Kerdon

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kerdon (auch Cerdo bzw. Cerdon) war ein aus Syrien stammender christlicher Gnostiker, der um 135 n. Chr. nach Rom kam. Mit ihm begann noch vor der Fertigstellung des endgültigen Bibelkanons eine Evangelienkritik, durch die er sich mit der römischen Kirchengemeinde entzweite. Von den vier Evangelien anerkannte er nur das Lukasevangelium und auch dieses nur zum Teil. Wegen seiner rein gnostischen Lehren wurde Kerdon heftig kritisiert, aber nicht exkommuniziert, da die frühchristliche Lehre noch sehr beweglich und noch nicht im Dogma erstarrt war. Als der bedeutendste Schüler Kerdons gilt Markion, der den Markionismus begründete und als Erzketzer in die Kirchengeschichte einging.[1]

Irenäus von Lyon schreibt über ihn:

„Ein gewisser Kerdon, der mit den Simonianern zusammenhängt, kam unter Hyginus, dem achten Bischof apostolischer Nachfolge, nach Rom. Er lehrte, der von Moses und den Propheten verkündete Gott sei nicht der Vater unseres Herrn Jesu Christi; dieser sei erkennbar, jener nicht, dieser bloß gerecht, jener aber gut.“

Irenäus von Lyon: Gegen die Häresien (Contra Haereses) 1,27,1 [2]

Tertullian berichtet[2], dass Kerdon wie Markion das Alte Testament ablehnte, Gott nicht als Weltschöpfer anerkannte und die Menschwerdung Christi leugnete. Er unterschied zwischen dem Menschen Jesus und dem Christus und vertrat er die doketische Ansicht, dass der Christus nicht geboren, sondern nur als Trugbild (in phantasmate) in der Welt erschienen sei und nur vermeintlich gelitten (quasi passum) habe und auch nicht am Kreuz gestorben und am dritten Tage auferstanden sei.

Literatur

  • Eugen Heinrich Schmitt: Die Gnosis. Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur., Band 1: Die Gnosis des Altertums, Band 2: Die Gnosis des Mittelalters und der Neuzeit, Diederichs, Leipzig 1903 Band 1 Band 2
    • Neuauflage: Eugen Heinrich Schmitt: Die Gnosis: Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur, Nabu Press 2011, ISBN 978-1247806891; eBook, Verlag Heliakon 2018, ASIN B07BJBSRLG
  • Hans Jonas: Gnosis uns spätantiker Geist I. Die mythologische Gnosis, Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1934, 1964, 1988 ISBN 978-3525531235
  • Hans Jonas, Kurt Rudolph (Hrsg.): Gnosis und spätantiker Geist II. Von der Mythologie zur mystischen Philosophie, Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 978-3-525-53841-8
  • Hans Jonas: Gnosis: Die Botschaft des fremden Gottes, Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag 2008, ISBN 978-3458720089
  • Hans Leisegang: Die Gnosis. A. Kröner, Leipzig 1924. 2. Auflage 1936. 5. Auflage, Kröner, Stuttgart 1985. ISBN 3-520-03205-8
  • Kurt Rudolph: Die Gnosis. Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005 ISBN 3-525-52110-3
  • Johanna Brankaer: Die Gnosis. Texte und Kommentar, Marix Verlag, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3865399540
  • Christoph Markschies: Gnosis und Christentum, Berlin University Press ein Imprint von Verlagshaus Römerweg 2009, ISBN 978-3940432612
  • Christoph Markschies: Die Gnosis, Verlag C.H.Beck 2010, ISBN 978-3406447730
  • Christoph Markschies: Das antike Christentum: Frömmigkeit, Lebensformen, Institutionen, Verlag C.H.Beck 2006, ISBN 978-3406541087
  • Konrad Dietzfelbringer: Erlösung durch Erkenntnis - Die Gnosis, Königsdorfer-Verlag, Königsdorf 2008, ISBN 978-3938156124

Einzelnachweise

  1. Eugen H. Schmitt, Band 1, S. 508
  2. Tertullian: Die fünf Bücher gegen Marcion (Adversus Marcionem) 1,2 [1]