Hermann Linde

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Selbstporträt

Hermann Linde (* 26. August 1863 in Lübeck; † 26. Juni 1923 in Arlesheim) war ein deutscher Maler und Anthroposoph, der sich insbesondere der Orientmalerei und dem Symbolismus zuwandte.

Herkunft und Familie

Hermann Linde wuchs in Lübeck als Sohn des Apothekers und angesehenen Fotografen Hermann Linde sen. auf und besuchte dort das Katharineum. Seine Brüder waren der Augenarzt und Kunstsammler Max Linde und der Maler Heinrich Eduard Linde-Walther.

Künstlerischer Werdegang

Der goldene Tempel
Lübecker Stadtgarten, Johannisstraße 64
Weimar Schlossallee, 1887
Mädchen im Sari

Linde studierte bis 1889 an den Akademien in Dresden und Weimar. 1890 führte ihn eine Studienreise nach Sizilien, Ägypten und Tunesien. 1892-1895 arbeitete er als freier Maler in Indien. Für das große Gemälde „Die Langar-Prozession“ (Überseemuseum Bremen) wurde er mit der goldenen Medaille des Vizekönigs von Indien ausgezeichnet. Während eines Aufenthaltes 1896 in Paris und Tunis erhielt er weitere Preise. 1896-1898 verbrachte er in der Künstlerkolonie Dachau.

1899 lernte Hermann Linde Marie Hagens kennen, die er am 23. September 1900 im München ehelichte. Ihr einziges Kind, Agnes, wurde am 9. August 1904 geboren.

1910 schloß sich Linde nach einer Begegnung mit Rudolf Steiner der anthroposophischen Bewegung an. Steiner beauftragte ihn mit der Innenausmalung des ersten Goetheanums. Hermann Linde fertigte Skizzen zu seinem Zyklus über Goethes Märchen von der Grünen Schlange und der Schönen Lilie. Von Steiner, der die Arbeit Hermann Lindes mit regem Interesse verfolgte und zum Teil bis in die Einzelheiten mit ihm besprach, rührt vor allem die Anregung, das Märchen in einer Zusammenschau mit den Motiven des MysteriendramasDie Pforte der Einweihung“ zu gestalten. 1914 übersiedelte er gemeinsam mit seiner Gattin nach Arlesheim in die Villa St. Georg, wo Marie Linde eine Art Mädchenpensionat eröffnete und ihrem Mann bei der Malerei des großen Kuppelgemäldes im Ersten Goetheanum half.

"Hermann Linde ist als Künstler in die anthroposophische Bewegung hereingetreten. Er hat sein ganzes künstlerisches Sein zunächst in den Dienst dieser Bewegung gestellt und dann in der dritten Phase dieser Bewegung auf dem Altare derselben hingeopfert. Wir blicken zurück, weil es uns wert sein muß, was durch die innerhalb unserer Bewegung arbeitenden Persönlichkeiten geschehen ist, auf jene Zeit, wo in einer von rechter Innerlichkeit durchtränkten Art in München die anthroposophische Bewegung in das künstlerische Fahrwasser hineingeleitet werden mußte. Wir brauchten zunächst Menschen, welche Künstlerisches in sie einfließen lassen konnten. Und nun möchte ich diejenigen unter Ihnen, die sich an die Münchner Mysterien- Vorstellungen erinnern, in ihrer innersten Seele anrufen, dessen zu gedenken, wie wunderbar geschlossen jene Bühnenbilder waren, die zu einzelnen Szenen dieser Mysteriendramen Hermann Linde aus seiner, ich möchte sagen selbstverständlichen Opferwilligkeit beigesteuert hat. Manchen von denen, die anwesend waren bei jenen Vorstellungen, werden diese Bilder unvergeßlich sein, denn sie entstanden aus einem wirklichen Erleben dessen, was damals vor die Seelenaugen unserer Anthroposophen treten sollte. Und das Wort, das ich heute morgen aus tiefbewegtem Herzen aussprach, ich möchte es hier wiederholen: Wir wissen sehr gut, daß vieles von dem, was dazumal hat gemacht werden sollen, ohne eine solche Beihilfe, wie diejenige war, die von Hermann Linde kam, nicht hätte gemacht werden können.

Und als dann in einzelne Seelen die Idee kam, der anthroposophischen Bewegung einen eigenen Bau zu errichten, da war es wiederum eine Selbstverständlichkeit, in den Kreis derer, die vor allen Dingen ihre Arbeit der Errichtung und Führung dieses Baues widmen wollten, Hermann Linde hereinzurufen, denn man wußte, da findet man Opferwilligkeit, da findet man Arbeitsgeneigtheit, da findet man vor allen Dingen das, was am allermeisten gebraucht wird: versöhnenden, liebevollen, Gegensätze ausgleichenden Geist.

Und so trat denn Hermann Linde in die kleine Gemeinschaft derjenigen, die als eine Art Komitee alles das leiteten, was zunächst mit der Absicht in München, dann mit der Wirklichkeit hier in Dornach zusammenhing: einen Bau der anthroposophischen Sache aufzurichten. Und er war dann auch einer der Vordersten in den Reihen derer, welche die Arbeit an diesem Bau übernahmen. Er war von solcher inneren Liebe zur Sache durchdrungen, daß er sein ganzes Dasein nunmehr in den letzten Jahren mit diesem Bau verband." (Lit.: GA 261, S. 271f)

Ein halbes Jahr nachdem das Goetheanum 1922 bei einem Brand vernichtet wurde, verstarb Hermann Linde. Laut Rudolf Steiner starb er an einem gebrochenen Herzen, da Linde seine gesamte Existenz mit dem Gebäude und seine Malereien im Inneren verbunden hatte.

"Und zuletzt hat Hermann Linde mit uns jenen Schmerz durchmachen müssen, der unsere und seine Arbeit betroffen hat. Er mußte unter denjenigen stehen, die in kurzer Zeit das, was aus Liebe und Hingebung erbaut worden ist, zur Ruine haben hinschwinden sehen. Und es ist wirklich in tiefstem Sinne wahr, was ich heute morgen sprechen mußte, daß für das Erdendasein ihm dieses das Herz gebrochen hat. Dieser Eindruck, der in der Neujahrsnacht erlebt worden ist und der für vieles, was unsere Sache ist, ein Tod war, war tief brennend in Hermann Lindes Seele. Und die kurze Spanne Zeit, die ihm auf Erden zuzubringen noch gegönnt war nach dem Goetheanum- Brande, stand ganz und gar unter diesem Eindrucke." (Lit.: GA 261, S. 274f)

Linde gilt heute als einer der wichtigsten Orientmaler. Sein Bild eines Mädchens auf einer Veranda im Sari erzielte im September 2007 Sotheby's in New York mit 133.000 US$ (Schätzpreis 40-60.000) einen Auktionsrekord für Linde-Bilder. 1995 war es aus einer dänischen Privatsammlung für 17.000 DK (3315 US$) versteigert worden.[1]

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Werke

  • Johann Wolfgang von Goethe: Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie. In 12 Bildern von Hermann Linde. Verwoben mit dem Mysteriendrama Die Pforte der Einweihung von Rudolf Steiner. Basel: Zbinden [in Komm.] 1972

Einzelnachweise

  1. http://www.sothebys.com/app/live/lot/LotDetail.jsp?lot_id=159395592

Weblinks

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