Hornkiesel

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Das Hornkiesel-Präparat (501) ist ein in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft verwendetes, aus Quarzmehl hergestelltes Präparat.

Herstellung, Anwendung und Wirkung des Präparats

Sehr fein zermahlener Quarz hat eine große lichtaktive Oberfläche. Zur Herstellung des Präparats wird er in kristalliner (Bergkristall, Quarzit) oder amorpher Form (Achat, Flint) oder als Kalifeldspat (Orthoklas) verwendet und zu einem staubfeinen Mehl zerrieben, gesiebt und kurz nach Ostern mit Regenwasser zu einem eben noch fließenden Brei verrührt und in ein gut geformtes Kuhhorn gefüllt. Nachdem die Masse fest und trocken geworden ist, wird die Öffnung mit feuchter Erde zugestrichen und das Horn zwischen Ostern und Pfingsten im Boden vergraben und dort während des ganzen Sommers den Licht- und Wärmewirkungen ausgesetzt und erst zwischen Ende September und Anfang Oktober wieder ausgegraben[1].

Um das Präparat zur Anwendung zu bringen, wird es eine Stunde lang mit Wasser gut verrührt und fein zerstäubt auf die Pflanzen aufgesprüht. Ein Horn reicht für etwa 25 ha pro Jahr[2]. Für größere Felder kann auf Vorschlag Rudolf Steiners problemlos eine maschinelle Aussprühung erfolgen.

Die Wirkung des Präparats beruht auf den durch die sommerlichen Prozesse in der Erde verwandelten Lichtkräften, die den Pflanzenstoffwechsel ordnen und die biologische Selbstregulation fördern. Eine unmittelbare Nährstoffwirkung ist damit nicht verbunden.

Rudolf Steiner beschrieb das Präparat und seine Wirkung während seines 1924 in Koberwitz gehaltenen Landwirtschaftlichen Kurses so:

„Man nimmt wiederum Kuhhörner, füllt sie aber jetzt aus nicht mit Mist, sondern füllt sie aus mit bis zu Mehl zerriebenem Quarz oder Kiesel, oder auch Orthoklas, Feldspat, und bildet aus diesem einen Brei, der etwa die Dicke eines ganz dünnen Teiges hat, und füllt damit das Kuhhorn aus. Jetzt, statt daß man das Kuhhorn überwintern läßt, läßt man es übersommern, nimmt es alsdann, nachdem es übersommert hat, im Spätherbst heraus, bewahrt nun den Inhalt bis zum nächsten Frühjahr, dann nimmt man heraus dasjenige, was da dem sommerlichen Leben in der Erde ausgesetzt war, und behandelt es in ähnlicher Weise, nur daß man jetzt viel geringere Quantitäten braucht. Sie können also ein erbsengroßes Stückchen verteilen durch Rühren auf einen Eimer Wasser, vielleicht auch nur ein stecknadelkopfgroßes Stückchen. Nur muß man das auch eine Stunde lang rühren. Wenn Sie das verwenden zum äußeren Bespritzen der Pflanzen selber - es wird sich insbesondere bewähren bei Gemüsepflanzen und dergleichen -, nicht zum brutalen Begießen, sondern zu einem Bespritzen, dann werden Sie sehen, wie nun das der Wirkung, die von der anderen Seite durch den Kuhhornmist aus der Erde kommt, unterstützend zur Seite steht.“ (Lit.:GA 327, S. 101f)

Literatur

  1. Rusch, Hans Peter. Bodenfruchtbarkeit. Heidelberg 1968.
  2. Seifert, Alwin. Gärtnern, Ackern - ohne Gift. München 1971.
  3. Adalbert Graf von Keyserlingk: Koberwitz 1924. Geburtsstunde einer neuen Landwirtschaft, Hilfswerk Elisabeth 1985, ASIN B0050G36Q4
  4. Hugo Erbe: Präparate zur Förderung des elementarischen Lebens im biologisch-dynamischen Land- und Gartenbau, Lohengrin-Verlag, Tellingstedt 2003
  5. Christian von Wistinghausen, Wolfgang Scheibe, Eckard von Wistinghausen, Uli Johannes König: Anleitung zur Herstellung der Biologisch-Dynamischen Präparate, Arbeitsheft Nr. 1, 4. erweitere Auflage, Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2007, ISBN 3-921536-56-0
  6. Christian von Wistinghausen, Wolfgang Scheibe, Eckard von Wistinghausen, Uli Johannes König: Anleitung zur Anwendung der biologisch-dynamischen Feldspritz- und Düngerpräparate, Arbeitsheft Nr. 2, Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2005, ISBN 978-941232-07-5
  7. Uli Johannes König: Ergebnisse aus der Präparateforschung. Lose-Blatt-Sammlung. Schriftenreihe IBDF, Band 12, Darmstadt 1999
  8. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft, 8. Auflage, GA 327 (1999) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

  1. Zum biologisch-dynamischen Forschungsansatz – Nur philosophisches Beiwerk oder Erkenntnisbedingung einer Wissenschaft vom Leben?
  2. Offizielles Web von Demeter
  3. Forschungsring für Biologisch-dynamische Wirtschaftsweise
  4. Zeitschrift Lebendige Erde

Einzelnachweise

  1. nach Wistighausen et al. (2007), Arbeitsheft 1, S. 25ff.
  2. Quelle: Forschungsring: [1]