Shudra

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Shudra (Sanskrit, शूद्र, m., śūdra, f., śūdrā) ist im indischen Kastensystem die Bezeichnung für die vierte Kaste (Varna) der traditionellen vier Kasten. Sie stellen (abgesehen von den Unberührbaren, die außerhalb des Kastensystems stehen) die unterste Schicht der indischen Gesellschaft dar und bilden die Mehrzahl der Bevölkerung: Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner, Diener, Landarbeiter, Arbeiter.

Im modernen Indien, in dem das Kastensystem seit Gründung der Republik 1947 abgeschafft ist, aber weiterhin vor allem in ländlichen Gebieten und unter orthodoxen Hindus eine große Rolle spielt, bilden die Shudras die sogenannten other backward castes. Da den unberührbaren Kasten (den scheduled castes) erleichterter Zugang zu Stellen in der Verwaltung nach einem Quotensystem gewährt wurde, schürte dies Widerstand bei den other backward castes, weil sie sich benachteiligt sahen. Die Folge war, dass auch die other backward castes verstärkt versuchen, in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, indem ihnen wegen Rückständigkeit ebenfalls Quoten zugebilligt werden. Die Shudra-Kasten gelten auch den orthodoxen Hindu als rein, weshalb sie schon immer innerhalb der Ortschaften wohnten. Da die Shudras sehr zahlreich sind, sagt die Bezeichnung Shudra wenig über Gruppenzugehörigkeit aus, wie dies z. B. bei den Brahmanen der Fall ist. Die Unterkasten (Jatis) sind hier aussagekräftiger und spielen für die eigene Identität und das soziale Leben eine größere Rolle.

Im 10. Buch des Rigveda, dem sogenannten Purushasukta, ist beschrieben, wie die verschiedenen Kasten entstanden sind. Sie entstanden während eines Opfers aus dem Urriesen Purusha. Aus dem Kopf wurden dabei die Brahmanen, aus den Armen die Kshatriya, aus den Schenkeln wurden die Vaishya und aus den Füßen die Shudra.

Nach Aussagen der klassischen Gesetzestexte wie der Manusmriti sind die Shudras den höheren Kasten zum Dienst verpflichtet.


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