Kindergarten

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Der Kindergarten ist eine Einrichtung der öffentlichen oder privaten frühen Kinderbetreuung/Kindertagesbetreuung. In Deutschland ist im Sozialgesetzbuch[1] als Aufgabe des Kindergartens „Betreuung, Bildung und Erziehung“ für Kinder verankert. Der Kindergarten gilt als Elementarstufe des Bildungssystems. In Deutschland obliegt die Verantwortung für Kindergärten den Bundesländern.

Eine Gruppe in einem Kindergarten in Alanya

Überblick

Der Kindergarten ist eine Einrichtung für Kinder, die in Deutschland das dritte und in der Schweiz das vierte Lebensjahr vollendet haben und in Österreich mindestens zweieinhalb Jahre alt sein müssen, aber noch nicht zur Schule gehen. In Abgrenzung dazu spricht man bei Einrichtungen/Gruppen für jüngere Kinder zumeist von der Kinderkrippe und vom Hort bei Einrichtungen/Gruppen für Kinder im Grundschulalter. In Anlehnung an Friedrich Wilhelm August Fröbel, den Gründer (eigentlich Stifter) des ersten Kindergartens, wird die Bezeichnung inzwischen immer häufiger auch als Sammelbegriff für alle Einrichtungen der Kindertagesbetreuung verwendet.

In Deutschland besuchen 93,6 % der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren eine Kindertagesbetreuung. Dabei gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern, insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland, wobei die Betreuungsquote in Ostdeutschland über der in Westdeutschland liegt.[2]

Kindergarten in Afghanistan

Der Kindergarten ist in Deutschland und Österreich dem Sozialbereich zugeordnet, in Deutschland gehört er zur Kinder- und Jugendhilfe, in Österreich ressortiert er im Bereich „Soziale Sicherheit“. Damit verbunden ist eine sozialpädagogische Ausrichtung mit einem Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsauftrag. Der Kindergarten ergänzt die Erziehung in der Familie; er eröffnet den Kindern erweiterte und umfassendere Erfahrungs- und Bildungsmöglichkeiten über das familiäre Umfeld hinaus. Im Gegensatz zum Schulwesen hat der Staat in der Kindertagesbetreuung keinen eigenständigen, vom Erziehungsrecht der Eltern unabhängigen Auftrag. Dieser Auftrag des Kindergartens leitet sich vom Erziehungsrecht der Eltern ab und wird ihm durch den (Betreuungs-)Vertrag übertragen. Im Zuge der Bildungsdebatte, die in Deutschland vor allem das durchschnittliche Abschneiden bei den internationalen PISA-Studien verstärkt wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den Bildungsauftrag des Kindergartens (siehe auch Vorschule).

In der Schweiz ist der Kindergarten ein Teil des Schulwesens. Außerhalb der Unterrichtszeiten befinden sich die Kinder zu Hause oder werden in der Kinderkrippe betreut. Der Kindergarten ist je nach Kanton kantonal oder kommunal geregelt.

Dort wird auch manchmal die Bezeichnung Kindergartenschüler verwendet. Sonst werden Kindergartenkinder in der Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg auch oft als Kindergärtler bezeichnet.

Hinsichtlich der Öffnungszeiten kann man grob drei Formen unterscheiden:

  • Teilzeitbetreuung, am Vor- und/oder am Nachmittag
  • Verlängertes Vormittagsangebot, von morgens bis nach dem Mittagessen
  • Ganztagsbetreuung, von morgens bis zum Spätnachmittag. Diese Einrichtungen heißen in Deutschland häufig Kindertagesstätten (kurz Kita), Tagesheime oder Tageskindergarten. In letzter Zeit bieten Träger im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch zunehmend erweiterte Betreuungszeiten an, die sehr früh morgens beginnen (5:30 Uhr), bis in den späten Abend reichen (20 Uhr) und Samstage und Übernachtungsmöglichkeiten umfassen.

In den meisten deutschen Kindergärten arbeiten unterschiedliche pädagogische Fachkräfte, wie Erzieher, Kindheitspädagogen, Sozialpädagogen, Kinderpfleger und Sozialassistenten. In Österreich werden in Kindergärten eigens ausgebildete Kindergartenpädagogen, Kinderbetreuer und Stützkräfte angestellt. In der Schweiz unterrichten an Pädagogischen Hochschulen ausgebildete Kindergärtnerinnen.

Unterhalten werden in Deutschland Kindergärten – regional in sehr unterschiedlichen Anteilen – durch freie Träger oder von den Kommunen. Freie Träger sind vor allem kirchliche Träger, Institutionen der Freien Wohlfahrtspflege, Vereine und Elterninitiativen oder privatwirtschaftliche Träger.

Insgesamt gab es in Deutschland 55.293 Tageseinrichtungen für Kinder. Davon bieten 19.657 eine integrative Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung an. Nur noch 251 Kindertageseinrichtungen richten sich allein an Kinder mit Behinderungen bzw. Förderbedarf.[3]

Alltag in einem Waldkindergarten

Zunehmend werden die Einrichtungen nicht mehr nach Altersgruppen (Krippe, Kindergarten, Hort) oder nach Zielgruppen (Kinder mit besonderen Förderbedürfnissen) getrennt betrieben, sondern in integrierter oder zumindest kombinierter Form.

