Nestorianismus

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Nestorianismus ist eine nach Nestorius benannte christologische Lehre, die 431 auf dem Konzil von Ephesos verurteilt wurde.

Inhalt der Lehre

In den christologischen Diskussionen des 5. Jahrhunderts nimmt der Nestorianismus die gegensätzliche Position zum Monophysitismus ein.

Definiert ist der Nestorianismus im Wesentlichen aus den Anathemata von Kyrill von Alexandria und des Konzils von Ephesos. Nach Kyrill besteht der Hauptpunkt des Nestorianismus in der Lehre, dass es in Jesus Christus eine göttliche und eine menschliche Person gegeben habe (eine Person mit einer göttlichen Natur und eine Person mit einer menschlichen Natur). Jedes zugeordnete Attribut und jede Handlung des inkarnierten Christus könne dabei einer dieser Personen zugeordnet werden. Beide Personen seien lediglich durch das Band der Liebe verbunden.

Jedoch haben weder Nestorius selbst noch die als seine Anhänger beschuldigten Vertreter der Antiochenischen Schule diese Dinge tatsächlich gelehrt. Vielmehr haben sie, wenn auch zum Teil in unglücklichen Formulierungen, Positionen vertreten die schliesslich im Konzil von Chalzedon 451 zum Tragen gekommen sind. Problematisch war, dass Nestorius den Gebrauch des Attributs Theotokos (griech. ΘεοτόκοςGottesgebärerin“), ein Attribut paganer Göttinen, in Bezug auf Maria, die Mutter Jesu, abgelehnt hat. Es sei besser von einer Christusgebärerin zu sprechen.

Auch die von der orthodoxen und römisch-katholischen Kirche oft als Nestorianer bezeichnete Assyrische Kirche des Ostens hat nie die vorgeworfenen Lehren vertreten, so dass man vom Nestorianismus lediglich als einem häresiologischen Konstrukt, nicht von einer historischen Bewegung, sprechen kann. Die monophysitischen Kirchen haben den Nestorianismusvorwurf auch auf die Chalzdonensier, also Orthodoxe und Katholiken, ausgedehnt.

Ausbreitung

Nestorius war bis 431 Patriarch von Konstantinopel, die von ihm vertretene Lehre wurde auf dem Konzil von Ephesos 431 verurteilt.

Viele seiner Anhänger wanderten schließlich ins Sassanidenreich aus, wo es zu dieser Zeit bereits eine relativ große Anzahl von Christen gab (wenn sie auch nie die Mehrheit bildeten). Die sich formierende so genannte nestorianische Kirche – die mit Nestorios jedoch weniger gemein hatte und besser als ostsyrische Kirche bzw. als Assyrische Kirche des Ostens bezeichnet werden sollte – in Persien stand der römischen Reichskirche von nun an feindlich gegenüber, sodass die persischen Könige fortan den persischen Christen wesentlich wohlwollender gegenüber standen. Das nestorianische Zentrum war – nachdem die alten Zentralen wie Konstantinopel, Alexandria und Antiochia nicht erreichbar waren – Edessa, das heutige Urfa (bzw. Şanlıurfa) im Südosten der Türkei; Sitz des Katholikos war Ktesiphon. Trotz mancher Behinderung konnte über die Seidenstraße, deren Arm durch Edessa führte, sich eine Missionstätigkeit entfalten. Die Händler nahmen nicht nur Waren sondern auch ihre Religion, ihre Überzeugung mit nach Osten. Christliche Gemeinden entstanden unter den Turkvölkern in Mittelasien und in Sinkiang (chin. Volksrepublik). Teilweise wurden auch ganze Völker christlich. 779 wurde im westlichen China ein Denkmal errichtet, das von der Einführung der großen „leuchtenden Religion aus Ta-Ch’in (dem Judenlande)” berichtete. Spuren dieser Missionstätigkeit wurden auch in Japan (im 9. Jahrhundert dokumentiert) und auf Sumatra entdeckt. Die Thomaschristen in Südindien sind die Nachfahren dieses kirchlichen Lebens in Indien.

Auf die Blütezeit dieser Kirche im 13. Jahrhundert folgte bald die nahezu vollständige Vernichtung durch den muslimischen Mongolenherrscher Timur Lenk (bzw. Tamerlan) im 14. Jh. Der Jesuitenpater Matteo Ricci stieß im 16. Jh. in China auf Reste des Christentums. Als man die obengenannte Stele 1625 in Sianfu (heute Xian 西安) fand, hatte man damit die Erklärung, wieso Matteo Ricci bei seiner Missionstätigkeit christliche Elemente vorfinden konnte. Aber zugleich entkräftete dieser Fund den Vorwurf der Chinesen, die Missionare brächten etwas ganz Neues, ganz Fremdes in das Reich der Mitte. Die Stele bewies, dass der christliche Glaube schon vor langer Zeit in China Wurzeln geschlagen hatte.

In der mongolischen Hauptstadt Karakorum befand sich um 1250 eine nestorianische Kirche. Daher kann davon ausgegangen werden, dass das nestorianische Christentum im Mongolenreich bis um 1350 eine verbreitete Glaubensrichtung war.

Siehe auch

Literatur

  • Wassilios Klein: Das nestorianische Christentum an den Handelswegen durch Kyrgyzstan bis zum 14. Jh., Turnhout 2000 (Silk Road Studies III).


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