Monadismus

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Gottfried Wilhelm Leibniz

Der Monadismus ist eine der zwölf von Rudolf Steiner besprochenen grundlegenden Weltanschauungen und geht davon aus, dass das ganze Weltgeschehen aus dem Zusammenspiel unabhängig voneinander bestehender, völlig selbstständiger Monaden resultiert. Im Tierkreis entspricht dem Monadismus das Zeichen des Schützen. Gottfried Wilhelm Leibniz hat eine derartige Lehre in seiner 1714 veröffentlichten Monadologie vertreten.

"Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit: die, daß jemand nicht auf den Wegen, die wir zu gehen versucht haben, zu dem Wirken geistiger Wesenheiten kommt, daß er aber doch zu der Annahme gewisser geistiger Grundwesen der Welt kommt. Ein solcher Mensch war zum Beispiel Leibniz, der berühmte deutsche Philosoph. Leibniz war hinaus über das Vorurteil, daß irgend etwas bloß materiell in der Welt existieren könne. Er fand das Reale, suchte das Reale. Das Genauere habe ich in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» dargestellt. Er war der Anschauung, daß es ein Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, wie zum Beispiel die Menschenseele. Aber er machte sich nicht weitere Begriffe darüber. Er sagte sich nur, daß es ein solches Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, das Vorstellungen aus sich heraustreibt. Das ist für Leibniz eine Monade. Und er sagte sich: Es muß viele Monaden geben und Monaden von der verschiedensten Klarheit. Wenn ich hier eine Glocke habe, so sind dort viele Monaden drinnen - wie in einem Mückenschwarm -, aber Monaden, die nicht einmal bis zum Schlafbewußtsein kommen, Monaden, die fast unbewußt sind, die aber doch dunkelste Vorstellungen in sich entwickeln. Es gibt Monaden, die träumen, es gibt Monaden, die wache Vorstellungen in sich entwickeln, kurz, Monaden der verschiedensten Grade. - Ein solcher. Mensch kommt nicht dazu, sich das Konkrete der einzelnen geistigen Wesenheiten so vorzustellen wie der Spiritualist; aber er reflektiert in der Welt auf das Geistige, das er nur unbestimmt sein läßt. Er nennt es Monade, das heißt, er kümmert sich nur um den Vorstellungscharakter, als wenn man sagen würde: Ja, Geist, Geister sind in der Welt; aber ich beschreibe sie nur so, daß ich sage, sie sind verschiedenartig vorstellende Wesen. Eine abstrakte Eigenschaft nehme ich aus ihnen heraus. Da bilde ich mir diese einseitige Weltanschauung aus, für die vor allem so viel vorgebracht werden kann, als der geistvolle Leibniz für sie vorgebracht hat. So bilde ich den Monadismus aus. - Der Monadismus ist ein abstrakter Spiritualismus." (Lit.: GA 151, S. 42f)

Literatur

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