Selbstverwaltung

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Unter Selbstverwaltung versteht man den Fortfall hierarchischer Weisungsstrukturen in der Organisation eines Unternehmens oder einer Sozialeinrichtung. Für die Freien Waldorfschulen ist durch die kollegiale Organisation des Lehrerkollegiums und die Einbindung der Eltern in die Selbstverwaltung der Schule dieses Organisationsprinzip zur angestrebten Sozialverfassung geworden.

„Die Aufgabe wird nur dauerhaft richtig ergriffen werden, wenn sich möglichst alle Mitarbeiter für ihre Erfüllung mitverantwortlich fühlen. Dies ist nicht nur im Sinne eines allgemeinen Appells gemeint. Vielmehr müssen die Strukturen der Institution die Wahrnehmung dieser Verantwortung auch ermöglichen. Solche Strukturen, die Eigen- und Mitverantwortung im Rahmen der Aufgabenstellung des Mitarbeiters nicht nur zulassen, sondern sogar fördern, kann man im allgemeinen mit dem Ausdruck der „Selbstverwaltung“ bezeichnen. Ein zentrales Problem solcher Gemeinschaften liegt darin, wie im Rahmen eines gemeinschaftlichen Anliegens der Einzelne genügend Initiativkraft entfalten kann. Denn letzten Endes werden die Aufgaben nicht durch die Gemeinschaft, sondern durch einzelne Menschen geleistet.“ (Lit.: Udo Herrmannstorfer in „Wege zur Qualität“: Die Befreiung schöpferischer Kräfte, S. 1)

Daneben versteht man unter Selbstverwaltung auch die Autonomie von Institutionen oder Organisationen mit Bezug auf den Wegfall von von außen kommenden Reglementierungen oder Weisungen, etwa durch eine übergeordnete Schulbehörde, für alle Angelegenheiten, die in die eigene Zuständigkeit der Schule fallen.

Auf der makrosozialen Ebene versteht man im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus die Selbstverwaltung des freien Geisteslebens und der Wirtschaft als eine je eigene Verwaltung dieser gesellschaftlichen Teilbereiche, die von staatlichen Verwaltungsdirektiven unabhängig sind.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Kugler: Selbstverwaltung als Gestaltungsprinzip eines zukunftsorientierten Schulwesens : dargest. am Beisp. d. Freien Waldorfschulen, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1981 (Zugleich Dissertationsschrift an der Universität zu Köln, 1981)
  • Stefan Leber: Die Sozialgestalt der Waldorfschule. Ein Beitrag zu den sozialwissenschaftlichen Anschauungen Rudolf Steiners, Fischer TB, Frankfurt a.M. 1984
  • Marlene Kück: Betriebswirtschaft der Kooperative, C.E. Poeschel Verlag, Stuttgart 1989
  • Udo Herrmannstorfer: „Wege zur Qualität“: Die Befreiung schöpferischer Kräfte, 2000 Volltext
  • Udo Herrmannstorfer, Michael Ross, Christoph Strawe: Hat die Selbstverwaltung eine Zukunft? Führungsfragen in freien Schulen und anderen Einrichtungen in freier Trägerschaft, Sozialimpulse 3/2008, S. 5 - 24, Volltext
  • Johannes Mosmann / Rudolf Steiner: Was ist eine freie Schule?, mit einem Vorwort und Kommentar von Johannes Mosmann, Rudolf Steiner im Wortlaut über die freie Waldorfschule, den diesbezüglichen Begriff der "Selbstverwaltung" und die Idee eines freien Geisteslebens, Institut für soziale Dreigliederung, 2015, ISBN 3945523117, Volltext
  • M. Michael Zech: Schulautonomie und Selbstverwaltung als konstitutive Elemente der Waldorschulen. In: Jost Schieren (Hg.): Handbuch Waldorfpädagogik und Erziehungswissenschaft, Beltz-Juventa, Weinheim - Basel 2016, S. 976 - 1007

Kritische Literatur:

  • Roland Kipke: Warum eigentlich freies Geistesleben?. In: Anthroposophie. Vierteljahresschrift zur anthroposophischen Arbeit in Deutschland, Michaeli 2019, Nr. 289, S. 216 - 222