Akzidenz (Philosophie)

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Akzidenz)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Begriff Akzidenz (lat. accidens) bezeichnet das nicht Wesentliche (das nicht Essentielle), das sich Verändernde, das Zufällige im Gegensatz zur Substanz. Akzidentiell sind hierbei alle in der Substanz verankerten, ihr jedoch nicht wesentlichen Bestimmungen.

Akzidenz bei Aristoteles

Die Unterscheidung von Substanz und Akzidenz wurde von Aristoteles in die Philosophie eingeführt. Die klassische Stelle in Aristoteles Kategorien lautet:

"Mit 'in einem Zugrundeliegenden' meine ich, was in etwas ist, nicht als ein Teil, und nicht getrennt von dem existieren kann, worin es ist. Zum Beispiel ist das individuelle grammatische Wissen in einem Zugrundeliegenden, der Seele (...) und das individuelle Weiß ist in einem Zugrundeliegenden, dem Körper."

Das Zugrundeliegende entspricht bei Aristoteles der Substanz und das, was darin ist, den Eigenschaften oder Akzidenzien. Grammatisches Wissen oder das Weiße sind bei Aristoteles daher Beispiele für Eigenschaften, als Substanz bezeichnet er hingegen die Seele oder den individuellen körperlichen Menschen.

Dass mit dem Zugrundeliegenden, der substantia, tatsächlich individuelle Dinge gemeint sind, die Aristoteles auch genauer als die erste Substanz bezeichnet, wird aus folgender Stelle klar:

"Substanz aber ist die hauptsächlich und an erster Stelle und vorzüglich genannte, die weder von einem Zugrundeliegenden ausgesagt wird, noch in einem Zugrundeliegenden ist, zum Beispiel der individuelle Mensch oder das individuelle Pferd."

Art und Gattung hingegen sind Allgemeinbegriffe, die Aristoteles in seiner Kategorien-Schrift als zweite Substanz bezeichnet. Ob diesen Universalien unabhängig von den Einzeldingen eine eigenständige (geistige) Wirklichkeit zukommt oder sie bloß vom menschlichen Verstand geprägte zusammenfassende Namen sind, war Gegenstand des mittelalterlichen Universalienstreits.

Porphyrios

Porphyrios zählt in seiner Isagoge die Akzidenz zu den fünf Prädikabilien, die die Art und Weise angeben, wie über die Dinge gesprochen werden kann[1]. Die vier anderen Prädikabilien sind Gattung, Art, Proprium und Differenz.

„Akzidenz aber ist, was auftritt und verschwindet ohne Untergang des Subjekts. Es zerfällt in zwei Arten: trennbare und untrennbare Akzidenzien. Schlafen ist ein trennbares, Schwarzsein für Raben und Äthiopier ein untrennbares Akzidenz, aber der Rabe kann weiß und der Äthiopier kann ohne die Farbe vorgestellt werden ohne Untergang des Subjekts. Man definiert es auch so: Akzidenz ist, was demselben Subjekt in gleicher Weise beiwohnt und nicht beiwohnen kann, oder was weder Gattung ist, noch Differenz, noch Art, noch Proprium, aber immer in einem Träger subsistiert.“

Porphyrios: Isagoge V

Scholastik und Neuthomismus

Große Bedeutung erlangte der Begriff im Kontext der scholastischen Philosophie bei Thomas von Aquin. Bei ihm heißt es: "Accidentis esse est inesse", also Für ein Akzidenz bedeutet zu sein, an etwas zu sein. In die gleiche Richtung geht sein "Accidens non est ens sed entis", also Ein Akzidenz ist kein Seiendes, sondern ein zu etwas Seiendem gehörendes.

Es wird also zwischen realer Akzidenz, welche durch Gottes Allmacht getrennt von der Substanz fort existiert und den akzidentiellen Formen unterschieden. Diese sind jedoch nicht unabhängig oder selbständig von der Substanz, sie werden vielmehr als untrennbar und anhaftend an die Substanz angesehen.

In der Scholastik wie auch im Neuthomismus wird das Verhältnis von Akzidenz zur Substanz auch bezogen auf das Verhältnis des Körpers zur Seele, wobei der Körper die Akzidenz darstellt. Hieraus leitete sich in der Eucharistielehre eine Erklärung des Geschehens während der Heiligen Messe ab. Während die Akzidenzien, d. h. die Eigenschaften von Brot und Wein erhalten bleiben, ändert bzw. verwandelt sich die Substanz, d.h. das Wesen (also gerade nicht die Materie) der eucharistischen Gaben in Leib und Blut des auferstandenen Christus.

Wandel im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert wandelte sich die Auffassung vom Verhältnis der Substanz zur Akzidenz und ihrer Trennung. René Descartes, Thomas Hobbes u.a. lehnten die Existenz von "realen" Akzidenzien ab. Die Entgegensetzung von Substanz und Akzidenz verschwand oder wurde in wachsendem Maße materialistisch gedeutet.

Für Spinoza gab es nur noch eine einzige unendliche Substanz. Die Akzidenzien werden zu Attributen oder Modi dieser Substanz. Diese Auffassung besteht auch heute noch mehr oder weniger fort.

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Porphyrios, Isagoge VI


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Akzidenz (Philosophie) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.