Embryo

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Menschlicher Embryo in der 5. Woche p.c. (7. Schwangerschaftswoche)
Der Embryo mit seinen vier extraembryonalen Membranen (Embryonalhüllen): a = Embryo, b = Dottersack, c = Allantois (embryonale Harnblase), d = Amnion (gefäßlose innere Eihaut), e = Chorion (stark durchblutete äußere Zottenhaut).

Der oder das Embryo (griech. ἔμβρυον émbryon «neugeborenes Lamm», «ungeborene Leibesfrucht» von ἐν en «in» und βρύειν brýein «hervorsprießen lassen», «schwellen» [1]), bei Pflanzen auch Keim oder der Keimling genannt, ist ganz allgmein ein Lebewesen im frühen Stadium seiner ontogenetischen Entwicklung. Der menschliche Embryo reift im Fruchtwasser innerhalb seiner aus dem eigenen Gewebe gebildeten vier Embryonalhüllen. Die Entwicklung des Embryos, die Embryonalentwicklung oder Embryogenese, wird durch die Embryologie beschrieben.

  • Bei höheren Pflanzen besteht der Keimling (Embryo) aus Keimwurzel (Radicula), Sprossknospe (Plumula) und Keimblatt (Kotyledon) beziehungsweise Keimblättern (Kotyledonen). Im Rahmen der Keimung entwickelt sich aus ihm der Keimling.
  • Bei Tieren wird der sich aus einer befruchteten Eizelle (Zygote) neu entwickelnde Organismus als Embryo bezeichnet, solange er sich noch im Muttertier oder in einer Eihülle oder Eischale befindet.
  • Beim Menschen wird der Embryo nach Ausbildung der inneren Organe ab der 9. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt als Fötus oder Fetus (von lat. fetus, „die Brut, Nachkommenschaft“) und dessen weitere Entwicklung als Fetogenese bezeichnet.

Erschaffung aus dem Licht

Am Beispiel des Schmetterlings kann man sehen, dass alle tierischen Wesen und auch der Mensch aus dem Licht heraus geschaffen sind.

"Sehen Sie, der Schmetterling ist aus dem Licht geschaffen; aber das Licht mußte erst, indem es die Erdenmaterie in sich aufnahm und einen Kokon machte, in der Puppe zum Faden gemacht werden. Alles das, was entsteht an tierischen Wesenheiten, wird aus dem Licht heraus geschaffen. Auch der Mensch wird aus dem Licht heraus geschaffen durch die Vorgänge, die durch die Befruchtung des weiblichen Eikeimes geschehen; der schützt im Inneren des Menschen durch eine Hülle das Licht. Und in Wahrheit ist es das Licht, das den Menschen im Körper der Mutter schafft, das also die Möglichkeit schafft, daß der Mensch aus dem Lichte heraus entstehen kann. So sieht man also am Schmetterling, daß er aus dem Licht heraus, das erst gefangen worden ist, entsteht." (Lit.: GA 351, S. 20f)

Befruchtung und Chaos

Tafel 14

"... ich habe schon früher und auch wieder gestern darauf aufmerksam gemacht, daß man in der heutigen Wissenschaft vielfach erwartet, es werde sich einstmals ergeben, daß die Zellen eine sehr komplizierte chemische Struktur haben, so daß wir gewissermaßen die komplizierteste chemische Formel finden würden für das, was in der Zelle sich darbietet. Das ist aber ein vollständig unrichtiger Gedanke.

In der Zelle, schon in der gewöhnlichen organischen Zelle ist es so (siehe Zeichnung, hell), daß das chemische Zusammenhalten darinnen nicht etwa stärker ist als in einer gewöhnlichen komplizierten chemischen Verbindung, sondern im Gegenteil: chaotisch werden die chemischen Wahlverwandtschaften gerade, und am allerchaotischsten sind sie in der befruchteten Keimzelle. Die befruchtete Keimzelle ist in bezug auf das Materielle direkt Chaos, Chaos, das zerfällt, Chaos, das wirklich zerfällt. In dieses verfallende Chaos ergießt sich das, was ich Ihnen als den Menschen geschildert habe, der sich eben in der Weise, wie ich es beschrieben habe, gebildet hat (lila). Und nicht durch den Keim selber, sondern durch die Prozesse, die im mütterlichen Leibe zwischen dem Embryo und der Umgebung vor sich gehen, bildet sich dann das eigentlich Physische aus. Es wird also tatsächlich dasjenige, was da aus der geistigen Welt herunterkommt, in das Leere hineingelegt und nur durchtränkt mit mineralischer Substanz." (Lit.: GA 207, S. 127f)

