Embryonalhüllen

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Der Embryo mit seinen vier extraembryonalen Membranen (Embryonalhüllen): a = Embryo, b = Dottersack, c = Allantois (embryonale Harnblase), d = Amnion (gefäßlose innere Eihaut), e = Chorion (stark durchblutete äußere Zottenhaut).

Die Embryonalhüllen oder Eihäute, auch Fruchthüllen oder Keimhüllen genannt, umgeben den heranreifenden Embryo. Die vier Hüllen, die aus dem embryonalen Gewebe gebildet werden und mit den 4 grundlegenden Wesensgliedern korrespondieren, sind:

Mit der Geburt werden die Eihäute, die Plazenta und der Nabelschnurrest als Nachgeburt abgestoßen und sterben ab.

Die geistige Bedeutung der Embryonalhüllen

„Das, was im Embryonalleben verkümmert ist, wird ausgebildet im Astralischen, in der Ich-Organisation, so daß man, wenn man den physischen Embryo hat, sagen muß: Dieses Physische im Embryo, das ist allerdings wunderbar ausgebildet, aber daran hat der vorirdische Mensch zunächst den wenigsten Anteil. - Dagegen hat der Mensch, der vorirdische Mensch den größten Anteil an alldem, was rund herum ist. Dadrinnen lebt der vorirdische Mensch, in dem, was im Physischen eigentlich abgebaut wird und als Abgebautes, Chorion, Amnion und so weiter, weggeht. Dadrinnen lebt der vorirdische Mensch.“ (Lit.:GA 316, S. 147)

„Die physische Allantois metamorphosiert sich, ins Geistige hinübergehend, in der Tüchtigkeit der Kräfte des Astralleibes. Eine degenerierte Allantois erzeugt eine verminderte Tüchtigkeit des Astralleibes, die sich insbesondere in allen motorischen Organen äußert.“ (Lit.:GA 27, S. 112)

„Es ist so, daß man wissen muß: Amnion ist das physische Korrelat des Ätherleibes, Allantois ist das physische Korrelat des Astralleibes, Chorion ist das physische Korrelat der Ich-Organisation des erwachsenen Menschen.“ (Lit.:GA 314, S. 308)

„Die gegenwärtige Embryologie ist eigentlich eine sehr einseitige Wissenschaft; sie betrachtet eigentlich im wesentlichen nur den Hergang von der Eizelle aus in ihre Komplexität hinein. Sie legt aber einen sehr geringen Wert auf die Dekadenzorgane, auf dasjenige, was verschwindet beim ausgebildeten Embryo, also auf das Verschwindende wie der Amnionsack, die Allantois, das Chorion und so weiter. Diese Dinge bilden sich zurück, während dasjenige, was dann zu den sichtbaren menschlichen Organen wird, sich vorwärtsbildet. Der Fehler, der heute gemacht wird, besteht darin, daß man eigentlich nur die Evolutionsprozesse betrachtet, nicht die Involutionsprozesse, nicht dasjenige, was sich dadurch in entgegengesetztem Sinne entwickelt, daß sich das andere evolviert.“ (Lit.:GA 73a, S. 122)

Der unsichtbare Mensch in uns

Wandtafelzeichnung aus GA 221, nach S. 80 (Der unsichtbare Mensch in uns)

Den Geistkeim seines physischen Leibes schickt der Mensch bei seinem Wiederherabstieg aus der geistigen Welt schon lange voraus, bevor er sich selbst als geistig-seelisches Wesen wieder auf Erden inkarniert. Dieser Geistkeim wirkt dann später im Erdenleben als unsichtbarer Mensch in uns weiter. Der Geistkeim besteht nicht nur aus der geistigen Anlage des physischen Leibes, sondern verfügt - genauso wie später der sichtbare Mensch - über einen Ätherleib, einen Astralleib und ein Ich. Während der Embryonalentwicklung verkörpert sich dieser unsichtbare Mensch in den Embryonalhüllen. Wenn diese mit der Geburt abgestossen werden, begleitet er uns unsichtbar während des ganzen Erdenlebens und wirkt, für uns unbewusst, unmittelbar in den Stoffwechsel- und Fortpflanzungskräften.

„In dem Menschen, wie er vor uns steht, sind eigentlich deutlich zwei Wesenheiten zu unterscheiden. Sie erinnern sich, daß ich in verschiedenen Betrachtungen der letzten Zeit ausführte, wie die physische Organisation des Menschen geistig vorbereitet wird im vorirdischen Leben, wie sie dann gewissermaßen als geistige Organisation heruntergeschickt wird, bevor der Mensch selbst mit seinem Ich in das irdische Dasein hereinkommt. Diese geistige Organisation ist im wesentlichen auch während des ganzen physischen Erdenlebens nachwirkend, nur drückt sie sich während des physischen Erdenlebens nicht in etwas äußerlich Sichtbarem aus. Das äußerlich Sichtbare wird bei der Geburt im wesentlichen abgestoßen, denn es sind die Hüllen, in welche der Menschenkeim während der Embryonalzeit eingehüllt ist: Chorion und Amnionsack, die Allantois, alles das, was also abgestoßen wird als physische Organisation, wenn der Mensch aus dem Mutterleibe heraus ein freies physisches Dasein gewinnt. Aber tätig bleibt im Menschen diese vorirdische Organisation sein ganzes Leben lang. Nur ist ihre Beschaffenheit etwas anders als die Leibes-Seelen-Geistwirksamkeit des Menschen während des physischen Erdenlebens. Und darüber möchte ich heute etwas sprechen.

