Begriffssystem

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Ein Begriffssystem ist eine geordnete Begriffsverbindung aus mindesten zwei, oft aber auch wesentlich mehr voneinander unterscheidbaren Begriffen, die durch bestimmte Relationen aufeinander bezogen sind. Im einfachsten Fall handelt es sich dabei um Begriffspaare wie etwa: groß - klein, dick - dünn, links - rechts usw. Begriffstrippel sind etwa Vater - Mutter - Kind die zusammen eine Familie bilden, oder auch Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft die gemeinsam die Zeit konstituieren. Tatsächlich ist ein isolierter Begriff für sich genommen nicht zu fassen, wenn nicht wenigstens implizit einige seiner Beziehungen zu anderen Begriffen oder bestimmten Wahrnehmungen oder Vorstellungen mitgedacht werden. Ein Begriff bestimmt sich durch seine Stellung innerhalb eines Begriffssystem und letzlich der Ideenwelt insgesamt.

Hierarchische Begriffssysteme

In hierarchischen Begriffssystemen, bei denen stets klar zwischen Oberbegriffen und Unterbegriffen unterschieden werden kann, gibt es stets undefinierte Grundbegriffe, von denen systematisch alle anderen Begriffe abgeleitet werden, wie es etwa bei den Axiomensystemen der Mathematik der Fall ist. Gottlob Frege hat erstmals nachgewiesen, dass man sich notwendig in einem Zirkelschluss verfängt, wenn man auch die Axiome innerhalb des gegebenen Begriffssystems zu definieren versucht[1].

Ganzheitliche Begriffssysteme - Begriffsorganismen

Ganzheitliche Begriffssysteme, in denen alle Begriffe wechselseitig aufeinander und auf das Ganze bezogen sind, entziehen sich aus demselben Grund grundsätzlich einer vollständigen Definition. Ein umfassendes ganzheitliches Begriffsystem bildet etwa der «Organismus», der sich auf das wechselseitige funktionelle Verhältnis seiner Organe zueinander und jedes Organs zur Ganzheit des Organismus gründet. Ganzheitliche Begriffssysteme bilden in eben diesem Sinn auf ideeller Ebene einen lebendigen Begriffsorganismus.

Ideen

Hauptartikel: Idee

Umfassendere Begriffssysteme können auch als Ideen bezeichnet werden.

„Durch das Denken entstehen Begriffe und Ideen. Was ein Begriff ist, kann nicht mit Worten gesagt werden. Worte können nur den Menschen darauf aufmerksam machen, dass er Begriffe habe. Wenn jemand einen Baum sieht, so reagiert sein Denken auf seine Beobachtung; zu dem Gegenstande tritt ein ideelles Gegenstück hinzu, und er betrachtet den Gegenstand und das ideelle Gegenstück als zusammengehörig. Wenn der Gegenstand aus seinem Beobachtungsfelde verschwindet, so bleibt nur das ideelle Gegenstück davon zurück. Das letztere ist der Begriff des Gegenstandes. Je mehr sich unsere Erfahrung erweitert, desto größer wird die Summe unserer Begriffe. Die Begriffe stehen aber durchaus nicht vereinzelt da. Sie schließen sich zu einem gesetzmäßigen Ganzen zusammen. Der Begriff «Organismus» schließt sich zum Beispiel an die andern: «gesetzmäßige Entwicklung, Wachstum» an. Andere an Einzeldingen gebildete Begriffe fallen völlig in eins zusammen. Alle Begriffe, die ich mir von Löwen bilde, fallen in den Gesamtbegriff «Löwe» zusammen. Auf diese Weise verbinden sich die einzelnen Begriffe zu einem geschlossenen Begriffssystem, in dem jeder seine besondere Stelle hat. Ideen sind qualitativ von Begriffen nicht verschieden. Sie sind nur inhaltsvollere, gesättigtere und umfangreichere Begriffe.“ (Lit.:GA 4, S. 57)

Im höchsten Sinn ist die Idee ewig und einzig, wie es schon Goethe ausgedrückt hat. Sie gliedert die Vielzahl der einzelnen Begriffe der unteilbaren Ganzheit der kosmischen Ordnung ein.

„Die Idee ist ewig und einzig; daß wir auch den Plural brauchen, ist nicht wohlgetan. Alles, was wir gewahr werden und wovon wir reden können, sind nur Manifestationen der Idee; Begriffe sprechen wir aus, und insofern ist die Idee selbst ein Begriff.“

Goethe: Maximen und Reflexionen[2]

Literatur

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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Einzelanachweise

  1. Über die Grundlagen der Geometrie, Jahresbericht der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, 12. Band, 1903, S. 319-324, S. 368-375, abgedruckt in: Gottlob Frege, Kleine Schriften, Hrsg. von Ignacio Angelelli, Hildesheim 1967.
  2. Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 528