Pädagogische Kindergartenkonzepte

Viele Kindergärten folgen einem pädagogischen Ansatz, der die allgemeine Orientierung der Fachkräfte und das pädagogische Handeln prägt.[4] Die in Deutschland am weitesten verbreiteten Ansätze sind:

Es gibt auch Kindergärten, die in der Sprache und nach den pädagogischen Grundlagen anderer Länder geführt werden (zum Beispiel französische, italienische oder spanische Kindergärten).

Siehe auch

Literatur

  • Wilma Aden-Grossmann: Der Kindergarten. Geschichte – Entwicklung – Konzepte. Beltz, Weinheim 2011.
  • Wilma Aden-Grossmann: Wilma. Monika Seifert – Pädagogin der antiautoritären Erziehung. Eine Biografie. Brandes & Apsel, Frankfurt 2014.
  • Werner Volkert: Die Kindertagesstätte als Bildungseinrichtung. Neue Konzepte zur Professionalisierung in der Pädagogik der frühen Kindheit. VS-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16173-0.
  • Roberta Wollons, Roberta Lyn Wollons (Hrsg.): Kindergartens and Cultures: The Global Diffusion of an Idea. Yale University Press, 2000, ISBN 0-300-07788-2.
  • Harald Georgii: Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. In: Neue Juristische Wochenschrift. 1996, S. 686.
  • Manfred Berger: 150 Jahre Kindergarten. Ein Brief an Friedrich Fröbel. Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-925798-47-1.
  • Manfred Berger: Kindergarten und Kleinkindpädagogik in der SBZ/DDR. Saarbrücken 2014.
  • Manfred Berger: Der Kindergarten von 1840 bis in die Gegenwart. Ein (fiktiver) Brief an Friedrich Fröbel zur 175-jährigen Geburtstagsfeier seiner vorschulischen Einrichtung. Saarbrücken 2015.
  • Manfred Berger: Die Geschichte des Kindergartens – Etappen der öffentlichen Kleinkindererziehung von den Anfängen bis zur Gegenwart. (Drei Teile) In: Irmgard M. Burtscher (Hrsg.): Handbuch für Erzieherinnen in Krippe, Kindergarten, Kita und Hort. München 2015.
  • Manfred Berger: Geschichte des Kindergartens. Von den ersten vorschulischen Einrichtungen des 18. Jahrhundert bis zur Kindertagesstätte im 21. Jahrhundert. Frankfurt am Main 2016.
  • Catherine Walter, Karin Fasseing: Kindergarten – Grundlagen aktueller Kindergartendidaktik. ProKiga-Lehrmittelverlag, Winterthur/Schweiz 2002, ISBN 3-907578-60-0.
  • Walter Ellermann: Bildungsarbeit im Kindergarten erfolgreich planen. Cornelsen, Berlin/ Düsseldorf/ Mannheim 2007.
  • Günter Erning, Michael Gebel: „Kindergarten“ – nicht von Fröbel? Zur Wortgeschichte des „Kindergartens“. In: Friedrich-Fröbel-Museum (Hrsg.): Sind Kinder kleine Majestäten? Bad Blankenburg 2001.
  • W. E. Fthenakis, M. R. Textor: Pädagogische Ansätze im Kindergarten. Beltz Verlag, Weinheim/ Basel 2000.
  • Susan Herrington: Kindergartens: Shaping Childhood from Bad Blankenburg to Boston. In: Die Gartenkunst. Band 18, Nr. 1, 2006, S. 81–95.
  • Katrin Kogel (Hrsg.), Norbert Kühne (Hrsg.): Praxisbuch Sozialpädagogik. Bände 1–8. Bildungsverlag EINS, Troisdorf 2005–2009.
  • Franz Michael Konrad: Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Lambertus Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-7841-1532-2.
  • Norbert Kühne: Vorschulische Erziehung – Wandel und pädagogische Profession der frühen Bildung. Raabe Verlag, Stuttgart 2017.
  • Ministerium für Volksbildung (Hrsg.): Programme für die Bildungs- und Erziehungsarbeit im Kindergarten. Berlin 1986.
  • Wilma Aden-Grossmann: Der Kindergarten. Geschichte – Entwicklung – Konzepte. Beltz Verlag, Weinheim/ Basel 2011, ISBN 978-3-407-62771-1.
  • Netti Christensen: Einige Bemerkungen zur Frage der Planung. In: Neue Erziehung im Kindergarten. H. 1, 1951, S. 2 ff.
  • Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (Hrsg.): Geschichte des Kindergartens in Bayern. Von der Bewahranstalt zur modernen Bildungseinrichtung. München 2006.
  • Helmut Heiland: Friedrich Fröbels Beziehungen zu Quetz. In: Anfänge des Kindergartens. (= Schriften des Friedrich-Fröbel-Museum. Band 2). Bad Blankenburg 2000, ISBN 3-910013-45-7.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Kindergarten - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
 Wiktionary: Kindergarten – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Achtes Sozialgesetzbuch. 1990-06-26. Abgerufen am 2018-01-21. (de)
  2. Statistisches Bundesamt: Betreuungsquote. Testats, 2016-03-01. Abgerufen am 2018-01-21. (de)
  3. Statistisches Bundesamt: Kindertagesbetreuung. Destatis, 2017-03-01. Abgerufen am 2018-01-21. (de)
  4.  Tassilo Knauf, Gieslinde Düx, Daniela Schlüter: Handbuch Pädagogische Ansätze: Praxisorientierte Konzeptions- und Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen. Cornelsen, Berlin 2007, ISBN 978-3-589-24509-3.
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