Judas Makkabäus

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Wojciech Stattler: Die Makkabäer

Judas Makkabäus († 160 v. Chr.; hebr. יהודה המכבי Jehuda haMakabi; auch: Juda; auch: Makabäus; abgeleitet von aramäisch Makkaba, „Hammer“) war einer der fünf Söhne des Mattatias, dem Begründer des Geschlechts der Hasmonäer. Er wurde nach dem Tod seines Vaters der Führer des nach ihm benannten Aufstands der Makkabäer den sein Vater gegen die Herrschaft des Seleukidenkönigs Antiochos IV. Epiphanes und des Hohepriesters Menelaos begonnen hatte. Antiochus IV. wollte die Juden zwingen, ihrem Glauben abzuschwören und heidnische Opfer darzubringen.

„1 Damals trat ein Priester auf aus dem Geschlecht des Jojarib namens Mattatias; sein Vater war Johanan, der Sohn Simeons. Er stammte aus Jerusalem, hatte sich aber in Modeïn niedergelassen. 2 Er hatte fünf Söhne: Johanan, den man auch Gaddi nannte, 3 Simeon mit dem Beinamen Tassi, 4 Judas, der als der Makkabäer bekannt wurde, 5 Eleasar, dem man den Namen Awaran gab, und Jonatan, der auch Apphus hieß. 6 Als er das gotteslästerliche Treiben in Judäa und in Jerusalem sah, sagte er: 7 Ach, warum bin ich geboren, dass ich erleben muss, wie man mein Volk vernichtet und die heilige Stadt zerstört? Ohnmächtig musste man zusehen, wie sie in die Gewalt ihrer Feinde geriet, wie die heilige Stätte Fremden in die Hände fiel. 8 Ihr Tempel wurde wie ein ehrloser Mann, 9 ihre Kostbarkeiten schleppte man als Beute fort. Auf den Plätzen erschlug man ihre kleinen Kinder; ihre jungen Männer fielen unter dem Schwert des Feindes. 10 Welches Volk hat nicht ein Stück des Reiches erhalten, hat sich nicht seinen Anteil an der Beute errafft? 11 Ihren ganzen Schmuck nahm man ihr weg. Die Freie wurde zur Sklavin. 12 Seht, unser Heiligtum, unsere Zierde und unser Ruhm, liegt verödet; fremde Völker haben es entweiht. 13 Wozu leben wir noch? 14 Und Mattatias und seine Söhne zerrissen ihre Gewänder, zogen Bußkleider an und gaben sich tiefer Trauer hin.“

Altes Testament: 1 Makk 2,1-14 EU

Nach ersten Erfolgen gegen das seleukidische Heer bei bei Emmaus und Beth-Sur war der seleukidische Reichsverweser Lysias bereit, das Religionsedikt aufzuheben und den Aufständischen volle Begnadigung zu gewähren, wenn sie ihre Waffen niederlegten. Beides wollte Judas Makkabäus nicht hinnehmen und eroberte im Handstreich Jerusalem. Den heidnischen Altarstein im Tempel ließ er sofort zerstören und am 25. Kislew im Dezember 164 v. Chr. konnte der Tempel feierlich neu weiht werden. Seit dem wird dieses Ereignis von den Juden zu Chanukka, dem weihnachtlichen Lichterfest, gefeiert.

Es folgten Kriegszüge der Makkabäer in die Gebiete der Idumäer und Ammoniter und nach Galiläa und Peräa. Viele Juden wurden dabei zu ihrem Schutz in das jüdische Kernland um Jerusalem übersiedelt.

Nach dem Tod von Antiochos IV. versuchte Lysias einen Friedensschluss mit den jüdischen Frommen, den Chassidim, zu erreichen. Judas Makkabäus fürchtete aber, dabei an den Rand gedrängt und später verfolgt zu werden und setzte seinen Widerstand fort. So war Lysias gezwungen, eine militärische Entscheidung herbeizuführen. 163 v. Chr. wurde Judas bei Beth-Sacharja vernichtend geschlagen und auch Beth-Sur fiel. Nur der Tempelberg konnte zunächst noch von einigen Aufständischen gehalten werden. Lysias konnte nun eine Einigung mit den Chassidim erreichen. Der bei den Juden verhasste Hohepriester Menelaos wurde hingerichtet und durch Alkimos ersetzt. Die Befestigungsanlagen des Tempelberges wurden geschliffen.