Die Eingliederung der höheren Wesensglieder

Ätherleib

Tafel 6

"Sehen wir nur einmal auf das Gehirnwasser. Das hat in sich gewisse Bewegungen. Die sind ein Abbild des Ätherleibes. Aber den Ätherleib, den bekommt der Mensch, indem er aus den geistigen Welten in diese physische Welt heruntersteigt; innerhalb der geistigen Welten hat er ihn noch nicht. Aber indem der Mensch überhaupt seinen physischen Leib ergreift, hat er schon seinen Ätherleib. Er zieht gewissermaßen den Äther aus dem Kosmos heran. Und erst indem er den Äther herangezogen hat aus dem Kosmos, kann er sich mit dem Physischen, das ihm dann durch die Vererbung vermittelt wird, verbinden. So daß wir dasjenige, was innerlich im Ätherleib des Menschen lebt, schon mitbringen, indem wir unseren physischen Leib ergreifen.

Nehmen Sie also an, im Leib des mütterlichen Organismus entsteht der Menschenkeim. Wir untersuchen dasjenige, was an diesem Menschenkeim das Flüssige ist. Man tut es nicht in der gewöhnlichen Physiologie. In der gewöhnlichen Physiologie untersucht man nur den Keim insofern, als er Festes enthält oder wenigstens sich so wie das Feste beobachten läßt. Das Flüssige wird gar nicht untersucht. Würde man aber das Flüssige untersuchen, dann würde man entdekken, wie in dem Flüssigen, namentlich im Gehirnwasser, ein Abbild dessen ist, was da hereingeschlüpft ist in den physischen Menschen und was zunächst schon im Ätherleib sich ausdrückte, als der Äther herangezogen worden ist.

So können wir sagen: Wenn hier der physische Leib ist (siehe Zeichnung), der physische Menschenkeim sich bildet - ich zeichne jetzt das Feste gar nicht; was ich da zeichne, soll der flüssige Menschenkeim sein (rot) - , es kommt aus der geistigen Welt herunter dasjenige, was als Ich und Astralisches vorhanden ist. Was schon an Äther herangezogen ist (gelb), das schlüpft hier hinein. Indem einfach der Mensch untertaucht in den physischen Leib, wird im flüssigen Organismus aufgenommen das, was der Mensch von außen hereinbringt. Würden Sie also das Gehirnwasser des Kindes in seinen Bewegungen untersuchen, so müßten Sie sagen: Das ist eigentlich eine Photographie dessen, was der Mensch war, bevor er sich mit seinem physischen Leib verbunden hat. Sehen Sie, das ist sehr wichtig, daß man eigentlich sagen kann: Im Gehirnwasser, das heißt, in den Bewegungen des Gehirnwassers würde man eine Photographie von dem, was der Konzeption vorangegangen ist, finden." (Lit.: GA 212, S. 58f)

Astralleib

Tafel 6

"Nicht so innig kann sich aber in dieser selben Art etwa in unserem Atmen irgend etwas fortsetzen von früher. Daher geschieht folgendes: Wenn wir den menschlichen Kopf betrachten und dann den menschlichen Brustorganismus, so finden wir, daß da drinnen im menschlichen Kopf, gewissermaßen sagen wir durch das Gehirnwasser, also im physischen Organismus, richtig die Fortsetzung des vorgeburtlichen geistigen Menschen drinnen ist. Beim Atmungsprozeß ist es nicht so. Da verläuft der physische Atmungsprozeß für sich (siehe Zeichnung, gelb), und das Geistige ist viel weniger stark mit dem physischen Prozeß verbunden (rot). Man möchte sagen: Im Kopf ist der geistige Mensch, der geistig-seelische Mensch mit dem physischen Menschen fest zusammen verbunden; sie sind eine Einheit geworden. Im Brustmenschen ist das nicht so, da sind sie mehr getrennt; da ist der physische Organismus mehr für sich und das Geistig-Seelische auch wiederum für sich.

