Martin Kriele

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Martin Kriele (* 19. Januar 1931 in Opladen) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler.

Leben

Nach dem Abitur studierte Kriele Rechtswissenschaften und Philosophie in Freiburg im Breisgau, Münster und Bonn. Nach dem Rechtsreferendariat erwarb Kriele an der Yale University Law School den akademischen Grad eines Master of Laws (LL.M.). Nach dem Assessorexamen arbeitete Kriele als Rechtsanwalt und als wissenschaftlicher Assistent bei Hans J. Wolff in Münster. Im Anschluss an die Promotion 1962 mit einer Dissertation zu den Kriterien der Gerechtigkeit erfolgte dort im Jahr 1966 die Habilitation mit einer Schrift über die Theorie der Rechtsgewinnung. Kriele war von 1967 bis 1996 Ordinarius für Allgemeine Staatslehre und Öffentliches Recht an der Universität zu Köln.

Kriele ist Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift für Rechtspolitik (ZRP). Vor der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer berichtete er auf der Tagung 1970 in Speyer über das Thema Das demokratische Prinzip im Grundgesetz.

1973 vertrat Kriele die Bundesregierung Willy Brandts im Streit um die Ostverträge vor dem Bundesverfassungsgericht. Von 1976 bis 1988 war Kriele Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen. 1988 bekam er das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Seit 1996 ist Kriele emeritiert. Zu seinen Schülern zählen Heinrich Wilms (Zeppelin University) und Görg Haverkate. Martin Kriele ist ein ausgewiesener Gegner direktdemokratischer Initiativen auf Bundesebene.

Unter dem Eindruck der Werke des Anthroposophen Rudolf Steiner konvertierte Kriele vom evangelischen zum katholischen Glauben. Er war an den „Engelbüchern“ beteiligt, die seine Frau Alexa Kriele vorgelegt hat.[1] Dafür ist Kriele kritisiert worden.[2]

Bekannt wurde er auch als Herausgeber der Werke Valentin Tombergs.

Kriele hat sechs Kinder, zwei aus erster Ehe mit Christel, vier aus zweiter Ehe mit Alexa.

Zitat

"Meinen religiösen Weg schildere ich in meiner Autobiographie: Anthroposophie und Kirche, Erfahrungen eines Grenzgängers, Verlag Herder 1996, Inhaltsverzeichnis unter VI. In kurzer Zusammenfassung: Ich stamme aus dem liberalen Protestantismus, konnte mich jedoch mit der dort herrschenden "modernen Theologie nicht anfreunden, die alle spirituelle Erkennmisfahigkeit und damit alle religiösen Glaubensinhalte pauschal für "überholt" und "erledigt" erklärte.. Man meinte, es gehe nur noch um die Frage, wie die Kirche ihre Fortexistenz trotzdem rechtfertigen könne, und diskutierte verschiedene Begründungsansätze, die das plausibel machen sollten. Mir waren sie allesamt unplausibel. Den eindrucksvollsten Kontrapunkt dazu fand ich in den Werken Rudolf Steiners (1869-1925). Er hatte gezeigt, wie man die Methoden und Ergebnisse der modernen Wissenschaft bejahen und zugleich die von ihm so genannte "geistige Welt" ernst nehmen und Zugang zu ihr finden kann. Ich wurde 1960 aktives Mitglied der Anthroposophisehen Gesellschaft, trat aber 1995 wieder aus. Ich suchte nach dem lebendigen Verkehr mit der "geistigen Welt". Während der Zeit meiner Mitgliedschaft trat ich von der evangelischen zur katholischen Kirche über (1968). Mir waren zwar alle kritischen Vorbehalte gegen sie vertraut - ich habe sie ja selbst geteilt. Trotzdem fand ich in ihrer liturgischen und sakramentalen Wirklichkeit mehr Offenheit für die Wirklichkeit der" geistigen Welt", mehr Anbetung, Mystik und Frömmigkeit. Ich fand überraschenderweise auch mehr Toleranz. Ich habemein Denken von vornherein offengelegt; der Erzbischof gab in voller Kenntnis meiner Ansichten die Einwilligung zu meiner Aufnahme. Wenn ich auch in mancher Hinsicht ein "kritischer Katholik" bin, so halte ich doch die Entscheidung nach wie vor für richtig. Ich besuche regelmäßig die Messe. Viele Menschen, denen ich in der Kirche begegnet bin - an der Basis, in Klöstern und Orden und auch in leitenden Ämtern - haben mir große Hochachtung abgenötigt." (Quelle: Homepage von Martin Kriele)

Werke

  • Martin Kriele: Kriterien der Gerechtigkeit: Zum Problem des rechtsphilosophischen und politischen Relativismus, Duncker & Humblot, Berlin 1963, 109 S. (Dissertation)
  • Martin Kriele: Theorie der Rechtsgewinnung, entwickelt am Problem der Verfassungsinterpretation, Duncker & Humblot, Berlin 1967, 334 S., Schriften zum öffentlichen Recht Bd. 41 (Habilitation)
  • Martin Kriele: Einführung in die Staatslehre, Opladen, Westdeutscher Verlag, 1. Aufl. 1975, Kohlhammer, Stuttgart, 6. Aufl. 2003, ISBN 3-17-018163-7
  • Martin Kriele: Anthroposophie und Kirche, Erfahrungen eines Grenzgängers, Freiburg im Breisgau, Herder 1996, ISBN 3-451-23967-1 (Autobiografie)
  • Martin Kriele: Gott und die Vernunft : Kann ein vernünftiger Mensch ungläubig sein? Christiana Vlg. 2008
  • Burkhardt Ziemske, Theo Langheid, Heinrich Wilms, Görg Haverkate (Hrsg.): Staatsphilosophie und Rechtspolitik, Festschrift für Martin Kriele, München 1997

Einzelnachweise

  1. Homepage von Alexa Kriele, der Frau Martin Krieles
  2. Homepage eines Vereins „AGPF Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung“, dazu die Replik Krieles; Rainer Maria Kiesow, Von vorn nach hinten und von hinten nach vorn, myops Nr. 7 (2009), 4-15, dazu die Replik von Kriele, Leserbrief, myops Nr. 9 (2010), 75-76.

Weblinks


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