Nick Bostrom

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Nick Bostrom 2014

Nick Bostrom (* 10. März 1973 als Niklas Boström in Helsingborg) ist ein schwedischer Philosoph und lehrt an der Oxford University. Seine Forschungsschwerpunkte sind Bioethik und Philosophie der künstlichen Intelligenz.

Leben

Bostrom erhielt 1994 seinen B.A. in Philosophie, Mathematik, Logik und künstliche Intelligenz an der Universität Göteborg. 1996 machte er gleichzeitig seinen M.A. in Philosophie und Physik an der Stockholm University und seinen M.Sc. in Computational Neuroscience am King’s College London. Während seiner Tätigkeit an der Stockholm University untersuchte er die Relation von Sprache und Realität vor dem Hintergrund der Werke des analytischen Philosophen Willard Van Orman Quine (1908-2000). 1998 gründete Bostrom zusammen mit David Pearce die World Transhumanist Association. Seinen Ph.D. in Philosophie erhielt er im Jahr 2000 an der London School of Economics and Political Science.

Von 2000 bis 2002 lehrte Bostrom an der Yale University in New Haven (Connecticut). Von 2002 bis 2005 war er British Academy Postdoctoral Fellow an der Oxford University, an der er heute als Hochschulprofessor tätig ist. 2004 begründete er mit dem Soziologen und Bioethiker James Hughes das Institute for Ethics and Emerging Technologies, 2005 das Future of Humanity Institute und 2011 das Programme on the Impacts of Future Technology an der Oxford Martin School[1][2].

Forschungstätigkeit

Bostroms Forschungsschwerpunkte sind Bioethik, Technikfolgenabschätzung und die Philosophie der künstlichen Intelligenz, wobei er einen ethischen Konsequentialismus vetritt. Bekannt ist er vor allem für seine Studien zum existentiellen Risiko der Menschheit, zum anthropischen Prinzip, zu ethischen Aspekten des Transhumanismus, d.h. der technischen Verbesserung des menschlichen Körpers, und zu Nutzen und Risiken der künstlichen Superintelligenz. Dabei betrachtet er künstliche Intelligenzen, die der menschlichen weit überlegen wären, sowohl als Schritt zum Transhumanismus als auch als existentielles Risiko. Bostrom sieht einen schnellen Übergang zu einer Intelligenzexplosion für wahrscheinlicher als einen gemäßigten und viel wahrscheinlicher als einen langsamen Übergang. Ein solch schneller Takeoff birgt nach Bostrom die Gefahr, dass der Mensch die Kontrolle über die Technik verliert, die ihn in der Folge nicht mehr benötigt. Das würde das Ende der Menschheit bedeuten können.[3] Gemeinsam mit Elon Musk, Stephen Hawking, Max Tegmark, Martin Rees zählt er zu den Unterzeichnern eines Manifests des Future of Life Institute, das die Erforschung von Superintelligenz und ihrer ungefährlichen Nutzbarmachung zu einem gültigen und dringenden Forschungsthema erklärt[4].

Gemeinsam mit Toby Ord entwickelte Bostrom den „Reversal Test“ als Heuristik zur Neutralisierung des status quo bias, einer kognitiven Verzerrung, die zu einer übermäßigen Bevorzugung des Status quo gegenüber Veränderungen führt. In seinen Arbeiten über das anthropische Prinzip diagnostiziert er eine weitere auf Beobachtereffekte zurückzuführende kognitive Verzerrung, den sog. observer selection bias. Jeder Beobachter würde demnach Ereignisse oder Ereignisalternativen, die seine eigene Existenz unwahrscheinlich machen, selbst für unwahrscheinlich halten oder vernachlässigen. In der Kosmologie führe das auf der Basis des anthropischen Prinzips zu unschlüssigen oder falschen Annahmen über die Wahrscheinlichkeit der Gültigkeit kosmologischer Modelle.

Simulationshypothese

In einem auch populärwissenschaftlich häufig rezipierten Gedankenexperiment beschäftigt sich Bostrom mit der sog. Simulationshypothese. Er argumentiert, dass eine höher entwickelte, posthumane Zivilisation in der Lage und Willens sein könnte, die Wirklichkeit inklusive des gesamten Universums mit Computertechnologie zu simulieren. Dies könne eventuell bereits geschehen sein. Bostrom geht dabei aus mathematischen Überlegungen von einem Trilemma aus, nach dem von den folgenden Alternativen mindestens eine wahr sein müsse:

  1. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Zivilisation eine "posthumane" Entwicklungsstufe erreicht, geht gegen Null
  2. Fast keine "posthumane" Zivilisation ist daran interessiert, Vorgängerwesen des Menschen zu simulieren.
  3. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer simulierten Realität leben.