Aber jetzt vergleichen Sie das mit dem Traumzustande. Im Traumzustande ist es für den ganzen Menschen so, daß wiederum das Ich und der astralische Leib heraußen sind, daß sie getrennt sind. Aber ein wenig sind sie für den Brustmenschen immer getrennt. Der Brustmensch, das heißt Atmungs- und Herzmensch, der rhythmische Mensch, der ist aber der Organismus für das Fühlen. Weil also das Geistig-Seelische mit dem physischen Organismus in bezug auf den rhythmischen Menschen nicht so kompakt verbunden ist, nicht so da drinnen ist in dem physischen Menschen, deshalb verläuft das Fühlen so wie das Träumen. Sie sehen, will man den ganzen Menschen betrachten, so muß man diese verschiedenen Arten des Zusammenwirkens des Seelischen mit dem Leiblichen ins Auge fassen." (Lit.: GA 212, S. 59ff)

Ich

"... wenn wir in einer vernünftigen Weise den ganzen menschlichen Organismus so erfassen, daß wir ihn in bezug auf sein Festes, Flüssiges, Gasförmiges, Wärmeartiges fassen, dann kommen wir nach und nach an das Seelische heran.

Wir können sagen: Das Ich greift in den Wärmezustand ein, der astralische Leib in den gasförmigen Zustand, der Ätherleib in den flüssigen Zustand; nur das Feste bleibt unangetastet. Da geht es nicht herein." (Lit.: GA 212, S. 61f)

Tafel 6

"... da ist etwas drinnen, in das Ihr Seelisches nicht herein kann. Das ist so, wie wenn Sie hier allerlei Gegenstände haben, die vom Lichte bestrahlt werden, die das Licht wieder zurückwerfen. Sie haben eine Spiegelfläche, da kann das Licht nicht durch, wird zurückgestrahlt. So haben Sie in sich Ihren festen Salzorganismus. Da kann das Seelische nicht herein, da wird das Seelische fortwährend zurückgestrahlt. Ja, wenn Sie das nicht hätten, so würden Sie zunächst überhaupt gar kein Bewußtsein haben können, denn das, was Sie nun in sich als Bewußtsein haben, das sind die von Ihrem Salzorganismus zurückgestrahlten Seelenerlebnisse. Diejenigen, die hineingehen in Ihr Ich, in Ihren gasförmigen Organismus, in Ihren flüssigen Organismus, die erleben Sie zunächst nicht. Erst weil überall das, was da in der Wärme, was in dem Gasförmigen, was in dem Flüssigen als Seelenleben vor sich geht, ebenso wie die Lichtstrahlen vom Spiegel zurückgeworfen werden, am Salz zurückgeworfen wird, erst dadurch erleben Sie das, was Seelisches ist. Dadurch haben Sie diese innerliche Spiegelung, die nun innen als Vorstellungen lebt.

Wenn also ein Mensch zum Beispiel viel Salz absetzt - aber das Salz entsteht überall in Formen -, dann bekommt er viele solche Bilder, das heißt, er wird gedankenreich. Wenn er zuwenig Salz absondert, dann bekommen die Gedanken solche unbestimmte Konturen, wie von einem nicht ordentlichen Spiegel die Bilder die Konturen erhalten." (Lit.: GA 212, S. 62f)

Die Embryonalgestalt als Abbild des Kosmos

"So paradox das heute klingt: Man wird in der Zukunft studieren die Entwickelung des Embryo, wie er sich aus der Zelle und seiner Umgebung entwickelt und so weiter, bis zum vollen Menschen. Das, was man da beobachten wird, wird man hinnehmen als eine Enthüllung der großen kosmischen, der universellen Geheimnisse. Und das, was man am Himmel beobachten wird, wird man als Erklärungsprinzip zu betrachten haben für das, was sich hier auf der Erde in Tieren, Pflanzen und Menschen, insbesondere im Embryonalen, abspielt. Der Himmel erklärt die Erde, die Erde den Himmel." (Lit.: GA 170, S. 228)

