Helena (Mythologie)

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Helena zwischen
Menelaos und Aphrodite
Detail einer attischen rotfigurigen Vase
ca. 450–440 v. Chr.
Evelyn de Morgan:
Helena von Troja (1898).
Der Spiegel, die schnäbelnden Tauben und die Feste Troja kennzeichnen sie im Stil der Präraffaeliten als femme fatale.

Helena (griech. Ἑλένη Helénē,[1]) wurde bereits in vorgriechischer Zeit als örtliche Vegetationsgöttin in Sparta verehrt.

In der griechischen Mythologie war sie die aus einem Ei geborene Tochter Zeus’ und Ledas. Leda wurde von Zeus in Gestalt eines Schwanes verführt, wodurch sie die Mutter von Helena und der Dioskuren Kastor und Polydeukes (römisch: Pollux) wurde. Klytaimnestra galt als die Tochter der Leda und des Tyndareos; sie war eine Halbschwester der Helena.

Anderen Überlieferungen zufolge wurden Helena und die Dioskuren aus einem oder zwei Eiern geboren oder Leda pflegte das Ei der Nemesis und des Zeus, aus dem Helena entstand, die Leda wie ihr eigenes Kind aufzog.

Die schöne Helena

Helena galt als die schönste Frau ihrer Zeit. Ihre Schönheit soll so groß gewesen sein, dass jeder Mann, der sie sah, Helena besitzen wollte. Sie wurde schon als Zwölfjährige von Theseus und Peirithoos nach Aphidnai in Attika entführt und von den Dioskuren, ihren Brüdern, befreit.

Um sie warben sehr viele Griechenfürsten. Ihr irdischer Vater befürchtete bei Bevorzugung eines Freiers die Feindschaft aller abgewiesenen und ließ daher alle Bewerber um Helena schwören, dass sie die Wahl Helenas anerkennen und gegen jedermann verteidigen würden – eine typische Rechtfertigungssage für das Bündnis fast aller Griechenkönige gegen Troja. Helena wählte Menelaos, den Prinzen von Mykene und damit späteren König von Sparta, dem sie ihre Tochter Hermione gebar.

Im Streit der drei Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene um den Apfel der Eris wurde sie von Aphrodite dem trojanischen Prinzen Paris versprochen und ließ sich von ihm, mit eigenem Einverständnis, nach Troja entführen. Hera und Athene beschlossen, gegen Troja zu kämpfen.

Nach einer Version der Legende kam sie niemals in Troja an, da sie bei einer langen und umwegigen Rückfahrt in Ägypten zurückgeblieben sei – in Troja sei nach dem Willen der Götter nur ein Helena gleichendes "Phantom" angekommen. Der Hauptversion der Sage nach folgte sie aber Paris nach Troja und löste damit den Trojanischen Krieg der Griechen gegen Troja aus, als sich der entehrte Menelaos an alle abgewiesenen Freier um Hilfe wandte. Nach dem Fall des Paris ehelichte sie noch dessen Bruder Deiphobos und wurde nach der Niederlage Trojas von Menelaos trotz allem wieder akzeptiert. Beide kehrten heil nach Sparta zurück, lebten und herrschten noch lange dort – anders als die meisten anderen Griechenfürsten, die fast alle nach dem Fall Trojas umkamen.

Die Gestalt der Helena in den griechischen Mysterien

"... die Helena-Erscheinung, das Helena-Problem bildete wirklich einen Inhalt der griechischen Mysterien. Und es gehörte zu einem gewissen Vorgange der Einweihung, das Wesen der Helena zu erkennen. In diesem Wesen der Helena erfuhr man etwas in den griechischen Mysterien über die Aufgabe des vierten nachatlantischen Zeitraums im Verhältnis zur geistigen Welt. Daher gab es in Griechenland eine exoterische Helena-Sage und eine esoterische Helena- Sage. Die exoterische Helena-Sage ist die bekannte. Die andere ist auch bekannt geworden, denn alles Esoterische wird nach und nach exoterisch. Exoterisch ist diese, daß durch jenen Vorgang mit den drei Göttinnen Paris angestiftet wurde, dem Menelaus die Helena zu rauben, daß er erschienen ist in Griechenland, die Helena mit ihrem Einverständnis entführt hat, sie nach Troja gebracht hat, daß darüber der Trojanische Krieg ausgebrochen ist, und nachdem die Griechen Troja belagert, erobert hatten, sich Menelaus seine Helena wieder zurückgebracht hat. Das ist die exoterische Helena-Sage.