Sollten die Annahmen 1 und 2 falsch sein, so muss nach Bostrom mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass unser Universum tatsächlich eine Simulation sei (Simulationshypothese). Bostrom argumentiert dabei mit der zusätzlichen Annahme, dass die ersten beiden Möglichkeiten nicht eintreten, dass also erstens ein nicht geringer Anteil unserer Zivilisation tatsächlich die nötige technologische Reife erlangt und zweitens das Interesse eines nicht vernachlässigbaren Teils der Zivilisation bestehen bleibt, die Ressourcen zu nutzen, um Vorgängersimulationen zu entwickeln. Unter diesen Annahmen erreicht in einer technologisch reifen Zivilisation aufgrund des exponentiellem Wachstums der Computerleistung (Mooresches Gesetz) der Umfang der Vorgänger-Simulationen astronomische Zahlen.

„Viele Science-Fiction-Werke sowie einige Prognosen seriöser Technologen und Zukunftsforscher sagen voraus, dass in Zukunft enorme Mengen an Rechenleistung zur Verfügung stehen werden. Nehmen wir einmal an, dass diese Vorhersagen richtig sind. Etwas, was spätere Generationen möglicherweise mit ihren übermächtigen Computern machen, ist die Durchführung detaillierter Simulationen ihrer Vorfahren oder von Menschen wie ihren Vorfahren. Da ihre Computer so leistungsfähig wären, könnten sie sehr viele solcher Simulationen ausführen. Nehmen Sie an, diese simulierten Menschen sind bei Bewusstsein (wie sie es wären, wenn die Simulationen ausreichend feinkörnig sind und eine bestimmte, weithin akzeptierte Position in der Philosophie des Geistes richtig ist). Dann könnte es sein, dass die überwiegende Mehrheit dieser Geister nicht der ursprünglichen Rasse angehört, sondern vielmehr Menschen sind, die von den fortgeschrittenen Nachkommen einer ursprünglichen Rasse simuliert werden. Wenn dies der Fall wäre, kann man argumentieren, dass es vernünftig wäre zu glauben, dass wir eher zu den simulierten Geistern zählen als zu den ursprünglichen biologischen. Wenn wir also nicht glauben, dass wir derzeit in einer Computersimulation leben, haben wir nicht das Recht zu glauben, dass wir Nachkommen haben werden, die viele solcher Simulationen ihrer Vorfahren ausführen. Das ist die Grundidee.“

Nick Bostrom: Are you living in a Computer Simulation?[5]

Siehe auch

Werke

Bücher

  •  Nick Bostrom: Anthropic Bias. Observation Selection Effects in Science and Philosophy. Routledge, New York 2002, ISBN 0-415-93858-9.
  •  Nick Bostrom: Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies. Oxford University Press, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-967811-2.
    • deutsch:  Superintelligenz - Szenarien einer kommenden Revolution. Suhrkamp, Berlin 2014 (übersetzt von Jan-Erik Strasser), ISBN 978-3-518-58612-9.

Artikel

Einzelnachweise

  1. Programmes Humanity's Future, abgerufen am 6. April 2019.
  2. Homepage des Future of Humanity Institute, abgerufen am 6. April 2019.
  3. Nick Bostrom: Superintelligenz. Szenarien einer kommenden Revolution. Suhrkamp 2016.
  4. The Future of Life Institute Open Letter. The Future of Life Institute. Abgerufen am 4. März 2015.
  5. „Many works of science fiction as well as some forecasts by serious technologists and futurologists predict that enormous amounts of computing power will be available in the future. Let us suppose for a moment that these predictions are correct. One thing that later generations might do with their super‐powerful computers is run detailed simulations of their forebears or of people like their forebears. Because their computers would be so powerful, they could run a great many such simulations. Suppose that these simulated people are conscious (as they would be if the simulations were sufficiently fine‐grained and if a certain quite widely accepted position in the philosophy of mind is correct). Then it could be the case that the vast majority of minds like ours do not belong to the original race but rather to people simulated by the advanced descendants of an original race. It is then possible to argue that, if this were the case, we would be rational to think that we are likely among the simulated minds rather than among the original biological ones. Therefore, if we don’t think that we are currently living in a computer simulation, we are not entitled to believe that we will have descendants who will run lots of such simulations of their forebears. That is the basic idea.“
    Nick Bostrom: Are you living in a Computer Simulation?:
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