Susan Blackmore

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Susan Blackmore (2014)

Susan Jane Blackmore (* 29. Juli 1951 in London) ist eine britische Autorin, Lektorin und Visiting Professor für Psychologie an der University of Plymouth. In ihrer Forschungstätigkeit beschäftigt sie sich mit Psychologie, Parapsychologie, Evolutionstheorie, Memen, Meditation und der Theorie des Bewusstseins.

Leben

Susan Blackmore machte 1973 ihren BA in Psychologie und Physiologie am St Hilda’s College der Universität Oxford und 1974 ihren Master of Science an der University of Surrey, wo sie 1980 auch mit einer Arbeit über „Extrasensory Perception as a Cognitive Process“ ihren PhD erhielt. Dieses Thema hatte sie aufgrund einer eigenen - drogeninduzierten - außerkörperlichen Erfahrung als junge Studentin in den frühen 1970er Jahren gewählt, durch die sie zunächst zur überzeugten Dualistin wurde und dies auch den „engstirnigen Professoren“ beweisen wollte.

„Ich wurde süchtig nach diesem Thema, als ich zum ersten Mal nach Oxford ging, um Physiologie und Psychologie zu studieren. Ich begann die Oxford University Society for Psychical Research (OUSPR) zu leiten und fand Hexen, Druiden, Psychiker, Hellseher und sogar ein paar echte psychische Forscher, die zu uns kamen, um mit uns zu sprechen. Wir hatten Ouija-Boardsitzungen, gingen auf Friedhöfe und machten einige Experimente mit ESP und Psychokinese (PK).

Innerhalb weniger Wochen hatte ich nicht nur viel über das Okkulte und das Paranormale gelernt, sondern ich hatte eine Erfahrung, die mich nachhaltig beeinflussen sollte - eine außerkörperliche Erfahrung (OBE). Es passierte, als ich hellwach war und mit Freunden sprach. Sie dauerte etwa drei Stunden und umfasste alles von einer typischen "Astralprojektion" mit Silberkordel und doppeltem Körper über das frei schwebende Fliegen bis hin zu einem mystischen Erlebnis.“[1]

In ihrer Doktorarbeit konnte sie allerdings nur eine lange Reihe fehlgeschlagener Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung und zur Psychokinese vorweisen. Immer skeptischer gegenüber paranormalen Behauptungen werdend, wandte sie sich dem Studium der Erfahrungen zu, die den Glauben an das Paranormale fördern. Zahlreiche Untersuchengen zu Nahtoderfahrungen, Träumen und Schlaflähmung brachten sie aber schließlich zur Ansicht, dass Parapsychologie letzlich nur ein Ablenkungsmanöver ist, das jeden ernsthaften Versuch, das Bewusstsein zu verstehen, verhindert.

„Es war vor etwas mehr als dreißig Jahren, als ich die dramatische außerkörperliche Erfahrung machte, die mich von der Realität psychischer Phänomene überzeugte und mich auf einen Kreuzzug startete, um diesen engstirnigen Wissenschaftlern zu zeigen, dass das Bewusstsein über den Körper hinausreichen konnte und dass der Tod nicht das Ende war. Nur ein paar Jahre sorgfältiger Experimente änderten das alles. Ich fand keine psychischen Phänomene - nur Wunschdenken, Selbsttäuschung, experimentelle Fehler und gelegentlich Betrug. Ich wurde ein Skeptiker.“[2]

Meditation erwies sich als wesentlich hilfreicher. Seit den frühen 1980er Jahren praktiziert Susan Blackmore Zen - ohne sich deswegen als Buddhist zu verstehen - und setzte sich für die Legalisierung von Drogen ein. Über ihre eigenen Drogenerfahrungen schreibt sie:

