Zersplitterer

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Der Zersplitterer ist nach okkulter Anschauung die achte Schicht des Erdinneren, die auch als Kainsschicht bezeichnet wird[1]. Der Streit zwischen Kain und Abel hat hier seinen urbildlichen Ursprung. Hier wird alles zerstückelt und als unendliche Mannigfaltigkeit widergespiegelt. Namentlich zersplittern hier auch alle moralischen Eigenschaften. In Dantes «Göttlicher Komödie» entspricht dem Zersplitterer der Übeltätergraben „Malebolge“ („Üble Säcke“) des Infernos, der aus zehn ringförmigen, aus rostfarbigem Stein gehauenen Sacktälern besteht, die zusammen den achten Höllenkreis bilden.

"In diesem Kreise erscheint alles zerstückelt und bis ins Unendliche wiedererzeugt. Nimmt man eine Pflanze oder einen Kristall und konzentriert sich auf diesen Kreis, so erscheint darin Pflanze und Kristall ins Unendliche vervielfacht." (Lit.: GA 94, S. 109)

„Die achte Schicht, die ebenfalls auf der siebenten Einweihungsstufe wahrnehmbar wird, hat nicht bloß irgendwelche physische Eigenschaften, sondern auch moralische, sie verwandelt alle moralischen Eigenschaften, welche die Menschen entwickeln, in ihr Gegenteil. Alles, was auf Erden verbunden ist, das wird dort getrennt und zerstreut. Alle moralischen Gefühle, wie Liebe, Mitleid, sind dort in ihr Gegenteil verwandelt, in Härte, Brutalität und so weiter. Man nennt diese Schicht den Zersplitterer [...]

In poetischer Weise spricht auch Dante in seiner «Göttlichen Komödie» vom neunteiligen Erdinnern. Die achte Schicht finden Sie dort als Kainsschicht[1], weil durch Kain das Böse, das Zersplitternde in die Welt gekommen ist.“ (Lit.:GA 94, S. 182)

"Aber das Wesentliche ist, daß diese Schicht auch die moralischen Eigenschaften zersplittert. Sie ist schuld durch die Kraft, die sie auf die Oberfläche der Erde ausstrahlt, daß es überhaupt auf der Erde Streit und Disharmonie gibt. Die Menschen müssen zusammenwirken in Harmonie, um die zersplitternde Kraft dieser Schicht zu überwinden. Dazu wurde diese Kraft in die Erde hineingelegt, damit die Menschen die Harmonie selbst entwickeln können. Alles Böse wird substantiell hier vorbereitet und organisiert. Streitsüchtige Menschen sind so organisiert, daß diese Schicht einen besonderen Einfluß auf sie hat. Alle, die aus dem Okkultismus heraus geschrieben haben, wußten das. Dante beschreibt diese Schicht in seiner «Göttlichen Komödie» als Kains-Schlucht. Der Streit zwischen den beiden Brüdern Kain und Abel kommt von daher. Diese Schicht hat substantiell das Böse in die Welt gebracht." (Lit.: GA 95, S. 146f)

"Die achte Schicht wurde von der Schule des Pythagoras die Sphäre der Zahlen genannt, und zwar wegen einer Eigentümlichkeit, die wir gleich kennenlernen werden. Unsere okkulten Schulen nennen sie den Zersplitterer. Würde man nämlich gegen dieselbe etwa eine Blume halten, also so, daß wir versuchten, gleichsam durch die Blume hindurch die Schicht zu betrachten, so würden wir dieselbe unendlich oft vervielfältigt sehen. Würde man dagegen dieses Experiment mit einem Stein versuchen, so würde keine Vervielfältigung eintreten[2]. Nur lebende Naturformen oder mit künstlerischem Sinn Geschaffenes ist hierzu geeignet. Diese Region nun ist der Sitz alles Unharmonischen, aller Unmoral, alles Unfriedens. Alles strebt dort auseinander. Sie ist das Gegenteil von Liebe. Gelingt es einem Schwarzmagier, bis zu ihr vorzudringen - und es steht dies im Bereich seiner Kräfte -, so wird das Böse in ihm noch gewaltig verstärkt. Auf diese Sphäre nun hat die jeweilige Moral der Menschen einen ungeheuren Einfluß. Wenn es den Menschen immer mehr gelingt, die Unmoral zu beseitigen und die Moral an ihre Stelle treten zu lassen, so wird sich auch diese Zone immer mehr und mehr zur Ruhe begeben. Dann findet auch ihrerseits wieder eine Rückwirkung auf die Gesinnungen der Menschen statt." (Lit.: GA 97, S. 281f)

Durch die moralische Entwicklung der Menschheit werden die Schichten des Erdinneren allmählich zum Guten verwandelt.

„Der Erdenzersplitterer, die Kainsschicht, erfährt durch eine fortdauernde sittliche Entwickelung des Menschen eine Umwandlung. Was der Mensch auf der Erde tut, das gestaltet nach und nach den ganzen Erdenplaneten um. Und wenn die weiße Magie einmal hervorragend fortgeschritten ist, dann wird der Erdkern auch anders. Die schwarzen Magier werden ausgeschieden werden auf eine Art von Mond, wenn unser Planet einmal vergeht.“ (Lit.:GA 94, S. 182)

„Die theosophische Bewegung steht in Beziehung zu einem ganz bestimmten Ziel der Erdenentwickelung. Sie hat die allgemeine Menschenverbrüderung zu bringen. Ihr Ziel soll deshalb sein: den Erdenzersplitterer, die achte Schicht, zu verbessern; es erstrebt, vom Erdenzentrum zu retten, was zu retten ist.“ (S. 183)

Anmerkungen

  1. 1,0 1,1 In Dantes «Göttlicher Komödie» ist allerdings die „Caina“, der Kainsort, bereits der erste Abschnitt des neunten Höllenkreises.
  2. Nach GA 94, S. 109 (siehe Zitat oben) werden allerdings Kristalle, die ja durch lebendiges Kristallwachstum entstehen, also letztlich durch einen primitiven Lebensprozess, dennoch vervielfältigt.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001), ISBN 3-7274-0940-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1990), ISBN 3-7274-0952-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989), ISBN 3-7274-0961-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das christliche Mysterium, GA 97 (1998), ISBN 3-7274-0970-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), ISBN 3-7274-1070-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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