Erfolg

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Erfolg besteht in dem Erreichen selbst gesetzer Ziele, wozu in der Regel entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten, angemessene Gewissenhaftigkeit, oft aber auch eine Portion Glück notwendig sind. Der äußere Erfolg, der sich in dem Erreichen sachlich-materieller Ziele zeigt, ist allerdings kein geeigneter Maßstab für den ethisch-geistigen Wert des Erreichten. Im vierten Mysteriendrama Rudolf Steiners wird das im 1. Bild im Gespräch zwischen Hilarius Gottgetreu und seinem Bürochef thematisiert.

HILARIUS:
Ihr scheint von mir zu denken, daß ich träumend
Erfahrung, die das Leben mir gewährt,
Gedankenlos verleugne. So verhielt
Ich mich, wenn ich für einen Augenblick
Erfolg in eurem Sinne wollt' verstehen.
Es mag mißlingen, was mir wertvoll scheint;
Doch selbst, wenn alle Welt es nur verachtet
Und es deshalb in sich zerfallen muß,
So war es doch einmal von Menschenseelen
Als Vorbild auf der Erde hingestellt.
Es wird im Leben geistig weiter wirken,
Selbst wenn es sich im Sinnessein nicht hält.
Es wird ein Teil der Kraft in ihm geschaffen,
Die endlich zur Vermählung führen muß
Von Geisteszielen und von Sinnestaten.
So kündet es die Geisteswissenschaft. (Lit.:GA 14, S. 408f)

Geistige Ziele - und letztlich entspringen alle Ziele dem schöpferischen Geist und nicht äußerer Notwendigkeit - lassen sich nur verwirklichen, wenn man über ein aus innerer Überzeugung getragenes Durchhaltevermögen verfügt, dass auch eine Reihe äußerer Misserfolge nich scheut. Im 13. Bild betont daher der Praktiker und Lebenskünstler Romanus ganz entschieden:

„Erfolge hat, wer Mißerfolg nicht fürchtet.“ (Lit.:GA 14, S. 520)

Dieses Prinzip liegt dem ganzen Naturgeschehen zugrunde.

„Das Geistesleben hat seine Gesetze, die nicht übertreten werden dürfen, die beachtet werden müssen. - Und eines der größten Gesetze des Geisteslebens, dessen Nichtbeachtungen besonders bei einer solchen Bewegung, wie die unsrige es ist, immer schwer sich rächen wird, ist dasjenige, was uns vorgezeichnet wird da, wo uns die höheren geistigen Wesenheiten im Naturwirken selbst die Art ihrer Arbeit veranschaulichen.

Sehen Sie sich einmal die Art dieses Naturwirkens an; beachten Sie die Natur in ihrem Schaffen; und Sie werden sehen, in der Natur ist immer die Möglichkeit vorhanden, daß aus dem Geschaffenen unzählige Mißerfolge hervorgehen. Sehen Sie sich das Meer an mit seinen unzähligen Keimen, die in dasselbe versenkt werden, und beachten Sie, wie viele von diesen Keimen als Lebewesen hervorsprießen. Fragen Sie sich, ob die schaffenden Wesenheiten der Natur sich jemals die Frage auf werfen: Sollen wir trauern über die Mißerfolge, die wir haben, wenn wir soundsoviele Ansätze nehmen und sehen, daß die Früchte des Schaffens unter der Hand ersterben? Einzig und allein durch die Betrachtung dieses großen Gesetzes im Geistesleben gelingt auch in diesem dasjenige, was gelingen soll, wie es in der Natur gelingt, daß das Leben sprießt und sproßt, weil sich die Geister, die der Natur zugrunde liegen, niemals betrüben über ihre Mißerfolge. Einzig und allein aus diesem Grunde gelingt das Werk, das in der Natur, das heißt in dem Produkte des höheren Geisteslebens auszuführen ist. Der Erfolg als solcher ist kein Maßstab für das Rechte und Wahre. Das muß ein geisteswissenschaftliches Gesetz sein. Dieses Gesetz mußte innerhalb unserer Bewegung beachtet werden.“ (Lit.:GA 113, S. 11f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14 (1998), ISBN 3-7274-0140-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Der Orient im Lichte des Okzidents, GA 113 (1982), ISBN 3-7274-1130-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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