Wir haben also gewissermaßen in uns einen unsichtbaren Menschen, der enthalten ist in unseren Wachstumskräften, auch in denjenigen verborgenen Kräften, wodurch die Ernährung zustande kommt, der enthalten ist in alledem, worüber sich die bewußte Tätigkeit des Menschen eigentlich nicht erstreckt. Aber auch in diese unbewußte Tätigkeit, bis in die Wachstumstätigkeit, bis in die tägliche Wiederherstellung der Kräfte durch die Ernährung, geht [seine] Wirksamkeit hinein. Und diese Wirksamkeit ist eben die Nachwirkung des vorirdischen Daseins, das im irdischen Dasein ein Kräfteleib wird, der in uns wirkt, aber der nicht eigentlich zur bewußten Offenbarung kommt. Diesen unsichtbaren Menschen, den wir alle in uns tragen, der in unseren Wachstums-, in unseren Ernährungskräften steckt, der auch in den Reproduktionskräften steckt, diesen unsichtbaren Menschen möchte ich Ihnen zunächst seiner Beschaffenheit nach schildern. Wir können das schematisch tun, indem wir uns sagen: Auch in diesem unsichtbaren Menschen sind enthalten das Ich, die astralische Organisation, die ätherische Organisation, also der Bildekräfteleib, und die physische Organisation. Natürlich, diese physische Organisation steckt bei dem geborenen Menschen in der anderen physischen Organisation drinnen, aber Sie werden im Laufe der heutigen Betrachtungen das Eingreifen des unsichtbaren Menschen in die physische Organisation erfassen können.

Wenn ich schematisch zeichne, so muß ich es so zeichnen (siehe Zeichnung links):

Der unsichtbare Mensch in uns (Zeichnung aus GA 221, S. 76)

Wir haben in diesem unsichtbaren Menschen zunächst die Ich-Organisation (gelb), wir haben dann die astralische Organisation (rot), dann die ätherische Organisation (blau), und wir haben die physische Organisation (weiß). Diese physische Organisation, die in Betracht kommt für den unsichtbaren Menschen, greift nur ein in die Ernährungs-Wachstumsprozesse, in alles das, was von dem unteren Menschen, wie wir ihn öfter geschildert haben, von dem Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen sich in der menschlichen Organisation geltend macht. Alle Strömungen, alle Kräftewirkungen in diesem unsichtbaren Menschen gehen so vor sich, daß sie ausgehen von der Ich-Organisation, dann in die astralische, in die ätherische und in die physische Organisation gehen, und in der physischen Organisation sich dann ausbreiten (siehe Pfeil in Zeichnung Seite 76). Beim Menschenkeim ist dasjenige, was hier physische Organisation genannt wird, in den Häuten, in den Hüllen des Embryo vorhanden, im Chorion, in der Allantois, in dem Amnionsack und so weiter. Beim geborenen Menschen ist all das, was hier physische Organisation genannt wird, enthalten in denjenigen Vorgängen, welche Ernährungs-Wiederherstellungsvorgänge im ganzen Menschen sind. Also nach außen hin ist diese physische Organisation hier (siehe Zeichnung rechts) von der anderen physischen Organisation des Menschen nicht getrennt, sondern mit ihr vereinigt.“ (Lit.:GA 221, S. 75ff)

Zusammenhang zwischen der Erdentwicklung und der Embryonalentwicklung

In den Arbeitervorträgen von GA 347 hat Rudolf Steiner den Zusammenhang zwischen der Erdentwicklung und der Embryonalentwicklung sehr anschaulich dargestellt. Er vergleicht hier die Erde, die ursprünglich noch mit Sonne und dem Mond verbunden war, mit dem von seinen Embryonalhüllen umgebenen Embryo, der zunächst fast ganz Kopf ist, während die Gliedmaßen noch kaum ausgebildet sind. Vergrößert man diesen Embryo gleichsam auf kosmische Dimensionen, bekommt eine Vorstellung von dem ursprünglichen kosmischen Urmenschen, dem kosmischen Adam, den die Hebräer Adam Kadmon nannten.

Siehe auch

Literatur

  1. Kaspar Appenzeller: Die Genesis im Lichte der menschlichen Embryonalentwicklung, 2. Auflage, Zbinden Verlag 1989, ISBN 978-3859893825
  2. Wolfgang Schad (Hrsg.): Die verlorene Hälfte des Menschen: Die Plazenta vor und nach der Geburt in Medizin, Ethnologie und Anthroposophie, 3. Auflage, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2016, ISBN 978-3772514654
  3. Rudolf Steiner/Ita Wegman: Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, GA 27 (1991), ISBN 3-7274-0270-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Fachwissenschaften und Anthroposophie, GA 73a (2005), ISBN 3-7274-0735-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Erdenwissen und Himmelserkenntnis, GA 221 (1998), ISBN 3-7274-2210-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene, GA 314 (1989), ISBN 3-7274-3141-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heikunst, GA 316 (2003), ISBN 3-7274-3160-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Einzelanchweise

  1. Je nach Definition wird auch die Gesamtheit der Eihäute bzw. namentlich Amnion und Chorion zusammen als Fruchtblase bezeichnet.