Tafel 6 aus GA 208, S 75

"Betrachten wir alles zunächst vom Standpunkte des alten Griechen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische, so können wir sagen, wenn wir die menschliche Form betrachten: Der Mensch - nehmen Sie das alles zusammen, was ich gesagt habe -, der Mensch wird in bezug auf seine Kopfform von außen, vom Universum herein gebildet. Nehmen wir also die Sache vom griechischen Standpunkte aus, so werden wir sagen: Der Mensch wird seiner Kopfform nach vom Universum herein gebildet. Da regt es sich dann im Inneren. Da setzen sich die Möglichkeiten an, daß er symmetrisch wird. Aber dann sind wir genötigt, das, was durch die letzten Sterngruppen an Einfluß auf den Menschen geschieht, im entgegengesetzten Sinne aufzufassen. Der Mensch hat da seine Einflüsse von der Erde. Tätigkeiten wirken auf ihn ein. Wenn wir hier das (oben) breit zeichnen (siehe Zeichnung Seite 75), so werden wir auf dieser anderen Seite am besten das hier (unten) schmal malen, und wir werden sagen: Wenn der Mensch Jäger werden will, so muß er besonders stark ausgebildet haben, was hier aufgefaßt werden kann als Schütze. Sie wissen, es ist das, was menschliche Oberschenkel sind. Diese muß er besonders stark haben, wenn er Jäger werden will. Wird er Tierzüchter, muß er sich viel in der Kniebeuge bewegen. Wird er Ackerbauer, muß er gehen; er wird deshalb als schreitend dargestellt und so weiter. Handeltreiben: Wenn man an dem Menschen selber ein Symbolum suchen will, so werden es die Füße sein. Aber diese Organe werden jedenfalls von außen herein gebildet. Das andere steht dann in der Mitte, wo der Mensch sich selber bildet.

Wenn ich Ihnen diese Figur hinzeichne, so ergibt sie sich eigentlich aus den zwölf Zeichen wie von selbst. Wir können sagen: Da (in der Mitte) wirkt das Universum, die Sterne, mehr im Inneren des Menschen; da (oben) wirken die Sterne von außen, und da (unten) drücken sie ihn zusammen. Aber Sie erkennen ja in dem, was ich da hingezeichnet habe, die Form des menschlichen Embryos! Und wenn Sie den menschlichen Embryo nehmen, so müssen Sie ihn eigentlich, wenn Sie den Tierkreis aufzeichnen, aus seiner eigenen Gesetzmäßigkeit heraus so zeichnen - geradeso wie Sie, wenn Sie eine Figur zeichnen wollen, die hundertachtzig Grad umschließt, ein Dreieck bekommen. Wenn Sie den Tierkreis so zeichnen, so umformen, daß seine Gesetzmäßigkeit in bezug auf die Erde zum Vorschein kommt, dann bekommen Sie durch innere Gesetzmäßigkeit die Form des menschlichen Embryos. Und Sie haben damit unmittelbar gegeben, daß der menschliche Embryo allerdings aus dem ganzen Universum heraus gebildet wird, daß er ein Ergebnis des Universums ist." (Lit.: GA 208, S. 75f)

Zusammenhang zwischen der Erdentwicklung und der Embryonalentwicklung

In den Arbeitervorträgen von GA 347 hat Rudolf Steiner den Zusammenhang zwischen der Erdentwicklung und der Embryonalentwicklung sehr anschaulich dargestellt. Er vergleicht hier die Erde, die ursprünglich noch mit Sonne und dem Mond verbunden war, mit dem von seinen Embryonalhüllen umgebenen Embryo, der zunächst fast ganz Kopf ist, während die Gliedmaßen noch kaum ausgebildet sind. Vergrößert man diesen Embryo gleichsam auf kosmische Dimensionen, bekommt eine Vorstellung von dem ursprünglichen kosmischen Urmenschen, dem kosmischen Adam, den die Hebräer Adam Kadmon nannten.

„Wenn man heute die Erde studiert, so ist sie wie ein abgestorbener Menschenkopf. Ja, ein abgestorbener Menschenkopf, der muß aber einmal gelebt haben. Also muß die Erde eben einmal gelebt haben. Sie hat sich ernährt durch die Sonne.

Nun, meine Herren, will ich Ihnen noch etwas anderes sagen. Sehen Sie, wenn Sie in einer bestimmten Zeit den Menschenkeim im Mutterleibe anschauen, also nach der Befruchtung, ich will sagen, zwei, drei, vier Wochen nach der Befruchtung anschauen, da schaut dieser Menschenkeim außerordentlich interessant aus. Da ist zunächst im mütterlichen Leibe, rundherum im Mutterkörper, den man Uterus nennt, eine Haut, die viele Blutgefäße hat. Und die Blutgefäße, die da im mütterlichen Leibe drinnen extra sind - die sind ja natürlich dann im Menschenleibe nicht, wenn nicht gerade ein Kind getragen wird -, diese Blutgefäße stehen in Verbindung mit den anderen Blutgefäßen, die die Mutter hat. Die gehen da überall in die Blutadern hinein. So daß also die Mutter in ihr eigenes Blutsystem diese Kugel da eingeschaltet hat (siehe Zeichnung) und während sonst das Blut im Leibe zirkuliert, rinnt das Blut extra noch in diese Kugel hinein, nur in die äußere Kugel. Nun, meine Herren, da finden Sie innerhalb dieser Kugel alle Organe. Da ist zum Beispiel ein Organ, das sieht aus wie ein Sack, und

