Wasser des Todes

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Die „Wasser des Todes“ (altbabylon. marratu, der bittere Fluss) werden in der zehnten Tafel des Gilgamesch-Epos beschrieben. Es ist ein tödliches salzhaltiges kosmisches Gewässer, das alles Leben auslöscht, das darin eintaucht, und umfliesst „jenseits des Meeres“ die Götterinsel, das „Land der Seligen“. Ähnliche Vorstellungen finden sich auch im babylonischen Schöpfungsepos Enûma elîš.

Urschanabi, der Fährman Utnapischtims, sollte Gilgamesch über den tödlichen Strom übersetzen. Doch im Streit zerschlug Gilgamesch „Die Steinernen“, die allein die für die Überfahrt nötigen Stocherstangen aus Zedernholz herzustellen wussten, die dem Wasser des Todes standhalten konnten. Urschanabi erklärte sich dennoch bereit, Gilgamesch überzusetzen, doch musste Gilgamesch zuerst hundertzwanzig Stangen aus Holz schnitzen. Dann fuhren sie los. Nach jedem Schlag mussten sie die gerade benutzte Holzstange ins Wasser gleiten lassen und eine neue verwenden. Als die letzte Stange aufgebraucht war, waren sie aber noch nicht auf der Insel angelangt, denn tatsächlich sind für göttliche Wesen - und Gligamesch war ja immerhin zu zwei Drittel Gott - 300 Stangen nötig. Doch Gilgamesch wusste sich zu helfen und zog Urschanabis Hemd aus und hängte es wie ein Segel auf und erreichte so die Insel und fand dort seinen Urahnen Utnapischtim.

79 Niemand hat seit undenklicher Zeit das Meer überquert. 83 Gefährlich ist der Übergang, dessen Weg ist voller Gefahr, auch liegen mitten darin (im Meer) die Wasser des Todes, 89 die den Weg nach vorne versperren. 83 „Gilgameš, selbst wenn du das Meer überquert haben solltest, 84 wenn du die Wasser des Todes erreicht haben wirst, was machst du dann?“ 171 Sie (Ur-šanabi und Gilgameš) hatten den Weg eines Monats und eines halben (schon) am dritten Tage befahren. 174 Ur-šanabi (der Fährmann) sagte zu ihm, zu Gilgameš: 175 „Die Wasser des Todes mögen deine Hand nicht berühren, denn sie würde dir erlahmen.“ 180 Nach 120 Doppelstadien (etwa 48 km) gingen Gilgameš die Stocherstangen aus.“

Zehnte Tafel des Gilgameš-Epos[1]

Einzelnachweise

  1. Stefan M. Maul: Das Gilgamesch-Epos, Neu übersetzt und kommentiert. 3. durchgesehene Auflage, Beck, München 2006, ISBN 3-406-52870-8, S. 129 und 132–133.