Abbauprozesse

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Abbauprozesse im Ätherleib und im physischen Leib, die durch die Einwirkung des Astralleibs hervorgerufen werden, bilden die leibliche Grundlage des wachen Bewusstseins.

Dass Bewusstsein auf einem dem Leben entgegengesetzen Verzehrungsprozess beruht, erkannte schon der deutsche Philosoph Karl Fortlage (1806-1881), den auch Rudolf Steiner erwähnt. In seinen «Acht psychologischen Vorträgen» (1869) schrieb Fortlage:

„Wenn wir uns lebendige Wesen nennen, und so uns eine Eigenschaft beilegen, die wir mit Tieren und Pflanzen teilen, so verstehen wir unter dem lebendigen Zustand notwendig etwas, das uns nie verlässt, und sowohl im Schlaf als im Wachen stets in uns fortdauert. Dies ist das vegetative Leben der Ernährung unseres Organismus, ein unbewusstes Leben, ein Leben des Schlafs. Das Gehirn macht hier dadurch eine Ausnahme, dass dieses Leben der Ernährung, dieses Schlafleben bei ihm in den Pausen des Wachens überwogen wird von dem Leben der Verzehrung. In diesen Pausen steht das Gehirn einer überwiegenden Verzehrung preisgegeben, und gerät folglich in einen Zustand, welcher, wenn er sich auf die übrigen Organe miterstreckte, die absolute Entkräftigung des Leibes oder den Tod zu Wege bringen würde. Der Zustand des Bewusstseins und der Persönlichkeit kommt demnach nur dann zustande, wenn das Zentrum und der Urquell unserer Nervenkraft, das Gehirn, an der Gefahr des Todes leidet. Jedoch wird auf diesem Wege der Lebensgefahr nur immer soweit vorgeschritten, als sich mit der Erhaltung des Gesammtorganismus verträgt ...“ (Lit.: Fortlage, S. 35f [1])

Die Regeneration dessen, was durch das Wachbewusstsein abgebaut wird, erfolgt teils unmittelbar, großteils aber im Schlaf.

„Der astralische Leib ist in gewisser Beziehung während des bewußten Lebens - nicht während des Schlafes - damit beschäftigt, den Ätherleib fortwährend zu töten, fortwährend die Kräfte, die der Ätherleib entwickelt, herabzusetzen, abzudämpfen. Daher ist der Ausdruck für das Leben des Astralleibes die Ermüdung, die Abmüdung des Körpers während des Tages. Der astralische Leib zerstört fortwährend den Ätherleib. Würde er das nicht tun, dann entstünde kein Bewußtsein, denn Bewußtsein ist nicht möglich, ohne daß das Leben fortwährend wieder stufenweise zerstört wird. Das ist außerordentlich wichtig zu beachten. Diese geistige Tätigkeit - das Leben in der Ätherwelt, das wunderbare Aufflackern des Lebens in der Ätherwelt, das sich in den herrlichsten Bewegungen und Rhythmen auslebt, und die fortwährende Dämpfung dieses Rhythmus des Ätherleibes durch den astralischen Leib - das ist dasjenige, was das Bewußtsein hervorbringt, auch schon das einfachste tierische Bewußtsein. Diese geistigen Vorgänge drücken sich in der physischen Welt nun so aus, daß in dem Augenblick, wo in das bloße Leben Bewußtsein einschießt, Verhärtung, Verknöcherung im physischen Leibe eintritt.“ (Lit.:GA 101, S. 53)

„Wir Menschen haben in uns in physischer Beziehung ein aufsteigendes Leben und auch ein absteigendes Leben. Diese, ich möchte sagen zweifache Strömung unseres Lebens wird in der Regel nicht genügend berücksichtigt. Alles aufsteigende Leben besteht darinnen, daß wir Wachstumskräfte entfalten und diejenigen Kräfte entfalten, welche die aufgenommenen Nahrungsstoffe nach allen, auch den feinsten Organisationsgliedern unseres Organismus treiben. Nun, neben diesen Vorgängen, die durchaus aufbauende sind, gehen andere vor sich, die abbauende sind, so daß wir fortwährend Abbauprozesse in uns haben - auch das ist etwas, was eben nur durch die Geisteswissenschaft festgestellt werden kann, was die gewöhnliche materialistische Physiologie noch nicht zur Genüge heute kennt. Nun hängen mit den organischen Aufbauprozessen zusammen alle diejenigen Erscheinungen, die unser Bewußtsein herabdämpfen, die uns in ganzen oder partiellen Schlaf versetzen. Mit den Abbauprozessen in unserem Organismus gehen nun parallel die Prozesse unserer Gedanken, und alle übrigen seelischen Prozesse wie instinktive Wahrnehmungen, Triebwahrnehmungen, die uns immer eigentlich in herabgestimmten Bewußtseinszustand versetzen, sind verbunden mit den organisch aufsteigenden Prozessen; mit den Abbauprozessen hängt das eigentliche Denkleben zusammen. Dieses Denkleben ist schon bei jedem einzelnen Menschen so, daß es sich unabhängig entwickelt vom Organismus, es muß nur gerade ein Abbauprozeß, das heißt ein Dissoziationsprozeß im Gehirn vor sich gehen, wenn das Denken in uns Platz greifen soll.“ (Lit.:GA 255b, S. 335f)

