sozialen Dreigliederung für ein gesundes Wirtschaftsleben, das nicht unter dem Problem der notorischen Fehl- bzw. Überproduktion leidet, die Bildung von freien, also nicht staatlichen gelenkten, dezentralen Assoziationen angeregt.

"Die Assoziation ist keine Organisation, ist nicht irgendeine Koalition. Sie entsteht dadurch, daß sich die einzelnen Wirtschaftenden zusammenfinden, und daß jeder einzelne nicht das aufnimmt, was aus irgendeiner Zentralstelle heraus gemacht wird, sondern daß der einzelne das beitragen kann, was er aus seiner Erkenntnis des Gebietes, in dem er darinnensteht, weiß und kann. Und aus dem Zusammenarbeiten, bei dem ein jeder sein Bestes gibt und wo das, was geschieht, durch den Zusammenklang einer Anzahl entsteht, aus solchen Assoziationen kann sich erst alles übrige Wirtschaftliche ergeben." (Lit.: GA 83, S. 304f)

Die Assoziationen sollen die Konsumbedürfnisse ermitteln und eine entsprechende Warenproduktion anregen. Aus ihren jeweiligen Zusammenhängen entsenden die Produzenten, die Händler und die Konsumenten Vertreter in die jeweilige Assoziation. Die Assoziationen betreuen die Planung der Produktion, die Zirkulation der Waren (Handel), die Ermittlung von relevanten Bedürfnissen und den gegenlaufenden Geldfluß. Sie schaffen schließlich Voraussetzungen für effiziente und innovative Produktion und stellen die bedarfsorientierte Verteilung der Waren an die Konsumenten sicher.

"Es wird also heute für den Markt ohne Rücksicht auf den Konsum produziert... man stapelt in den Lagerhäusern und durch die Geldmärkte alles zusammen, was produziert wird, und dann wartet man, wieviel gekauft wird. Diese Tendenz wird immer größer werden, bis sie sich - wenn ich jetzt das Folgende sagen werde, werden Sie finden, warum - in sich selber vernichten wird. Es entsteht dadurch, daß diese Art von Produktion im sozialen Leben eintritt, im sozialen Zusammenhang der Menschen auf der Erde genau dasselbe, was im Organismus entsteht, wenn so ein Karzinom entsteht. Ganz genau dasselbe, eine Krebsbildung, eine Karzinombildung, Kulturkrebs, Kulturkarzinom! So eine Krebsbildung schaut derjenige, der das soziale Leben geistig durchblickt; er schaut, wie überall furchtbare Anlagen zu sozialen Geschwürbildungen aufsprossen. " (Lit.: GA 153, S. 174ff.)

In der assoziativen Wirtschaft eines dreigegliederten sozialen Organismus wird auf "organisierten" Märkten das chaotische Spiel von Angebot und Nachfrage überwunden sein:

„Aber auch dasjenige, was heute der Markt ist, wird eine andere Gestalt annehmen. Heute hat der Markt, wenn er auch im Kleinlichen und Kleinen schon vielfach organisiert ist, noch etwas Anarchisches. Der Markt regelt die gegenseitigen Werte der Waren, und das ist das einzige, was an Werten in dem Wirtschaftsleben künftig da sein soll, denn menschliche Arbeitskraft hat einen mit nichts vergleichbaren Wert, darf nicht zu den wirtschaftlichen Werten gezählt werden. Was an wirtschaftlichen Werten da sein wird, werden die vergleichsweisen Werte der Waren sein. Unter den geschilderten Verhältnissen wird möglich sein, daß die Waren solche vergleichsweisen Werte bekommen, welche den Menschen in weitestem Umfange, das heißt allen Menschen, die arbeiten, eine möglichst dem allgemeinen, nicht einem Gruppenwohlstand angemessene Lebenslage geben. Das kann nur dann sein, wenn der Markt aufhört das zu sein, was er heute ist, wenn er durch und durch organisiert wird, wenn aus den umfassendsten wirtschaftlichen Erfahrungen heraus, aus dem Berechnen desjenigen, was die verschiedenen wirtschaftlichen Unterlagen sind, sich ergibt eine Feststellung von Warenwerten, die nicht den anarchischen Verhältnissen von Angebot und Nachfrage unterliegen, sondern die hinorientiert sind auf den durch Erfahrung wohl festgestellten menschlichen Bedarf.“ (Lit.:GA 330, S. 180f.)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit, GA 83 (1981), ISBN 3-7274-0830-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt, GA 153 (1997), ISBN 3-7274-1530-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Neugestaltung des sozialen Organismus, GA 330 (1983), ISBN 3-7274-3300-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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