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Gattung (Philosophie)

Aus AnthroWiki

Als Gattung (griech. γένος génos; lat. genus) bezeichnet man in der Philosophie und Logik einen in einem hierarchischen Begriffssystem höherstehenden Oberbegriff, unter den mehrere Arten als Unterbegriffe fallen. So zählen etwa die Arten „Mensch“ und „Tier“ zur Gattung der „Lebewesen“.

Platon

Platons Definition des Begriffs „Angelfischerei“
→ Hauptartikel: Dihairesis

Die als Dihairesis (griech. διαίρεσις „Auseinandernehmung, Einteilung, Trennung“) bezeichnete Methode der Begriffseinteilung wurde von Platon entwickelt, um Begriffe konsequent und lückenlos in ein hierarchisches System von Gattungen und Arten einzuordnen, um so von den Allgemeinbegriffen absteigend durch wiederholte Teilung zu einer logisch exakten Definition spezieller, nicht weiter teilbarer Begriffe zu gelangen. Ein klassisches Beispiel dazu ist seine Ableitung der „Angelfischerei“ aus dem Allgemeinbegriff der „handwerklichen Tätigkeit“ (techné) nach dem nebenstehenden Schema[1].

Aristoteles

→ Hauptartikel: Definition

Die auf Aristoteles zurückgehende, auf die Unterscheidung von Gattungen und Arten gegründete und bis ins 19. Jahrhundert in der klassischen Logik als verbindlich angesehene Definitionsregel wurde in der Scholastik in die knappe Formel «genus proximum et differentia specifica» gefasst. Demnach habe jede Definition so zu erfolgen, dass die nächsthöhere Gattung und die artbildende Differenz angegeben wird, wodurch jeder Begriff systematisch in ein hierarchisches Begriffssystem eingeordnet werden kann, das später Porphyrios durch den arbor porphyriana, den Baum des Wissens, veranschaulicht hat.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gattung
(z.B. Lebewesen)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Art 1
(z.B. Mensch)
 
 
artbildender
Unterschied
(z.B. vernunftbegabt)
 
 
Art 2
(z.B. Tier)
 
 
 
 
 
 
 
 

Porphyrios

Porphyrios zählt in seiner Isagoge die Gattung zu den fünf Prädikabilien, die die Art und Weise angeben, wie über die Dinge gesprochen werden kann. Die anderen vier Prädikabilien sind Differenz, Art, Proprium und Akzidenz[2]. Gattung und Art sind Allgemeinbegriffe (Universalien). Ob ihnen eine eigenständige (geistige) Wirklichkeit zukommt oder ob sie bloß zusammenfassende Namen für ähnlich geartete Dinge seien, war der heiß umkämpfte Gegenstand des mittelalterlichen Universalienstreits. Porphyrios lässt dieses Frage ausdrücklich offen:

„Was, um gleich mit diesem anzufangen, bei den Gattungen und Arten die Frage angeht, ob sie etwas Wirkliches sind oder nur auf unseren Vorstellungen beruhen, und ob sie, wenn Wirkliches, körperlich oder unkörperlich sind, endlich, ob sie getrennt für sich oder in und an dem Sinnlichen auftretend, so lehne ich es ab, hiervon zu reden, da eine solche Untersuchung sehr tief geht und eine umfangreichere Erörterung fordert, als sie hier angestellt werden kann.“

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Platon, Sophistes 218e–221b
  2. ↑ Porphyrios, Isagoge VI