Tafel 9 aus GA 347, S. 178

daneben wiederum eines, das ist ein kleinerer Sack. In diese Säcke, in die setzen sich auch diese Blutadern fort, die sonst, wenn die Mutter kein Kind trägt, gar nicht da sind, weil ja die ganze Kugel dann fehlt; da hinein setzen sich auch diese Adern dann fort. So daß wir sagen können: Diese Adern gehen überall da hinein und das alles, was ich Ihnen bis jetzt aufgezeichnet habe, das ist da, wenn sich das Kind in den ersten Wochen entwickelt; das ist da, und ganz klein hängt daran, also winzigklein hängt daran hier das Kind. Ganz winzigklein hängt es daran!

Und kurioserweise, wenn ich Ihnen das Kind jetzt groß aufzeichnen würde, wie es in der nächsten Zeit ist, dann müßte ich das so zeichnen:

Tafel 9 aus GA 347, S. 179

das Kind nämlich ist fast nur ein Kopf, das andere ist ganz winzig daran. Sie sehen, da habe ich zwei solche Stetzeichen hingezeichnet, das werden spater die Arme. Die Beine sind fast gar nicht da. Dafür aber setzen sich dann eben an das Kind diese zwei Taschen, die ich da gezeichnet habe, und in diese zwei Taschen gehen die Blutgefäße hinein. Und diese Blutgefäße bringen die Nahrung mit, und der Kopf wird ernährt. Ein Magen ist ja noch gar nicht da, und ein Herz auch nicht. Eine eigene Blutzirkulation hat das Kind in den ersten Wochen gar nicht. Das Kind ist ja nur ein Kopf. Und das wächst und wächst allmählich so heran, daß es im zweiten, dritten Monat menschenähnlich wird, daß sich die anderen Organe ansetzen. Aber ernährt wird das Kind immer noch von außen, von demjenigen, was da als Taschen ist. Und dann speichert sich da Nahrung ringsherum so auf (es wird gezeichnet). Aber Blut wird zugeführt. Atmen kann ja das Kind noch nicht, es bekommt nur Luft auf dem Umwege durch die Mutter. Das Kind ist also eigentlich ein Menschenkopf, und die anderen Organe dienen ihm noch gar nicht besonders. Mit den Lungen kann es nichts anfangen. Mit dem Magen kann es nichts anfangen. Essen kann es noch nicht; es muß also alle Nahrung nur so bekommen, daß sein Kopf ernährt wird. Atmen kann es noch nicht. Eine Nase hat es auch noch nicht. Die Organe entwickeln sich zwar, aber es kann sie noch nicht gebrauchen. Also das Kind ist im mütterlichen Leibe ja ein Kopf; nur ist alles weich. Das spätere Gehirn, das ist furchtbar weich hier drinnen, ganz weich und furchtbar lebendig, ganz lebendig. Und wenn Sie ein Riesenmikroskop nehmen könnten und könnten gerade einen Kinderkopf anschauen, der meinetwillen aus der zweiten oder dritten Woche nach der Befruchtung ist, so würde der recht ähnlich ausschauen dem, was ich Ihnen von der Erde gesagt habe, wie sie einmal war, als da die Ichthyosaurier und Plesiosaurier und so weiter herumgewatet sind. Ganz verflucht ähnlich würde das ausschauen, nur in der Größe unterschieden.

So daß man sagen kann: Wo gibt es ein Bild von der Erde, die einmal da war, heute noch? Im Menschenkopf, wenn der Menschenkopf eben noch ungeboren ist und als Keim vorhanden ist. Dieser Menschenkopf ist nämlich ein deutliches Abbild von der Erde.