Sie wissen, Homer läßt eigentlich nur diese exoterische Helena-Sage durchblicken, weil er, obwohl er eingeweiht war in die esoterische Helena-Sage, von dieser nichts verraten wollte. Erst die Dramatiker Äschylos, Sophokles, Euripides, in einer späteren Zeit des Griechentums, haben sich herbeigelassen, von der esoterischen Helena-Sage etwas zu verraten, das dahin ging, Helena sei nicht einverstanden gewesen mit ihrer Entführung, Paris habe sie nicht entführt, sondern geraubt gegen ihren Willen; er fuhr mit ihr über das Meer. Hera verschlug die Schiffe, so daß Paris mit Helena in Ägypten landen mußte, wo dazumal der König Proteus herrschte. Proteus wurde von Sklaven, die den Schiffen des Paris entlaufen waren, die ganze Sache mitgeteilt, so daß er Paris und seine Gefolgschaft und die Helena gefangen nahm. Und Paris wurde entlassen von Proteus, Helena ihm weggenommen. Sie ist niemals des Paris Weib geworden nach dieser Sage; seine Schätze wurden ihm abgenommen, er ohne Helena nach Troja geschickt. Aber mitnehmen konnte er auf diese Reise nach Troja statt der wirklichen Helena, die in Ägypten geblieben war bei dem Proteus, das Idol der Helena, so daß Paris in Troja nur mit dem Idol der Helena erschien. Und um das Idol haben sich die Griechen gestritten, weil sie den Trojanern nicht geglaubt haben, daß die wirkliche Helena gar nicht in Troja ist. Dann, nachdem der Trojanische Krieg beendet war, machte Menelaus selber die Reise nach Ägypten und brachte sich von dort seine unschuldig gebliebene Gattin nach Hause." (Lit.: GA 273, S. 100f)

Helena in Goethes «Faust»

Immer schon war das Weibliche ein Bild für die menschliche Seele, und in vielen Gestalten zeigt uns Goethe ihre verschiedenen Seiten. Die lüsterne Hexe, umschwärmt von ihren Affenwesen, ist ein adäquater Ausdruck für jene seelische Schnittstelle, wo sich der tierische Triebleib mit den niedersten menschlichen, aber eben immerhin schon menschlichen Seelenkräften berührt. Anders steht schon Gretchen da, mit ihrer kindlich unschuldigen, rein menschlichen Seele, die aber doch auch noch nicht bewußt in die geistige Welt einzutreten vermag, sondern mit nur mit gläubiger ahnender Scheu zu ihr aufzublicken vermag. Rein und unverdorben ist diese irdische menschliche Seele zunächst, aber doch zugleich in größter Gefahr, von der untermenschlichen Bestie vergiftet zu werden. So keusch und sauber auch diese Seele zuerst ist, sie kann sich nicht bewahren vor dem Ansturm des Tieres, wenn sie sich nicht zum Geistigen erhebt. Unschuldig schuldig, willenlos verführt wird Gretchen und endet im Elend. Sie kann weder erkennen, noch vermag sie sich zu wehren gegen das, was sie verdirbt. So wie sie das Höchste nur ferne ahnt, spürt sie das Böse nur als dunkles Gefühl.

Faust muß noch tiefer dringen, überleuchtet von der Kraft seines höheren Selbst. In der Hexenküche hat er sich widerwillig in jenen Seelensumpf gewagt, aus dem die Tiefenpsychologie Freud’scher Pro-venienz das ganze menschliche Leben erklären und therapieren will. Aber damit kratzen wir erst an der Oberfläche der niederen menschlichen Natur. Einer Natur, die der Schöpfung entsprungen ist, in der eine ungeheure Weisheit waltet. Wo schon in der kleinsten Zelle, unendlich mehr Weisheit verkörpert ist, als sich der Mensch trotz seiner rastlosen Naturforschung vorzustellen vermag. Diese Natur, diese Schöpfung, ist, um es mit den alten Überlieferungen zu sagen, ein Geschenk der Götter. Und auch das Tier in uns, unser Triebleib, ist ein solches. Er ist ursprünglich göttlicher Natur. Nur ist er durch luziferische Kräfte an seiner Oberfläche getrübt, verzerrt, wird seiner wahren Natur nicht gerecht. Ein Sündenfall, wie es die Bibel ausdrückt, hat stattgefunden, der den reinen Seelenspiegel so getrübt hat, daß er das Geistige immer weniger und nur mehr ganz verschwommen abzubilden vermag. Es verschwindet beinahe im stinkenden Dunst der von Luzifer regierten Hexenküche.