„Man versteht die Natur des Schlafens erst, wenn man weiß, daß die innere Seelentätigkeit des Wachens im gegenwärtigen Menschheitszyklus doch eine Art Zerstörung feiner Strukturen des Nervensystems darstellt. Mit jedem Gedanken, mit jedem Willensimpuls, den wir auf Anregung der Außenwelt machen, zerstören wir während des ganzen wachen Lebens feinere Gehirnstrukturen. Wir stehen hier an einem Punkt, wo man in der Tat sagen kann, daß es in der nächsten Zeit immer mehr und mehr den Menschen klar werden wird, wie der Schlaf das wache Tagesleben ergänzen muß; wir stehen vor einem Punkte, wo immer mehr und mehr in der nächsten Zeit die Naturwissenschaft, die schon auf dem Wege dazu ist, sich mit der Geisteswissenschaft vereinen wird. Die Naturwissenschaft hat heute schon hypothetisch vielfach diese Theorie aufgestellt, daß das wache Tagesleben eine Art Zerstörungsprozeß darstellt im Nervensystem, in den feineren Strukturen des Gehirns. Weil wir so durch unser waches Tagesleben Zerstörungsprozesse hervorrufen, müssen wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen den entsprechenden anderen, den ausgleichenden Prozeß in uns stattfinden lassen. Und es arbeiten in der Tat während unseres Schlafens in uns Kräfte, die sonst nicht zutage treten, nicht irgendwie bewußt werden. Es arbeiten Kräfte an der Wiederherstellung der während des wachen Lebens zerstörten feineren Nervenstrukturen unseres Gehirns.

Nun wird durch die Zerstörung der feinen Nervenstrukturen gerade erreicht, daß sich in uns Gedanken und Erkenntnisprozesse abspielen. Das gewöhnliche alltägliche Erkennen wäre nicht möglich, wenn nicht vom Aufwachen bis zum Einschlafen Zerstörungsprozesse, Abbauprozesse stattfänden. Das Schlafleben bedeutet nun ein Wiederherstellen dieser zerstörten Partien. Es findet also eine entgegengesetzte Arbeit an unserem Nervensystem statt: auf der einen Seite während des Wachens ein Zerstörungsprozeß, ein Abbauen, auf der anderen Seite während des Schlafens ein Aufbauen, ein Wiederherstellungsprozeß. Während des Schlafes bauen Kräfte in uns, arbeiten am Aufbau der zerstörten Gehirnstrukturen. Wir werden dadurch bewußt, daß der Zerstörungsvorgang sich vollzieht. Wir nehmen eigentlich die Zerstörung wahr, unser waches Tagesleben ist die Wahrnehmung von Zerstörungsprozessen. Weil während des Schlafens keine Zerstörungsprozesse stattfinden, sondern Reorganisationsprozesse, nehmen wir auch während dieses Zustandes nichts wahr. Es wird die Kraft, die sonst das Bewußtsein erzeugt, verbraucht zum Aufbau. Während des Aufbauens wird aber die Kraft nicht wahrgenommen, weil wir nur durch Zerstörungsprozesse bewußt werden können. Da haben wir einen Zyklus. Nehmen wir erst mal dasjenige, was im Schlafe geschieht.

Aufbau: Unbewußtheit, weil die Kräfte als Baukräfte verwendet werden; Abbau: Wachen, Bewußtheit, weil die Kräfte zerstören, weil die Kräfte frei werden, nicht zu bauen brauchen. Das unbewußte Schlafen und das bewußte Wachen, Aufbauen und Abbauen, das ist einer der gewöhnlichsten zyklischen Verläufe des Menschenlebens. Schlafen und Wachen, Bauen und Abbauen, ist ein solcher zyklischer Verlauf.“ (Lit.:GA 146, S. 79f)

Literatur

  1. Karl Fortlage: Acht psychologische Vorträge, Jena 1869 archive.org
  2. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992), ISBN 3-7274-1010-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita, GA 146 (1992), ISBN 3-7274-1460-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Die Anthroposophie und ihre Gegner 1919 – 1921, GA 255b (2003), ISBN 3-7274-2555-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org


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