Judas musste mit seinen Brüdern und weiteren Führern des Aufstands flüchten, setzte aber seinen Partisanenkampf fort. Am 13. Adar im März 161 v. Chr. wurde der seleukidische Feldherr Nikanor geschlagen und starb in der Schlacht. Der Tag des Sieges ist seitdem als Nikanortag Bestandteil des jüdischen Kalenders. Darüber hinaus schloss Judas einen Vertrag über gegenseitige Waffenhilfe mit den Römern (1 Makk 8,17-32 EU).

„22 Dies ist eine Abschrift der Urkunde, die sie auf Bronzetafeln aufzeichnen und nach Jerusalem schicken ließen, damit die Erinnerung an das Friedensbündnis ständig gegenwärtig bleibe: 23 Den Römern und dem jüdischen Volk soll es zu Wasser und zu Land immer wohl ergehen; Schwert und Feind mögen ihnen fern bleiben. 24 Wenn Rom oder irgendeinem seiner Bundesgenossen in seinem ganzen Machtbereich zuerst ein Krieg droht, 25 wird das jüdische Volk, je nachdem es die Lage erfordert, bereitwillig mit in den Kampf ziehen. 26 Den Kriegführenden brauchen keine Nahrungsmittel, keine Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält. Sie werden ihren Verpflichtungen ohne Gegenleistung nachkommen. 27 Ebenso werden die Römer, wenn das jüdische Volk zuerst in einen Krieg verwickelt wird, bereitwillig mitkämpfen, je nach den Umständen. 28 Den Bundesgenossen brauchen keine Nahrungsmittel, Waffen, kein Geld und auch keine Schiffe geliefert zu werden, wenn Rom es so für richtig hält; sie werden ihren Verpflichtungen ohne Hinterlist nachkommen. 29 Das ist der Wortlaut des Vertrags, den die Römer mit dem Volk der Juden geschlossen haben. 30 Wenn später die beiden Parteien etwas hinzufügen oder streichen wollen, können sie es nach ihrem Belieben tun. Die Zusätze oder Streichungen werden gültig sein.3 31 Dem König Demetrius aber haben wir geschrieben wegen des Unrechts, das er den Juden zugefügt hat: Warum lastet dein Joch so schwer auf unseren Freunden und Bundesgenossen, den Juden? 32 Wenn sie jetzt noch einmal deinetwegen vorstellig werden, verhelfen wir ihnen zu ihrem Recht und führen gegen dich Krieg zu Wasser und zu Land.“

Altes Testament: 1 Makk 8,22-32 EU

Der seleukidische König Demetrios I., der den zunehmenden Einfluss der Römer fürchtete, holte zum Gegenschlag aus. Im März 160 v. Chr. fiel Judas in der Schlacht bei Elasa, nachdem sich sein Heer schon zuvor weitgehend zerstreut hatte. Die Römer griffen nicht ein.

