Marsanes

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Marsanes (abgekürzt: Mars) ist eine unter den Nag-Hammadi-Schriften (NHC X,1) aufgefundene gnostische Offenbarungsschrift. Der Text ist allerdings stark zerstört und konnte nur teilweise rekonstruiert werden. Der Titel wird mit einem von Epiphanios von Salamis erwähnten gnostischen Propheten „Marsianos“ in Verbindung gebracht.

Inhalt

Nach einer kurzen Einleitung wird ein stufenförmiger Einweihungsweg geschildert, der schrittweise durch die Öffnung von 13 Siegel bis zur vollkommenen Erkenntnis des geistigen Ursprungs von Mensch und Welt führt.

Aber die Dreizehnheit der Siegel, ich habe sie eingerichtet zusammen mit dem Gipfel der Erkenntnis und der Festigkeit der Ruhe.
Das erste Siegel aber und das zweite und das dritte sind die weltlichen und die hylischen. Ich habe euch belehrt über diese, damit ihr sollt eure Körper. Und eine wahrnehmbare Kraft wird die, die ruhen werden, und sie werden bewahrt sein von dem Leiden und der Teilung der Einheit.
Das vierte Siegel spricht über die Rettung und die Weisheit.
Das vierte Siegel aber und das fünfte, welche oben sind, diese habt ihr erkannt, sind göttlich.
Das fünfte Siegel aber spricht über die Reue von denen, die in mir sind, und über die Reue von denen, die an jenem Ort wohnen.
Das sechste Siegel aber spricht über die Autogennetos, über das körperlose Wesen, das teilweise existiert, zusammen mit denen, die existieren in der Wahrheit des Alls, zum Verständnis und zur Befestigung.
Und das siebte Siegel spricht über die selbstgezeugte Kraft.
Das achte Siegel aber spricht aber über den Verstand, welcher männlich ist und in Erscheinung trat am Anfang, und über das Wesen, das körperlos ist, und die verständige Welt.
Das neunte Siegel spricht von der Macht, die in Erscheinung trat am Anfang.
Das zehnte Siegel spricht über Barbelo, die Jungfrau des Äons.
Das elfte und das zwölfte Siegel sprechen über den Unsichtbaren, der drei Kräfte besitzt, und über den Geist, der kein Wesen hat, indem er gezählt wird zu der ersten Ungezeugten.
Das dreizehnte Siegel spricht über den Schweigenden, der nicht gewußt wurde, und über den Beginn von dem, der nicht unterschieden wurde.

Marsanes

Der Autor gibt sich als Eingeweihter zu erkennen, der „der das, was wirklich existiert, verstanden hat, sei es teilweise, sei es gänzlich“, wobei nicht nur die geistige Welt, sondern auch der besondere Wert der sinnlichen Erscheinungswelt gewürdigt wird: „Ich habe den ganzen Ort des körperlosen Wesens teilweise erkannt, und ich habe die verständige Welt erkannt. Ich habe erkannt, als ich überlegte: In jeder Weise ist die wahrnehmbare Welt würdig, gänzlich gerettet zu werden.“

Es folgt eine ausführliche Darstellung des Autogenes, des göttlichen Erlösers. Daran schließen sich umfangreiche Angaben zur Buchstaben- und Zahlenmystik, die allerdings wegen des nur lückenhaft erhaltenen Textes nur schwer zu enträtseln sind.

Literatur

  • Gerd Lüdemann, Martina Janßen (Übers.): Die Bibel der Häretiker. Die gnostischen Schriften aus Nag Hammadi - Erste deutsche Gesamtübersetzung. Stuttgart 1997. ISBN 3-87173-128-5

Weblinks

  • Marsanes (Übersetzung von G. Lüdemann und M. Janßen)
  • Marsanes (Gerd Albrecht)