Hinabsteigen muß Faust in einen Seelenbereich, in dem ihm Mephistopheles nicht mehr folgen kann, in einen Seelenbereich, der hinausführt aus der luziferisch verseuchten Sinnlichkeit, hin zu einer Seelenprovinz, wo noch die ursprünglichen Schöpfermächte zu finden sind, wo die Mütter der menschlichen Seelenkraft wohnen. Äußerer Anlaß dazu ist das Verlangen des Kaisers, Paris und Helena, „das Musterbild der Männer so der Frauen“ in „deutlichen Gestalten“ zu schauen.

Der Gang zu den Müttern führt Faust dorthin, wo die menschliche Seele ihren Ursprung gefunden hat. Hier ist die Quelle, aus der die drei wesentlichsten Seelenkräfte, das Denken, Fühlen und Wollen, fließen. Drei Mütter sind es, denen Faust hier begegnet. Man sieht, wie uns Goethe hier in eine Welt führt, die noch viel tiefer reicht als alles das, was die Tiefenpsychologie zu erfassen vermag. Eine umfassende Psychologie der menschlichen Seele führt uns Goethe hier vor Augen, nicht in abstrakten Begriffen, sondern in lebendig gestalteten Bildern.

Die mystische Versenkung in die eigenen Seelentiefen führt Faust bis an das Urbild der menschlichen Seele heran, wie es einstmals von den Göttern geschaffen wurde. Von hier kann er Helena, die dieses ewige Urbild in ihrem schönen Wesen ausdrückt, heraufholen an das Bewußtsein - so stark, so intensiv, daß es durch eine Art Massensuggestion dem ganzen versammelten Hofstaat am Kaiserhof gegenwärtig wird, wobei Mephisto tüchtig hilft, wodurch aber auch wiederum alles seinem Zugriff unterliegt. Was in der Hexenküche erst wie ein flüchtiger Schein vorüber huschte, steht Faust nun ganz klar in der Seele. Und doch – real zu vereinigen vermag er sich mit dieser ewigen menschlichen Seele noch nicht. Kaum will er Helena berühren, von erneut aufwallenden Begierden getrieben, zerstäubt das Bild in einer mächtigen Explosion, und Faust stürzt wie gelähmt ohnmächtig zu Boden.

Das ist die Gefahr aller Mystik, die in die inneren Seelentiefen vordringt, daß das, was von dort auch immer ans Bewußtsein heraufgebracht wird, wieder durch die luziferische Sphäre hindurch getragen werden muß. Höchstes kann wieder von der niedersten Begierde ergriffen werden – mit fatalen Folgen für das Seelenleben. Wie ein gewaltiger elektrischer Schlag können diese übermächtigen Seelenkräfte, das Bewußtsein treffen, wenn dieses nicht völlig rein und frei von sinnlicher Glut sich ihnen hingeben kann.