„1 Demetrius erfuhr, dass Nikanor und sein Heer im Kampf gefallen waren. Da schickte er Bakchides und Alkimus zum zweiten Mal nach Judäa und gab ihnen die im Süden stehende Armee mit. 2 Sie nahmen den Weg nach Gilgal, schlugen vor Mesalot in der Gegend von Arbela ihr Lager auf, eroberten die Stadt und brachten viele Menschen um. 3 Im ersten Monat des Jahres 152 schlugen sie ihr Lager bei Jerusalem auf. 4 Von dort zogen sie mit zwanzigtausend Mann und zweitausend Reitern nach Berea. 5 Judas aber hatte mit dreitausend ausgewählten Soldaten sein Lager bei Elasa. 6 Als die Juden die Übermacht der feindlichen Truppen sahen, bekamen sie große Angst. Viele liefen aus dem Lager fort, sodass am Ende nur noch achthundert Mann übrig waren. 7 Judas sah, dass sich sein Heer auflöste, während der Kampf unmittelbar bevorstand. Er wurde sehr bestürzt, denn er hatte keine Zeit mehr, seine Leute wieder zusammenzubringen. 8 Niedergeschlagen sagte er zu denen, die noch da waren: Auf! Wir wollen gegen unsere Feinde hinaufziehen. Vielleicht können wir doch gegen sie kämpfen. 9 Sie aber widersprachen ihm und sagten: Es ist unmöglich. Wir wollen lieber jetzt unser Leben retten und dann mit unseren Brüdern zurückkommen und gegen sie kämpfen. Wir sind zu wenige. 10 Judas antwortete: Auf keinen Fall werde ich vor ihnen fliehen. Wenn unsere Zeit gekommen ist, dann wollen wir für unsere Brüder tapfer in den Tod gehen; auf unsere Ehre soll kein Schatten fallen. 11 Da rückte das feindliche Heer aus seinem Lager aus und bezog ihnen gegenüber Stellung; die Reiterei wurde in zwei Gruppen geteilt, die Schleuderer und Bogenschützen gingen vor der Streitmacht her, ebenso die Reihe der tapferen Vorkämpfer. 12 Bakchides war auf dem rechten Flügel. Die beiden Flügel der Schlachtreihe näherten sich und man blies die Trompeten. Auch die Leute des Judas stießen in die Trompeten. 13 Die Erde bebte vor dem Getöse, das die Heere machten, und vom Morgen bis zum Abend dauerte der Kampf Mann gegen Mann. 14 Als Judas bemerkte, dass Bakchides mit dem Kern seiner Truppe rechts stand, scharten sich alle tapferen Männer um ihn 15 und der rechte Flügel der Feinde wurde von ihnen vernichtend geschlagen; sie verfolgten sie bis zum Gebirge von Aschdod. 16 Als die Truppen auf dem linken Flügel sahen, dass der rechte geschlagen war, schwenkten sie um und folgten den Spuren des Judas und seiner Leute. 17 Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf, in dem beide Seiten schwere Verluste erlitten. 18 Auch Judas fiel; die Übrigen flohen. 19 Jonatan und Simeon holten ihren Bruder und bestatteten ihn im Grab seiner Väter in Modeïn. 20 Ganz Israel beweinte ihn und hielt um ihn eine große Totenklage ab. Sie trauerten viele Tage lang und sagten: 21 Ach, der Held ist gefallen, Israels Retter. 22 Die übrige Geschichte des Judas, seine anderen Feldzüge und kühnen Unternehmungen, die er durchführte, und seine sonstigen großen Taten - all das ist hier nicht erwähnt worden; es wäre zu viel geworden.“

Altes Testament: 1 Makk 9,1-22 EU

Nach Rudolf Steiner wurde Judas Makkabäus zur Zeitenwende als Judas Ischariot wiedergeboren.

"Unter den fünf Söhnen des Mattathias ist einer, der schon im Alten Testament Judas heißt. Er ist damals derjenige, welcher am kräftigsten kämpft für sein Volk, der ganz und gar mit seiner Seele seinem Volkstum hingegeben ist, und dem es auch gelingt, einen Bund mit den Römern zu schließen gegen den König Antiochus von Syrien (1. Makk. 8). Dieser Judas ist derselbe, welcher später die Prüfung durchzumachen hat, den Verrat zu begehen, weil er, der am allerinnigsten verbunden ist mit dem spezifisch althebräischen Element, nicht gleich den Übergang zu dem christlichen Element finden kann und erst die harte Prüfung braucht durch den Verrat. Es steht, wenn man wieder das rein Künstlerisch-Kompositionelle betrachtet, ganz wunderbar da die, man möchte sagen, grandiose Gestalt des Judas in den letzten Kapiteln des Alten Testamentes und die Gestalt des Judas im Neuen Testament. Und merkwürdig ist in diesem symptomatischen Vorgang, daß der Judas des Alten Testamentes einen Bund mit den Römern schließt, alles das vorbildet, was später geschehen ist, nämlich den Weg, den das Christentum genommen hat durch das Römertum, um in die Welt einzutreten. Das ist, möchte man sagen, die weitere Ausgestaltung. Und wenn Ich hinzufügen würde, was auch gewußt werden kann, was aber doch nicht in einem Vortrage vor einem so großen Zuhörerkreise gesagt werden kann, so würden Sie sehen, wie eigentlich gerade durch die spätere Wiederverkörperung dieses Judas die Verschmelzung geschieht des römischen Elementes mit dem christlichen Element und wie der wiederverkörperte Judas der erste ist, der sozusagen den großen Erfolg hat in der Ausbreitung des romanisierten Christentums, und wie der Bündnisabschluß des Judas des Alten Testamentes mit den Römern die prophetische Vortatsache ist dessen, was ein Späterer tut, der dem Okkultisten wiedererscheint als der wiederverkörperte Judas, der da durchgehen mußte durch die harte Seelenprüfung des Verrates. Und was sich dann durch sein späteres Wirken zeigt als Christentum im Römertum und Römertum im Christentum zugleich, das erscheint wie eine ins Geistige umgesetzte Erneuerung des Bündnisses des alttestamentlichen Judas mit den Römern." (Lit.: GA 139, S. 44f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Markus-Evangelium, GA 139 (1985), ISBN 3-7274-1390-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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