Und all das, was da dran sein muß, diese Taschen am Leibe, das, was da herum ist, das wird als die sogenannte Nachgeburt, nachdem es ganz brüchig geworden ist, abgeworfen, und der Mensch bleibt übrig, wird geboren. Also von dem, was als Nachgeburt abgeworfen wird, von dem bekommt man eigentlich die Nahrung als Kind im Mutterleibe - die Nachgeburt besteht aus den zerfetzten Blutgefäßen. Diese sogenannte Allantois und dieses Amnion - das also sind die zerfetzten Organe -, die sind uns, solange wir im Mutterleibe sind, außerordentlich wichtig, weil sie den Magen und die Atmungsorgane ersetzen. Aber wenn wir sie nicht mehr gebrauchen, wenn wir geboren werden, selber atmen und essen können, wird das als Nachgeburt abgeworfen.

Nun, meine Herren, wenn Sie sich so etwas anschauen, wie ich es Ihnen da aufgezeichnet habe, so brauchen Sie sich nur vorzustellen: Da wäre das Weltall, hier wäre die Erde, und da drinnen der Menschenkopf und ringsherum ganz fein die Sonne (siehe Zeichnung S. 177). Und nun kommt die Geburt, das heißt, es hört das auf, was einmal da war. Die Sonne und der Mond fliegen heraus, und die Geburt der Erde ist da. Die Erde muß sich selber weiterhelfen.

Man kann zweierlei beschreiben. Zunächst konnte ich Ihnen das so beschreiben, daß ich Ihnen gesagt habe: Die Erde hat einmal so ausgeschaut - da waren Ichthyosaurier, Plesiosaurier drinnen und so weiter. Jetzt könnte ich Ihnen aber ebensogut den Menschenkeim beschreiben. Es ist nur alles kleiner, aber ich müßte dasselbe reden. So daß Sie heute sagen können: Die Erde war einmal der Keim eines Riesenmenschen.

Da ist wiederum außerordentlich interessant, daß in früheren Zeiten die Menschen auf eine merkwürdige Weise - darüber wollen wir noch reden - mehr gewußt haben als die späteren Menschen. Die späteren Menschen haben nämlich zumeist aus der mißverstandenen hebräischen Urkunde, aus dem mißverstandenen Alten Testament gelernt, und die haben sich vorgestellt, nicht wahr: Da war die Erde und irgendwo das Paradies, und da ist der fertige Adam im Paradies als so ein kleiner Knirps darauf gestanden. Diese Vorstellung, die sich die Menschen aus dem mißverstandenen Alten Testament gemacht haben, die ist ungefähr gerade so, wie wenn sich heute einer vorstellen würde: Der Mensch kommt nicht von dem kleinen Ding, was da von den Allantois- und Amniontaschen da ist, von dieser Haut und so weiter - davon käme nicht der Mensch, sondern das alles, das wäre eine Sache für sich; aber im mütterlichen Leibe, da sitzt eben ein kleinwinziger Floh, und aus diesem kleinen Floh kommt der Mensch. So ungefähr ist es, wenn man sich vorstellt: Die Erde war da, der Adam und die Eva lebten gleich Flöhen daraufsitzend, und nachher das Menschengeschlecht. Das ist eben aus einem Mißverständnis des Alten Testaments entstanden, währenddem diejenigen, die in alten Zeiten etwas gewußt haben, nicht von Adam geredet haben, sondern von Adam Kadmon. Und der Adam Kadmon, der ist etwas anderes als der Adam. Der ist dieser Riesenkopf, der die Erde einmal war. Und das ist eine natürliche Vorstellung. Zum Erdenfloh ist dieser Adam Kadmon erst geworden, als sich die Menschen nicht mehr vorstellen konnten, daß ein Menschenkopf so groß werden kann wie die Erde, als sie nicht mehr daran geglaubt haben, und da haben sie sich die abnorme Vorstellung gebildet, als wenn es zum Spaß da sei, daß die ganzen neun Monate im mütterlichen Leibe vor sich gehen, und aus dieser mütterlichen Kugel der Mensch geboren wird.

In Wirklichkeit müssen wir uns vorstellen, daß der Mensch einmal die ganze Erde war - die ganze Erde. Und die Erde war viel lebendiger. Aber, meine Herren, das ist ja gar nicht anders; sehen Sie, wenn ich Ihnen die Erde heute zeichne, so ist sie ein abgestorbenes Wesen, wie der menschliche Kopf im Absterben begriffen ist, und wenn wir zurückgehen zu diesem menschlichen Kopfe, der da im mütterlichen Leibe ist, so ist der durch und durch lebendig. Der ist so, wie die Erde einmal war. Und die Erde ist heute gestorben. Aber sie war einmal durch und durch lebendig.“ (Lit.:GA 347, S. 178ff)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelanchweise

  1. Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: „Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch“, Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1