„Nachdem Faust durchgemacht hat die Ereignisse am «Kaiserhof», beginnt er das zu sehen, was in der sinnlichen Welt nicht mehr da ist: den Geist der Helena, die vor Jahrhunderten und Jahrhunderten gelebt hat. Sie soll für Faust gefunden werden. Sie kann nicht in der physischen Welt gefunden werden. Faust muß in die geistige Welt hinuntersteigen. Mephistopheles hat den Schlüssel zu dieser Welt, er kann aber nicht selbst in diese geistige Welt hinein, er kann sie verstandesmäßig beschreiben. Er kann sagen: Du wirst hinuntersteigen, man könnte auch sagen, du wirst hinaufsteigen. - Er beschreibt dann tatsächlich die geistige Welt, in die Faust eintauchen soll, um sie übersinnlich kennenzulernen, um darin den Geist zu rinden, das Unsterbliche, das Ewige, das zurückgeblieben ist von Helena. Ein Wort ertönt, ein wunderbares Wort: zu den Müttern soll Faust hinuntersteigen. Was sind die «Mütter»? Man könnte stundenlang reden, wenn man genau charakterisieren wollte, was die Mütter sind. Wir brauchen hier nur zu sagen, daß die Mütter für die Geisteswissenschaft zu allen Zeiten das waren, was der Mensch kennenlernt, wenn sein geistiges Auge geöffnet wird. Wenn er in die physische Welt blickt, sieht er alle Dinge begrenzt. Wenn er in die geistige Welt eintritt, kommt er in etwas, woraus alle physischen Dinge so herauskommen, wie aus einem Wasserteich das Eis herauskommt. Wie einer, der das Wasser nicht sehen könnte, sagen würde: Nichts ist da als Eis, es türmt sich auf aus dem Nichts, - so sagt der, der den Geist nicht kennt: Nur physische Dinge sind da. - Er sieht nicht den Geist, der zwischen und hinter den physisch-sinnlichen Dingen ist, aus dem sich alle sinnlichphysischen Dinge herausbilden wie Eis aus Wasser. Da, wo der Urgrund der physischen Dinge ist, der nicht mehr durch die physischen Augen sichtbar ist, sind die Mütter. Mephistopheles ist die Wesenheit, die darstellen soll jenen Verstand, der nur kennt, was äußerlich im Räume ausgestaltet ist, die zwar weiß, daß es eine geistige Welt gibt, die aber nicht in sie eindringen kann. Mephistopheles steht da neben Faust, wie heute neben dem Geistesforscher steht der materialistische Denker, der da sagt: Ach, du Geisteswissenschafter, du Theosoph, du willst in eine geistige Welt hineinschauen? Da drinnen ist ja gar nichts, das ist ja alles erträumt. Das ist alles nichts. — Diesem Materialisten, der da fest bauen will auf das, was das Mikroskop, das Teleskop offenbart, der aber alles, was hinter den physischen Erscheinungen liegt, wegleugnen will, ruft der Geistesforscher zu: «In deinem Nichts hoff5 ich das All zu finden.» So steht der materialistische Denker dem spirituellen Menschen gegenüber, der den Geist gerade dort zu finden hofft, wo der andere nichts sieht. Ewig werden sich diese zwei Mächte gegenüberstehen. Und von Anfang steht Mephisto dem Faust so gegenüber als der Geist, der bis zur Tür führen kann, der aber diese Pforte nicht durchschreiten kann. Der Theosoph oder Geisteswissenschafter sagt nicht: Die materielle Wissenschaft ist nichts, ist unnötig. - Er sagt: Wir müssen diese Wissenschaft ernst nehmen, sie studieren, aber sie hat nur den Schlüssel, sie führt uns dahin, wo erst das wahre geistige Leben zu finden ist.

Faust steigt dann hinunter in das Reich der Mütter, in die geistige Welt; es gelingt ihm den Geist der Helena heraufzuführen. Aber er ist noch nicht reif, diesen Geist mit seiner eigenen Seele wirklich zu verbinden. Daher die Szene, wo in Faust die Leidenschaft sich regt, wo er mit sinnlicher Leidenschaft umfassen will das Urbild der Helena. Deshalb wird er da zurückgestoßen. So ergeht es jedem, der aus persönlichen, egoistischen Gefühlen sich der geistigen Welt nähern will. Er wird zurückgestoßen, wie Faust zurückgestoßen wird, als er vom Reiche der Mütter herauf den Geist der Helena geholt hat. Faust muß erst reif werden, erkennen lernen, wie sich wirklich zusammenfinden die drei Glieder der menschlichen Natur: der unsterbliche Geist, der von Leben zu Leben, von Verkörperung zu Verkörperung geht; der Leib, der zwischen Geburt und Tod sich auslebt; und die Seele, die zwischen beiden drinnen steht. Leib, Seele und Geist, wie sie sich verbinden, wie sie zusammengehören, das soll Faust kennenlernen. Das Urbild der Helena, das Unsterbliche, das Ewige, das von Verkörperung zu Verkörperung, von Leben zu Leben geht, hat Faust schon gesucht, aber unreif. Jetzt soll er heranreifen, um würdig zu werden, wirklich in die geistige Welt einzutreten. Dazu muß Faust kennenlernen, wie dieses Unsterbliche erst dann herantritt an den Menschen, wenn er sich im physischen Dasein in einem neuen Leben zwischen Geburt und Tod wiederum verkörpern kann. Deshalb muß Goethe zeigen, wie die Seele zwischen Geist und Körper lebt, wie sie sich hineinstellt zwischen den unsterblichen Geist und den Leib, der zwischen Geburt und Tod steht. Das zeigt uns Goethe im zweiten Teile des «Faust».

