Wolfram von Eschenbach

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Wolfram von Eschenbach,
Autorbild als Ritter im Codex Manesse

Wolfram von Eschenbach (* um 1160/80 im fränkischen Teil von Bayern; † um/nach 1220) war ein mittelalterlicher Dichter, der vermutlich aus Obereschenbach bei Ansbach, dem heutigen Wolframs-Eschenbach), stammte.

Leben und Werk

Wolfram stand an verschiedenen Höfen im Dienst. Gesichert ist seine Verbindung zu den Grafen von Wertheim. Er schrieb in mittelhochdeutscher Sprache mehrere epische Werke und als Minnesänger auch lyrische Dichtungen. Am bedeutendsten ist sein VerseposParzival“, das die Suche nach dem Heiligen Gral schildert, die etwa 20 Jahre zuvor schon Chrétien de Troyes auf etwas andere Art in seinem unvollendeten Roman „Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval“ erzählt hatte. Wolfram beruft sich allerdings nicht auf ihn, sondern auf einen sonst unbekannten provenzalischen Dichter namens Kyot als Quelle, den er erstmals ganz unvermittelt im 8. Buch seiner Dichtung erwähnt und dessen Geschichte er dann im 9. Kapitel ausführlicher darstellt.

„Das Fragen der Seele nach dem Höchsten, das sie finden konnte, wurde in den späteren Zeiten draußen in der Welt genannt «Das Geheimnis vom Heiligen Gral». Und die Gralsage, Parzivalsage, ist nichts anderes als ein Ausdruck des Christus-Mysteriums. Der Gral ist jene heilige Schale, in »der der Christus das Abendmahl genommen hat, in der der Josef von Arimathia aufgefangen hat das Blut des Christus, wie es geflossen ist auf Golgatha. Von einer solchen Schale umschlossen ist das Blut des Christus an einen heiligen Ort gebracht worden. Solange die Menschen nicht fragen nach dem Unsichtbaren, geht es ihnen wie Parzival. Erst als er fragt, wird er ein Eingeweihter des Christus-Mysteriums.

So sehen wir, wie Wolfram von Eschenbach in seine Darstellung hineinverwebt die drei Stufen der Menschenseele, die erst ausgeht von der äußeren sinnlichen Wahrnehmung, wo sie, im Materiellen befangen, sich sagen läßt vom materiellen Geist, was wahr ist. Das ist die Seele in ihrer «Tumbheit», wie Wolfram von Eschenbach sich ausdrückt. Dann erkennt die Seele, wie die Außenwelt nur Illusionen gibt. Wenn die Seele merkt, daß in dem, was die Naturwissenschaft zu geben vermag, nicht Antworten zu finden sind, sondern nur Fragen, so verfällt die Seele in das, was Wolfram von Eschenbach nennt den «Zwifel». Dann aber steigt sie auf zur «Saelde», zur Seligkeit, zum Leben in den geistigen Welten. Das sind die drei Stufen der Seele.“ (Lit.:GA 57, S. 433f)

Auch Wolframs „Titurel“-Fragment, das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Albrecht von Scharfenberg zu einem ausführlichen Roman erweitert wurde, hatte eine große Nachwirkung im Spätmittelalter.

Der Stoff des Parzival war Richard Wagners Hauptquelle für das Libretto seiner Oper Parsifal. Wolfram selbst tritt als Figur in Wagners Oper Tannhäuser auf.

Werke

  • Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel, herausgegeben von Karl Bartsch (= Deutsche Klassiker des Mittelalters, Band 19), Leipzig 1935 (nur mittelhochdeutscher Text)
  • Karl Lachmann (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Berlin 1833; 5. Aufl., nach Moriz Haupt und Karl Müllenhoff besorgt von Karl Weinhold, Berlin 1891.
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch, nach der Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzt von Wolfgang Spiewok, Band 1 und 2 (Reclams Universalbibliothek Band 3681 und 3682), Stuttgart 1981 ISBN 3-15-003681-X
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, übersetzt von Wolfgang Mohr, Göppingen 1977/79 ISBN 3-87452-344-6
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, übersetzt von Dieter Kühn, 1994, ISBN 3-596-13336-X.
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, übersetzt von Peter Knecht, Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010708-9.
  • Wolfram von Eschenbach: Parzival, übertragen von Franz Viktor Spechtler, Wieser, Klagenfurt 2016, ISBN 978-3-99029-082-8.
  • Zwei Wolfram-Minnelieder im Netz:
    • Den morgenblic bî wahtaeres sange erkôs (L 3,1)
    • Guot wîp, ich bitte dich minne (L 9,1)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Wo und wie findet man den Geist?, GA 57 (1984), ISBN 3-7274-0570-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Weblinks

 Wikisource: Wolfram von Eschenbach – Quellen und Volltexte
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