„Ich bin so froh, dass ich LSD - und Meskalin, und Psilocybin, und sogar DMT genommen habe, was mir sicherlich die schrecklichsten 15 Minuten meines ganzen Lebens gegeben haben muss. Aber warum? Die Gründe dafür sind sowohl intellektuell als auch persönlich - wegen allem, was diese Drogen mir über Geist, Selbst, Bewusstsein und wie man als unvollkommener Mensch lebt beigebracht haben. Ich bin sicher, dass, wenn ich sie nie genommen hätte, mein Leben einen ganz anderen Weg eingeschlagen hätte. Ich hätte diesen sinnvollen Doktorandenplatz akzeptieren können, der mir angeboten wurde und eine ordentliche akademische Karriere hatte. Ich hätte vielleicht einen Job gehabt. Ich hätte es vielleicht.... Natürlich kann ich mir nicht vorstellen, was sich ein völlig anderes Leben hätte entwickeln können, aber es besteht kein Zweifel daran, dass meine lebenslange Besessenheit vom Geheimnis des Bewusstseins von Halluzinogenen unterstützt und gefördert wurde.“[3]

In den Mittelpunkt von Blackmores Interesses trat immer mehr die Evolution des Bewusstseins. So beschäftigte sie sich intensiv mit der Evolutionstheorie, mit der von Richard Dawkins begründeten Theorie der Meme, und führte einige der ersten Experimente zur Veränderungsblindheit durch. International bekannt wurde sie durch ihr 1999 erschienenes Buch „The Meme Machine“ („Die Macht der Meme oder Die Evolution von Kultur und Geist“), das in 13 Sprachen übersetzt wurde[4]. Wesentliche Anregungen empfing sie nach eigenen Angaben von Darwin, Richard Dawkins, dem amerikanischen Philosophen Daniel Dennett und von William James. Um sich ganz auf ihr umfassendes Buch über das Bewusstsein zu konzentrieren, gab sie ihre feste Anstellung auf und arbeit seitdem als freie Schriftstellerin.

„Es ist wirklich wahr. Ich habe meinen sicheren akademischen Job als Reader an der University of the West of England für die Launen des Lebens als Freelancer aufgegeben. Und warum? Weil ich arbeiten will - wirklich arbeiten - und mein Job das unmöglich gemacht hat.

Bin ich verrückt? Zu den Verlusten gehören ein zuverlässiges Gehalt, eine Rente, Krankengeld, ein beheizter Raum und ein Computer, den jemand reparieren kommt, wenn er ausfällt. Aber ich kann auf diese verzichten (denke ich). Der Gewinn ist endlich ein wahres akademisches Leben. Ich kann meine Zeit dem Denken, Lesen und Schreiben widmen; dem Austausch von Ideen mit anderen; dem Stellen von Fragen über das Universum und dem Versuch, Antworten zu finden. Die einfache Tatsache ist, dass ich diese Dinge und den Job nicht tun konnte. Vielleicht können einige Leute nach einem langen Tag nach Hause kommen und brillante Gedanken haben. Vielleicht können einige das beste Buch schreiben, zu dem sie in den Stunden, die sie aus ihrem Schlaf oder von ihren Kindern gestohlen haben, fähig sind. Aber ich kann nicht. Stattdessen hoffe ich, genug aus Fernsehen, Radio, Schreiben und allem, was sonst noch kommt, zu machen, um mir Zeit zu verschaffen - Zeit, um wirklich zu arbeiten.“[5]

Publikationen (Auswahl)