Die Seele ist bei Goethe verborgen in jenem wundersamen Gebilde, über das die Goethe-Forscher nicht viel zu sagen wissen, in dem die Geistesforscher, die bewandert sind, erkennen das Urbild der Seele. Das ist nichts anderes als das wunderbare Gebilde des Homunkulus, des kleinen Menschleins. Das ist ein Bild der menschlichen Seele. Was hat diese Seele zu tun? Sie ist der Vermittler zwischen Leib und Geist, sie muß die Elemente des Leibes aus allen Reichen der Natur heranziehen, um sich mit ihnen in Verbindung zu bringen. Erst dann kann sie mit dem unsterblichen Geiste vereinigt werden. Daher sehen wir, wie Faust von diesem Homunkulus geführt wird in die klassische Walpurgisnacht bis zu den Naturphilosophen Anaxagoras und Thaies, die nachgedacht haben, wie die Natur und das Lebendige entstehen.

Da wird jene wahre Entwicklungslehre gezeigt, die zurückgeht dazu, daß nicht nur ein Tierisches der menschlichen Entwickelung zugrunde liegt, sondern ein Seelisches, das die Elemente aus der Natur sammelt, um nach und nach den Leib aufzubauen. Daher wird dem Homunkulus der Rat gegeben: Vom untersten Reich mußt du beginnen, um zu höherem und höherem aufzusteigen. — An das mineralische Reich wird zunächst die Seele des Menschen verwiesen. Dann wird ihm gesagt: Du hast durch das Pflanzenreich durchzugehen. - Ein wunderbarer Ausdruck ist da: «Es grunelt so», um den Durchgang durch die Pflanzenwelt, das Saftig-Grüne, zu verzeichnen. Da sammelt die Seele alle Elemente der Naturreiche, um dann heraufzusteigen. Es wird ausdrücklich gesagt: «Und bis zum Menschen hast du Zeit.» Dann sehen wir, wie herantritt der Geist der Liebe, Eros, nachdem die Seele aus allen Reichen der Natur sich den Leib herangebildet hat. Da verbindet sie sich mit dem Geiste. Leib, Seele und Geist sind vereinigt. Hier verbindet sich das, was Seele des Homunkulus ist, was sie sich als Leib einorganisiert, mit dem Geist der Helena. Deshalb kann uns im dritten Akte des zweiten Teiles Helena leibhaftig entgegentreten. Die Wiederverkörperungslehre sehen wir künstlerisch-dichterisch in den zweiten Teil des «Faust» hineingeheimnißt. Nicht so kann man sich verbinden mit Helena, daß man in stürmischer Leidenschaft sie an sich heranzieht, sondern so, daß man wirklich die Geheimnisse des Daseins durchlebt, die wirkliche Wiederverkörperung durchlebt.“ (Lit.:GA 272, S. 30ff)

Helena-Selene und das Rätsel des Bösen

"Vorstellen, Fühlen und Wollen ins Imaginative umgesetzt, Sie haben es in den drei Steigerungen der Helena-Erscheinung. Das alles ist sachgemäß künstlerisch gestaltet. Auch derjenige, der den «Faust» sich nicht so zergliedert, wie wir das jetzt machen, sondern ihn einfach genießt, der hat diese Dinge darinnen.

Nun hängt mit dem, daß Goethe gerade die Helena als Erscheinung für Faust wählt, wirklich etwas zusammen vom Wesen der Lebensaufgaben des vierten und fünften nachatlantischen Zeitraums. Allerdings berührt man dabei ein Problem, das selbst die Bibel nur zart berührt, Ricarda Huch in ihrem neuen Buch über «Luthers Glaube» etwas unzarter: diesen Zusammenhang des Problems der Frauenerkenntnis und der Erkenntnis des Bösen. Da gibt es einen geheimnisvollen Zusammenhang in der Bibel, dadurch angedeutet, daß die luziferische Versuchung im Paradiese auf dem Umweg durch die Frau geschehen ist. Die Sehnsucht nach dem Teufel wird - in so schöner Weise - jetzt in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum beschrieben in dem Buche von Ricarda Huch über «Luthers Glaube». Das ist sehr charakteristisch. Aber man kann auf diese Dinge nicht weiter eingehen, denn man würde heute noch auf sehr dünnes Eis treten, wenn man sie andeuten, geschweige weiterhin besprechen würde." (Lit.: GA 273, S. 100)

"Das wirkliche Böse fing erst an, als Manas sich mit Kama verband, so daß der Mensch durch Kama dirigiert wurde, und das führte dazu, daß die Menschen mit Bewußtsein gegeneinander kämpften.

