Eitelkeit

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Charles Allan Gilbert: „All Is Vanity“

Eitelkeit (lat. Vanitas) besteht in dem übertriebenen selbstgefälligen Wohlgefallen an den eigenen, aber letztlich vergänglichen, äußerlichen körperlichen und geistigen Vorzügen, der Wunsch nicht nur Anderen, sondern vor allem sich selbst zu gefallen. Im Barock darüber hinaus vor allem aber auch das selbstquälerische schmerzliche Bewusstsein für die Nichtigkeit und Vergänglichkeit dieser Dinge und des äußeren Daseins überhaupt („alles ist eitel“, d.h. vergänglich → Vanitas), verbunden mit dem Versuch, die unbändig angestrebte eitle Selbstverherrlichung, die aus dem seit der Renaissance stark erwachten Persönlichkeitsbewusstsein resultiert, vor sich selbst zu rechtfertigen.

Im Leben zwischen Tod und neuer Geburt, insbesondere im Devachan, ist Eitelkeit laut Rudolf Steiner eine äußerst „übelriechende Ausdünstung“ und führt im nächsten Erdenleben zu einem krankhaft ausgebildetem Organsystem.

„... nehmen wir an, jemand geht mit einer ausgesprochenen Qualität von Eitelkeit, die er nicht abgelegt hat, durch das Devachan. Diese Eitelkeit ist im Devachan eine außerordentlich übelriechende Ausdünstung, und gewisse geistige Wesenheiten meiden eine solche Individualität, welche die übelriechende Ausdünstung von Ehrgeiz oder Eitelkeit um sich herumströmt. Das ist nicht eigentlich bildlich gesprochen. Eitelkeit und Ehrgeiz sind im Devachan außerordentlich übelriechende Ausdünstungen, und dadurch kommt der wohltätige Einfluß gewisser Wesenheiten, die sich dann eben zurückziehen, nicht zustande. Es ist so, wie wenn eine Pflanze im Keller wachsen soll, während sie nur im Sonnenlicht gedeihen kann. Der Eitle kann nicht gedeihen. Nun wächst er heran unter den Auswirkungen dieser Eigenschaft. Wenn er sich wiederverkörpert, hat er nicht die Kraft, die guten Einflüsse hineinzubauen. Statt daß er gewisse Organe in gesunder Weise ausbildet, bildet er sie als ein krankhaftes Organsystem aus. Wie wir daher im Leben als Menschen werden, das zeigen uns nicht nur unsere physischen Bedingungen, sondern auch unsere moralischen und intellektuellen.“ (Lit.:GA 143, S. 93)

„Ehrgeiz, Eitelkeit sind zwar Eigenschaften, die ein Esoteriker in sich bekämpft, aber ohne sie wäre manches nicht da, was die Menschen sich in der Welt erringen. Sie sind in den Weltenplan aufgenommen, sie haben Wert und Unwert. Darum sollen wir über Menschen, die solche Eigenschaften haben, nicht aburteilen. Ehrgeiz und Eitelkeit machen sich im Astralleib bemerkbar wie Stacheln, wie spitzige Einströmungen von außen nach innen, die tief eindringen, dann nach außen gehen und sich da verlieren.

Zeichnung aus GA 266a, S. 431

Diese Stacheln kann der Esoteriker benutzen, um solche Gedanken zurückzuweisen, er kann sie als Schutzvorrichtung benutzen gegen Gedanken von Ehrgeiz und Eitelkeit. Unterliegt er ihnen aber, so drangen sich bei ihm diese Stacheln viel tiefer ein, als beim Exoteriker, der sie immer hat. Man muß, wenn man Versuchungen dieser Art hat, sofort seine Gedanken richten auf Großes, Schönes, Erhabenes, was geleistet worden ist durch hervorragende Genies der Menschheit.“ (Lit.:GA 266a, S. 431)

„Der große Versucher einer jeden solchen spirituellen Bewegung wie die unsrige ist namentlich ein starker Eitelkeitsfaktor, der daher kommt, daß solche Bewegungen notwendig haben, ich möchte sagen, Großes vorauszunehmen, das sich erst allmählich realisieren, allmählich einleben kann, und daß nicht jeder sogleich sich aufschwingen kann zu dem notwendigen Erweitern der Interessen auf das Sachliche, das Objektive. Es ist begreiflich, daß aus persönlichen Eitelkeiten heraus der eine oder der andere, wenn er von Inkarnationen hört, sogleich das ganz persönliche Interesse geltend macht, welches denn seine vorigen Inkarnationen gewesen seien. Obwohl dabei der Weg, in die Geschichte zu schauen, der allerschlimmste ist, so wird aus persönlichen Eitelkeiten heraus doch dieser Weg am allermeisten begangen. Die Geschichte, das Alte und Neue Testament, die bilden ja - statt der innerlichen, seelischen Meditationswege - in bezug auf Reinkarnationen eine so reichhaltige Fundquelle für die Befriedigung der persönlichen Eitelkeit! Denn etwas anderes ist dieses zunächst eigentlich nicht. Und es ist gut, wenn man weiß, daß es zunächst nichts anderes als persönliche Eitelkeit ist, aus der Geschichte oder aus der Bibel seine eigenen Inkarnationen zu suchen.

Es ist begreiflich, daß diese Eitelkeiten spielen. Aber das Übel beginnt dann, wenn man diese Eitelkeiten nicht als Eitelkeiten erkennt, wenn man nicht ruhig hinsieht auf die tiefliegenden, ehrgeizigen Motive, sondern allen diesen Dingen ein okkultes Mäntelchen umhängt, sie in Nebulosität, in einen mystischen Nebel hinein verrinnen läßt.“ (Lit.:GA 253, S. 157)

Zitate

„Man muss sich also eingestehen, dass die eitelen Menschen nicht sowohl Anderen gefallen wollen, als sich selbst, und dass sie so weit gehen, ihren Vorteil dabei zu vernachlässigen; denn es liegt ihnen oft daran, ihre Mitmenschen ungünstig, feindlich, neidisch, also schädlich gegen sich stimmen, nur um die Freude an sich selber, den Selbstgenuss, zu haben.“

Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, Aph. 89

Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit.“

François de La Rochefoucauld

Literatur

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