Bücher
Artikel
  • A PSYCHOLOGICAL THEORY OF THE OUT-OF-BODY EXPERIENCE, in: Journal of Parapsychology 48, 1984, pp. 200-218 academia.edu
  • Meme, Myself, I, in: New Scientist, 13 March 1999, pp. 40-44 academia.edu
  • The Power of Memes, in: Scientific American, Vol 283 No 4, October 2000, pp. 52-61 academia.edu
  • Evolution and Memes: The human brain as a selective imitation device, in: Cybernetics and Systems 32, 2001, pp. 225-255 academia.edu
  • Comparing the Content of Sleep Paralysis and Dream Reports (mit Jeniffer D. Parker), in: Dreaming. Vol. 12. No. I. March 2002, pp. 45-59 academia.edu
  • Consciousness in Meme machines, in: Journal of Consciousness Studies 10,4-5, 2003, pp. 19-30 academia.edu
  • The Question Is -Who Am I?, in: Journal of the American Society for Psychical Research 96, 2002, pp. 143-151 academia.edu
  • Delusions of consciousness, in: Journal of Consciousness Studies 23, 2016, pp. 52-64 academia.edu
  • Memes and the evolution of religion: We need memetics, too, in: Behavioral and Brain Sciences 39, 2016, pp. 22-23 academia.edu

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Susan Blackmore - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
Videos

Einzelnachweise

  1. „I became hooked on the subject when I first went up to Oxford to read physiology and psychology. I began running the Oxford University Society for Psychical Research (OUSPR), finding witches, druids, psychics, clairvoyants, and even a few real live psychical researchers to come to talk to us. We had Ouija board sessions, went exploring in graveyards, and did some experiments on ESP and psychokinesis (PK).
    Within a few weeks I had not only learned a lot about the occult and the paranormal, but I had an experience that was to have a lasting effect on me—an out-of-body experience (OBE). It happened while I was wide awake, sitting talking to friends. It lasted about three hours and included everything from a typical “astral projection,” complete with silver cord and duplicate body, to free-floating flying, and finally to a mystical experience.“
    Susan Blackmore: The Elusive Open Mind: Ten Years of Negative Research in Parapsychology, in: The Skeptical Inquirer 1987, 11, p. 244-255 online
  2. „It was just over thirty years ago that I had the dramatic out-of-body experience that convinced me of the reality of psychic phenomena and launched me on a crusade to show those closed-minded scientists that consciousness could reach beyond the body and that death was not the end. Just a few years of careful experiments changed all that. I found no psychic phenomena – only wishful thinking, self-deception, experimental error and, occasionally, fraud. I became a sceptic.“
    Susan Blackmore: First Person – Into the Unknown, in: New Scientist, 4 November 2000, p 55 online
  3. „I am so glad I took LSD – and mescaline, and psilocybin, and even DMT which must surely have given me the most terrifying 15 minutes of my entire life. But why? The reasons are both intellectual and personal – because of everything these drugs have taught me about mind, self, consciousness and how to live life as an imperfect human being. I am sure that if I’d never taken them, my life would have followed quite a different course. I might have accepted that sensible PhD place I was offered and had a proper academic career. I might have got a job. I might have… Of course I cannot imagine what completely different life might have unfolded, but there is no doubt that my lifelong obsession with the mystery of consciousness has been aided and abetted by hallucinogens.“
    Susan Blackmore: A public and private trip to understand the mind, in: The Psychologist, September 2014 online
  4. Susan Blackmore auf der Website der British Humanist Association, abgerufen am 22. Januar 2019
  5. „It’s really true. I have given up my secure academic job as Reader at the University of the West of England for the vagaries of life as a freelance. And why? Because I want to work – really work – and my job made that impossible. Am I mad? The losses include a reliable salary, a pension, sick pay, a heated room, and a computer that someone comes to mend when it breaks down. But I can do without those (I think). The gain is a true academic life at last. I can devote my time to thinking, and reading and writing; to sharing ideas with others; to asking questions of the universe and trying to find the answers. The simple fact is that I could not do these things and the job. Maybe some people can get home after a long day and have brilliant thoughts. Maybe some can write the best book they are capable of in the hours stolen from their sleep, or from their children. But I can’t. Instead I’m hoping to make enough from TV, radio, writing and whatever else comes along, to buy myself time – time to really work.“
    Susan Blackmore: Why I’m leaving, published in the column “The View from Here”, The Independent, January 2002 online