Das ist in der Sage dadurch angedeutet, daß bei der Verehelichung des Peleus mit der Meergöttin Thetis alle Götter anwesend sind, aber eine Göttin fehlt. Es fehlt Eris, die Göttin der Zwietracht, weil die Menschheit noch vor dem Stadium war, wo Kama sich mit Manas verband und die Sonderung entstand, durch die die Menschen sich in Gegensatz zueinander stellten. Nun aber erscheint die Göttin Eris; sie wirft einen Apfel unter die Gäste, welcher die Aufschrift trägt «der Schönsten», um Zwietracht herbeizuführen. Damit ist Veranlassung gegeben zu dem erst innerhalb der fünften Wurzelrasse auftretenden, unter voller menschlicher Verantwortung stehenden Krieg. Erst von diesem Zeitpunkt an kann man von einem bewußten Wüten der Menschen gegeneinander sprechen.

Alles weitere im Mythos ist eine Ausgestaltung dessen, was hier begonnen hat. Die Schönste der Göttinnen soll den Apfel der Eris bekommen. Die drei Göttinnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite streiten um den Apfel. Die drei Göttinnen bedeuten verschiedene Stufen des Seelenlebens auf den höheren, spirituellen Planen. Jetzt aber soll nicht mehr auf dem spirituellen Plan, sondern auf dem physischen Plan entschieden werden. Deshalb wird Paris gerufen, der entscheiden soll vom physischen Plan aus. Hier liegt die eigentliche Crux, wo man es handgreiflich hat, worauf es ankommt. Was muß uns entgegentreten, wenn vom physischen Plane aus die Entscheidungen herbeigeführt werden?

Als Manas zuerst auf dem physischen Plan auftrat, vermischte es sich mit Kama. Vorher waren die Menschen zwar auch kamisch, aber das hatte noch nicht die Bedeutung von gut und böse. Jetzt aber verbindet Manas sich mit Kama, und daher werden die Menschen sich der Taten bewußt. Manas zieht in das ein, was der Mensch seiner niederen Natur nach ist. Die kamische Entwicklung hatte er sich schon auf dem alten Monde erworben. Das derbste Kamische ist von der Erde abgefallen mit dem Austritt des Mondes und begleitet nun im Monde die Erde als Trabant. Der Mond ist in der Esoterik das Leitmotiv, das Merkzeichen der niederen Natur, für das, was uns hinunterzieht, für das, wohin wir kommen können, wenn wir selbst der niederen Natur verfallen.

Es muß also das Verhängnisvolle in der Verbindung von Manas mit Kama während der vierten Unterrasse darin bestehen, daß sich der Mensch, welcher Entscheidungen zu treffen hat, mit dem Kamischen, mit dem Mondprinzip, mit der Selene verbindet. Aus Selene ist der Name Helena entstanden. In der Verbindung des Paris mit der Helena haben wir die Ehe von Manas mit Kama in der vierten Unterrasse symbolisch ausgedrückt. An sich gerissen hat der auf dem physischen Plane befindliche Mensch das Mondprinzip. Überall können Sie das finden, wenn in der Esoterik vom «Mond» gesprochen wird. Damit, daß unmittelbar auf dem physischen Plan in bewußter Art die ganze Verbindung geschaffen ist vom Manasprinzip mit dem Kamaprinzip, daraus entspringt der Krieg. Der Trojanische Krieg ist zugleich Symbol und Tatsache. Er hat wirklich stattgefunden; die wichtigsten Ereignisse des Trojanischen Krieges spielten sich auf dem physischen Plan ab. Sie haben aber auch symbolische Bedeutung. Die Sage vom Trojanischen Krieg hat einen mystischen Inhalt, aber die Tatsachen sind auch äußerlich auf dem physischen Plan abgelaufen." (Lit.: GA 092, S. 100f)

Rezeption

Die Helenagestalt erscheint bereits im ältesten abendländischen (griechischen) Epos des Homer, der Ilias, und erfuhr ein langes literarisches Nachleben (z. B. in Goethes Faust II, ebenso wie in der Historia von D. Johann Fausten und Jacques Offenbachs Operette Die schöne Helena u.v.a.m.). 2010 erschien der Roman "Helena" von Selma Mahlknecht. Das Buch wurde mit dem Sir Walter Scott- Preis als bester historischer Roman 2010/2011 ausgezeichnet.

Ihr Name erscheint in wohl allen europäischen Sprachen als weiblicher Vorname, wobei allerdings in vielen Fällen die heilige Helena Patin gestanden haben dürfte.

Siehe ferner: Tantaliden.

Literatur

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Weblinks

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Einzelnachweise

  1. Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch. München/Wien 1965.
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